Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 942 (10.9.1921)
- Date
- 1921-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2980021--08733-2994914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■psfr*- •’ // ,-r / i- -t Linzelyreis SL Kronen K0dl0E88^1l80^kL Einzelpreis 2 tsch.Kr. prännmerativstspreise r LV ie«: Zu« LützLle« tu rer yxpedpion. 8. -ezlrk, Lahor» strnie 1 bi» S» «brr tu. einer SerlchlritzsteLr'(Trafik: Monatlich . Arone« 18©.— pit Postvrrsanb skr Wie» uub Oesterreich r Monatlich . Kroueu 180.— Tschechr-kisvalrir Monatlich . . Kröne« 18.— ivirrteljährlich . 84.- i)i tschecho-Nowakilehrr Währorq i*»s«nti Monatlich. 70.— vierteljährltch , *10.— te «ngartskbn Währung Augoilewteur Monatlich . Dinar IS.— <»trrtel jährlich . „ »».- lener Prävnmeratioasperise; Polenr Monatlich. . Mark UV In »olatschrr PShr«^ . Dentschlandr - . Monatlich . . . Mark »4^. Mo»atU> Kranes Italien: RonatUch.... Lire $** M . , Rnmiinle«: Monatlich. . . . üti 98—< Schweiz u. da» übrige Luriaub Monatlich. . . Kranes «.- S«aktiou«.«d«t»i»-ati,» ite», -'.deg^Tavorstr. 1—8 »el^choner 44088, 4»»L» ab s »tzr abenbSNr. 1W41 Poftsparkaffenkont» läOMt 9lir. 942 Wien, Samstag den 19 September 1921 3. Jahrgang Der XII. Ai, Von unserer Karl; K a r l § b a d, 9. September. Der Schwerpunkt des Kongresses liegt jetzt in i den Kommissionen. Die Kulturdebatte, die im Plenum seit Donnerstag im Gange ist, wurde durch den Präsidenten S o k o l o w in feierlicher Form eingeleitet. Sie wird z u m e i st i n h e b r ä i s cher Sprache geführt und versammelt ein sehr starkes und lebhaft interessiertes Auditorium, ist aber fast zur Gänze eine Wiederholung und Fortsetzung der in der politischen Aussprache durchgeführten Kritik. . ' ■ . Trotzdem wendet sich die Aufmerksamkeit des Kongresses den Vorgängen in den Kommissionen zu, Heren Ernst und Fleiß von keinem anderen Parlament der Welt übertroffen werden kann., Die Ausschüsse arbeiten vom frühen Morgen bis in' die späte Nacht, um das ungeheure Material an Anträgen. Resolutionen und Initiativvorschlägen zu sichten, Experten einzuoernehmen und die dem Plenum zu erstattenden Vorschläge vorzübereiten. : ' In der p o li tis che nH^)n m is fr o n sprach HMe I a bchtins ky. wöiäüf^ die Aussprüche sich Über die.ganze. P.a l ä st i n a -F'r^^^rstreckte. Die Ansichten über de« OberkomMiffär sind ganz und gar u n g e t e i I t‘ Man weiß heute, daß er ganz unter dem Einfluß des G e n e r a l S torrs steht, der niemals als Freund der jüdischen Heimstätte gelten konnte. In der Kommission wurde mitgeteilt, daß insbesondere nach den Mai-Vorfällenin Jaffa die Befürchtungen des Oberkommiffärs vor dem Ausbruch eines allgemeinen Ausstandes unbegründet waren. Dies ist dis Meinung der zur Untersuchung der Exzesse eingesetzten Kommission und es war kein Aulaß zu so strengen Maßnahmen gegeben, wie -sie zum Beispieldas Einw a n d e nt ngsverbot vorstellt. ' : , Die wichtigste Ausgabe. des Kongresses licht ‘ in der Bildung einer - arbeitsfähigen Leitung. Diese Ausgabe wird der Kongreß nicht in befriedigender Weise lösen können. Die bisherige Leitung, insbesondere die Herren W e i tz m a n n und Sokol o w, läßt . sich, nur von dem Gedanken leiten, die momentane - Lage' zu retten. In der brennendsten Frage, nämlich in der Frage des Verbleibens U s s r s ch k i n s, hat die Leitung ihren anfangs gezeigten Widerstand, aufgegeben. So erklärt Weitzmann einerseits, daß 'S o K o l o w durchaus ungeeignet sei, an der Spitze der palästinensischen Exekutive zu stehen, andererseits verklärt ' er, daß er Ussischkin nicht stürzen könne,-weil sonst die Feinde: Ussischkins. die auch die Feinde des Zionismus in Palästina seien, triumphieren würden. G o k o l ü w anerkennt, daß in Palästina die Geschäfte nur nach sachlichen Gesichtspunkten geführt werden können/ daß jedes Mitglied der Exekutive selbständig ein Ressort zu versehen hat und tritt doch iür Ussischkin ein. der. eine selbständige