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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-17 · Heft 949 (17.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 949 (17.9.1921)
Date
1921-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MuMpreis 3» Kronen Einzelpreis S Krone« P«O»UW<Mtio«spveiso: W'i««r'-W»» m tz« 9g**mm. *. ««M, s**- - .. ■ WUWWMDIWW * WWWWW» KW^,- »«.»«tch . «mm«!••,-? Jtnrrtii* St*K*tiui» - .Swmmi Ä~ lAHfl^W WvfWM^j ,iMMR R- —-. *- m—- „ ..—■ - —- - .010^» nGljüMi« Ar. S4S Wie», Samstag den 17. September 1821 Pr仫»erati»«Spreifer O»i«»; «m—tttch. . . . Jfct MU: e»w«tz «, M **i* «itMrt . . . Hv«»«D »,— «WRWNK2 LNeLLiLKL V»D»»«n»»g«kOm» tLo.e« 3. Jahrgang Militärische Beratungen in Pretzbnrg. Prag, 16- SepteMber. Nach einer Pretzburger Meldung fand dort unter dem Vorsitz des LLttdesMiliLürkommirndÄNten der Slowakei Generals S y ir ä eine wichtige B e r a.t tz n g statt, zu der sich auch Mitglieder der Ententewission einfanden. Gegenstand der Verhandlung waren dringende Fragen in Sachen W e st « u g a r « s. Unsere Aktion gegett den OptionsLerror. Bor einiger Zeit habsrr tvir einer Char-akLeristik der Optionspraktiken unseres rassenMlzen germanischen Bundesministers des Innern " Dst..; W' n. 6 e t" die Aufforderung an die um ihre MeHien Opti^ns- - ausprüchc gebrachjen BewecLer um M österreichische Staatsbürgerschaft. folgen lassen, uns Ms ihren Falt betreffende Material zur Verfügung.M-stellen, um die Grundlagen für eine Intervention: W^di^ser Frage 'zu ' erlangen. Ünfervr' Aufforderung' haben zahlreiche Äser- Folge geleiMt und die aps ,bem bisherigem Einlauf gewonüenertMUdrü^ -sind überaus lehrreich.- Mser. MopM-keiM Wmgchnngen des B r Ln u e r.>MaatöM'trageö):.er, weist ruhig Optanten ab, die seit fünfzig Iahten in Wien leben und sein Dekret lehnt Leute ab, die mWien-ober sonstwo in Oesterreich geboren sind Lnd^'-keine ''aWere. Sprache sprechen als die deutsche. AuchFunktionäre, die . in < öffentlichen Steftungerr beschäftigt sinh,Und zeit Jahrzehnten in Wien domizilie-rern hat "Mrhers Verdikt getroffen. Daß einzeme Familien auseinandergerissen werden, indem der Vater und'eine Töchter zum Bei- .spiel zu Oesterreichern, gemacht werdest) während die übrigen Kinder dieser „Gnade" verlustig gehen, macht die Sache nur noch pikanter und die Frage eines Mgewiesenen Dr. - juris, eines Absolventen deutscher Schulen und der Wiener Universität, ob seine 70sührige Mutter, deren Option bestätigt wurde, von „deutscherer". Rasse sei als er selbst, ist nicht ohne Berechtigung. Aber unseren Wader lassen alle diese Unmöglichkeiten kalt und es wird nötig seins die Augen des Auslandes auf diesen Skandal zu lenken. Wir sind keimreswegs gewillt, die. Sache ans sich beruhen zu' lassen und ein Präjudiz ein treten zu lassen, das .offenbar bestimmt ist, die Entrechtung der Juden nach horthymagyarischem Beispiel auf pseudvgeseßlichenSchleichwegen in Oesterreich zur Tat werden zu lassen. Zur Ausführung der von uns geplanten Aktionen ist die Beistellung eines möglichst lückenlosen M a t erials erforderlich. *. Alle Optionswerber, welche trotz berechtigter 2lnsprüche aus Aufnahme in den österreichischen S t a a t s v e r b a n d vom Bundesminist e r i u m des I n n e r n mit der Begründung abgewiesen wurden, .daß sie den Nachweis der Zugehörigkeit zur deutschen Rasse und Sprache nicht erbracht haben, wollen sich ehestens schriftlich an die Redaktion der „W iener Morgenzeitung* mit genauer Darstellung des Falles. An« gäbe der beigebrachten Dokumente, Schtrlzeugnisse, tarier des Aufenthalts in Oesterreich usrv., wenden. Der VöLkerbund. 