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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-18 · Heft 950 (18.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 950 (18.9.1921)
Date
1921-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis P»MstA««r«ti»«»preise: 8*»' SÜ»tz»!s» iti 'in *♦»!*, ' frrwTHmf*« - ■ m*xWi-: »SU K» ME ««» . fep«ftar«cMi. .' IS».— HL»»»ktch . . tttMi 1*.- ftejurtU» , -- thhfMaa )♦,-> ' Mfcani . .,«<**• - •„ i9r> Krone« frWMCiMP Emzelprers a» Krone« »MMIVWWl»« »>>>. MI»»»«» i^'-^^s1^!MM»WNWWW»»iW« PrännmerntionSpreife: Httem . . sm»~ * Miaift« »3|nm« . . . . Mark 14,_ . k)ra»?re!ch: ««»»ittch. . . Shtanri «. - M»naNtch. . /. SJHrc 0 — A»«S«k»: Ms»«»lich. . . %ti LS. »chwr^H ». d«< >!2Si«L» M»r»l»«lich. . . Prrms« p,^. r-r«eh»»«- L»rr« •fc «S» «ftcxfe# Ä* ISA»» Hki>fts4!«pk«ne«irr!ta I60uf%r fi-r;. 950' Wien, Sonntag den 18 September 1921 3. ZahrganH mm asm Weise so viel Oel ins Feuer gösse. Wie oft erlaubt die Sanlttionsfrage der Presse der Rechten, die öffentliche Meinung zu entflammen, nicht nur gegen Frankreich, sondern gegen die Demokratie, der sie Schwäche vor- ' wirft! War das nicht ein Irrtum Ihrerseits, nach der Annahme des Ultimatums die Zwangsmaßnahmen aufrechtzuerhalten? Aber die ernsteste Gefahr für Deutschland ist O b e r s ch l e s i e n. Wir stellen zweifelsftei fest, mit welcher Angst die deutsche Bevölkerung ohne Unterschied der Klaffe die Entscheidung des Völkerbundes erwartet. Wenn diese Proyinz, die ihre Entwicklung der deutschen Arbeit und der deutschen Industrie verdankt, nicht bei Deutschland belassen würde, könnten wir einen neuen Ruck nach rechts nicht vermeiden. Glücklicherweise sind die Parteien von den Linksradikalen bis zu den Alldeutschen darüber einig, den Bogen nicht allzu straff zu spannen. Ich hatte mit den Vertretern der deutschnationolen Partei eine Unterredung; sie versprachen mir, ihre Preßorgane zur Mäßigung-auszufordern. Auch die KoWMuyisten sagten dasselbe/ Das -sind günstige Rnzeichen. Ich neige, daher dazu, zu denken, daß,, wir in eine Zeit politischer Beruhigung in Deutschland Kommest weWst, 5 die es Deutschland gestatten wird, sich durch Arbeft wieder zu erholen und seinen Verpflichtungen Frankreich gegenüber nachzukommen. Paris, 17. September. (Wolfs.) Der Berliner Berichterstatter des „Matin" hatte mit dem Reichsminister des Innern Dr. Gradnauer eine Unterredung, worin dieser unter anderem sagte : Die deutsche Regierung hat sich mit zwei Gefahren zu beschäftigen', mit dem B o l s ch e w i s m u s und mit dem M o it archism u s. Der Bolschewismus kann im Reiche noch lokale Aufstände und Beunruhigung Hervorrufen, scheint aber viel von seiner Ansteckungs- Kraft verloren zu haben. Gegen die monarchistische Gesah r dagegen muß d i e R e g i e r u n g sehrwachfam s ein. Unglücklicherweise verschaffen die sehr ernsten Schwierigkeiten unserer auswärtigen Lage unseren Gegnern ein scheinbares Argument. . . " . ‘ ' Sie werfen der Berliner Regierung vor, daß sie keinerlei Erfolge auf dem Gebiete der auswärtigen Politik buchen kann. Briand erklärte eines Tages: Wenn wir der deutschen Demokratie das Leben so heiß machen, laufen wir Gefahr, auf der anderen Meiteldes! ..Mßtts-'da«.MLederiyrMelEdesRationülis- "müs hervorAWen, Das ist die volle Wahrheit und .ich h e greife, baß die z a h I re t ch q it nt o »* f a r ch istisch e « M u n d g t b u n qtn Fi a n kr e i ch beunruhigen. Diese Agitation wurde bald verschwinden, wenn die Entente nicht auf indirekte Aus Palästina. Die Hälfte des palästinensischen Bodens unkultiviert. Jerusalem, 15. September. (Jüd, Korr.-Bm.) Die von der palästinensischen Regierung im August 1920 ernannte B o d e n K o m m i s s i o n zur Untersuchung der Bodenverhältnisse im Lande und zur Feststellung der Größe des zur Kolonisierung geeigneten Bodens hat soeben ihren offiziellen Bericht der Regierung unterbreitet. Diesem Berichte Zufolge sind 50% des Zur Kolonisierung geeigneten Bodens noch nichtkultiviert. Beduimsche Banden am Iovda«. Jerusalem, 14. September. (Jüd. Korr.