Arbeit der Ressortleiter nicht duldet. In einer Sitzung des Permanenzausschusses hat R u p p i p. sehre Pläne über ' die k ü n f t i g e Arb eit in Palästina entworfen. Er verlangt die vollständige^ ' Auslosung der Zionistischen Kommission iN'Palüsima und basiert seine Anträge daraus, daß die Arbeit in R e s s o r t s geteilt werden müsse und daß jeder Ressortvorstand unbedingt selbständig sein müsse. Ussischkin dagegen hat dieses System verworfen und wieder die Herrschaft über die gesamte Exekutive hi Palästina für sich in Anspruch genommen. Auf die Frage des Abgeordneten Stricker, ob er die Arbeit in Palästina, falls der Kongreß in seinem Sinne entscheiden sollte, auch in diesem Sinne Ähre» »üed^ lAistMWrch. rbadet Redaktion. hat Ussischkin mit „Nein" geantwortet. Bei gesünderen Verhältnissen in der Organisation und insbesondere in der Leitung wäre natürlich auf Grund dieser Tatsachen eine Wiederwahl Ussischkins ausgeschlossen. Bei der obenerwähnten unklaren Haltung der beiden Präsidenten, bei ihrer ‘ Scheu vor entscheidenden Erklärungen gegen so alte Führer und bei dem Mangel an Initiative zur Heranziehung neuer Kräfte durch die Leitung wich eine Klärung derzeit kaum möglich sein. Die Lage ist umso bedauerlicher, als die A m e r i k aKe r bei ihrem Widerstand gegen das System und die Person Ussischkins »beharren und es als eine Erschwerung, ja sogar Aufhebung der Arbeit in ihrem Lande bezeichnen, wenn Ussischkin verbleiben würde. Wenn der Kamps Ussischkin kontra Ruppinmit einem Siege Ussischkins enden würde, so wäre eine sehr schwere Situation geschaffen.^ Das Gerücht, daß Dr. R upp in in diesem Falle Keinen Sitz in , der Exekutive annehmen würde, tritt ziemlich bestimmt auf, es ist aber vorläufig anzunehmem büß es sich eben nur/umein Gerücht handelt. v:mit' MsfijiAW':Mjält es sich mit TäM/trnfkyl Es ist heute klar, dast die M eh rheit d es Ko ygr-e^s es g egen i h n ist/ daß. es' aber infolge der ausweichenden Erklärungen der Präsidenten auch hier zu keiner Regelung kommen kann.. Die einzige einschneidende Maßnahme, welche : der Kongreß treffen wich, wird die Einrichtung einer K o n t rolle sein: Es wird ein verkleinertes Aktionskomitee gebildet, dös sehr w e i tg e h e nde Recht e hat, Die Wiener Konferenz wird in diesem Punkte voraussichtlich ihre wichttgste'Forderung durchsetzen. Damit hätte sich die Wiener Organisation ein bleibendes Verdienst um den Kongreß erworben und es ist nur ihrer Energie zv danken, daß der Kongreß nicht ganz zerflattert. Soweit' eine. Voraussage unter den hier dargestellten Verhältmffen möglich ist, wstd die' künftige Exekutive sich in Zukunft in folgender Weise zusammen setzen: Weitzmann. Präsident der Organisation: So Kolo w, Präsident der Exekutive; Mitglieder: Georg H a l p e r n, I a b o t i n s k y. U s s i s ch k i n, Dr. R u p p i n und der Richter R o s e nb l at t aus New-Bvrk. Das PaLaftrna-Budget. Das Palästina-Budget, das gegenwärtig dem Ausschuß vorli'egt, ist m der Sitzung des Aktionskomitees angenommen worden. Es schließt mit einer.Gesamtsumme von 1,500.000 Pfund S t e rl i n g, die sich folgendermaßen verteilen: 1. Indischer Nationalfonds für Bodenkauf, 20°/0 der Gesamtsumme, 300.000 Pfund Sterling.' 2. Kreditinstitute, A. P. C. für k omm erzi e Ile Kredite 100.000 Pfund Sterling, st ädtische H y p o t h e k e n b a n k e n für Baukredite 200.000 Pfund Sterling, Agrar'fonds für landwirtschaftliche Hypothekar- Kredite 100.000 Pfund Sierlinq, Kredite, für I'nd u st t i e ' und G e n o s s e tt s ch a s t t it 100.000 . Pfund' Sterling. 3. Sonstige wirtschaftliche Ausgaben: jKo lw nis a ti o tts f o r b s 250.000 Pfund Ster-! ling, Beteiligung am A u d s ch a - P r o j e k t (Bewässerungsanlage) 50.000 Pfund Sterling. 