Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 938 (6.9.1921)
- Date
- 1921-09-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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war* Wien. Dienstag Wiener MorgenzertnnH 6. SepLemdtt IM TttTvSBtj in. imi irom Magyarischer Angriff auf Kirchseld. — Mehrstündiger Kampf. — Tote und Verletzte. — Panik unter der Bevölkerung. s Wie ri» 6. September. Amtlich wird gemeldet: Nachdem schon in den letzten Tagen wiederholt ungarische bewaffnete Banden auf österreichischem Boden erschienen waren und Gewalttätigkeiten verübt hatten, hat heute morgens um 3 Uhr eine ungarische Abteilung von 2500 Mann, bestehend aus regulärem Militär, verstärkt durch Banden, die niederösterreichische Grenze überschritten und Kirchschlag angegriffen. Die Gendarmeriebesatzung von Pilgersdorf, Iennrrsdorf, Geversdorf und Lebenbrunn wurde vor der Uebermacht zurllckgenommen. Zwei Neichswehrkompagniett, die dort zur Sicherung der Landesgrenze, ausgestellt waren, mutzten sich nach mehrstündigem Kampfe zurückziehen. Bisher find 2 Tote und 20 Verwundete, davon 3 Schwerverwundete, an österreichischen Verlnsten gemeldet. Verstärkungen der Reichswehr und der Gendarmerie find von Wiener-Neustadt mit Lastkraftwagen und Sonderzügen auf das Kampffeld unterwegs. Die Bevölkerung von Kirchschlag und Arngedung flüchtet in Hellen Hausen gegen Wiener-Neustadt. Die ungarischen Truppen sind hiemit auf österreichischem Boden eingebrochen, ohne daß die Reichswehr die nieder'österreichrsche Landesgrenze überschritten hätte. Eine Erklärung der Regierung. Da,u schreibt die „Stnatskorrciporidsnz": Dieses Unerhörte Ereignis bildet die kaum mehr z u i'i b e v d ie.t ende Steig e r u n;g der völ'ke rrechtswidrigen ungarischen' Uk't ion gegen die Durchführung der Friedensverträgt. Sie bittet der österreichischen- Bundesregierung den Anlaß, sich an die Bevölkerung mit der fei^rlichen'Vcrsjcher ung zu wenden, das; sie kein di p t-orn'atisches vder sonstiges Mineu n v e r s nicht lassen!vird. um das ehrliche Recht wiederherzuste'len und die unveräußerlichen Ansprüche Oesterreichs auf das Burgenland trotz aller Widerstände d u r ch z-u s e tz e n. Panik in Wiener-Neustadt. r Wie er-NeuZiadt. 5. September. .Privat.) Dee Bevölkerung von Wi"ne'-Neustadt deinachügte sich ungeheurige Aufregung, den gan.-ien 2(v-ud.war eine vielhundertköpfige Menschenmenge aus dem Platz.' vordem Nachause und es verbreitete sich. uuier> den Leuten, das; die Möglichkeit'.'beshrhe,-,dM,' die.^Äntzarn auch in Wiener-Neustadt einmarschieren.i. Kemzusölge Hai der Stavtraals oberste Sichecheitsbehörde,heute, abends eine Kundgebung erlassen, in der-er die Tatsache von der Besetzung "von Kirchschlag durch die Magyaren bestätigt, jedoch, darauf hin weist, daß jü'c.' Wisn-r.r-Neustädt keine Gefahr besteh t. Bon änderet Seite wird verlautbart, daß es nicht Insurgenten gewesen seien, die Kirchschlag, beseht haben, sondern daß reguläres kriegsmäßig ' ansgerüste.es ungari.scheZ Militär von' Ungarn aus in Kirchschlag einmarschiert sein soll. — Kirchschlag ist eine Ortschaft im Wech'selgebiet, in südlichsten Zipsel von NiedcrösterEch. i Die Grenzbrucke vor AKHou vsn Äen Magyaren in Brand gesteckt. Bergan, 5. Se^iemier. Die Insurgenten steckten «m 1. b. M. die Grenzbrücke vor Allhru durch Handgranalen in 'Hrand/ Die österreichischerscits unternommenen Versuche, die Brücke