-Bur.) Die in der Nähe , des Jordan gelegenen jüdischen Kolonien, insbesondere P o r i a h und I a b n i e l, leiden letztens sehr von beduimschen Räuberbanden. ' Die Kolonisten leben in fortwährender Gefahr bedumischer Ueberfälle. so daß sie sich , nicht einmal auf ihre Felder hinquswagen, um die nötigen Anbau-; arbeiten zu verrichten. Herbert Samuels Konferenz mit den arabischen Vertreter». Jerusalem, 16. September. (Jüd. Korr.°Bur.) Im Nachtrag zu der von uns seinerzeit gemeldeten Einladung der Vertreter der mohammedanisch-christlichen Gemeinden berichtet die palästinensische Presse: In mm seiner Eröffnungsrede erklärte Sir HerbertSa m u e l, daß die jüd rsch en Vertreter nich t' ringe l ad e it wurden, da er bereits G e l e g e nh e i t h a t t e, mit ihnen zu k o n f e r i e t e il Er fragte, ob das Komitee wünsche, die von ihm aüsgearbeitete K o n st i t u t i'oit für Palästina, die setzt in London erw o g en wird, zu diskutieren. Ein 'Teil der Komiteemitglieder erklärte, daß sie sich nicht als kompetent betrachten, die Angelegenheit zu diskutieren, da sie keine gewählte Körperschaft sind, die gewählte Delegation weile jetzt in London. Aus diesen Gründen ziehen sie vor, ihre Meinung über diesen Gegenstand nicht auszudrücken. , Die Not der Palästina-Wanderer in Konstantinopel. Die Folgen der Ejnwandernngsfperr«. Konstantinopel, 15. September. (Jüd. Kvrr.- Bur.) Die hier weilenden Palästina-Wanderer begegnen immer wieder neuen Schwierigkeiten. Der britische Paßkontrollvffizier erhielt aus Palästina n e u e Instruktionen, nur solchen Auswanderern Bisa Zu erteilen, deren Zertifikate noch v o r h e m 1. Juli ausgestellt wurden. Die Emigranten, die im Besitze von später ausgestellten Zertifikaten sind, können daher ihre Reise nicht > s o r t s e tz e n. Die Mehrheit dieser Auswanderer, die aller Mittel entblößt fiitb, befindet sich in großer Not, da der Joint ihnen jetzt nicht Helsen kann und auch das Palästina-Amt mangels entsprechender Fonds stoch nicht in der Lage war, die notwendige Hilfsarbeii. zu organisieren. KvnsoNdierungsVersnche. v'. W i e n, 19. September. , Deutschland seufzt unter der Last seiner Reparations' verpstichtungen. Die Härte Notwendigkeit, ungeheure Iahresfummen an die Alliierten zu entrichten, macht sich, empfindlich fühlbar, ein Valutenspskulantentum, das in Oesterreich sehr vertraut anmutet, die unausbieihliche Folge einer kranken Wirtschaft, hat eingesetzt und. die deutsche Mark hat auf dem Weltmarkt einen bedrohlichen. Tiefstand erreicht. Frankreich weigert sich ^orläusiq noch, die für den 15. d. M. in Aussicht gejtt'stte. Aufhebung der wirtfchaftliüien Sanktionen durchzufsil^eti und fo üleibr DeutWanh bis auf weiteres uriter der drückenden Kontrolle der, Allierten in seinem siyMno.tsstüellen Rheingebiet. Für die deutsche Regierung lumdelt es sich heute darum, einen Ausweg ans einer A'ttnaüon sn finden, welche die Aufbringung gewaltiger Goldchitte!... notwendigmacht, deren Ankauf eine neue LL'pierene Myrkfiut in den Verkehr bringen und die Wirkung zeiligen müßte, die deutsche Valuta neuerlich hrräbzudrücken und den Preis- und Lebensstandard hn Weiche eylpfindlich zu treffen. In dieser Situation istdix-'ÄyMustg. qusgeiaucht und bereits aufgegriffen würden;', die, deutsche Großindüstrie und die/Gwß- HHKsn.'ManzMehyr,^ und mit Hilfe ihres/Devisendem Reiche die MiM 'MslhMrte, zu schaffe^ . Wr' Lstteressänte Vorschläg ist bisher aus dem GMust^ches' ^PrHlkts^ niM Wsstsgehönünm,/.,unb' rs eKhest Hch HeberHst^' Myerfchs wird bezweifeL;^ ob das deutsche Privatkapital big..nötige Kratz aujhrinAen. kanm um dif GMcherte entsprechenden "Höhe > berestzustellen, deren