Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 947 (15.9.1921)
- Date
- 1921-09-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Donnerstag fjtr.'»-WM"" T r ***** beeinträchtigen JrDer XII. Zionistenkongreß begrüßt die Bestrebungen tatfc die Wirkstunkeit des Iischuw in Erez Israel, die deffen Organisierung zum Gegenstände haben. Der Kongreß erblickt in derAssifath Haniwecharim (Versammlung der gewählten Vertreter der Zudenheit von Erez Israel), in dem von diesen gewählten Waad Leumi (Nationalrat) und in den einheitlichen Gemeinden, deren Vorstände aus allgemeinen Wahlen heroorgegangen sind, die Gruoblag e für die Organisierung des jüdischen Volkes in Erez Israel. Der Kongreß verpflichtet die ausführenden Organe der zionistischen Organisaüon, den Iischuw in seinen Bestrebungen zur Erlangung von VermaltungS- und Repräsentationsrechten für diese Institution, namentlich aber zur Erlangung des Steuerrechtes für die Bedürfnisse der Gemengen und der zentralen Einrichtungen des Iischuw tatkräftig zu unterstützen. Der Kongreß beschließt die Entsendung von Delegationen nach P alästina, London, Genf und Washington zwecks Wahrung unserer Intereffen und zur Führung der erforderlichen Verhandlungen. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, die Wahl dies« Delegationen in der e r st e n S i tz u n g des Aktionskomitees gemeinsam mit diesem vorzunehmen. > Der Kongreß verpflichtet die Leitung, in ihrer gesamten Tätigkeit in Erez Israel den Waad Leumi zur Mitarbeit heranzuziehen. Die Formen dieses gemeinsamen Wirkens sollen zwischen dem Aktionskomitee und dem Waad Leumi vereinbart ««den.; Die folgende Resolution bestätigt das bekannte Manifest der Kopenhagener Bureaus und erklärt: D« XII. Zionistenkongreß begrüßt die. Anteilnahme der Leitung und verschiedener zionistischer Landesorganisationen an den Delegationen der verschiedenen jüdischen Gemeinschaften, welche vor der Friedenskonferenz den Kampf für das urrteroriickte nationale Minoritätsrecht der jüdischen Gemeinschaft in den neuentstandenen Stacken durchgeführt haben. Der Kongreß begrüßt die Beteiligung an dem Komitee der jüdischen D e l e g a t i o n e n. Der Kongreß konstatiert, daß dies« Kampf geführt hat zu den Vertragsbestimmungen über die Minderheilsrechte der nationalen Minoritäten den verschiedenen neuen Staaten und daß die jüdisch nationalen Forderuugen nur teilweise in die Verträge aufgenrmmen worden sind. Indem der Kongreß die zionistischen Landesverbände und ihre Vertreter, in den Parlamenten Osteuropas begrüßt, erklärt der Kongreß, daß die ganze p o l i tische A r b e it i n den Gal»thländern, die einen i nt e* grierenden Teil d er zionistischen Arbeit darftellt, in d« Kompetenz der Landes¬ oder Sonder verbände liegt, welche auf diesem Gebiete selb st 8n big und unabhängig find von der Leitung der allweltlichen zionistischen Organisation. ' Die neue Leitung. ~ In der letzten Nachtsitzung hat der Kongreß die Wahl der neuen Leitung vorgenommen. Die Vorschläge erfolgten durch den Permanenzausschuß, der in vierziger Arbeit einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Strömungen hergeftellt hatte. Die Exekutive besteht aus solgenden Mitgliedern: . Präsident der Organisation Dr. Chaim Weitzm a n n, Präsident der Exekutive Nahum S o k o l o w, Mttglieder dn Exekutive C o w e n, Dr. Eder (Palästina). Iabotinsky. Lichtheim, Mozkin, Professor Pick, Sprinzak (Palästina). Professor R o s e n b l a t t (Palästina), Dr. Artur R u p p i n (Palästina), Minister S o l o w