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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-13 · Heft 945 (13.9.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 945 (13.9.1921)
Date
1921-09-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis Bfe Kronen Pkärrumerationspreis«: Hielt: Z«m Abl>vlrn in bn SxPrditlo«, L. Bezirk, Taborstrahe 1 bi-3, oder in rin» Vcrschlrißfi«lle <S»afik>; Monatlich . Krone« 188,— Mit Pestversanb für Wir« und Oesterreich r Monatlich . Kronen 180.— Tschecho-Tlvwalri: Monatlich . . Krone» 18.— Vierteijichrlich ' „ 51.— i» licheeho-Ilowatticher Währung Ungar»k Monatlich. Kronen 70,— ivlerteljSyrltch - *10,— i» «ngarischtt Währung Jugoilawirnr Monatlich Dinar 18.— Viertel jährlich . „ 80,— KONGRESS-AUSGABE M3BM—,,wl^JllCWWHUWWWMBBWWBMBBPMMBf«BBtJtray.',.fctrSMygt^gTOfP?lJPBBBWWWMPWMMBBWPBWMWB1W*WMWgaPMM>——B—WMB *Nr. 945 Wien, Dienstag den 13. September 1921 Einzelpreis 2 tfch. Kr. in -olnischer Wähving Mo«att1i!^"Aa«e» Jtakienr -i. Mouattich. . . . Mw «« Rnmänie«: MonatUch. ... Lei SS.^ Echweig «. Lat übrige Mo»atlich . . . FraneS 8.-| &?ÄÄ«3 ST'äsuÄlüs; V o ftfpatlaff enkonto 150^99 3. Jahrgang Kar l s b a d, 12. September. SanisLag und Sonntag wurden keine Plenarsitzungen des Kongresses abgehalten, da verschiedene Kommissionen ihr Pensum noch nicht erledigt hatten. Es tagen permanent und beinahe ununterbrochen Tag und Nacht die vom Kongreß eingesetzten Ausschüsse. Für jedes Arbeitsgebiet des Kongresses sind Kommissionen eingesetzt, und zwar für Palästina und Kolonisationsarbeit, für Finanzen, Kultur, Schulen, Organisation und Reorganisation, Politik und Keren Hajessod. Die Kommissionen sind in Subkommissionen geteilt. Im ganzen tagen 35 Kommissionen, deren Beratungsresultate und Entschlüsse dem Permanenzausschuß vorgclegt werden müssen, ehe sie im Plenum zur Abstimmung gelangen Infolgedessen sind die Verhandlungen der letzten Tage schleppend geworden. Der Kongreß wurde mit dem heutigen Tage bereits v e rlnng ert und die Agenden sind derart angewachsen, daß trotz der eingeschalteten Sitzungen, die bis in die späte Nacht währten, eine mehrtägige Verl ä n g e r u n g des Kongresses w a h r f ch e i rill ch ist. ^-In der heutigen MtmMKWttss Mrdt unter' anderem auch die Frage der V e s in t e n s ch a f t und ihrer D i e n st p r a g m a t i k einer eingehenden Debatte unterzogen und die Exekutive beauftragt, bis zur nächsten Iahreskonferenz ein genaues Statut und die Dienstpragmatik für die zionistischen Beamte« auszuarbeiten. Der Antrag, daß die Beamten der Organisation und jene der Exekutive in einem Jahre Hebräisch lernen müssen, wird unter großer Akklamation des Kongresses angenommen. Du. Feirvel (London) spricht über den materiellen und sozialen Inhalt des Keren Hajessod-Gedankens für die Zionisten. Er gibt einen- Ueberblick über die Entstehung dieses Fonds und spricht über seine künftige Propaganda. Der Keren Hajessod erwartet große Leistungen von den Juden. Den Gedanken des Keren Hajessod muß man von zwei Gesichtspunkten nähertreten: vom nationalökonomischen und vom naüonalpsychologischcn. Das System des Keren Hajessod verlangt eine unerhörte soziale Bereitsich a f t des jüdischen Volkes, damit der Keren Hajessod sich in materielle Werte umsetzen könne, weiter die Ueberzeugung des Spenders, daß mit den aus Begeisterung geleisteten Opfern ein fruchtbringendes und nützliches Werk