wieder" instandzusehen, wurden von' den Magyaren durch Maschinengewehrfeuer verhindert. Wie sich Horthy die Uebergabe von Oedenburg vvrstrllt. Wi-er, 5, September. Die „Politische Korrespondenz" schreibt: Der ungarisch-r Gesandt' hat heute dem! Bundeskanzler eine Note überreicht, str der die unga-. rische Regierung ihre Vereitwilligteit'erklärt, diebishet noch nicht geräumte Zone B destveftüngarifchrnAn» schlußgebietes formell der österreichischen Negierung, beziehungsweise der Ententemission.in Oedenburg, zu übergeben und diauf den Frirdensvertrügeü vonSaiut- Germain und Trianon fußende Soubsräirität Oesterreichs über dieses Gebiet anzuerkennen; sie behält sich jedoch vor, die effektive Räumung des Gebietes bis zur Beendigung der Verhandlungen .h inaus zu sch isb en, will hingegen der Bestellung eines österreichischen Negierungskommissärs neben dem ungarischen Regierungskommissär in Oedenburg zur Wahrnehmung der österreichischen Interessen zustimnreir. Gegenüber dem Vorschläge gibt ez für die österreichische Negierung nur eine Antwort: Das Festhalten an den Beschlüssen d-e-J österreichischen Ausschusses für Aeußeres vom 13. nnd 27. August, sowie den neuerlichen Appell an die drei Hauptmächte der Entente, die der ungarischen Regierung obli'geude vorbehaltlose Räumung des Auschlußgebietes ehestens zu erzwingen. Die Uebernahme der öffentlichen Remter — Steigerung des Verkehrs mit Oesterreich. Wattersdorf, 5. September. Seit mehreren Tagen hat ein Lnßetst lebhafter Pc> sonrnvcrkchr zwischen dem Burgenland und Oesierrnch, insbesondre nach Ncderösterreich und nach Wien, einzesetzt. Nach Schätzungen an kompetenter Stelle hat sich der Personenverkehr etwa verdreifacht. Es findet auch bereits ein Austauschvellehr mit Landesprodnkten und österreichischen Fertigwaren statt. Die E r ö f i n q n g des Güterverkehrs ist in a l l c r n ä ch ü er Zeit zu erwarten. Der ungarsprachliche Berkehr ist ohne jedes Drnckmiitel seitens der österreichischen Behörden so gut wie verschwunden und bat m allen B^völkerringSschich'en des Landes überall der deutschen Sprache Platz gemacht. Mit der Anbringung der gebräuchlichen deutschen Ortsnamen an den amtlichen Gebäuden «st berckts begonnen wordck. DieUcbnnrhme der ösf ntlichrn Aemter ist zum größten Teile bereits vollzogen und hat sich völlig reibungslos abgespielt. -Die meisten Beamten deS ungarischen StaitöVicustes werdm. soweit es sich nicht um national exponierte Personen h.nidelt, in ihren Stellungen belassen werden. Es liegt' eine bedeutende Anzahl von diesbezüglichen Optionsgesuchen vor. Ungarische Artillerie beschießt österreichisches Gebiet. Wiener Neustadt, ö. September. Bei Gcmsdort BaudentUißCiif. Heule nachts hat ungarische Artill e r i e> einen Schuß. ans östek'reichischiSÄed'.rr bei Obed-Siunersdorf abgegeben. Es würde kein Schaden eingerichtet. Bei Gttsßng und St. Äächael Pakrottilleniätigteit. In J'ennersdörf sind '300 l iß 4V0 FreischUrler mit Nchs Bkasrlftnettgewehren rinmarschie>t In Nenmarkt har Graf B a' t kh y ir n v die - Brsitznngai amchlußfrennklicher Peifonen geplündert und düse verschleppen lassen. Ec selbst hat fiir 'Zwecke'' fc1 Üitftörfijm Frtischärlerolgariisation lö.ooo gespendet. ' Die Rückkehr der verschleppten Gendarmen lMd KinNiznm hrrgane wird für huue abends, irwmtet. ZMmer der Zud. "'.Der großdeutsche' LandbagsaLgeordnete Pechall hat drei Tage in dem von den