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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-14 · Heft 946 (14.9.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 946 (14.9.1921)
Date
1921-09-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Rk. SÄk Wien, Mittwoch .- -' ' ■ --1 -r ftn Autorität verloren, und. es ist bezeichnend für,die gegenwärtige Stimmung in Budapest, daß dort heute schon davon die Rede ist, daß die Oedenburger Generallittffioit der Entente nach ihrer Rückkehr aus Landegg, wo bekanntlich die Konferenz zwischen dem Vertreter der Generalmission und dem 'österreichischen Reichs-. lanzler Schober stattfand, ihre Haltung gegenüber den Ungarn von Grund auf geändert hicke. In Budapest.er ■ oppositionellen - Kreisen will man wissen, daß Schober die Vertreter der Entente aus Grund jüngeren und älteren Aktenmaterials zu überzeugen wußte, daß die gegenwärtige ungarische Regierung nicht die Eignung de sitze, übernommene Verpflichtungen internationaler Söatur -auch -wirklich zu erfüllen. > Mit dieser Krise wird auch die Tatsache in Verbindung gebracht, daß Gras Apponyi, der zur Vertretung des - Gesuches Ungarns/ um Aufnahme in den Völkerbund bereits unterwegs nach Genf war, von Wien nach Budapest zurückkehrte, da er trotz seiner lagitimistischen Allüren' heute als der einzige Mann in Ungarn angesehen wivd, der den Gmfen'Bethlen, dessen Sturz schon für die nächsten Tage erwartet wird, in der-Negierung ablösen könnte. Wie pessimistisch die.Lage in Budapest beurteilt wird, geht schon daraus hervor, daß von manchen Freunden Apponyinicht nur als der Nachfolger Bethlens, sondern möglicherweise als der Nachfolger Hort Hy s, dessen Stellung gleichfalls unhaltbar geworden sei,, bezeichnet wird. Diese große Krise überwiegt in ihrer Bedeutung auch) di^ Finanzkrise Ungarns sowie das Abrücken nahezu samtlicher Parteien vom Finanzminister H e g e d ü s, der seinerzeit als der Erlöser des Landes ausgenommen wurde und heute als Charlatan und als eine Gefahr für das Land verhöhnt wird. Wiener MorgenzeiLüNA ihm folgende Erklärung abgaben: „Her s Ministerialkommlsiä' Dr. Stephan K oszo hat .bei dem - am Freitag abends, zur Freude der Befreiung abgehaltmen Bankett eine Rede gehalten, deren Inhalt geeignet ist. in llji.icgüd dm sozialen und konfeisionellen Friedenmit der Judenschast. mit welcher wir die Lewen dee Besetzung gemeinsam trugen, zu gefährd:n. Wir hielten eS als unsere Pflicht, vor Ihnen zu. erscheinen und, obgleich wir hiezu kein besonderes Mitteilungen auf tem Publikum. Anna Katz Wascbkoutz a.Cz. (Bukowina) Moses Rabinowicz ' ' Wien, II. ‘ Verlobte Wien, im September 1921. Echte Jägeiwväsche Alberä Klatznei«, VJien, I., IColilmessergasse S Echt polnische LikÖfS Kostproben gratis II I Hermann Porfles^ > Wien VI. GumpendorferstrassQ Nr. 23 Konpss-und Messetaiiern dre,'™ge„ HUftliZsidellibkii w prima Qualität Md Ausführung za konkurrenzlosen Preisen. 9151 Celbard & Fürst, Wie»,II,"'" 16S,.,»2L.] B taölsl «11™ kauft und verkauft eso Flinfenstein, BB., Tahorstc». 