e j t sch i k. Eine Stelle ist unbesetzt, da Ussischkin die Berufung n o ch n i ch t a n g e n o m m e n hat. In das Akttonskomitee wurden gewählt: Bernhard (Rumänien), Abrahams (Südaftika), Oberrabbin« Dr. Ehajes (Oesterreich). Goldberg (Amerika), Abgeordneter Grünbaum (Polen), Dr. Viktor Jakobson, Doktor Schmarjahu Lew in, LipsKy, (Amerika), Podlischewski (Polen), Dr. Leon Reich (Lemberg), H a n d t k e, Simon, Abgeordne! er Stricker (Oesterreich), Freem an (Kanada), I eil i n (Jerusalem) als Vertreter der Linken K a p l a n s k i. B. K a tz en e ls o n, Dr. T ar t a k ow e r (Oesterreich). T w e r s k y und Dr. Robert Weltsch, (Berlin); als Vertreter der Rechten: Berlin, Hermann Struck, Rabbiner F i s h m a n, Epstein und Abgeordneter Farbstein. In den W i r t sch a f t s r a t wurden gewählt: Neidilsch, Dr. Berthold F e i w e l, Dr. Georg H a l p e r n (Wim), Schocken (Zwickau), Schweizer (New-Vork). Als Vertreter der Linken K a p l a n s k y, als Vertreter der Rechten Barth. Drei dieser Herren haben das Recht, bei der Berat ung wirtschaftlicher Angelegenheiten an der Sitzung der Exekutive mit Sitz und Stimme teilzunehmen. XXIV. Sitzung. Vorsitzender LipsKy. — Delegierter K l e i n m a n n legt eine Resolution vor, er möae von der Exekutive ein ofjtate 11 es Wiener Mvrzenzettring Organ in hebräi sch er Sprache herausgegeben werden. Berlin spricht für den Antrag und verlangt, daß der Redakteur als eine verantwortliche Person vom Akttonskomitee gewählt werden muß. C o w e n spttcht dagegen. Die Angelegenheit ist der Budgetkommission gar nicht vorgelegt worden. Wir anerkennen alle die Notwendigkeit einer hebräischen Zeitung, aber wir würden sie nicht beschließm, wenn keine Bedeckung da ist.' Faste« Sie nicht Beschlüste in Hurrastimmung! U s s i s ch k i n: Ich wundere mich, daß die Zeitung nicht in der Budgetkommisfion vorgeftagen wurde. Aber das hebräische Blatt ist. keine Geldftage. sondern eine Ehrenfrage. Ich konstatiere, daß alles, was man bisher im Budget gestrichen hat, auf Rechnung der . hebräischen Sprache und Kultur geschehen ist. Kleinmann wiederholt seinen Ackrag. Der Aufbau Palästinas dient nicht nur der Kolonisatton, sondern der Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Barth beantragt die Angelegenheit dem Aktionskomitee zu übetweisen. Dr. Deiches verlangt die Abstimmung im Kongreß. Der Antrag Dr. Part h. auf Ueberweisung d« Angelegenheit an das Aktionskomitee wird mit 76 gegen 53 Stimmen a n g-e n o m mt.it. Es wird hierauf die Abstimmung über die Resolutton des Oberrabbiners Dr. Ctzajes eingeleitet, welche lautet: In den öffentlichen Handlungen der von der zionistischen Organisation gegründeten, erhaltenen oder subventionierten. Instttutionen darf nichts g eschehen, ,w a s gegen die jüdische T r a d i t i o n v e r st ö ß t. Die Leitung der zionistischen Orggpisation hat die Durchführung dieses Beschlusses zu sichern. ' Delegierter L o ck e r als Sprecher der Linken: Wir werden den Kampf gegen j e d e n K l e r ik a l i s m u s in Erez Israel und im Zionismus mit den schärfsten Mitteln führen. Die jüdische Arbeiterschaft gibt ihr Blut her und ihr droht, ihr das Geld zu entziehen. Jeder Versuch einer Beschränkung der Gewissensfreiheit und jeder Versuch, aus Erez Israel einen Kirchenstaat zu machen, wird bei uns einen tzrtschlossenen Widerstand finden. (Großer Lärm. — Der ^Präsident mahnt wiederholt zur Ruhe.) Delegiertet Struck (Misrachi): Mein lieber Gesinnungsgenosse Herr Locker hat versichert, daß er und seine