geschaffen werde. Das abgelaufene Jahr war ein Jahr des Versuches und es scheint, daß. obgleich der Keren Hajessod mit größter Hast gegründet wurde, dennoch der Kern des Problems richtig erfaßt wurde. Das bisherige Programm, auf dem der Keren Hajessod aufgebänt ist, kann auch die weitere Basis der Arbeit bilden. Ein Teil des Geldes ist als Spende aufzufassen, ein Teil der geleisteten Beiträge als Grundlage für eine künftige jüdische Anleihe und der dritte Teil wird dem Spender verzinst. Feiwel weist darauf hin, daß in den am schwersten betroffenen Gebieten der jüdischen Siedlung, Galizien, der U k r a i n e und Veßarabien die größte Opfermilligkeit für den Keren Hajessod zutage tritt. Dieser Kongreß wird von neuem den Keren Hajessod für das gesamte jüdische Volk zu proklamieren haben. Mit dem K e/ e n Hajessod sie hi und fällt d a s A u f b a u w e r k Paläst i u a s. ■* In der Nachmittagssitzung führte M o z k i n den Vorsitz. Dr. H a n d t k e (Berlin) referierte über die in der Keren Hajessod-K o m m i s s i o n gefaßten Beschlüsse, die dem Plenum zur Annahme vorliegen. Das Grundprinzip des Keren Hajessod hat sich in der Praxis bewährt. Der Redner bespricht zunächst einzelne unwesentliche Aenderungen bezüglich des Keren Hajesjod und kommt jodarm auf den Ausbau des Keren Hajeffod und die Tätigkeit und die weiteren Aufgaben des Fonds zu sprechen. Der Keren Hajessod wird die M i t t e l f ü r d i e E i n w a nderung nach Palästinazur Verfügung stellen, was bisher seinem Statut nicht entsprach. Die Verteilung der aufgebrachten Gelder hat nach folgenden Prinzipien zu geschehen: 20°/» für den Jüdischen Nationalfonds zum Bodenkauf in Palästina, 50°/» für das reguläre laufende Palästina-Budget und 30°/» für finanzwirtschaftliche Anlagen. Das Grundprinzip der Aufbringung des Keren Hajeffod ist der Gedanke des Maaffer (Zehent vom Vermögen und Einkommen). Die Forderung des Maaffer bedarf einer starken Erziehungsarbeit der Juden. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, daß große Teile der Iudenheit den Ernst dieser Forderung erfaßt haben. Die Forderungen des Keren Hajeffod können nur erfüllt werden, wenn die Zionisten als ihre erste Pflicht die Mobilisierung aller materiellen und geistigen Kräfte für dieses Werk anerkennen. Die jüdische Oeffentlichkeit möge sich dessen bewußt werden: Palästina ist das Land aller Juden und jeder Jude hat das Recht auf ein jüdisches Palästina. An die Referate Dr. Fei weis und Handtkes . schließt sich eine ausführliche Debatte, an welcher sich unter anderen Julius Simor^ ^Dr. Rappaport und zahlreiche Vertreter der Lanosmannschaften beteiligen. Nächste Sitzung 9 Uhr abends. Infolge des gestern in Mitteleuropa heu s henden Wirbelsturmes hat unser direkter telephonischer Spezialdienst aus Karlsbad eine Störung erlitten. Die vorstehenden knappen Meldungen sind Uns indirekt über Prag übermittelt worden. Die Kolonisation Palästinas. Aus den Vorschlägen Dr. Soskins auf dem Kongreß. Wir haben in.Palästina Verschwendung getrieben mit Land und Sonne. Die Intensität der Sonne reichte aus, um auf kleineren Flächen dasselbe Produkt zu erziel«:. Man ahmte aber Methoden gemäßigter Zonen und Länder von großer Ausdehnung nach, gab den Kolonisten größere Flächen^ als sie selbst haben zweckmäßig bearbeiten können. Unsere Kolonisation ist bis jetzt gekennzeichnet durch den Kampf mit der Fläche als Folge daraus