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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-09 · Heft 941 (9.9.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 941 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr 941 ÄZien, $rettaa litt Jpt ttttftn, dort werde die Volkszählung die Grundlage für Me Fruscheihrms abgeben. Kon blonderer Wichtigkeit für die Juden Polens ist die HUlrirbrit „Sprach t*. Die BoNSzählupgm fragen überall «eck, der Mga^gSsprache der Bevölkerung. Auf den polnischen VblkSzöhlmig-dögrll heißt diese Rubrik, o x f k 0 j o % y a n y“, »cck als n% (i t i t f D t ft dt t* Übersetzt werden muß «nd dem Srrme nach dasselbe wie das deutsche ' ,M üttersprache" -edeutet. Air die Pol«»'kann hier kein Mißverständnis cheranskomiNen. dran bei ihnen ist die Umgangssprache die Muttersprache, beztthungSweise Natiouatsprache.. Bei anderen Nationalitäten jedoch, die in Kolm leben, ist die Umgangssprache häufig von vor Muttersprache verschieden. Der unklire Begriff kann zu Mißvelstqndmffen Anlaß geben und gibt eS auch, indem das Wort „Muttersprache^ als nationale Sprache anSgedeutet wird. Für die Juden muß ts daher e ne ei n h eil l i ch e B e an t w vt t ü n g dieser Frage in dm LolksMlungsbögen geben. Die Frage nach der „Muttrrsprache" muß Mit.Jüdisch^ beantwortet werden, welcheja tatsächlich in den allermeisten Fällen die Muttrrfvracheder jüdischen Bevölkerung ist, mag sie sich auch heute mehrfach im grschüfilichen Verkehr des Polnischen bedienen. Es muß votgewrgt wbtdkn, daß eine Jntechtet-uon des Wortes „Muttersprache", welche eine Der-- bindung zwischen UmgaNgsspkBt und Ratiönalttät schaffen Und dadurch Unklarheit Hervorrufen konnte, wodurch die nationale Statistik bttiaflußt würde» durch eine e.nheitlrche, klare Beantwvltnntz der SprachMlrubrik durch dr« gesamte jüdische Bevölkerung unmöglich gemacht werde. ' Inland. Die KreditqLtion. Wie die Aorrespvndrnz Herwer er fährt, sind gestern abends von ttnktrricktrter Stelle Nachrichten aus Genf nngetroff n. die einen vollen Erfolg des FiNünzm u.sters Dr. Grimm ankiindigrn. Dr. Grimm, der voranSsichtlich bereits «orput in Wim eintrifft, wird dem sofort nach seiner Anknnft stattfindenden Mmtster^at Mitteilen können, daß in der Frage der Bewilligung der Botschitffe dir fofvrtige tz'iqnidierttng der bereitgtsiellten Beträge W schloß« »Mdr. __ Die neue freie Sittenrrchterin. Das tu der ganze» Welt bereits in Verruf geratene „Weltblatt", wie sich, die „Naue Freie Presst gerne nennt, hat gestern den Sittlichkeitskoller bekommen. In West Ungarn werden Ovsterreicher von magyarischen Horthh-Banden erschossen, auf dar Mrse feiert die Spekulation Orgien, aber Benedikt läßt sich durch nichts beirren. Ihn schmerzt etvzas ganz anderes, ihm ist plötzlich um die Reinheit und Unabhängigkeit dev österreichischen Presse bange, und ei.» .Schrei, entringt sich! feiner stark beengten Brust: Schützet unsere Presse vor fremden Einflüssen! schallendes Gelächter durchbraust die Welt der Wissenden, wenn man einem solchen Zynismus der alten Dame von der Fichckgasse begegnet, die plötzlich! „aus den Kirchen stustn" über die Sittenveroerbnis her'Presse lamentiert. j , Jä, züm Deufes, beginnt die Äbhäirglgkeit einer Presse hrst damit, baß fit juridisch und kaufinänrrislH den Besitzer wechselt 2 Ist die ,,Neue Freie Presse" selbst nicht das schreiende oder, wenn eZ lohnerrber ist, das schweigende Beispiel dafür, baß man von fremdem Einfluß abhängig sein kanil, auch wenn man daS Blatt Noch selbst besitzt und bloß seine Mernung veräußert hat? Seit zivei Jahren übt die Ungarische Regierung auf die „Neue Freie Presse" eine» viel größtzresi Einfluß a»s, als sie jemals auf die von einem ihr^Finanistörs, dein ^Großjuden Simon von Krausz, erworbenen Wiener Blätter erreichen konnte. ' Mit welchem Rechte diskreditiert die „Neue Freie Presse" hie gesamte östcriteichlsche Presse, indem sie, gerade sie, sich zum Sittenrichter Und zuw Verteidiget der Reinheit der öffentlichen Meinung austvirst. PiSßer war sie immer das Sprachrohr derjenigen, die'gut zahlen können, und schwieg immer, wem es sich um bas Recht derjenigen handelte, die zahlungsunfähig sind. WäS. ist also iy den De nedi kt. gesahrert, daß er plötzlich mit der Geschicklichkeit eines politischen Fregoli die Toga des sittenstrengen Aatv anlegt? Gemach, man braucht nicht zu erschrecke», die „Neue Freie Presse" fällt nicht aus ihrer Rolle und man darf ihrer Kühnheit nicht aufsrtzen. Auch diesmal ttit sie dasselbe was schon manche Welt- und Halbweltdame getan hat, wenn ihre bisherigen Verehrer die KonkurrMz zu bevorzüg-en beginnen. Sie keift, frömmelt und ruft ilMch der Sittenpolizei. Nicht bas tut ihr weh, daß die Kollegin etwa auf Abwege geraten und sich dem Schandlebe» hingeben könnte-, sondem daß sie, selbst gealtert, nicht inehr begehrt wird. Mein Gott, ein Bankhaus gerät in Schwulitäten «nd muß saniert werden. Unter den Aktive» befindet sich ein Wiener «Zeitungskonzern, Der die SaKerung vornimmt, ist ein ungarischer Spekulant, der schon zu Hause gewohnt war, mit Valuten, Eseilbahuen und öfsechklicher Meinung zu handeln, Er nimmt bei den TraMaktionen auch die Blätter in den Kauf. Es ist wahrlich im Wesen gleichgültig, ob eine Leitung von dieser Bankgruppe »der von jener abhangt. Schwererwiegend allerdings ist eS, wenn die Abhängigkeit nicht nur dvn Besitzer, sondern auch die Lanbesinteressen wechselt, denen sie dienstbar ' gemacht werden soll. Mer die „Neue Freie Presse" zerbricht sich nicht viel darüber den Kopf, sondern der Schrecken ist ihv deshalb in die Glieder gefahren, weil ihr durch diesen "Blätterkauf die Mefahr droht, für die Machthaber Horthy-Ungarns und anderer ungarischer Fliteresschüeu Überslüfsig zu werden. Die Angst vüv'der Konkurrenz hat den gestrigen Leitartikel der „Neuen Freien Presse" geMgt und' da« A dB WitnwLiM an.'thn^ Genf, 8. September. Die österreichische Dele gation hat im Austrag ihrer Negierung imder Angelegenheit Lee Borg Luge vet Kirchschlag an Le« Völkerbund appelliert. 9. September 1924 Wiener Morgeuzeuuns Die EntetzLerttLchte erklSren: Der Friedensveettttg wird durch geführt. Wien, 8. September. Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Die En t e « t e m L ch i c haben der österreichischen Negierung neuerdings versichert, daß die von Oesterreich in der mestungarischen Frage eingenommene Haltung ihre volle Zustimmung finde. Die Ssterreichifche Regierung hat nunmehr die interalliierte General Kommission in Oedenburg verständigt, daß sie, wenn de« gegenwärtigen Zuständen im D urgenlau d e nicht baldigst ein Ende bereitet werde, die G e n d a r m e r r e z u r ü ckziehe« müsse, weil sie nicht gewillt wäre, Vas Lebe« dieser zu friedlicher Besetzung ins Land gerufene« Sicherheitsbeamten weiter aufs Spiel zu fetzen. D«m österreichischen Gesandten in Paris ist die dezidierte Versicherung gegeben worden, der Friedensvertrag müsse durchgeführt werden, er werde auch durchgeführt werden; dessen könne Oesterreich sicher sein. - Magyarische Kavallerie gegen AgendorL. Wien, 8. September. Das Telegraphen-Korrespondenz-Bureau teilt mit: Nach Meldungen ist heute der G end arm eri ep o st en in Age nd o r s von Übermächtigen Banden» die auch Kava l X e r i c b e i sich h a t t e it, angegriffen worden und mußte sich gegen M a t t e r s d o r f z u r ü ck z i e h e n. Nach Mitteilung der interalliierten Generalkommission in Oed enb ur g. die sofort heute vormittags von der