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Wiener Morgenzeitung · 1921-09-06 · Heft 938 (6.9.1921) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 938 (6.9.1921)
Date
1921-09-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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. Gette E Wien, Diensta- ZVie»er M-rgeIIzeitasK 6. September tS2i Nr. SSS i Tagesbericht. Gegenüber de« Inden gilt Lei« Vertrag. Innenminister Dr. Weber fährt ins Burgenland, um den Trianoner Vertrag, welcher Oesterreich das Burgenland zuspricht, durchzusehen. Das ist recht so, denn schließlich soll ein Vertrag, der von Staaten ratifiziert wird, zumindest so eingehalten werden, wie Vertrüge unter Privatleuten bei sonstiger Strafsanktion respektiert zu werden pflegen. Und wenn Ar. Waber in sein Amt nach Wien zurttckkehrt, fetzt er den Vertragsbruch fort, indem er trotz übernommener Verpflichtung den Friedensverrrag von Saint-Germain und den mit der Tschecho-SLowadei und Oesterreich abgeschlossenen Brünner Staatsvertrag einfach wie einen Ae^n Papier behandelt und die Juden ihres in diesen Vertragen zugesicherten Optionscechtes in skrupellosester Weise beraubt. Dr. Waber handelt den jüdischen Optanten gegenüber nicht viel besser als die ungarische Regierung und der von ihr vorgeschobene Osztenb u r g gegen Oesterreich. Vertragsbruch hier, Vertragsbruch dort. Wir haben wiederholt daraus hingewieseü, daß D'r. Waber selbst denjenigen Juden gegenüber, die ans Mahren, Schlesien, also nicht aus Galizien stammen und sich daher als „bodenständig" bezeichnest Und die durch den Brünner Vertrag ganz eindeutig geschützt sind, sich genau so ungerecht und selbstherrlich benimmt wie den vielgelästerten und von allen Seiten verfolgten Ostjuden gegenüber. Diese aus der Tscheche- Slowakei stammenden Juden erfreuen sich >sogar des besonderen Schutzes der „Nrbeiter-Zeitung^, die in ihrem gestrigen Abendblatt dem Dr. Waber eine an sich ganz richtige Rechtsbelehrung über den' Artikels des Brünner Vertrages zuteil werden läßt/ Dieser Artikel lautet nämlich: ' , Die beiden VertraMaaten kommen bann übcrciu, daß sie im gegensntigeri Verhältnisse bei der Durchflihimia de- Oplronsbestimmungen nach Artikel 8ü des Vertrages müOtsiere räch m liberaler Wesse Vorgehen und insbesondere eie Wolt- „par la race et la langue* derart deuten wollen, daß im allger meinen praktt'ch Kauptsäcblich die Sprache als wichtigstes Kennzeichen der Volkszugehörigkeit in Beiracht gezogen werde. Selbst wenn die „Arbeiter-Zeitung" sich schon einmal auf den geraden Weg der Verteidigung des Rechtes von Juden verirrt, kann sie diesen Weg nicht zu Ende gehen und muß auf den antisemitischen diebenpfad abschtoeisen, selbst wenn dies auf Kosten der Wahrheit und Gerechtigkeit geschieht. Sie schreibt nämlich in diesem Zusammenhang: „Die weisen Herren des Verwaltnngsgerichtshofes haben nämlich,' wie man weiß, Rassenstudien angefteNt, um zu der einfachen Feststellung Zu kommen, daß neueingewanderte galizische Juden keine Deutschen sind und nicht optieren dürfen, trotzdem kein Vernünftiger je geglaubt hat, daß das Leute find, für die das Optionsrecht geschaffen wurde." Also, die „Arbeiter-Zeitung" geht mit Waber, wenn es gilt, Ostjuden ein Unrecht zuzufügen. 