4* Nationale Ausgaben: Schul wese n, lausende Ausgaben IÖO.OÖO Pflind Sterling. Schulgebäude 25.000 Pfund Sterling,' Technik u m in Haifa 10.000' Pfund Sterling. Nationalbiblioth ek in Jerusalem 5lXX) Pfund Sterling, landwütschastliches Der f u ch.swesen 10.000 Pfund Sterling, Sanitätswese n 100.000 Pfund Sterling, erste H i.l.f e für Einwanderer 100.000 Pfund Sterling, besondere unvorhergesehene Ausgaben 25.000 Pfruw Sterling, Administration in Palästina 25.000 Wmd Eterüng, zchmm« 1MWV0 Phmd Strrüug. Die Kulturdebatte. Für den gestrigen Abend hatte man ein Referat Bialiks über die k u l t ur e l l e Arbeit in Palästina erwartet. Da er jedoch nicht rechtzeitig verständigt worden war, unterblieb sein Referat. B i a I i K lehnte es ab, in einer so wichtigen Angelegenheit zu improvisieren. Dr. L u r i e gab einen genauen Berichts über den Stand des hebräischen Schulwesens. Seine Ausführungen ergänzte der Vizebürgermeister vock Jerusalem D a o i d P e l l i n. Der nächste Redner Rabbiner Riemirower (Bukarest) führte aus: Die Bekämpfung der geistigen Iudennot in der Diaspora ist von unermeßlicher Bedeutung. Man ist zur Erkenntnis gelangt, das; nur durch die Berührung mit dem Mutterboden eine echte jüdische Kultur möglich sei. Wir köimen uns nicht mit Kleinigkeiten begnügen, müssen vielmehr: die He.br äisi erung des jüdischen Geistes verlangen. Zur Propagandafrage erklärt der Redner, man müßte weitschauend Vorgehen, Engherzigkeiten seien nicht am Plätze.' Er 'ist gegen den Entweder-oder-Standpunkt, ’ der gegen das Interesse des Zionismus fei. (Beifall.) AbgsorÄnettzr Är. Thon (Krakau, spricht hebräisch).: -Das Aktionskomitee hat in seiner letzten SitzE^MMarlsbad beschlossen/ den „ Kongreß nach Möglichkeit' zu hebräisieren. Besonders sollten die Redner, die Hebräisch genügend fließend sprechen, ausschließlich in dieser Sprache' sprechen. Sicher sollte dies ausnahmslos in der Kulimdebatte geschehen. Da hat bedauerlicherweise gerade ein Führer des Hebräismus. Dr. Schmarjahu L e w i n, die Waffien gestreckt vor denen, die nicht Hebräisch verstehen, und sich einer nichthehräischen Sprache bedient. Das ist bedauerlich. Die Kultur- und Schulfcage ist eine brennende Zentralsrage geworden. Es ist, als ob dieses S t i e flr i n d des Zionismus gewissermaßen ein Eindringling wäre, dem man die Kost gönnt. Alle Ersparungen fangen bei der Schule a n und hören bei ihr auf. Redet einer über die Schule, so gilt es als interesselos und doch ist die Schule ein sehr wichtiges Politikum in unserem Falle. Man erobert Länder mit Wehrmacht oder mit Kultur. Wir haben nur das zweite Mittel. Uebrigens gibt es keine politische Kundgebung bis zum letzten Bericht S i m o n s, in der nicht die Entwicklung -er hebräische« Sprache klS unfers^ stärkste Aktivpoft - - erwähnt wird. Das müssen doch Politiker wißen. Und dann rein organisatorisch genommen: wir^ können nur durch eine starke Kulturbewegung organisatorisch wachsen. Geben wir der Jugen d nicht den Geist, so geht sie fort von uns und wir verdorren. Das Werk in Palästina läuft aber Gefahr, einen neuen L e v a n t i n i s m u s mit der oberflächlichsten Vielsprachigkeit zu schaffen. Wir fordern sachlichen Unter-, richt in allen Disziplinen, wie sie im gesamten Schulwesen der Welt angenommen sind. Unsere Hauptforderung ist die o o l lkommene Hebr 8 is i e r u n g Palästinas, b.rsvnders durch intensive Arbeit unter den' .A r b e i t e r n. Das Schulwesen muß ausgebaut werden vom Kinderg a r t e n bis zur Universität. Wir fordern aber werter die Gründung einer Fakultät für geistige Wissenschaften, die philosophische Fakultät und die medizinische, für die, wie wir hören, die Mittel b e r e i t s g e s r ch e r t sind. Wir werden mit unseren Forderungen für das Schulwesen kommen, die keinen A b st r i ch gerade auf diesem Gebiete zulassen werden. Mag es heute nicht modern fein und etwas blamabel klingen, von Seele zu reden, ich rede von ihr und sage Ihnen: Nehmen Sie dem Zionismus die Seele, die Kultur, die -Schule in hebräischer Sprache, dann haben Sie seine Existenz untergraben, dann hilft keine praktische Arbeit und kein politischec Erfolg. (Lebhafter Beifalls