Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 948 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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MMr5FkeiM Weiter «-ese»-rmt«U 16* Septemdet ISEf, --- Warm« Frankreich -ie Sanktionen nicht ansheben will. Paris, 15. September (Tel.-Komp.) Bekanntlich sollte der 15. September der Tag sein» an dem dse seinerzeit «brr Deutschland verhüugteu wirtschaftlichen Sanktionen aufgehoben werde» sollten. DaS " Pariser o «r n a 1" veröffentlicht nun heute an leitender Stelle einen augenscheinlich! Aspirierten Artikel, in welchem versucht wird, zu erklären, war»« die Aufhebung der Sanktionen nicht erfolgte. Es heißt indem Ärtikelunter anderem, daßdieNlchtanshrLungderZwangsinaßnahmeu ausschließlich Deutschlands Schuld sei, da Deutschland weder l das Recht der Kontrolle seiner Aus« und Einsnhr anerkannt, noch auch Frankreich daS Recht der Gleichbegünstigung zugestanden habe. Durch letztere« Umstand sei der deutsch-sranzö« sische Handel fast völlig lahmgelegt worden. Wahrend Deutschland England »nd Italien gegenüber das weiteste Ent« gegevkommeu bewies, habe man französischerseits den Eindruck, als ob Deutschland systematisch die französische Ausfuhr boykottiere. Dieser Umstand, sowie die Tatsache, daß Deutschland bisher die Errichtung eines Kontrollbureaus für seinen Import «nd Deport abgelehnt habe, da es darin die versteckt« Anfrechterhaltnng der Sanktionen erblicke, mache derzeit eine Aufhebung der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen unmöglich. Im Zusammenhang mit dieser Frage bringt das Blatt auch den Bericht 8 o « che« rs, den dieser heute im Finanzausschuß der französischen Kammer über eine Verhandlung mit Dr. R ak h e n a u erstattete. Dieser Bericht war bis jetzt streng g eh e i« gehalten worden. v Di« Angst der englische» Industriellen vor der dentsche« Konkurrenz. r Lands», ]5. September. (Tel.-Komp.) „Daily Mail veröffentlicht hente das Ergebnis einer Enquete bei sührrnden Industriellen und Wirtschafts- Politikern, in der gegen die infolge des V a l n t enmini m u m s entstandene dentsche Konkurrenz Stellung genommen wirb. So schreibt unter anderem der bekannte Nothinghamer Industrielle Harald B o w d o n. daß der Tiefstand der deutschen Valuta es England unmöglich mache, weiter mit deutschen Erzeugnissen zu konkurieren. So werde Skandinavien von deutschen Agenten mit deutschen Waren überschwemmt, die zum Teil tann als neutrale Ware deklariert, nach England inrportiert werden. Ang'sichts dieser Lage müffr man von einer schnür n Beeinträchtigung des britüchm Außenhandels svrechen und könne darin auch eine Ursache für die große Arbeitslosigkeit in England erblicken. Der britische Handel könne sich nur erholen, wenn die Kurse wieder stabilisiert seieu. In ähnlichem Sinne äußert sich auch N y l a n d §. >er Präsident der britischen Fabrikantrnvereiniguag, der in seiner Antwort aussührt, daß der gegenwärtige K u r s st u r z für Deutschlands Außenhandel außerordentlich günstig sei. Deutschland könne zwar augenblicklich keine englischen Waren kaufen, sei aber der s ch ar f st e K o n k u r r ent für Englands Außenhandel. Diese Zustände können nur dann sich ändern, wenn die M a r k wieder ihren normalen Stand erreicht haben wird. Tagesbericht. Eine Aerztetagrmg in Karlsbad. Die jüdischen Arrzte, die am XU. Zionistrnkongreß. als Delegierte und Gäste tcilnabmen, habe» in-ibnr auf Initiative von Stabsarzt Dr. Hermann Mayer (Wien) abgrhaltcnen Tagung folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die bereits vor dem Kriege bestehende „Gesells ch a f t j ü d i s ch e r A e r z t c u n d N a 1 u r f o r s ch e r für sanitäreJ» t e re s s e n Palästina s" wieder;« aktiviere». 