16. September. Die Bölftrbuvdversami-nlunAbeend rte in ihrer heutigin Sitzung die Besprechung des Tatrgteits« beuchteS. Z«m vierten Ersatzuchter in drn Jntemw vnalm Geüchishvf wurde ReichMun Mörwegen) gewählt. Der Präsident würdigte hierauf n eiu^r Imzen, mu große« Beifall. aMrnömÄenen Absprache die' Bedeutung - der voll» .;ogcnkw Wahlen: Möge «S, rrkhLtte, tt&V. re tfj t t-a f e f »:v 1 e n R e ch f i « b e n He z.'i e h u n g‘t n,f>,e r S,fta a^t>eMz u'e.MÄ e r; u m' S i 'e g e z Ü .v.-'e'’p ß t i i t;£ Ar,f HvrschM-HesftMo^ . iKolumbien) miid dir Konstituierung des Gelichtshöses allen Staaten der'Weh -telegräphrschsMtgetttlr., . fi: l6.MkPirrnber^ Ist. einem verspätet emgekangten Telegrammteilen s die nördamrrckamschen Müoliedec des Haages Schiedsgerichtes-dem.Generalsekretär des Völkerbundes mu. daß ste kcjne Äandldäie» für den inurnationalen Gerichtshof iestnetten fönnkn, da die Bereinigten Staaten den ^riedeusvirirag nicht ratrstziert haben. - - Das Wiesbadener Abdommen. Paris, 16. September. Vor der Frganzkomnrission der Kammer erstattete Lvucheur Bericht über die ' jüngsten Verhandlungen in Wiesbaden. Nach dem „JournaL" kam-Lau cheu r im Laufe der Debatte auf die Möglichkeit der Zah lnn gSernste l t ung durch Deutschland zu sprechen und trat für die Schaffung einer Ko üt ro lle der deutsch^n/S taatKl.fch:U ld und der Ue ber wa.chun g-des:.UuH fuh'v-. h a nd e Hs ein. Loücheur e-rwähnie, .daß die Älliierterr bisher derartigen. .Kontr-ollmaßnahmen nicht. günstig gegenübergestanden seien, doch , sei anzu-nehnlen, daßsie heute gleichfalls der. Politik der Garantien zuneigeu. Das Wiesbadener. Abkommen, sei den französischen Interessen günstig. Sobald das deutsche. Parlaurent das - Abkomtnen genehmigt haben werde, werde die Ratifizierung durch Frankreich erfolgen. . Griechische Niederlage. London, iß. September. (Tel.-Kornp.) Wir der Korrr» spondent des ..Daily Expreß" ans Konstantinopel meldet, haben die G>'echrn uruerdings eine sedr erufie Niederlage erlitten, doch scheinen die Kemalisten nicht stark genug zu sein, um ihren Sieg «lusznnutzen. Das Dalutenelend. .... k. Wiev, 17. September. Dar östeneichische Problem, das durch die Er-' sigmffe der letzten Zeit, die Exzesse aus der Börse, welche die ausländischen Zahlungsnnttel zu ungeahnten Höhen emporschnellen ließen, die Entwertung der ysterreichischen Krone und eine wahnsinnige Teuerungswelle, einen besonders akuten Charakter anzunehmen droht, beginnt nunmehr auch das Ausland ernst zu beschäftigen. Verschiedene Aeußerungen der französischen Presse bezeugen, daß das Ausland an unseren Röten nicht achtlos vorübergeht. Anderer- Ms ist aber..ersichtlich, daß man dort der Frage der lZaniexung.äOesterreichs nicht ohne Bedenken gegeniibersteht mnd eine größere Aktivität von Oesterreich selbst erwartet, wenn die von cher Entente so oft ver- HtocheNe Kreditaktion ihre Wirkung zeitigen soll. \ ' Zn der Tat ist zu sagech .W man sich hierzulande GM sehr daran ' gewöhnt----/H) alles Heil von den Krediten des Auslandes zu erwarten. Seit Monaten Mrri alles, wie von, emer Suggestion ergriffen, nach dem Westen, flaumacheüsche Notizen gehen durch die Mrsenplesse, aus welche die Regierung mit orakelnden Commr.mi.au6s anttvortet, bte; sich allzu oft wiederholen, um-noch Glauben finden zu können. In dieser Atnw- Wche des ällgemeinen Mißtrauens zur eigenen Kraft .finden d'e skrupellosen Plusmächer willkommene Gelegenheit zu. mühelosen Beutezügen^ und. die Zeche muß der. Mfttelständler. der 'Fixbesoldete, der Arbeiter bezahle^ der die schwachen Grundlagen seiner kümmerlich Existenz yvllends schwanken steht und sassungsneuen Teueküngswelle steht, der M nesten Lühnsprherungen nur MchzuhMen vermsgen.v h ' ^xdir sind m Listen völligen,Oircülus vstiosus HDstigeraten: Die sinkende österteichische Kroux^ läßt aH^stechden^Zühlungchniiiel in die Höhe schnellend