'Dünkel sind die Wege der getauften Hochmögenden der „Arbeiter-Zeitung", unter denen sich wirklich kern Vernünftiger findet, dessen politisches Auge nicht getrübt würde, wenn es sich gerade um die Verfolgtesten unter bin Juden handelt. Mag sein, daß das Optionsrecht nicht für die galizischen Juden geschaffen wurde. Aber keinem Vernünftigen — um die Redewendung der „Arbeiter- Zeitung" zu gebrauchen — ist es während der ganzen Friedenskonferenz eingefallen, ein Optionsrecht gegen die galizischau Juden oder überhaupt gegen Juden zu schaffen. _ * Der fKtamattoiiGte Vrrchdrncherkorrzretz In Wie«. Gestern vormittags nahmen im Lesesaal des Berrins-' hluseI der Buchdrucker und Sckiriftgießec am Neubau die Beratungen d«S VIII. interaavonüm Buckidruckerkongresses ihren Anfang. An dm Verhandlung:« nehmen Deleg erte fast aller europäischen Staaten teil. Nack Eröffnung deS Kongresses durch den Vorsitzenden der internationalen Sekretariatskommission Jacq«es Sch l u m p f (Bern) und Begrüßung durch den Dele» gierten der österreichische» Gewerh'chastskommission S l r a a i wurde i» die meritorischen Beratungen eingegangen. Im Vordergründe der Beratungen steht die Frage der Schaffung von Jnduffr'cverbffnden «nd dic technische Entwicklung im graohischen Gewerbe. Dre Fraummbeit und Preßfreiheit werdm in Referate« der österreichischen Deltgiertrn behandelt weiden. Der Kongreß wird stch auch mir der christlichsozialen Bewegung und mit jenen Geaer.beweaungen befass?«, welche in der letzten Zeit die Gewerkschaftsbewegung zu beeinflussen suchte«. * Frauengew-nbcschNle für Kleivermach«« «nd Weißväherr de» M<i»chen-U»terstLtz«ngs«rreinS. Die Einschreibungen sür das Schuljahr 1921/32 in den ersten Jahrgang finde« vom 12. bis 16. September vv« 11 bis 1 Uhr statt. Aufnahme in dr» einjährige» kaufmännischen Fortbildungskurs DirnStag den 13. September von 3 bis 8 Uhr nachmittags. Der Unterricht wird in allen Abteilungen »ne n tg e l 11 i ch erteilt. Aufnahmsbeweibrriurien — mittellose I üd i s ch e M a d ch e n — dir daS 1-t. Lebensjahr zurückgelegt haben. kSunvr sich in Begleitung ihrer Eltern oder Obsorger in der Äckiulkamlü, IX., Seegaffr iS a, melden. Berm'sringm fmd: Geburt--, Wiedrnmp!ungS- und Entlast,mgszrnanis: * Pie Relativitätstheorie Im Film. Räch Manuskripte« »nd «nter Mitwirkung der Herren Dr. Otto Buek, Professor Dr. Fanta (Prag', Dr. Rudolf Lämmck (Zürich) und Prosefsor G. F. Nicolai wird ein Film ausgenommen. der de» Titel »Die Grundlagen der Relativitätstheorie" führen wird. Damit versucht der Kmematograph zum ersten Male die Darstellung, einegeschloffene« Wissensgebietes. Der Film, ein Erzeugnis der Colonna-Fclmgesellschaft, nimmt von der Begriffswelt des klassischen Relati»itLtSvrm-ipS seine» Ausgang, «m dann Grundbegriffe der Theorie selbst systematisch zu entwickeln. Die Avsnadmetechnik deS Films wurde in