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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-20 · Heft 952 (20.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 952 (20.9.1921)
Date
1921-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die politischenBeschlussedcs XIIAionistenkongrestes Är Karlsbad lassen sich in eine einfache Kernformel Msammenfasien: Wir verzichten auf nichts; weder auf unsere Ansprüche auf Errichtung des nationalen jüdischen Heims in Palästina noch auf die Forderung, in den heutigen Wohnländern ünser volles Recht als jüdische Minoritätsnation und als Staatsbürger zu erhalten. Das jüdische Volk ist reif, sich selbst zu verwalten, es kennt seine Aufgabe und seine Verantwortung. Es kennt aber auch feine Stellung innerhalb des Kreises der Nationen, dem es als vollwertige nationale Individualität angehört, bewußt aller Pflichten, die sich daraus in kulturpolitischer Hinsicht ergeben Der Kongreß hat bestätigt, daß es heute eine bewußte jüdische Politik gibt, daß das jüdische Volk seine Angelegenheiten selbst entscheiden will und kann und daß es sich an Entschlossenheit, seine Fiele Zu «reichen, von keiner anderen mündig e gewordenen Nation übertreffen läßt. > Die Beratungen des Kongreßes litten, wie schon hervorgehoben wurde, unter mannigfachen Störungen, die' sich aus der technischen Konstruktion des Zionismus? leicht erklären lassen. Die Delegierten brachten die ^parlamentarische Schulung von 35 Herkunftsländern mit, sie mußten sich die Verständigung untereinander erst suchen. Aber trotz dieser oft sehr schweripiegenden Hemmungen der/Herkunft, der Sprache, d^r politischen Erziehung, der WeltanMMUNg-drang fä?fün^^ü^dßV pt»B jüM .HtzWM' aus der FeschaÜüng und Erweiterung fernes Besitzstandes in Palästina bestehen msiffe. daß es die Manziellen Mittel aus seinem eigenen Vermögen auf- Zuhringen hat, daß es die jüdische Einwanderung nach Erez Israel gemäß seinen Siedlungsbedürfnissen gestalten und kontrollieren muß, und daß die oberste Instanz ist, allen jüdischen Dingen einzig und allein der Wille des jüdischen Volkes sein und bleiben muß. Der Kongreß /ist die Tribüne des Mischen Volkes und ^e Leitung, die er eingesetzt hat, kann mit . gerechtem 'rptolz daraus Hinweisen, daß alle ihre Akte im Namen eines/großen, von einem felsenfesten Willen beseelten Äölkes geschehen. . r , Der Kongreß hat gezeigt, daß wir eine äußere Und eine innere. Politik' zu führen haben. Wir müssen ünserij . Rechte Selbstverwaltung und gle che Gettiing nach außenhin durchsetzen und wir müssen innerhalb des jüdischen Volkes, wo immer und wie immer es lebt, die nationale Idee vertreten, daß die Drganisieynlg und systematische Erfaffung der Waffen die Voraussetzung für em Gedeihen unserer Arbeit ist, die dem ganzen Volke zugute kommen soll. Die nationale Erziehung der Waffen, ihre Lenkung auf das eine große Fiel der Freiheit bedingt, daß alle Juden innerlich frei werden, daß das Gespenst der Assimilation für immer verschwindet. Unsere Gegner innerhalb des Judentums sind vor Jahren mit dem Sprüchlein von der zionistischen Utopie hausieren gegangen; heute sind sie es, die von der Einheit des Judentums reden und Palästina als das Eigentum der ganzen Nation reklamieren. Aber so oft wir in - den. Jahren seit Sein Remo an sie herantraten und ihre Mitarbeit forderten, hörten wir nur Kritik und mehr minder gute Ratschläge, aber wir sahen keine praktische Tätigkeit. Der nationale Inhalt des Zionismus ist heute für sie der Vorwand, nichts zu tun. Früher war es