engeren Freunde gegen die Klerikalisierung von Erez Israeli den schärfsten Widerstand leisten werden. Wir werden Ihn ' in diesem Kampfe unterstützen, denn Klerikalismus ist unjüdisch. Wir werden aber nicht müde werden in unserem Kampfe, Erez Israel jüdisch zu machen und wir glauben, daß Erez Israel so sein wird, wie die Mehrheit des jüdischen Volkes ist. Wenn Sie im Namen der Arbeiterschaft Palästinas sprechen, so muß ich darauf Hinweisen, daß es auch unter den A r b eitern Palästinas M i s r a ch i st e n gibt. Wir verlangen weiter nichts, als daß sie uns nach unserer Fasson selig werden lasten sollen. Für den Antrag glaube ich nicht weiter sprechen zu müssen, er spricht für sich selbst. Die Resolution Dr. C h a j e s wird ohne Widerspruch angenommen, die Linke enthält sich der Abstimmung. Delegierter Struck: Ich mußte heute mittags namens meiner Fraktion eine schmerzliche Erklärung abgeben. Die Vorgänge des heutigen Tages haben uns die Befürchtung nahegelegt, daß unsere Bemühungen, immer weitere Kreise des religiösen Judentums, dem zionistischen Gedanken zu gewinnen, eine ernstliche Hemmung erfahren werden. Durch die Entschließung, die der Kongreß soeben angenommen hat, ist diese Befürchtung im wesentlichen hinfällig geworden. Wir erwarten, daß die Leitung die Gewissensfreiheit, die sie durch den Mund ihres Präsidenten verbürgt hat, auch der Gesamtheit des jüdischen Volkes gewähren wird. Wir erwarten, daß die Leitung durch die Tat beweisen wird, daß sie emstlich gewillt ist, die Erfüllung eineswahrhaft jüdischen Lebens herbeizuführen. Solche Taten werden mehr als alle Versicherungen dazu beitragen, die Scharen der religiösen Massen in unsere Reihen zu bringen. Profeffor Marburg referiert über die N a t i o n a l f o n d s Kommis s i o n. Er berichtet, daß sich die Palästina- Komnlission in vier Subkommissionen, und zwar Kolomsations-, Immigrations-. Kultur- und SanitätS' Kommission, geteilt hat, welche nacheinander referieren werden. Ihnen hat sich die Nationalfondskommission angeschlossen. Redner verliest folgende Resolution: 1. Das Hauptbureau des Nationalfonds ist so rasch.als möglich nach Er ez I sr a el zu verlegen. (Stürmischer Beifall.) 2. Zwei bis vier Mitglieder des Direktoriums des Nationalfonds haben ihren Wohnsitz in Erez Israel zu nehmen. .3. Der Kongreß nimmt den SEeidjUin der ersten Weltkonferenz des Nationalfonds in bezug auf den inneren A u s b a u der Nationalfondsorganisation zur Kenntnis. 15. September 192! . Nr. 947 ^-1T.— " .J . ,ir""Sl 4. Der Kongreß begrüßt das Prinzip fort tandsmannschaftlichenKo lo nisatio« auf dem Boden des Nationalfonds. j 5. Der Kongreß begrüßt die Käufe von l ä n dl i ch e m und städtischem B o d e n, die der Nationalfonds in letzter Zeit ln Erez Israel durchgeführt hat. ’■ i' 6. Der Nationalfonds darf in Hinkunst keinerlei Darlehen gewähren, sondern hat alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausfch l i e ß l i ch z u m K a u f v an Boden, zu besten Ameli oration und Aufforstung zu verwenden 7. Der Kongreß bestätigt die von der Londoner Jahreskonferenz im Jahre 1920 beschlossenen Thesen durch die der Nationalfonds als Träger der jüdischen Bodenpolitik in Stadt und Land Erez Israel bestimmt wird. Lichtheim r Entsprechend den Deschlüsten der Exekutive st» Nationalsondsfragen bitte ich sämtliche Anträge dem künfttgen Aktionskomitee zu überweisen. Es war nicht in Aussicht genommen, daß eine besondere Nationalfondskommission gegründet werde. Die Beschlüffe gehören teils m das