langwieriger Ai beit dm darzu stellenden, außerordentlich snbtilm VewegungSvorgängm derart augrpaßt, daß sich sogar abstrakte Denk- und Forschung-' resultote, r» denen die Schöpfer der Relativitätstheorie nur durch schwnrigste Berechnungen gekommen find, im Film eindringlich vorstellen lassen, und?.war in solch-r Meise, daß auch das Jnkereffe des nicht vor gebildete» Hthlikuutvon Anfang bis zu« Ende sestMalten wird. * Gin Rrrftuf des Dberrabblreers Kuk. Oterrabbiuer Kuk veröffentlicht in der hiestgen Presse einen Aufruf sür die Errichtung einer I e s ch t w a h. wo die.jüdische Jugend der ganzen Welt sich dem Studium d^r jüdischen religiösen Liter im widmen kann. (I. C-B.) * Sin großes Feuer irr Lepek. In Lepel in der Nähe von Wltebsk brach ein' Feuer auS, das 8 0 0 jüdische Häuser zerstörte. (I. C-B.) / * Jltauio. Heute, Dienstag, 5 Uhr (Großer Saal): Sbackletons Südpolexpedition. — V»6 Uhr (Kluvsaal) Dr. Josef Zuth: JnstlinueMaUurs sür Gitarre und Lautenspiel, I. — 7S8 H6t (Klemer Saal) Hochschulprofessor Dr. Franr Strunz : Sokrates,!. V,8"Uhr sKlnbsnal) Kurs Dr. Josef Zuth: Das deutsche Volkslied zur Gltä'.re. VvLkSdildnng inr Techvischen iMuseum. Donnerstag . den 8. j>. M. (Fkiertag) ist >as Museum zuaunsten^ -es Notstandsfonds her. Mufiiinisangestrllten von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags geöffnet,. Um 9 und 11 llb^ Führungen durch die Sammlungen, um 10 Uhr im großen Horsaal Lichtbildervortraä von Profeffor Dr, A. Berny: ^Radium, dic LLelt der strahlendcn Materie*.- * Todesfall. Samstag den 3. d. M. verschied hier Herr Mark Ncnmann, Kaumiann airs Wien, im Alter vv« §4 Jahren. Das'LÄchcnbegangniS findet, heute -um 10 Uhr 20 Min. statt. - * Leiche des Grazer Barrkbeamte« Lnmberg a«fgef»«den. Wir dir „Grazer Taaespost" berichtet, haben gestern Hartberger Touristen die Leicde d^s ans dem Hochschwab vermißten Grazer Bankbeamten La mb erg anig^undm. Dieser hat seinrrzert wahrend des Ausstiegs durch das „Gehacktes im Nebel den Weg zur Fleischerhütte, wo seine Gesellschasans ,hn wartete, verfehlt nnd ist. erfroren. Sein Vater ist Redakteur des Berliner ^Vorwärts". / * Oesterreich seuchenfrei! In der Woche vom 21. bis 27. v. M. wurden beim Vollsgesundheitsamte im BundeSm'^mst?rium für soziale Verwaltung weder em Fall von Blattern und Cholera noch Flecktyphus angezeigt. * Schuhausbesssrnugskurfe der Uraura., Die neuen Schuhansökfferungskurse der Urania für Anfänger (Leiterin: F^au Jnsprktor Anna B ö h n d o r f e r) beginnen am Montag den 12. September und Dienstag den 13. September, i<* nm V26 Uhr. die Sonderkmse für Vaiaeschritteue (Leiterin Fran Jda SokoN) Donnersiaa den 15. Szptember,'/»4 Uyr, und Samstag den 17. September. 4 Uhr. Mittcilnngcn ms dem Publikum. Riü&e Scbnlwolf Saul Friedmano Podhajce Zlotniki Verlobte m ' im August 1921 »>^^>J,-Tii1rf<rnr-r,rirri»rw»fni«ranw»n«nrTirTnmr*«i«iiwir«iiiriiM i~i 1 •i nnnrnriioaunmMA ÄSBÄZIÄ HOTELPENSION HAUS I. RANGES HAUS I. RANGES Angenehmer Herbst-und Winteraufenthalt Ganzjährig geöffnet Kongressteilnehmer Begünstigungen I Direkte Expresszüge ab Karlsbad und Wien j \T_©lOUF"HUte für Damen und Herren BibOP^ Stump en in allen Farben Hutfabrik Gustav Stransky m ■Wien, XIV., BCardlaal=K.an#oHer-Snmt* © B z. s r B may onaiö mu _ » OELEQENHElTß-VEEKADT in £ > r 8 sc V o •B. Itl FRANKEL.il.,Taborstr.17! PF* Kongress- und Messabssschsn 'MV liefern «Ir ^7.