der. Sultan, der Papst oder.irgend etwas anderes. Wir unterschätzen nicht die poWschen Schwierigkeiten, die sich aus der Lage Palästinas wie nicht minder aus der Lage des Judentums ergeben. . Aber es ist sonderbar, daß wir bei der Bekämpfung aller dieser Henunnisse immer wieder auf die gleichen assimilatorischen Gegnerschaften stoßen. Sind es in Wien die Nichtjüdifchnationalen, so ist es in Paris Sylvain Levtz, in London die Liga d« britischen Juden, die alle wahrlich nichts gegen die Erschließung Palästinas als Abschubort für arme, verfolgte Israeliten einzuwenden Hütten, wenn nicht selbst für dieses sehr herabgesiechte Ziel gewisse Vorarbeiten zu leisten wären. Wir find jahrzehntelang allein gestanden, wir haben üng durch ganze Gebirgszüge politischer Schwierigkeiten einen Tunnel graben müssen und heute, wo Jm *M*Mm W W« 4M -W RM» m Dem Ein Bericht Avenols. Genf, 19. September. In der zweiten Kommission sprach A v e n o l über die ö st e r r e i ch i s ch e Kreditaktion. Er schilderte anschaulich die Lage Oesterreichs nach dem Waffenstillstand und die Ergebniffe der Untersuchung durch die Dreierkommission im War, deren. bekanntes Programm seither vom Völkerbundrat angenommen worden sei Redner betonte die Lebensfähigkeit Oesterreichs, das Vertrauen verdiene, dessen Industrie sich bereits zu erholen anfange und deffen Hauptstadt Wien ein Handelsu n d I n d u ft r i e z e n tr u m Euro p a s zu werden im Begriffe sei. Auch die finanzielle Lage des Staates sei, wenn auch schwierig, so doch heilbar. Oesterreich habe, was beim Wiederaufbau besonders in Betracht komme, einen geschulten Verwaltungsapparat. Es sei mit eineni Worte alles Notwendige für den Aufbau, soweit es aus dem Lande geholt werden müsse, vorhanden. Es müsse besonders, betont werden, daß die ^östMreWM RLgietÜngMenEW^ WWllenM Teil des - Programms loyal erfüllt habe oder inr Begriffe setz es zu tun. In einer hohen Auffassung von Patriotismus haben alle politischen Parteien ihre Mitarbeit bei der Erfüllung der österreichischen Verpflichtungen zugesagt. Das Werk, das hier unter dem Schutze des Völkerbundes in Angriff genommen worden fetz sei die Zusammenarbeit der internationalen Faktoren des Bundes mit einem Mitglieds zur Förderung eine» nationalen Werkes, wobei die volle Souveränität dieses Mitgliedes" gewahrt bleibe. Unglücklicherweise sei jener Teil des Programms, der nicht, von Oesterreich zu erfüllen setz zu l an g s a m fo t tg eschritten. Eine neue Welle der Entmutigung,- gefolgt von einem neuen Sturz der Krone, sei die Folge hievon gewesen. Redner hoffe aber, daß der Rück tri t t Amerika» von s e i n e m P s a n d r e ch t dennoch so r e chtze iti g crf o I gen werdt daß das begonnene aussicht s r r i ch « Werk f o r t g es etzt werden kön ne. Die Rede Avenols wurde von der Kommission mit großer Aufmerksamkeit Mgehört unh^Mit -Beifall 'ausgenommen.'.- - ..../ Mensdorff erhob sich hierauf, um sofort zu antworten. Der Präsident ersuchte ihn, mit Rücksichr auf die vorgerückte Stunde seine Erwiderung zu verschieben. Der Attfstarrd in Indien. London, 19. September. Das Reuterfche Bureau meldet aus Simla: Nach einer Mitteilung des Sekretärs des Home Department im Staatsrat fei die Lage in Malabar immer noch ernst und der Geist der Aufstandsbewegung ungebrochen. »Daily Telegraph" b«ichtet aus Allahabad, daß der Gebrauch von Artillerie gegen die von den Rebellen eingenommenen Stellungen unvermeidlich geworden und daß eine Abteilung Feldartillerie bereits eingetroffen sei. Bei Zusammenstößen zwischen Truppen und