Betyaren zerstiertest Oedenburg zugehracht und legt nun in der „D'eutschösterreichijchen Tageszeitung" seine dort gesammelten „Mahtungeit" nieder. Sie schauen so aus: „Man ersehnt unb erhofft Von Oesterreich die Befreiung vom j ü di s cf; e nt (!) und ~ militärisch-legitimtstischen Joche... Eine unbeeinflußte Abstimmung, in Oedenburg ergäbe eilten erdrückendest Hunbertsatz der «'rischen'^!) Bevölkerung für Oesterreich . . Die „Deutschösterretchischle Tageszeitung" chat sich vor einigen. Tagen über die belyarischen Ausstreuungen, daß ist Oesterreich der r«re Terror der Jirden Adler, Austerlitz und Deutsch herrsche, mit Recht entrüstet. ' Leider fand sie leine geistreichere Abwehr dieser Verleumdung als eine öde Retourkutsche. Wieso ihr genialer Berichterstatter — so genial, wie es eben nur ein großdeutscher Parteisunktionär sein kann im Burgenland zu der seltsamen Anschauung tze'köminen ist, daß bas militäcischlegi.stvtistische Vetyarentum — jtidisch ist, dafür gibt uns's folgende Stelle seines BertHchS/.äWKK j. ..Keinen Fingerzieig: „IM Gasthaus wurde froh die neue Zeit besprochen,'und ich habe auf dem verhältnismäßig kurzen Stück Weg w e i tö f te r a n ge ha l t e n, als es sonst bei Antofahrten üblich ist . . ." Dieses Bekenntnis einer schönen Seele läßt tief blicken, das heißt, es läßt erkennen, wie tief der Herr Landtagsabgeordnete überall geblickt hat — nämlich ins Glas . . . Abtolventde-rTextllfachschulenln Wien it. Reichenbfrjj.mit eitriger Prtzis uhd im Coarptolrdlenst versiert (dertelt in ungckündtrfer'kaufiA.Stillung) . . bittet um Beschäftigung iit einer Weberei, 7.wecl s Erwerbung pra ktlicher Kennt, r i e in diesem Fache, iör welche» er sowohl Vorliebe wie auch Ver* sländnit besitzt. Wer v « rscha fft ihm die Möglichkeit zur Vorbereitung fflr Palästina auf demOcbietedesWebereifae he»? Oefl. Zuschriften unter „Textiltechniker 6262“ an die Adm. d. Bk 5262 Die KredtthUfe fkr Oesterreich. .. Wiederlegnug der unstünstige« GeeÜchte. ‘"•i Amtlich wird gemeldet: Gegenüber den in den letztest Tagen in der Oesfentlichkeit' verbreiteten Mtteilungen, baß' die Kreditaktion des Völkerbundes gescheitertsei, erfährt die „<Dtaais--Korrespondenz" vpn maßgebender Stelle: Die Berichte' des' Mlndesministeriums für Finanzen aus Genf stehen im Go g e n satz zn den um lau senden tendenziösen G>rüch 1 en. Die Berichte, lassen vielmehr erkennen, Laß die Verhandlungen mit dem Finanzkomitee des Bölkerbunbes günstig fo r t schreiten. Die Flüssigmachung der Krebste selbst hängt vorderhand freilich von dem formellen Verzicht der Vereinigten'Staaten von Amerika auf das Wmerächfandrecht ab und e8 ist klar, daß dieser erst erfolgen kann, sobald der mit. Oesterreichabgeschlossene Friedensvertpag, der morgen dem österreichischen Bundesrat zur .Genehmigung unterbreitet wird, auch vom amerikanischen Kongreß formell angenommen sein wird. Der amerikanische Kongreß tritt bekanntlich am 21. d. M. zusammen, »nd kann erft .nach Annahme des Friedens- Vertrages nrit Oesterreich . auch den gewünschten Beschluss fassen, auf das im Friedensvertrag begründete, Generalpfandrecht gegenüber 'Oesterreich zu verzichten, Um jed-och schon in einem früheren Zeitpunkt die BorauZsetzungein für die Kreditgewährung zu. schafftu und nicht erst auf die Beschlüsse des Kongresses warten' zu müssen, hat die österreichische Regierung bei der amerikanischen Regierung den Antrag