39 Tagesbericht. Die Brotpreisstaffelung. Gestern vormittags traten die Parteienvertreter beim Bundes, kanster Schober zu einer Besprechung zusammen, «m über die neue Form der Brotpreisstaffelung schlüssig zu werden. Von der Regierung waren anwesend: Bundeskanzler Schober, Finanzmiriister Dr. G r i m m, Ernährung-Minister Dr. G r ü « b e r g e r und Hosrat Dr. Bures ch. Der Finanzminister erklärte den Parteienvertretern, daß die Regierung infolge deS Sinkens der V a l u t a nicht mehr in der Lage sei, Zuschüße zu den Mahlprodukten und zum Brot im bisherigen Ausmaße zu geben, rmd verlangte, daß die Mindestkeuiittelte» ei» D i e r t e l der Gestehungskosten aufbringrn, die mittlere Klasse zwei Drittel und daß' di« bestgestellt eKlassedievol lenGeßehunsSk» st en zahle. Darüber entspann sich eine ausgedehnte Debatte, a» der sich alle Anwesenden beteiligte». Die Sozialdemokraten wendeten sich mit aller Entschiedenheit gegen dieses Verlangen der Fina«;mi»isterS, das nichts anderes als eine Ber- -eueiung de- BroteS für die Arbeiterschaft zur Folge hätte. Sie chlagen vor, daß der Fmanzmmister den Abgang infolge der Valutavrrhältnisse durch eine Finanzreformmit neuen Stmerpläne« hereinbringen möge. Schließlich wurde dieser Vorschlag von den Parteienver» ttetem zur Berichterstattung an ihre Klubs cntgrgengenomme». Die Sitzung wurde hierauf geschloffen. Erst nachdem sich die Parteiklubs mit dieser Angelegenheit befaßt haben werden» werden die Beratungen fortgesetzt. Die Mörder des Abgeordnete« Erzberger. Mönchen, 13. September. (Wolff.) Die Staatsanwaltschaft in Oppenheim hat als Mörder Erzbergers zw« bisherige Einwohner Münchens eruiert. Sie fahndet nun nach ihn.n. ES handelt sich um den 28jährigen Heinrich S ch u l z ans Saal» selben a. d. Saale und. den 27jährigen Studenten Heinrich T »l l e s s e n aus Kölri'Lindenthal. Sowohl Schulz als Tillrffen waren O f s i z i e r e «nd gehörten der seinerzeitigen Brigade Ehrhardt an. Berlin, 18. September. (Wolff.) Unter dem Verdachte der Mitwisserschaft mit den Mördern Erzbergrrs ist hier eine aus einer Wittwe, mehreren Töchtern und einem Sohne, einem früheren Kadetten, bestehende Familie verhaftet worden. In Szegedin lehnt man de« christliche» Hatzknrs ab. Der Bndapcster „Vilag" meldet aus Szegedin: 3« den von den Jugoslawen letzthin geräumten Gebieten gehört anch U j s z e g e d, eine Vorstadt von Szegedin. Letzten Freitag fand aus Anlaß der Rückkehr Ujszegeds zu Ungarn ein Festbankett statt, bei welchem Abgeordneter Dr. Stephan Ko szo in seiner Eigenschalt als RegierungSkommrffär dm Trinkspruch auf die Damen hielt. Der Vertreter der Horthy-Regiernug sagte unter andere«: »Wir vermochte» unser Vaterland zu beschütze" und zu erhalten, solange unsere Fahne mit der Jungfrau Maria und das Doppelkreuz unser nationales Symbol waren. Aber wir glitten herab, als die jüdische und freimaurerische Geheimtuerei und derMogenDovid die Heiren im Lande wurden." Nach diesem Trinkspruch verließ eine große Zahl der geladenen Damm und Herren das Bankett. Die Entrüstung der Szegediner Intelligenz fand tags darauf darin Ausdruck, daß der Apotheker Julius B o r b a s, Gymuafialproseffor Stephan Horvath und der pensionierte Hauptmann Franz Z s e b ö k den Präsidenten der Szegediner jüdischen K.u Üü 3 ü i« üjU « Ar. S-murL H i e d l arüürchtra «ch Brillanten Perlen, Juwelen Briisster bester Käufer Juwelier 6S28 FORST >., Habsburgergasse Nr. Zukbuk Tom Graben beim Koblmarkt *96 SratklMaigo Preise. Q;üaster und bootsr X&ufer Wiens BRILLANTEN, PERLEN Juwelen, Weltfirma *.abin«rwitaeli, Juwelier I., «AHLERCTRA8SE 5 II., BTEPHANIE8TBASSE 3. nur Nr. 8 (frühere Baxlmlllansir.) Tel. 8541 (Jetzige Hollandstrasse) Im eigenen Hause Haltestelle Opernring, Zag. Kämtnerstr. Tel. 4546 Samstag sesohiesseu. 