durch' den Kampf mit dem Arbeiter, den der Kolonist zur Bewältigung der Fläche nötig hatte. Mein System der intensiven. Kolonisation sucht das alles zu vermeiden: Der Ansiedler erhält eine Fläche, die ihn ernähren soll d u r d) seiner Hände Arbeit. Ich gebe dem Kolonisten eine Fläche, die gerade groß genug ist, um mit seiner und seiner Angehörigen eigener Kraft bearbeitet zu werden. Die Fläche kann und muß klein sein, da wir in Palästina ein vorzügliches Klima haben, das die Pflanzenzelle das ganze Jahr hindurch arbeiten läßt. Ich spreche, wie Sie sehen,^ in erster . Linie von dem Klima, von der Sonne Palästinas. Die Bodenqualität ist von geringerer Bedeutung. Wir können sie auf kleinen Flächen verbessern-. Meine Methoden basieren auf der Verwendung der größtmöglichen intelligenten und gelernten Arbeit auf der kleinstmöglichen Fläche. Das ist der Jntensivismus, dem gegeuwärrtg auch andere Völker in klimatisch weniger bevorzugten Ländern nachstreben. Der Jntensivismus in der Landwirtschaft, ist die modernste und fortschrittlichste Bewegung bei den Völkern Europas und Amerikas — ja, auch An:?rikas. Was ich in Spanien, China, Japan und Kalifornien sah, hat niich in meinen. Ideen über intensive Landwirtschaft und ihre Anwcnrduug auf Palästina noch mehr bestärkt. Was ich Vorschläge, ist nicht nur möglich, es ist der einzige Weg. Die intensive Kolonisation kann auch auf Böden ohne Bewässerung betrieben werden, und zwar im Ackerbau und in Pflanzungen. Auch uiibewäfscrte Böden müssen in Parzellen von viel kleinerer Ausdehnung den neuen Ansiedlern geboten meid n, als es b.Slang der Fall wa>. Es uno technische Möglichkeiten Horaanden, auch den sogniannle« trockenen Boden, das hnßt, m Palästina den Baden, der ausschließlich ans Sen natürliche» Regen angewiesen bleibt/ in viel intensiverer Weise anzubaue». Und dies ist wiederum nnr möglich, wenn de« Kolonisten eine klemere Fläche überlassen wird, btc er allein, ohne fremde Hilfe, bearbeiten kann. Ich habe an anderer Stelle über die Ackerbeet-- kultur gesprochen, die in China seit Tausenden von Jahren mit Erfolg betrieben wird. Die Erträge sind 'um vieles größer als bei der üblichen extensiven Art deS Getreidebaues. Der Landwirt, der von einer kleinen Fläche emen Ertrag haben kan«, den er sonst von einer um Mehrfaches größeren Parzelle hat erzielen müssen, ist unendlich besser daran. Ec braucht für seine Wirtschaft weniger Gebäude, weniger Geräte und er kann seinen Dünger viel bester ausnützen. Aber auch in Pflanzungen können wir einen höheren Grad der Jntensiiät erzielen, wenn der Kolonist ene nnr kleine Pflanzung sein Egen nennt. In Monte Algaida habe« de Kolonisten nur 3 ha Weinberg-, daneben ihren klemm Zrlbstvcr'orgegartcn für die eigenen Bedürfnisse. Die Art, wie Fruchrbäüme in Jbvan gepflegt weiden, verd ent die größte Nachahmung bei uns. Wir müssen eine Qualitätsware erzeugen. Wir wüsten die Einzelpflanze mehr pflegen urid das Erzeugnis sorgfüluger behandeln. Kurzum: Jntensiiät auf allen Gebieten des LandbaueS wird uns eine viel bessere Ausnutzung unseres Landbesitzes in Palästina gestatten, das ist eine intensive Kolonisation. Und nun die Frage, die nicht unwesentlich ist: Was kostet di« von mir befürwortete intensive Kolonisation? Wie ich schon bei anderer Gelegenheit gesagt habe, ich kann heute noch nicht mit Zahlen auswarten. Aber Kenner des Landes, die die gegenwärtigen Preise