2. Alle jüdischen Aerzte in den verschiedenen Ländern arrfzufvrdrrn, sich in Landesverbänden jüdischer A rzte zu organisieren, die als solche sich dem Verband anschließen sollm, wo kein Verband aufzubringen möglich ist. 3. Zum Sitz der Zentrale des Verbandes wurde Wien gewählt. 4. Der Verband beschloß für die nächste Zeit die Ausführung folgender Aufgaben: a) aktive Mitarbeit mit den palcistinrnsischen Aerzten in bnt Fragen deS SanitatswejenS in Palästina; b) aktive Mitbetciligung an der Schaffung e ner m e d izinischen Fakultät in Jerusalem; c) Schaffung »nd Förderung des „R o t e n Magen David" für Palästina; ck) die Herausgabe einer Vierteljahrsschrlst „Hör es na h", die zur Popularisierung der Aufgaben des Vereines, zum Studium deS palästinensischen SannätSwesens anregen soll und eine Annäherung »nd Verbindung zwischen den Aerztm Palästinas und denen der Diaspora Herstellen soll. j Alle Aerzte werden zu einer aktiven Mitbeleiligrmg aufgesordert. v Eine zionistische Frauenkonferenz. Im Rahmen deS ZionistenkongreffeS fand in Karlsbad eine zionistische Ftauenkonferenz statt. Frau M e i f e l - Schochat, die die Wünsche der jüdischen Arbeiterinnen in Palästina vermittelte, beantragte, als Arbeitsprogramm der zionistischen Frauen-- organisation aufzunehmen: 1. Dir Errichtung von A r b e i t r r i n rr e n s ch u e n, 2. von A ck e r b a » s ch u l e n, 3. von K o ch k u r s e n. Die Debatte beschäftigte sich mit den praktischen Erforderniffcn zur Inangriffnahme der Arbeit. In der Debatte hierüber hob unter anbei em Fran Dr. K o g a n die Notwendigkeit hervor, jeder Landesgruppe ein besondere- Detail an dm palästinensischen Unternehmungen der Organisation zu überlassen, damit das Jntereffe ständig wachgehalten werde. Fran B u ch m i l l zeigte die Notwendigkeit, die Chalrrzoth schon im Galuth in jeder Weise vorzubilden. Frau Simon entwickelte als Arbeitsprogramm die Errichtung des F r a u e n h e i m s, das sofort in Angriff zu nehmen sei, die Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule, einer hauswirtschaftlichm Schule, einer Säuglingssürsorge und die Schaffung eines Reservefonds. Für den B o d e n l a u f für daS Heim werden sofort 2600 Pfund bewilligt. Zur Besprechung der Statuten konstitaierte sich eine Kommission, wie folgt: Bodenheimer, Weitzmann, Goodman, Mayrr-Lübke, Kogan, Leszyns k i, W a r b u r g, O r » st e i n, M e i s e l« S ch v ch a t. Ihre Vorschläge legen der Drrem-zngthörigkeit lediglich daS Baseler Programrn zugrunde und regeln das Verhältnis zu den Institutionen der zionistischen Organisation. Die Frauenorganisation einigte sich mit den Damen des Misrachi zu gemeinsamer Arbeit für die palästinensischen Jnstttutionen der Organisation, die auf ßesetzestrevrr Basis geführt werden. Die übrigen Sitzungen wurden von Beratungen über die Einleitung der praktischen Arbeit i« Palästina und in der Diaspora ausgesüllt. Die Konferenz schloß am 8. d. M. Ins Präsidium wurden gewählt: S r e f f. Präsidentin; Weitzmann- Simon, Goodman, Vizepräsidentinnm. Die Palästina-Kommission setzt sich zusammen aus: Meisel-Schochat, Eder, Kogan, H o o f i e n, mit KooptrerungSrecht S ch ö n f e l d, Pick. (Alle Zuschriften sind an dir 'Adresse der zionistischen OrganisationSzentrale in London -uhande» der Frau Rose G ns bcrg zu