5327 Hörefl Sie auch u«#ere Preise DflT Hochmodern "VW fiestrlckiejackei, gistrlckte Kielder l.,Gold8chmiedg. 7a (Hopfner) Regenmäntel I Ea gros billigst im Warenhaus En detail 9 BRÜDER SCHIFFMANN Wien,Il.Taborstrasse48. 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OfffsloHn Spedlttur« der Mesae-Iä. G. und'der Messe - BelriebsgoseltchafS m. b. H. Speslal* Organisation für Messetransporte. 14. September 192§ Seite 5 - Mandat haben, als Dolmetsche der allgemeinen Stimniung. zil,^ (rstäien, daß wir uns mit der Tendenz der Rede des'Herrn Mm steiialkommissärs nicht idenüstzieren. Wir erklären ferner, Laß der Herr Mmisterialkommiffär durchweine Ansprache, das Fest," welches einen schönen Erfolg versprach, völlig verdorben hat. Wir legen Gewicht daranf, mit der Jndenschast in Frieden zu leben/. Verhaftung zionistischer Delegierter in Polen. Danzig, 11. Seplember. (Jüd. Korr.-Bur.) Die ulraini« :schen Delegierten zum XII. Zionistenkongreß Dr. S l o n i m und lder Rabbiner von Kiew, Jakob A l e s ch k o w s k i, würdm ani ihrer Reise nach Karlsbad in G a l i z i e n verhaftet. Auf Intervention des Präsidenten des ukrainischen Komitees L. Slonehki hat das Innenministerium ihre Freilassung telegraphisch angevrdnet. Darste. Am 14. September 1321 ist Dante gestorben. Die unicb der Suggestion der runden Zahl stehenden Europäer-schicken sich an, die 600. Jährung dieses Tages festlich zu begehen, und Optimisten werden daraus den erhebenden Schluß ziehen, daß der Dichter überhaupt noch nicht tot ist, sondern, wie man bei solchen Aieläffcn so schön .zu sagen pflegt, im Herzen der dankbaren Nachwelt unvergänglich fortlebt. Pessimisten, die diesem sagenhafirn Herzen der Menschheit seit geraumer Zeit — besonders seit Anbruch der »großen" Zeit —/ vergebens nachsvüren, werden gerade durch die zitierte Phrase skeptisch gestimmt und zu der Frage angeregt, welches Detail des gigan» trschru Mosaikbildes „Dante" noch heute lebendig zu den Sinnm derer spricht, die ihn am lautesten preisen. Ist es der Dichter Danre? Das rein ästhetische Moment hat sich niemals als besonderes AnziehungSmittel auf die große Masse erwiesen. Deren Seele klebt, wie em deutscher Lyriker geklagt hat, allzusehr am Stoffe. Seine Stoffe hat Dante stets aus der christlichen Vorstellangswelt geschöpft. Ob er die Liebe preist („Neues Leben") oder die „Komödie" von der sittlichen Läuterung des Menschen schreibt, der in seines Lebens Mitte aus dem tiefsten Höllenpfuhl der Laster durch das „Purgatorium" des Fegefeuers in den Himmel der Schuldlosigkeit emporstergt, anfangs von der Philosophie, dann von der allmächtigen Liebe gesührt. immer kristallificren sich seine Gedanken «nd.Gefühle'zu Bildern, die unter dem Sehwmkel der mittelalterlichen Christen- - heit geschaut sind. Darum gebärden sich auch die katholischen Klerikalen, die die Welt noch heule unter