Diütfchland, bedarf, und auf dH Mtzen. Seite begegnet Mst diesem Borfchläg der privätetzOevisenausbringung mit KemlMr Mepsis^ indem man zuerst Klarheit darüber' .fordert, Me die vom Reich übernommene Goldänle.ihe durch Stenern gedeckt werden solle, und die Sozialdemokratie ist geneigt,' auf ihrer Forderung >-ach dstekter'Erfassung der GoldMrtc zu beharren. Aus. jeden 'FtzÜ -ist;die...Bereitw'WWit der Dank- und I?:dufttiekreise Deutschlands ein, Symptom dafür, daß sich d*r Gedanke, der Selbsthilfe Bahn machen will, -und es zeigt sich hier . eine Aktivität, die Oesterreich c-ls Muster, dienen könnte. Die Stellungnahme der deutschen Bank- und Irchustriekreise.ist. jedoch auch nach ihrer politischen Brdeurung em^uschätzen.. wobei es sich freilich fragt, wie groß.- die Kreise der Schwermdustrie sind, die bereit^wären, einen solchen Weg zu gehen, der die D:erkennU»g der. aus den Verträgen erfließenden 6rrps!ichtungen in sich schließt. Die deutsche Schwerindustrie hat, sich bisher als ein Zentrum der deutschen Reaktion M .erkennen gegeben; aus ihren Fonds sind alle jene Unternehmungen verschiedenster Art gespeist morgen, welche die Sabotage 'der Friedensverträge bchwscken» und. sie steckt hinter jeder Bewegung, welche, darauf abzielt; Unruhen zu erzeugen, und jedem Herjüch,; mit Frankreich zu einem Einvernehmen zu', gelangen, die Spitze abzubtechen. Die deutsche Maktiön ' wäre me so üppig m die Höhe geschossen, wenn' sie yicht den Gvldsegen jener für sich gehabt häilc, die' sich am Kriege fettgemäsiet haben und die yeschworenen Feinde der neuen Ordnung sind, die noch immer eine verzweifelte Aehirlichkeit mit der alten Ordnung, hat. . .! Ein solches reaktionäres Zentrum sst eben jetzt aufgeäeckt worden und der Konflikt zwischen Bayern und-, dem Reich hellt die unterirdische Maillrvurfsarbeit auf, die noch immer in Deutschland verrichtet wird. ,Kie Enthüllungen des deutschen Reichskomttiissärs AZeißmann, daß die llmsturzgruppe der Kapp- und Ehrhardt-Leute in Bayern ihren geschützten Schlupf- Winkel gefunden hat und in intimem Kontakt mit der bayrischen Negierung stand, werden in Bayern mit' Emschiedenheit ‘ dementiert mrd die ungarische Geslyidtschastist Berlin fährt mit einer ErÜarstny s die Mitteilung eines deutschest/Blastes auf. es fei nicht, wahr. daß.Horthy lemäE'ist' Mldß Neubeuren.' destr Sitz einer umslWttiMt.Ädelssippe. als Gast geweilt habe. An der : RlMWit dieses Dementis ist in der Tat nicht zu zweifelst. Damit aber wird die Tatsache keineswegs .aus der Welt geschasst» daß die süddeutsche NchMlZ» M lauae« ei»« SM« plant, der itt einer bayrisch-magyarischen Allianz mit Einbeziehung Oesterreichs führen soll und es gibt manche Fäden, die emsig von Budapest nach München gesponnen wurden, wobei man stets auf die heimlichen Helfershelfer in Oesterreich zählen durfte. Es wird sich bald zeigen müssen, wer in diesem Kampfe, der zwischen München und Berlin geführt wird, Sieger bleibt. Denen um Kahr, dem schon die bewußten Vertrauens- Kundgebungen zuströmen, geht, es letzten Endes nicht um die Auftechterhaltung des Ausnahmszustandes in Bayern, dieser ist vielmehr eine Vorbedingung für die ungestörte Fortsetzung des dunklen Treiben«, tag fette» Endes auf den Sturz der Republik abzielt und mit allen reaktionären Kressen in Mitteleuropa in ständiger Fühlung steht. Budapest und München sind die beiden Brückenköpfe der mitteleuropäischen Reaktion und Herde neuer Unordnungen. Wenn es den Republikanern in Deutschland sticht gelingt,-diesen Umsturzgeist zu bannen, wodurch quch Horthy-Ungarn isoliert , würde — so werden alle seine Bemühungen, sich aus dem Wirtfchastselend emporzuarbeiten, auf stets neue Hindernisse stoßen und auch die Bestrebungen des gutgesinnten Teils der deutschen Bank- und Industriekreise keine Lösrmg fctttgeii können. f

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