gestellt, schon vorher aus eigener Machtvollkommenlftit aufdas Amerika Zustehende Pfandrecht der ^wichtigsten,, für die Kreditgewährung üm meisten in Betracht kommende« Aktiven, wie Zölle, Monopole usw., zu verzichten, und hat begründeten Anlaß zur Hoffuung, daß dieser ihr, Antrag die Zust immung dev amerikanischen.Regierung finden' wird. Sobald diese Zustimmung vorliegt, sind für das Finauzkvmitee» des Völkerbundes schon vor dem 21. d. M. auch die Böraussetzungen für die Durchführung seines Programmes gegeben. Hiemit erübrigt sich ein Eingehen auf die sonstigen, mit der Kreditaktion zusammenlhängeydrn tendenziösen Meldungen. Die neuen Forderungen der Bundesangestellten. Unter Hinwis auf die immer mehr um sich greistmd^ Teuerung haben die Bündesangestellten neue Gehaltserhöhungen und Tenennigszutvendungen von 60 Prozent der'tzegenwätttgeü Bezüge von der Regierung angesprochen. Die Erfüllung dieser Forderungen würde da? Staatsbudget mit 21 Milliarden Kronen belasten., Die^'N^stiemügtzist^derelts, mit den v^rfchiedsenen Orga--. nisationön in 'Fühlung. getreten.' Telegramm^. Die wirLschastNchen Folge« des Jaffa-Pogroms. Jerusalem, 2. Sevtrmber. (Iüd. Korr-Bur.) Wir der Zasiaer Korrespondent d>s biestgen Blattts ^Al Apab" berichtet, macht die S.tadt eint schw-'r'e ökonomische Krise mit, die eine i^olge d e r M a i - A u S s ck r e i t ung en . ist Die Exzesse trasen wie ein Schwert in- Herz des wirtschaftlichm Lebender Stadt — schreibt der Koiresponvent. — Es sei eine modammedanische Hilfsorganisaiio« geschaffen worden, die jedoch untätig sei. Die mohanimedantsch-chnstlickeFöderalionha! Gcwerkschastm ar.ibischfr Zimme-leute, Bootsleute. usw. geschaffen, wodurch die Arbeitslvsitikeit rin wenig abgenommen hat. Möglichkeit einer Kabinettskrise in Polen. Mkrschak, 4. September. (Privat.) Der Fmanz- und Budgetansschuß depolnischen Parlaments,'diskutiert jetzt das von der Negierung oorgelrgte B u d g e t. Im Laufe der D §!nssion wurden gegen den Fittanzminister Steczkowski scharfe Angriffe gerichtet, so daß er beabsichtigt, seine Demission zu geben, da seine Fimmzvolitik nicht die Zustimmung der parla» mmlarischrn Parteienvcrlreter erhalt. Es hat stch jedoch nn Lause der DiSkm'ston auch u geben, daß das gesamte Kabinett W i t o s in. der Finanz- und Budgetkommi siou ans eine Mebrheit schwerlich rechnen Eann. Dte aus der Milte der Kommission emgebrachtm Abändmingsanträne zur Finayzpolit.k richten sich zumeist gegm die Negieiung und ihre Fmarimtaßnahmen, mit deren Schicksal deu Brsiand dis Kabinett» W i t o S eng verknjijrsi ist. Wenn die bevorstehenden Absttmmnuge« über diese Anträge gegen die Regierung m,f* sollen, so ist die Gesamtdemisston des Kabinetts zu erwan n. Es, Hecht, daß W ito's beabstchtigt, bis zur gänzlichen Beendigung der gegenwärtigin Polen herrschenden Ctteikdie Geschäfte provisorisch zü führen. Der polnische Eisenbahnerstrelk beendet. Warscha«, h.' Doptrmbtt. (Funkfpruch.) Der Ans. stand der Eisenbahner in Posen und in der llmürbmig Warschaus ist beendet. Kämpfe in Syrien. 21*», b. September. (Funkspruch.) Aeghptische Lcitungen I inelden von eursten Zusammenstößen zwischen s r a nz ö s i s ch r n . T r u p p e,« und aufständischen. Arabern in Syrien. r* •. Getragene Pelze aller Art sowie Kleider kauft 20 horrenden JACOB MAYER Preisen des Kleiders«d Pelzhus XI.,TkborstrM»*< (4 und IX., <*r ob«* iieaa»^ 7ei.4s-e.21