°;.° feinste Herrengarderoben L ia prima QaalltKt n« AHtfOanmo -a konkonmloaea Preisen. 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Bezirk, Stiegengasse 14, Zugang Mariahilferstrasse 45 1 (Darchhavs Wiudmöhlgasse und Gumpendorferstrasse SS'i ' 5361 Z- I GT ATL &T TE-N1> AT> t E-Ti. %. I GAH.E.TTE.Nfl.VU5 E-N Wien, HL, K«aa*<| 79 — 81 MWMUGW 8* ei«es Fra«zose» Ans der crlk Hat sich gellem tut schwtrrs m zwei Franzosen zum Opfer ge» \ tot, bet Insasse tödlich verletzt, bekannte Herrenfahrer Herr Heinz , f«br mit Freunde» von Wels nach Wien im Tempo von etwa 40 bis BO Kilometer. Als er auf dir Straße zwischm Erlauf und Melk fuhr, Überholte sein Automobil rin kur, gebauter französt cher Rennwaaen. Der Waoe«, auf den außer dem Besitzer nur der Chauffeur saß. hatte ein für österreichische Berhaltniffe ganz unerhört rasche- T-mvo e ugeschlagen, daS Herr Heinz Steinlechner auf 80 bi- 100 Stimderkilomel« schätzt. Karnachdem das Auto sein ei gen's Überholte, hat der sraurdsische Wagen irgend eine Panne erlitten. Entweder ist die Feder gebrochen oder hat das Volant — Md daist da» Wahrschemlichere — eine« Deiest bekommen. Der Wagen mhr seitlich vo» der Straße gegen einen Apfelbaun, in der Stärke eines schmächtige» Manne» mit solcher Wucht au. daß der starke Stamm vollständig abgebrochen wurde. Im nächste» Augenblick hatte sich das Automobil überschlagen >md war ei« vollkommen zertrümmerte» Wrack unter dem Ehanffeur «nd Fahrer lagen. Der Chauffeur war auf der Stelle tot gv« blieben. Auch d« Besitzer deS AutsS, auaenschtinlich ein Fr.ni- -ose, war sehr schwer verletzt «nd hatte die Besinnung verlörew. Der Franzose wurde in ' ganz hoffunugslosem Zustand in» Krankenhaus nach Melk gebracht. * Verhaftung zmeier Kanflente. Vom Polize-- kommisiariat Innere Stadt wurden amtet dem Verdacht der bettlerischen Krida die Brüder KMeute Adolf Lang, zu Sambor gehöre», 27 Fahre alt, ll.. Regerlegasfe 7 wohnhaii und OSkar Laag, zu Wien aeborm, Si Jahre alt, Vtth Lerchengasie 21 wohnhaft, verhaftet. Sie haben im Hanfe I., Nchrrfiieae 8, ein Textilwarengeschäft betrieben. Im Laute de, letzten zw»» Monate habe« sie Waren von ausländische» Kauf, ltuten auf Kredit bezogen und sie nicht bezahlt. Sihabe» die Ware» zu« größte» Teil verschleudert, ob. wohl sie schon seit längerer Zeit zahlMgSunfähig waren^ Die Hohe der von ihnen kontrahierten Schulden beträgt etwg.' 2*/, Millionen Kronen. Aus Kosten der übrigen Gläubiger habrA sir im Statu» cridae einzelne Gläubiger tzir Gänze beftitdjg, * SchmeveS Aut»«» Straße zwischen Erlauf und _ Antomvdilunglück znaetraaev, de fallen sind. Der Ehanffeur ii Ucher daS Unglück teilt der Steinlechner mit: Er

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