Gebiet der Kolonisation, teils in das der Organisation. Die Resolutionen befinden sich in Widerspruch zu der allgemeinen Politik. Simon: Ich wende mich entschieden gegen den Vorschlag Lichtheims. Die Frage ist, ob wir danach streben sollen, unsere finanziellen Institute in Palästina zu konstituieren o^r nicht. Ich hätte kein Bedenken, diese Fragen der Exekutive zu überweisen, wenn nicht bedauerlicherweise die Exekutive trotz eines Beschlustes des Nationalfonds sich vorher bereits gegen den Beschluß ausgesprochen hätte. (L ich theim: Um die Entscheidung dem Kongreß zu überlasten.) Und jetzt beim Kongreß Sie wieder au das Aktionskomitee zurückzuverweisen. Ich kann mir nicht denken, daß eine Propaganda von einem anderen Lande stärker ausgeübt werden könnte als von Palästina. Es ist der e r st e Vers u ch. u ns e r e Institution en in Paläftina s e löst ä n d i g z u machen. U s s i s ch k i n unterstützt den Antrag Simon. Die Sammlungen des Naticmalfonds werden in London leiden, weil dort viele . andere Sammlungen» wie zum Beispiel der Keren Hajessod. zentralisiert sind, In letzter Zeit hat übrigens die Exekutive darüber überhaupt nicht gesprochen. Ich bitte Sie im Namen des Direktoriums des Nationalfonds, die Resolution anzunehmen. .. . Licht heim: Simon ist der Meinung, daß wir in London überhaupt, nichts brauchen als eine Expositur. Das ist ganz falsch. Der Sammelappärät unserer Finanzinstitute ist mit unserer Propaganda verknüpft und wird einheitlich geführt werden. Dann müssen Sie auch beschließen, daß der Keren Hajestod und die ganze Propaganda nach Palästina geht. So werden wir nur eine organisatorische Verwirrung schaffen. Der Antrag Lichtheim wird abgelehnt. Dr. S o f e r (Wien) beantragt, den ersten Absatz, der Anträge Marburg anzunehmen und die übrigen dem Aktionskomitee zu überweisen. Der Anttag wird, angenommen. Delegierter Dr. Loses Vierer hält das S a n i t ä t s r e f e r a t. Es ist bedauerlich daß so wenig über die sanitäre Arbeit in Palästina gesprochen wird. Wir müssen dafür sorgen, daß kein kranker M e n s ch n a ch P a l ä st i n a kommt und daß inbesondere kein an aktiver Tuberkulose» Syphilis, Trachom und Favus Erkrankter eimvandert. Jeder muß ein G e s u n d h e i t s bl a i t haben. Die Aufgaben in Palästina sind hauptsächlich Ausbau und Erhaltung der Krankenhäuser» der Polykliniken, der Laboratorien und die Sani!ätsarbeit in den Kolonien. Auch muß die Einwanderung überwacht und die M,alaria bekämpft werden. Die Sanitätsausgaben betrugen im Jahre 1919/20 12 0.000 Pfynd, im ersten Halbjahr 1921 27.000 Pfund. Redner beantragt, das gesamte Sanitäts- und Krankenhauswesen des Iischuw in Palästina zu zentralisieren und der Leitung der zionistischen Organisation zu unterstellen. Zu diesem Zwecke ist am Sitz der zionistischen Verwaltung in Palästina ein S an it ä t s d e p a r t e m e n t zu schaffen. .... Der Antrag wird angenommen, btc übrigen Anträge, welche sich ouf die Zusammensetzung des Sanitätsdepartements beziehen, werden der Exekutive zugewiesen. Schluß der Sitzung 12 Uhr nachts. XXV. Sitzung: 14. September, 11 Uhr vox-- mittags. Vorsitzender MozUn teilt mit, daß der Saal von morgen an nicht mehr zur Verfügung sieht. Es folgen die Referate über Kolonisation (Dr. Ruseisen - MLhr.-Ostrau) und über die E m igrations fragen (Dr. Korngrün). Die beantragten Resolutionen, die wir' in der Hauptsache bereits mitgeteilt haben, werden vom Kongreß zum Beschlüsse erhoben. Sodann beschließt der Kongreß prinzipiell die 1 WM einer