Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 954 (22.9.1921)
- Date
- 1921-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis km Lrrouen ^H»m»er»k««Lprris«: d'Umt Ami VUt&m « >»» i m» v •&• §« Nr 954 Wie«, Donnerstag den 22. September 1921 ^r»mr«rrLtto«s»retst r *■ Mt»tsch« St|fW) »»««tNch. . .tHmt Mr- «mmMch...A SR«ImMU|T . . . Ww V_ _. ttiMiwU«: . . . *«( »A. «ch»«g M ftitif« t«*iMk «?»—«««» . . .?«•«•» rÄV2M«A *»W0t9t*Kt*t*nt0 UQ4M 3. Jahrgang ArbeUsgemernschaft. ' > lV >l e », SS. September. •' Oesterreich ist kn schwerste Not geraten. Seine Krone rvidd im Ausland nur mehr mit dem zweihundertfünfzigsten Teil des Friedenswertes geschätzt, die neue Ernte Kann den Bedarf nicht decken, die neue Teuerungswelle droht alle. Erleichterungen hinwegzüspülen. die uns die zwei letzten Jahre gebracht haben., Das Staatsbudget mit seinen Mammutziffern wird' zur Hälfte durch Personalaüslagen, zur anderen Halste durch unproduktive' Zuschüsse, Zahlungen an das Ausland und durch Kursdifferenzen aufgezehrt; für eme Erhöhung der. Lebenshaltung. für kulturelle Aufgäbm und für eine sachgemäße Vertretung im Ausländ. fehlt es an Mitteln. Die Lage, in der die. Bevölkerung den Winter erwartet, ist sehr schwer. Es ist nür selbstverständlich, daß man in allen Kreisen, deren stärkste' Seite das Räsonnement ist, den Schuldigen suchtz obzwar er'schon längst bekannt sem sollte. Es ist aber auch gttt. daß ziemlich häufig die Frage der Zukunft ventiliert und eine Untersuchung darüber angchellt wird, ob es nicht möglich wäre, auf dem Wege der Selbsthilfe dem Uebel der Zeit beizukommen. Dieser Gedanke ist. durchaus gesund; vor allem aber' ist " er ehrenhaft. Es war nicht gut, daß rmsete Politik durch mehr als. zwei Jahre auf Betteleierr ein^estestt war. Wir' haben genug Aktiven, did dem Ausland als Deckung für Darlehen dienen können, und wir? habest Arbeitsfreude und alte Kultur, die Mammen mehr, wiegen! ' als 'Obligationen und nMs zu: ErDMnyM; $; -^Ei:r.mAMWenejä^' W Mch haben und ' die Hnrchhjnen durch ein energisches Zstifaffen jener Kemente vermehren,denen bis heute auch die verfeinertste Steuertechnik nicht beikommen konnte: die Schieber und Bauern. Zwei große Parteien, die zusammen. die Regierung bilden, haben bis züm hetttig.en Tqge es treWch verstanden, diese beiden Kategorien non Staatsbürgern vor dem Exekutor zu Wtzen. Sid Wen 'jede ernste Sanierung des Budgets, die nur durch schärfe Heranziehung der Großverdiener gelingen kann, obstruiert und alle Lasten auf die Arheiterschast und den Noch vorhandenen Rest des Mittelstandes gelegt. Ihre Parteipolitik siegt über das Staütsbewußtseifl, daß sie stets nur bei jenen Klaffen verlangen, die 'im Kkieg''die' stärksten Blutvpfer gebrächt'haben und heute hie schweren Steuern hellerweise .hereinbringen müssm. Die Erregung der Mafien kann-diesem Druck-nicht länger standhalten und das Wort von der'Selbsthilfe hat im Volk, wie wir am Dienstag an einem.Punkt der Großstadt gesehen habev, gerade bM M5ulMgtichsten Ausdxuck gefunden. Es ist wieder' die Parole von den Ostjnden ausgegeben worden und sie hat verständnisvolles Echo geweckt: ■ ■ ■ P ■ Die Ostjuden 'sind feit mehreren Jahren der beliebte Borspänn, den man in jeder politischen oder sozialen Schwierigkeit heranholt, Man hat ihnen alles auf- «lchalst, was der BeMkerung zu Sorgen und Klagen Einlaß gibt uUd da sie als Stiefkinder der Entwicklung Mitteleuropas., ik Ungeklärten staatsbürgerlichen VieriräliiuRe» leben, ist die stetige Drohung mit ihrer CmfeüMy