richten.) Soeben "erschienen Aimanach auf das Jahr 5682 (V. Jahrgang;) Redigiert von Qlto AbeSes und Ludwig Bato Das reichillustrierte, vornehm ausgesiattete zionistische Jahrbuch ist eine wichtige, über den Stand der jüdischen Bewegung orientierende Publikation, die auch zu allen brennenden Fragen Palästinas und der Diaspora Stellung nimmt. Verlag* „Wiener Morgenzeltung“ Preis eines Exeraplares: Für Oo3terreich und Polen mit Postzustellung K 160, für die Tschccho-Slowakei tschecli. K 15, für Deutschland Mk. 15, für Jugoslawien Dinar. 10, für Holland holl. fl. 1, für das übrige Ausland 3 Schweizer Franken. sss Bestellung-esi an die „Wiener Morgeazeitung“ tJÄ sind zn richten oder an.die Buchhandlung L&wit, I., Rotenturmsfrassc 22 Beeteiianüen werden «ur gegen Vor« auebcznliliangf effektuiert. Strümpfe und Soeben! transit und für Export j Leo Sussmann, Wien, I., Wipplingerstraße 16; (Elngtng ScHwertgaeze 2) 47.7{ H Wiener Meffs., Das Ausland als Gast der Wiener Messe. Gestern abends waren die Vertreter deS Anslandis beim Präsidium der Wiener Messe als Gast geladen. Schlutz der Wiener Messe. Samstag um 6 Uhr abends. -Die'Wiener Messe wird Samstag den 17. d. M. um 6 Uhr-abends geschlossen. Die Mcsseleiiung hat an alle Ausst.-her die Mitteilung, ergehen lassen, daß nn Int er esse der Allgemeinheit und. .des Gesamtbildes kein Stand vor dem offiziellen Schluß um 6 llhr abends geränmt w rden darf. Den Ausstellern steht naturgemäß das Recht zin wertereBestellurr gen nicht mehr e n t g e a e n r n n e h m e n. w.mr sie nicht mehr an der Lage sind, die Äufträg e zu e s \ e t t u t c i en. doch ist cs unbedinal notwendig das Gesamtbild der . Messe bis zum letzten Moment in vollem Umfang aufrecht,zu erhalten. .Auch an den beiden letzten Tagen wird von den Auisichtsorganeu beim Einlaß in die Mcssegedände strengste Kontrolle geübt und auch, an diesen Tagen bleibt die Ausgabe von Besucherkarten auf wirkliche Interessenten beschränkt. Der Kognak im Trianoner Bertrag.1 Ans Budapest wird uns gemeldet: Reich an Klippen ist daS große Meer von Bestimmungen der FriedenSvetträge, welche die Sirgerstaaten den besiegten Ländern diktierten. Eine dieser Klippen haben die ungarischen Spiritus- und Likörfabrikrinten mit großer Mühe zu umsegeln, wenn sie n:cht dem völligen Ruin entgegcngehen wollen. Es handelt sich nämlich darum, daß Artikel 210 deS Trianoner FrirdensvertrageS im Kapitel 3 Ungarn verbietet. die ungarischen Weindestillate unter dem Titel „Kognak" auf den Markt zu bringen. Es soll durch diese Verfügung, wie die Uebcrschrift des zitierten Artikels verrät,' dem unlauteren Wettbewerb ein Riegel vorgeschoben werden. Der Verband der ungarischen Lckörfabrikanten hat sich in seiner letzten- Sitzung mit dieser seltsamen Angelegenheit befaßt, ohne jedoch-i einen Ausweg aus dieser Verlegenheit zu finden. Für alle Fälle beschloß der Verband, einen Preis für die z u t r c f f c n b fte ungarische Benennung des Kognaks auszuschreiben- Der angeführte Artikel des Trianoner Vertrags bezieht sich übrigens nicht nnr auf den Kognak, sondern auch auf den Schau m* wein, der in den besiegten Staaten nicht mehr als „C h a mp a g n e r" verkauft und angcpnesen werden darf. Will man die ominöse Vertragsbcstimmung konsequent durchführen — meint ,Az Eft" — so dürste man in den besiegten Staaten auch jür die brkannre Wurst nicht mehr die Bezeichnung ^Pariser W u x st" oder den ans der Friedmszeit her in so angmehmer Erinnerung lebenden „In btaitet k r a p f e n" gebrauchen ka ja auch die Indianer am Weltkrieg terlgenommen haben. Der Kampf gegen -re Ieschiwah in Rußland. Aus Riga schreibt 'man uns: Der Kamps gegeu die Jeschiivah wird in Sowjetrußland immer stärkör. Die gesamte jüdisch-kommunistisch-e Presse ist voll von Artikeln, welche in äußerst, scharfer W-ise gegen diese Lehranstalten auftreten. So schreibt dor „Kommunistlsche Weg'"', ein jüdisches Organ in Minsk, unter anhe.