demselben Sehwmkel betrachten und betrachten lehren wollen, als seine berufenen Gralshüter.. Und doch — was baden die starr-gläubigen Dogmatiker mit diesem Poeten zu hitt, der wohl Hsmersche und Vergiische Motive (Odysseus uud Ameas' Abstieg in die Unterwelt) in christlichem Smne aus-- gestaltet, diese christliche Fassung aber „m o d e r n i st i s ch" vertieft hat? Dantes Modernismus ist w i s s e n s ch y f t l i ch und politisch, berührt also gerade jene beiden Gebiete, au^ denen die Kirche am empstndlichstrn und am meisten reizbar ist. Er hat dreihundert Jahre vor H a r v.e h den KreiZlailf des Blutes gekannt — er spricht von Blutadern und Puls — und zweihundert Jahre vor Kolumbus die Existenz von „Antipoden" geahnt. Politisch ist er für die reinliche Trennung.von'Staat und Küche eingetreten und stellt sich dabei wacker auf die Ceile der weltlichen Macht. Uebrigens war für seine Zeit auch der Dantesche Formalismus modernistisch-revolutionär. Nur seine allegorische Darstellung^' weise entspricht der Tradition der mittelalterlichen Poesie. In der Sprache hat er den Boden dieser Tradition umso weiter verlassen, statt des „edeln" Latein Pas verachtete Idiom der Volkes künstlerisch gestaltet. So ist er der Schöpfer der italienischen Sprache geworden. Der angebliche Sänger des katholffchm. Kirchenglaubens hat schonungslos Päpste in die Hölle versetzt und dafür Heiden der Seligkeit würdig befunden,'so den Selbstmörder Cato wegen seiner unentwegten F reihe i t s l i e b e. Dante . war . enraziertrr Paxteimann, ja so-ar Parteiführer (der Ghibellmen in Florenz) und hat als solcher Schonung weder begehrt noch geübt. Aber für die Ausschreitungen des Parteikampfes, unter denen Unschuldige zu leidem haben, hat er die schärfsten Worte gefunden. Eine der schönsten Stellen seiner „Komödie" beklagt das Schicksal von Kindern, die trotz ihrer Unschuld von dem grausamen Gegner ihres Vaters verurteilt wurden, gleich diesem den Hungertod zu erleiden. Worte, die merkwürdig anmuten m einer Zech die Krieg gegen die Kinder geführt hat. Eines der größten Ingenien der schaffenden Menschheit , ist es, das heute da§ offizielle sowie daS gesamte geistige Italien feiert, ein Dichter von gewaltiger .Grstalinugskrast, ein Seher und sittlicher Wecker zugleich, dcffen Weckruf, der matenalisterten Welt von heute besonders eindringlich ms Ohr tönen müßte. Die Wiener Meffe. Der dritte Tag. Auch der dritte Tag der Wiener Messe'hat alle Erwartungen weit in den Schatten gestellt. Die Bestellungen häufen sich in allen Branchen und die Aussteller haben Mube,^ den Wünschen der Einkäufer, unter denen sich immer'mehr Ausländer bemerkbar machen, gerecht zu werden. Einschränkung der Ausgabe von Meffekarten. Infolge des zu starken Andranges in dm Meffegebäuden, der die Abwicklung von Geschäften ungemein behindert, suht sich die Messeleitung veranlaßt, die weitere Ausgabe von Meffeauswe-sen wesentlich einzuschränken. Vo« morgen ab können Mcffebesucher an den verskyiedeven Ausgabestellen Meffeauswrise nur gegen zureichende Leg'ttmatidn als Einkäufer oder Meffeiuieressenteu erhallen. — Ausländer müffen sich mit ihrem Paß, Mt vpy» eMrrtzcksudm als Fab.NkMtelL 41

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