von.mttndfeüigen Wirtsyausschreiern der Majje u!» dar' '-roste 'Heilmittel für alle Beschwerden MMptkn worden. Aber selbst, wenn es keine dumme Lüge üpäK», daß die Ostjuden die Schieberei mit 'mute Zahlungsmitteln beherrschen, selbst wmn es Keme humme Lüge wäre, daß sie ein volkwtrtschüfttick schädliches Element find, wäre mit Um: Ausweisung nicht dar geringste getan. Die L'uiüLelchündelsplätze des Auslandes sind für die der Wiener Radaumacher unerreichbar. Mb ' davon abgesehen, würde der Sturm auf i>it ' Bötsr nicht die schlechten schädlichen Kreise icfefftiv sondern zunächst und! vor allem den Staat, 'ctx huste der größte Valutenhändler ist. Außerdem »ckin wurde die Bewertung Oesterreichs in den Ländern, die nur nach sachlichen Gesichtspunkten, nicht aber nach Parolen einer verlogenen Sentimentalitätsurtellen, iwch tiefer ftnketu *< Die Rettung Oesterreichs ist möglich, aber nur auf dem Weg der rücksichtslosen Selbsterkenntnis und unter Anlegung des strengsten Maßstabes an den Haus- Ver Wea sur Saniermrg führt über emc Ber» i M Räumung des Burgenlandes binnen 14 Tagen. ♦ Londo n, 21. September. Wie das Reutersche Bureau erfahrt» bereite die Botschafter» konferenz ein Ultimatum vor» demzufolge Ungarn in einem Zeitraum von IS bis 14 Tagen das Bnrge«land zu räumen habe» widrigenfalls die strengsten Maßnahmen getroffen würden. Die Art dieser Maßnahmen sei unbekannt. In britischen Kreisen glaube man, daß eine wirtschaftliche Blockade den erwünschten Erfolg nicht haben würde, doch fei über Entsendung von Truppe« noch keine Entscheidung getroffen worden. Ungarns Finanzlage. Rückkehr zur Roten-reffe. Budapest, 21. September. In einer von „Llj Remzedsk" veröffentlichte« Erklärung des Ministerpräsidenten Grafen B e t h l e n heißt es. die Finanzlage sei gewiß eine sehr ernste,' da die an das Finanzprogramm geknüpfte« Erwartungen nicht in Erfüllung gegangen seien; dies bedeute jedoch Keine Katastrophe. Rach einem solchen Zusammenbruch könnten die Finanzen nicht in kurzer Zeit Deordnet Werden: Der Staat werde allerdings bemüßigt fein, übergangsweife wie d e r z n r R ö t e « p r esse die Zuflucht z« nehmen. Dieser Aebergang könne aber nur einige Monate dauern. Bezüglich der in der letzten Zejt aufgedeckte» Mißbräuche werde die Regierung mit vollster Strenge einschreiten, um den guten Ruf und die Ehre des L a n d es auch fernerhru makeLlos zu erhalten. Der Völkerbund verspricht Oesterreich Hilfe. Genf, 21. September. In der zwetten Kommission ergriff Mensdyrss das Wort und gab seinem' Bedauern darüber Ausdruck, daß er nicht schon in der letzten Sitzung A v r n o l in seinem und im Namen der österreichischen Regierung für seine im Interesse der österreichischen Kreditaktion gemachten D'arlegnngen danken konnte. Redner legte zusammenfaffend den Reorganisationsplan dar und betonte hiebei insbesondere, daß Oesterreich wie auch Aoenol die« anerkannt habe, seinen Teil am Plan der Wiederaufrichtung erfüllt habe. Die Verantwortung könne daher nicht die österreichische Regierung treffen. Gewiß seien die Vereinigten Staaten, wie ihr großzügiges Hilfswerk beweise, von der besten Absicht in bezug auf die Kreditaktion erfüllt. Redner halte es für unwahrscheinlich, daß die Vereinigten Staaten sich den anderen Staaten nicht anschließen werden. Immer wieder müsse aber auf die Gefahr der Verzögerung des Werkes hingewiesen werden, die das Vertrauen in Oesterreich untergrabe. Er bitte deshalb die in Genf versammelten Staatsmänner, ihrerr Einfluß bei ihren Regierungen