-em: „Aus dem jüdischen Städtchen liegt noch der alte Buckel — die Jeschiwah. Sie ist ein wirkliches Geüreste auf dem Körper des Städtchens. Mit der Entwicklung! Rußlands, mit dev sozialen Revolution, hat 'sich daS Leben des jüdischen Städtchens völlig geändert,- albe Momente sind weggesallen, welche das. Städtchen gezwungen haben, ausschließlich, aus Lustmenschen u.nb Schnorrern — das ist das soziale SAi'cksal des Jeschiwah-Bachurs — ‘ tivadir-kkipeu Tätigkeit bereitet öon jungen Menschen. v^ Blatt, Gemarah schwitzen? Dte^Zeit MHMbeneu jnngerr-, Leute", welche nichts: tun , als HyAMen und Locken glätten, .ist in den. Abgrund, der '.'geftülkert. wird nicht mehr wiedSÄkehren." '....- „Die Schwiegersöhne, die in KoM genornnieit w-^> deu, kann man hente auch schon ber'Wg mit Laternirr suchen, ohne sie zu^»finvstt,^ Die iMß sich heute darauf vorbereiten, einen errtsprecheltde.t Platz im Leben einzunehmen und ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden. Findet man in, der JrschiöDCi *CX IX J DCUt lUCtlt'tl#,. lilUfl | \*>) *■* y ivird, kann das nur einen Schadete'bringen Spekulanten wird die Möglichkeit,-Aenoinmen se!,n, Sühnegeld für feine Sünden zu zahlen, nichts ‘ meh". Gebt den Jeschiivah-Bachurim gewerbliche, und technische Schulen und urorgen ivird die Jeschiwah ,ler< -ein und nicht einmal die Erinnerung an sie. wird bleiben." * Der Deutsche in London. Int Londoner „Daill) Hnalo' cv^äP \% wie die „Franksllrter ZeiMng* berichtet, ein Spaßvogel von cincm lirstiaen Experiment. Da sich (5 u jj f a,n b1 offiziell iin Frirvensmst.tnd mit Deutschland befindet, wollte der gnie' Mopn einmal prü'ttt, ob ..d t r. D eutschei u u n f c r c r M i t.t c“ von Ladies und Gentlemcn wirklich so bitter gehaßt wird, w e man >s sich auf manchen Zeitungsredaktionen emb lde-. Er schwenkie al'o sein „Beiimer Tageblatt" in der Hand, gr-sf mit Bedacht zu einem gelbem'ebnndcnen Novrllenband mit westiun sichtbarer Fralturschr'ttt, .steckte eine große Metrschauntoiclie,m dcn lNnnd, setzte eine goldgeränderle Brille auf und machte sich.;it tun habe; l.ctn« nmnarucycn ..... aber nicht auß der Contenance: ^Dagegen tonnnl e.we preußische Garde nicht auf,, nicht wahr?" . Darauf mm Freund: «Ja. die kaiserliche Garde ist gut, aber diese SoldNcn — kolvss.il l" Man ircnndet sich an, alte Soldaten l-aben sich gesunden, KuegSnilnehmrr. Der ^Dentsche" entweicht, als ec nacl, Elinaeulugcu gefragt wl.d. -- In d:r Natipnalgalec e st:'.- t man ihn an, doch^n^mand braucht Gewalt gegen ihn. wie mm Pelzti* 0. J. 1DUI U'.t VWUUUt', 4'j|wr.MViv v«»k ..r _ . geraten. Schnell verschwand er in der Brerhalle und sinn ro t bei einem kühlen Trank darüber nach, wie es möglich sei, daß rin - Mt ,. ... /Su.fi.u.J!» I.AvI.i tiA.tt 4lt \M»rhMt ttl'lv itl uei cihciu tm|i(u vii.uw» .. ....D—, , - . , Deutscher, ohne an jeher Straßenecke verprügelt zu werden, sich in der Oeffentlichkei: zeigen dürse.!!., PrstsfstrassB Nr. 9 ««M»sBin .. La«w »e» Seal-, Maitef- Emros-Abteflnng: «U!Ul kigtsiSItlLItlSlN sowie ‘ U. PaiZSSKkOS Sit, Pfsterstrasse 11 KolassalsAuswaht in Silber-fBiau-,Polar-u.Aiesk^-Fächecn 13 4 9012