und ring - und die BalutenspekulaÜon w-rkt in .der gleichen Aichtnntz und drückt wiederum den Wert-unseres Geldes, weil das Ausland sieht, wie gering das Vertrauen des Inlandes zu seiner eigenen Währung ist. So ist die Erscheinung zutage getreten, däß' zwischen dem Auslands- und dem Inlandswert nm eres Geldes eine immer stärkere Spannung zululgunften dieses eiugetreten ist, die als völlig fibnormq! bezeichnet werden muß. Die Regierung bat .unter dem Drängen der Parteien Repressalien in Aussicht gestellt. welche die schrankenlose Raffgier aus der Börje in Schranken batten sollen. Aber dies allein ist nicht ausreichend,! wenn dem völligen Ruin Einhalt getan werden soll. Die Forderung der französischen Presse, den Beamtensrand abzubäuen und die Abgänge im Budget aus solche Weise zu beheben, ist leichter erhoben als befolg^ die Pensionierung der Beamten, die ja nicht auf die Straße gesetzt werden können, kann keine nwmentan wirkende Entlastung bedeuten und eine tteberleüung der Ueberzähligen m produktive Berufe wich, hei hem augenblicklichen Stand der Dinge in Oesterreich schwerlich zu bewerkstelligen sein. Was aber den Finanzplan anlangt, den Finanzminister Grimm vorlegt, so hat er sich die Sache eavas leicht gemacht, denn es kann nicht genügen, den erhöhten Brotpreis mit dem Rechenstift in der Hand aus Arbeiter und Produzenten abzuwälzen, die ohnedies präzis arbeitende Lohnforderungsschraube von Staats wegen zu ölen und die auf den Export angewiesene Industrie in einer Zeit der wachsenden Arbeitslosigkeit zu droffeln. Die Regierung hat bisher alle JnUiative, Groß- Mgigkeit und die fest zupackende Hand vermiffen lasten. Sie wird von dem Druck der Parteien, welche noch immer NW begriffen haben, daß es heute ums Ganze geht und eine beschränkte Jnterestenpolitik nicht am Platze ist, geschwächt und schont den bäuerlichen Grundbesitz, .den sie, mit Handschuhen anfatzt, während der Städter durch die volle Wucht der Steuerschraube iiSkMalyrt zu werden droht. Der solide Kaufmann» der unter den ungesunden Verhaltnisten, da unserer Valuta jede SlaWtch fehlt, naturnotwendig bei seiner Kalkulation znm Pälustrspekulanten werden ipüß und besten Besitz, idweir er .nicht in realen Werten liegt, nur eingeti* sekr Ge«On b« 6nlwfitung des Gefdes ,nW ,die Wage halten kann, darf nicht das üsiemide. Objekt der Besteuerung bleiben und eine weitere Belastung des Arbeiters uud Mittelständlers könnte katastrophale Folgeerscheinungen zeitigen. Solange nicht die wahrhaft Besitzenden erfaßt werden und keine Grundlagen für unseren wirtschaftlichen Wiederaufbau im Innem selbst geschaffen werden, werden wir nur schwerlich aus unseren Nöten herauszukommen vermögen. Das Wettern gegen die Valutahyänen wird ebensowenig ausreichen wir Gewaltmaßnahmen, die nur von augenblicklicher Wirkung sein können es wird sich darum handeln muffen» das Vertrauen zu unserer Kraft und den Glauben an unsere Zukunft in d« Bevölkerung wieder zn erwecken, und dadurch wird mehr erreicht werden als durch Gewalt oder den Appell an das — fehlende — Gewissen der Plusmacher um jeden. Preis. Die Ueberzeugung, daß etwas geschehen muß, das mehr ist als ein Flickweck, ist längst ein Gemeinplatz geworden. Dilettantische Finanzpläne. sind kein Heilmittel für die österreichische Krankheit. Der Wege zm, Sanierung gibt es verschiedene und nicht der letzte wäre der. die Großbanken, die heute vielfach als > Helfershelfer dienen, um unsere Werte dem Ausland in die Hände zu spielen, zur Produktivierung Oesterreichs heranzuziehen. Ob Here Grimm nach den bisherigen Erfahrungen der rechte Man» ist, um denneuen Weg zu finden, ist allerdings eine Frage, die nicht ohneweiters bejaht werdev kann.

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