Rebellen in der Nahe von Mannerghat sollen die Moplahs schwere Verluste erlitten haben. Die Rebellen haben den heiligen Krieg ^gegen die Hindus erklärt. Diese sollen mit Gewalt zum Islam bekehrt werden. Nilambur befinde sich ganz in der Hand der Aufständischen; alle R e g i er u n g s g e b ä u d e in dieser Stadt sollen niedergebrannt worden sein. Simla, 19. September. Meuter.) Me Lage ist nach .wie vor ernst. Die Verhasturrg des Führers der Hindu, S.arat Al i, hat in Bombay einige Erregung hervorgerusen. Frankreich schließt eine militärische Konvention mit den Kemalisten. London» 19. September. (Wolff.) „Times" melden aus Konftantmopel: Der französische Vertreter Franklin-Bouillon ist mit dem Text des französisch-kemalistischen Vertrages nach Angora abgereist. Man erwartet, daß die nationalistische Regierung den Vertrag bald unterzeichnen werde. Mit Franklin-Bouillon sind drei französische Offiziere nach Angora abgegangen, die, wie in gewiffen türkischen' Kreisen gerüchtweise verlautet, die Einzelheiten einer militärischen K o n v e n t i o n z w i s ch e.« F r a n k r e i ch und A n g o r a erörtern sollen. Die näheren Bestimmungen derselben würden geheimgehalten. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt. dem Blatte noch nicht^ vor. Die franzSsische Ruhr-Armee wird zurückgezogen. Berlin, -19. September. Das »Berliner Abenvblatt" meldet: Die französische Regierung hat am 17. d. M. an die deutsche Regierung folgende Note gerichtet: Die französische Regierung hat die Zurück*^ ziehung der im Mai dieses Jahres in das nichtbesetzte Gebiet entsandten Truppen nach Frankreich beschloffen. Die Truppenbewegung soll am 15. September beginnen und vor dem Ende dieses Monats beendet sein. Das Blatt bemerkt' zu dieser Note» daß es sich hiebei nicht um eine Aufhebung der militärische« Sanktionen handelt, sondern lediglich um die ZurÄck-- ziehung der sogenannten Ruhr-Armee. Demobilifierung in Pole«. Warschau» 19. September. (Flmkspruch.), Irn Zusammenhang mit der Demobilisierung des Heer cs und der Neuorgmusierung des KriegÄTntuisteriüms werden demnächst 8000.OMere in die Reserve versetzt werden. unserer wohlmeinenden Beobachter die mißtönendste Kritik, der schärfste Defaitismus entgegen. Palästina ist zu klein für so viele Menschen, die Arabergefahr besteht, die Häfen sind unentwickelt und das moderne Weltkäpital wird nichts riskieren wollen. Wir werden die Probe zu bestehen haben. Wir werden die ungeheuerlichen Geldmittel von der Nation verlangen, wir werden uns mit den Arabern auseinandersetzen und wir werden der Welt zu beweisen haben, daß wir kreditwürdig sind. Wir haben ja in Palästina schon etwas geleistet; was an wirklichem Leben sich regt, entstammt unserer Initiative und der mühseligen Arbeit unserer Itlgend. Die Zukunft tarnt» wir aüe mchtz Aber wem EMdMsMM lLM Opfermut und moderne praktische Erziehung irgendetwas erreichen können, so muß sich das bei Ms zeigen. Es ist zuzugeben, daß viele Fehler und Bersäumniffe vorgesallen sind. Aber das ist in der Feit des Krieges geschehen, in der nicht bloß die Zionisten Fehler gemacht haben, in der ja große und müchtige Staaten zertrümmert worden sind. Wir haben Msere Fehler eingesehen und kennen auch ihre Quelle: de« Krieg. Sie zu beseitige«, appellieren wir au unser Volk, das uns nicht im Stich lasten wird. Wer gläubigen Herzen» Mitarbeiten wUtz ist wiltkommeu. Aber die Grundbedingung bleibtz daß wir als Volk, als jüdisches Volk, au die Acktir mr da» Wfichr

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