österreichischen Regierung auf diese neuen Vorfälle aufmerksam gemacht und zugleichineuerlich die Genehmigung gesordert würde, Teil« des Bundesheeres verwenden zu dürfen, hätte das Detachement O s z t e n b u r g auf die Nachricht von Bandenüberfällen mit seiner K a v a l l s r i e die Banden angegriffen und zerstreut, wobei l.60 Bandenmitglieder zu Gefangenen gemacht wurden. Diese, der interalliierten Generalsmission von Oszten-Utg gegebene Darstellung steht mit den Aussagen der an den Gefechten beteiligten Gendarmen im W i d e r s p r u ch, die erklären, daß reguläre* Kavallerie vor den Banden einherritt. Die österreichische Regierung hat von diesen Dorfällen sofort neuerlich die in Men akkreditierten Vertreter der drei Hauptmächte verständigt.^ Ueber Wunsch de^ interalliierten Generalsmission hält das Detachement Osztenburg Agendorf so lange besetzt, bis die österreichische Gendarmerie dort wieder einmarschterm kamt. Wiener-NeustäÄ gesichert. Wie«, 8. September. Amtliw wirb gemeldet: Irr der durch bas ZurückgehtU der Gendarmnie aus dem Raume von Agendorf eingttretenm Lage haben die im Grxnzschütz stehenden Kräfte des B un d e S h e e r e s den Rau« vonWrcner- Neustadt e n 1 s p r e'ch e n.d e ssiH e 11 Konzentrierung der Ho^thq-Danden. Wie«er»9le«ftadt» 8. September. Zur Sicherung von M a t t e r § d o r f, daS von ö^rreichtsther Gendarmerie ge- Halle» wird, sind die . entsprechenden Äffasinahmm getroffen. Nach eingelangteu Nachrichten ist bei den ungarischen Detachements eine Bewegung v o » S Ü d e «nach N or d e« ,u bemerke« > Keine Insurgenten 'MW-reichischem A m t l ich wird gemeldet: Im Abschnitt Kirchschlag stehen aüs niedetösterrelchischrm ÄvdeN derzeit k e i n e I n s u rg e n te ' Ihre SicheruugSp^ste^befiyden sich jetzt östlich der LandeSgrwze. ■m;', ” 1;>! J Das Bundrsheer darf «icht eingreisen. Wie der »Abend", mitteilt, hat dir Interalliierte Generalkommisfion neuerlich die Verwendung des DundeSheereS in West- Ungarn abgelehnt. Sie hat nur die Erlamiis gegeben, daß die Geudarmeriitruppen. d^^Maschineugewehrabtrilupgm verstärkt werben. Einlieferung vo« 49 ungarische« Spione« 1« das Wiener Landesgericht. Die Korrespdndeuz F l i e g a u f meldet: Große- Aufsehm erregte die in spater Abmdstunde vvrgenommene Ein- ' liefirung vop 49 ungarischen Spionen, welche an der ungarische», Grenze ergriffen" wurden, in das Land'sgericht. Unter den Verhaftete» befinden sich auch Vrmemdtsitnhiyuäre und vier Bandrnorganisation in Westnngarn. Priag, 8. September. Di« ,Mager Presse" veröffentlicht. eine auZführliche Darftesinng der Banden^ Organisation in Westungarn. Ihr Inhalt ist, wie das. Blatt bemerkt, dem Tatsachenmaterial entnommen, das! von den ^Ententevertretern der Pariser Botschafter-., konferenz übermittelt wurdet Es wird folgendes., festgestellt: Ms den Akten geht klar Und unzweifelhaft, hervor, daß die magyarische Mgserung den Putsch; in Westuugarn fördert und daß im Burgenland der Brand, entfacht werden sollto, zu dessen Ausbreitung ein legitimistischer Putsch in Oesterreich arrangiert und inv weiterer Folge der Friedensvertrag von Trianon ® . gestoßen werden sollte. Die Zahl der JnsurgentÄ^ soll auf 30.000 Mann gebracht werden. Wenn die Zahl erreicht wird., füllen..diese Truppen in Meder- österreich.und S leiermark einbrechen und einen legiiimistischen Putsch Hervorrusen. Die ganze Aktion liegt in den Händen des Abgeordneten Lingauer. Außer den Angeworbenen werden in die Jnsurgentenverbände auch aktive Soldaten eingestellt, die aber Zivil-. kleidung erhalten. Ueber die Zahl der Truppen, die. seitens der Bnbapestcr Regierung Sereitgehalten sinch! schwanken die Angaben zwischen 60.000 und 80.000. Mann». - : . . ' Der HiNtergrunL der