kennen, haben in emer Konferenz, an der rch leilnahm, zugegeben, daß mit 300 Pfund Srerling ein Kolonist nach meinem System angrsiedelt werden kann. Und in der Tat glaube ich, daß brr einer zweckmäßig^ Orgamsaton aller Zwerge und insbesondere des Bauwesens mit diesem Betrage die AnstedlusF eines Kolonisten bewerkstelllA^tM^en kann. Die wenigen Dunam Land, möge es noch so teuer sem, fallen nicht ins Gewicht. Die Anlage der Bewästerung, auf die Fläche verteilt, ist auch nicht kostspielig. Der Ansiedler braucht wenig Geräte und wenig Vieh. Bleibt das Haus, der Hauptauszabepunkt. Wenn dieses etwa 150 Pfund kostet, was bei gleichzeitiger Errichtung von 500 Häusern gut möglich ist, besonders wenn Bauweisen zur Anwendung komme«, bei denen das Material leicht zu beschaffen ist, so wird es Nar, daß der Betrag von 300 Pfund Sterling per Familie aus'eichen kann. Bei uus dürfte der Boden und seine 'Herrchtung kamt Bewässerungs-inlage nicht mehr als 60 bis 70 Pnrnd Sterling per Kolonist kost-n. Der Restbetrag bis 300 Pfund Sterling wird ausreichen, um das nur geringe Inventar anzuschaffen und den Mann msi Familie bis zum Beginn der Produktion zu ernähren. Ein Konsumverein muß von vornherein für die billigste Herbei'.chaffung aller notwendigen Bedarfs rrtikel sorgen, wie überhaupt das größte Gewicht ans eine gute Organisation der Kolonie von Arr>ang an gelegt werden muß, eine Organisation des Absatzes in erster Linie, des Kredits, des Konsums, der kommunalen Betriebe usw. Wenn wrr den Betrag von 300 Pfund per Famib.e dem bisher als notwendig beieichneten Betrag von nicht unter 10 0 Pfund — ich sp>eche schon gar nicht von den erst neulich grsordrrten 1200 bis 1500 Pfund — gegenüberstellen, so rst die Schlußfolgerung nicht schwer zu ziehen. Wir können intensiv kolonisieren, indem wir Land und Geld sparen. Das Referat Dr. Eders. Dr. Eder beginnt Mit einer historischen Vorbemerkung über die Regelung der Einwanderung zur Zeit, als Herbert Sanmel nach Palästina kam. Schon am Tage nach der Einsetzung dex Ziv>lverwaltnng wurde k!ar. daß freie, untoniroll cvte Einwanderung nicht gestattet würde. D e Zionist Commission wurde aüfsefordert, eine Schätzuna darüber vorzulegen, für wieviele Personen während des nächsten Jabres Arbeit geschaffen wnden konnte. Die Zionist Commission schätzte diese Zahl auf 16.5(0. Noch vor Inkrafttreten der Einwand'ruugsverordnnng setzte eme starke Einwandr img ein und in der Zeit vom Juli 1920 bis 15. August 1921 kamen 10.8' 2 Prrsonen inö Land. Die Immigranten zer'allen in zwn Gruppen: solche, die sich selbständig erhalten können. und zionistisch unterstützte Immigranten. Für die letzte Kategorie betragen die Auslagen von dem Ze-tpunkt, wo der Einwanderer m paläftinenfischen Hasen e'.niriff!, bis zur Unterbr ngung an de^ A'.biilSstätt: heate 5 P>und per Kopf. Bei meiner Ankunft in Palästina gegen Ende April d. I. beklagte sich dft Regierung da über, daß die Einwanderer größtenteils unoeschult waren und daß kaum neue Industrien und ,udustr-elle oder lan^wir'schafiliche Unternchmungen gegründet waren, so daß unaefähr 150 Ebalnzim be m Straßen- und Eiienbahnbau beschältigi wer dm murinen. Allere ugs »nlernahm die Regierung dir Ltraßen! aulcn n cbt um iii ehe Arb itrr zu beschäftigen. D-,e A be ten mar n unbed ngi uotweudig und cs gab keine BorzugSbchaudlung jüdisch« Arbeit«.

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