geltend zu machen, damit mit der Ausführung begonnen werde. Nichts werde der Sache des Völkerbundes mehr dienen als die österreichische Aktion, well da die Arbeit der Wiederaujrichtung offen zu Tage liegen werde. einigung sänllicher Parteien, über eine gemeinsame Prüfung der Erforderniffe. Die Sprengung der Koaiüwn, die durch die Christlichsozialen provoziert wurde, hat Schaden genug gestiftet. Es wäre heute für die bürger- Üchen Parteien eine Erlösung, wenn sie von den Folgen ihres Wahlsieges befreit werden könnten und es wäre hoch an der Zeit, wenn die Sozialdemokratie ihren allzu bequemen Platz im Austragftüberl ausgeben würde. Otto Bauer bat in einer vttlbemcrktcn Rede hk Borlagr einetiskuiabtlu Nach der mit Beifall aufgenommenm Rede Mensdorffs dankte H a n n o t a u x dem österreichischen Delegierten und unterstützte deffen Auffassung, daß der Völkerbund im österreichischen Werk einen Beweis ferner Arbeitsfähigkeit werde ablegen können. Redner hoffe, daß sich die Derefnigte« Staaten in allernächster Zeit bejahend werden ausgesprochen haben. Der Völkerbund stehe da einer Force majeure gegenüber. Alles aber, was er tun könne, um das Vertrauen Oester» reichs zu stärken, geschehe. Redner hoff^ düß bitje Besprechungen mit dazu beitragen werden. A d o r schloß sich Hannotaux an und richtete <& Mensdorff die Bitte, der Dolmetsch des Völkerbundes' bei der österreichischen Bevölkerung zu feiru Ter V ö lk erb und habe vom ersten Augenbück uu O e st e r r e i ch gegenüber V e r st a rt fc u i s gehn b t. Die österreichische Bevölkerung solle in die Hilfsaktion das gleiche Vertrauen haben wie »c selllti. Graf Lerchenfeld — bayrljchLr MLnisterprüsident. München, 21. September. In der t eutirmi Sitzung des Landtages wurde zur Wahl des Mnüjnepräfidenten geschritten. Im ganzen wurden 145 Stünmen abgegeben. Hievon entfielen auf den Grafen Lrrchenfeldvb» auf Dr. v. K a hr 20; 30 Stimmzettel waren leer., / Dir Rechte nahm das Ergebnis mll lebhasttw Beifall auf. Der Präsident richtete hierauf an den du Saale erschienenen Grafen Lerchenfeld die Frage, vb « dt« Wahl annehme, was dieser bejahte.^ Morgen nachmlltags wird der Ministerptajidenc das. neue Kabinett dem Landtag vvrstellen uub «ach sem Programm entwickeln. Mit der bayrischen Volkspartei stimm» rn vucd der Bauernbund und die Demokraten, welche drei Parteien somit die gegenwärtige bürgerliche Koatitivn im Landtag bilden. Die bisherige Koalition, der auch die Mittelpartet (deutschnationale Dolksparteij «ugehört hat, verfügte über 110 von den 158 Stimm,i des Landtages. Durch das Ausscheiden bet SHiUfl» partei aus der Koalition würde die bmgttllche Ksslllion auf LO Stimme» herabjinkett. Die Sankttvueu. Lvvdon. 20. September. DaS Ae«ter»che Burr»» Hinein - za wisse«, daß die Verhandlungen zwÜchea berr Englands, Frankeichs und den Verbündeten einerierts n«d Leanatlauds andererseits über die Santtione» nao über die iittsugunu der Beschlüsse des Obersten Rates vom letzten tuuu. betriedigenden Verlaaf nehme«. Finanzprogramms angekündigt. Hoffentlich haben die anderen Parteien den Mut, chre UnzulängÜchlieU zu« zugestehen und der Bildung einer Arbeitrgemeülscha-t die Wege zu ebnen. Das englische Unterhalts bei itzt eine Kommission, welche das Budget, unbeeinflußt von Parteirücksichten, Punkt für Punkt kontrolliert. Was in England wohltätig wirkt^ wird auch in Oesterreich nicht unbillig sein, wird aber bei uns auch einen heilsamen Einfluß auf die politischen Sitten üben Mit IudeukmmaUcn wird uichtr rrlcichl werden