Aufstandsbewegung. Ueber die zwischen der Neaktivn in Ungarn Hub' dera, Putsch besiehendeir Zusammenhänge erfährt die Korrespondenz - Herzog aus. wohlinsormieretv Quelle: Der ehemalige Kriegsminister Friedrich und Prinz Windischgrätz arbeiten. in Ungarn .in intensivster Weise für die Politik des Exkönigs. Karl. Seit Ansaug August dieses Jahres galt für die Fried - rich-GruPpe der christlichnationalen Partei Ungarns die Mrek--, tive, die Regierung Ho rthhs nach! Möglichkeit zu Le-- kämpfen, und Friedrich' wurde hiebei durch den MgLorb,- neten Beni czkh unterstützt. Zu einem seiner Programm- Punkte nrachte Friedrich die Verhinderung, ziinnndest jedoch / die Verzögerung der Lösung der westnngarisch.en Frage.im!.., Siime des FriedeNsvertrages von Trianon. Friedrich, setzte sich mit der Legitkmistengruppe A Steinamcmger in Per-;-., bindnng. Dem Obersten Leiter war eine FÜHrervolle 3^. gedacht, doch hatte er es vvrgezogen, wegen Gefährdung seiner!; Person durch Pronai das Land zu verlassen. Der'iorga-. nisatorische Leiter der Aktion zur Verhinderung der Uebergäbe WestungarnZ an Oesterreich ist der ständig in Stein-, amanger wohnende Oberst des Generalstabskorps Köhlers der jedoch, in letzter Zeit insgeheim in Oedenburg Aufenthalt nahin. Seit dem A«Mr.b..J.-hüt Fchi'-iN'Deden^ bürg ein geheimes politisches Exeültivkomitve gebildet, welches, unabhängig von Regierungsverordnungen, Beschlüsse zurVerteidigung Westtmgarns faßte. An diesen Sitzungeir nahrnen unter anderen Oberregierungskommissär Graf S igrah,/ Obergespan Zsvmbori, Baron Millanhi mrd der der interalliierten Militarkommissron rn Oedenburg zugeteilte Hnsarenvberstleutnant Czecke teil. We Orga-- nisation der „Erwachenden Ungarn" sowie die Liga zur Verteidigung der .Grenze Ungarns war durch, die Generalstabsabteilung Steinamanger organisiert. Im allgemeinen wurde, der Plan ausgearbeitet, sich auf die Ciseubahnlini-e» westlich' des Neusiedlersees zu stützen" und dvrtselbst Depots mit' . Waffen, Munition, eventuell auch Lebensmitteln, zu errichten. Der Ziveck der Unternehmungen war, im Verein mit den bereits in Oedenburg organisierten Hochschülern der Schemnitzer Bergwerke sowi« Mit den eingetwfsenen Budapester. - Llkademikerbataillvns und der Pfadfinderformation Oeden-, bürg die Aktion der Landnahme durch; Oesterreich zu stören. Sowohl durch Lokalaugeuschün als auch durch Feststcllungen an Tote«, Benvundrtm und Gefangen«« konnte fefigesiellt werden, daß die Angehörigen rein magyarischer ZMge, die sich zu ber AulstarrdSbewegrmg verleiten ließen, zum größte« Teil nicht aus Westun-ar» sind. Den Mitgliedern der Ententemission in Oedenburg war seit dem 37. A « g « st d. I. auf! vertraulichem Wege zur Kenntnis gelangt, daß sich in B a l s und Wolfs Waffe«- und M u n i tio n § d e p 0 t s für die Formationen der „erwachenden Ungarn^ befinde». Major Oiztenburg verfügt in Oldenburg über ein besonders undiszipliniertes angebliche- Gendarmer>e-Detachemenr in der Stärke vo» 3000 Mann Infanterie, 50 Reitern und. 12 Malchinengewchren. Osztenburg hat auch über Anordnung des Oberregierungskottmch'ärS Grafen S ig r a Y das Stadttomma»do in Oedrnbnrg übernommen. Horthy-Ungarn soll unter Kuratel sestellt werden. Ppag, 8. September. Der „Benkov" bespricht die Note der Botschafterkonssrenz an Ungarn und knüpft! an die darin enthaltene Bemerkung, daß die Erfüllung des Friebensvertoages von Trianon eine Existenz-- "■ frage des magyarischen Staates sei, folgenden Kommentar : Die französischekt und englischen Staats^ Männer sind sich -voll bewußt, daß eür militärisches! Einschreiten gegen Ungarn eine Kuratel über ber« magyar.ischen Staat bedeu.ton würde, wozu .sich: aller- -

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