Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 935 (3.9.1921)
- Date
- 1921-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis & Kronen KONG RESS - AUSGAB E Pra»umerationspreise: W ie«: Zu« Abhole« In ter Expedition» S. Bezirks- Taborftraße l bl» 3, oder I» einer VrrichlrißstrÜe <Tr«fik); Monatlich. Kronen iS».— Mit Postversand für Wim und Oesterreich r Monatlich . Slttuim iao.— Tschecho-Tlowakei: Monatlich . . Kronen 18.— Viert.Uabrlich . Ü4— in llchecho-llowakilcher Wahr«»- Ungar«: Monatlich. . Kronen- 70,— ivterteljührlich . 210.— t» nngarischrr Währung Ingoflawie«; Monatlich. . . Dinar 13.— iLtertel jährlich „ SU.— Einzelpreis L isch. Kr PränumeralionSpreisv: Potent ‘ Monatlich. . Mark 20Qyin Polnischer Wnhrung . Lentschkqud: MonatltH. Mark 11.- - /Frankreich: Monatlich . . . Frans» 6.- . Italic«: ' Monatlich . - . . . Lire 6.- . Rnmiinien: Monatlich.... Lei 2».. - Schweiz n.'U»a übrige Aurieno Monatlich. . . Franc» Äredaktto»u.Stdulinistraiion Wie», ».«ez..Taborstr,- 1—:s Telephon«: 44038, 43«M «»6 Uhr abend» Nr. i«»01 Postsparkasse,nlcnto msw :ir? /// i!; * iHA;y .!> Nr. 935 Wie«, Samstag den 3. September 1921 . ' - - - ' -■ ■ ■ > > - . - . ■-.< - :■ 3. Jahrgang 'V f ■t,-] ♦ on u ns er er Karlsbader Red a k Li o p. Karlsbad, 2. September. Wie wir erfahren, veröffentlicht die englische Negierung den redigierten Text des Palästina-Mandats, wie er gestern dem Völkerbundrat vorgelegt wurde. In dem neuen Entwurf ist nur eine, wesentliche Aenderung vorgenommen, welche die Einbeziehung des Lransjordanischtn Landes in das Mandatsgebiet betrifft. Die Generaldebatte. —Die Amerikaner fordern Reformen. Karlsbad, 2. September. (Eigenbericht.) Der Kongreß ist nun in vollster Arbeit. Die polit i sch e Gen er crlbcbatte stützt sich auf die Berichte, des Aktionskomitees und auf die großen Reden der,Oppositionellen S i m o n und d e Li/e m e» deren Kritik wohl fct:/ der, FchW'.:.lM/'WM^ Wün Wesen aber wenig Neues brachU Deü'MMnattons^ Punkt erreichte die heutige Sihung^j^i^ Rehs M Oherrabbiners Dr. E h a ] e s, der für dre Mbahnung eines v e r f ö h n I i ch eit V erhä tzt n i f f e s T; amerikani fch en Oppofi t i o tt eintrat. Seine auf hohem Niveau sich bewegendem Ausführungen zwangen dem Kongreß wiederholt Beifallsstürme ab. Der P e t m anen z a usfch ü ß, die beherrschende Kommission des Kongresses,' hat heute den Abgeordneten © 1 r icker und den Minister von Litauen. Solowejtschik, zu Präsidenten gewählt. Aus den Kreisen der amerikanischen Delegierten gehen uns folgende Informationenzur Die a itt e r ik a n i s ch e Delegation ist durchaus n'i ch t p e s s i m i st i s ch. Die pessimistische Stimmung, die man in vielen Kreisen des Kongresses findet, rührt daher, daß Amerika im letzten Jahre als das Land der Haupteinnahmen versagt hat. Die Politik Herbert Samuels hat eine Aenderung erfahren, weil-er auf Anterika baute und in feinen Erwartungen getäuscht wurde. Gewiß' sind in der-z io n ist i sch e n Kam nt i s s i o n in Palästina große /Fehler -gemacht wa rd en. Die Amerikaner werden daher gründliche Reformen : verlangen, die im Wesen mit den auf der Vorkonferenz der mittel- und osteuropäischen Landsmannschaften beschlossenen Wiener Thesen übereinstiytmen. Sie verlangen: 1. Die Fachleute dürfen nicht gleichzeitig die Verwaltung der Departements führen. 2. Für jedes'Departement ist nebst dem Fachmann ein vom Kongreß gewählter verantwortlicher Lei 1 er zu bestimmen. . Die Z i o nistisch e Ko m m i s s i o n muß aufgelöst werden. 3. Die Führung der Exe< kutive muß nach P a l ä st i n a übersiedeln und sich dort als 3 ewish A g e ncy konstituieren. Ein Teil bleibt als E x positur i n L o n d o n. Von den beiden Führern muß einer seinen ständigen Wohnsitz in Palästina haben. Mqn denkt hiebei vornehmlich an S o k o l o w.) Da die Politik gegen-, wärtig mehr m Jerusalem als in London betrieben werden muß,, muß der S ch w e r p u n k t der zi'oNi-' stischen Arbeit nach P a l ä stina verlegt werden. Sokolow soll sich in Palästina, feiste Mitarbeiter selbst wählen. Die amerikanische Organisation' ist entschlossen, ast der neuen Leitung und . Verantwortung tei lzun.eh m en.v . /'./ '' Nachstehend der Sitzungsbericht. VizeprSfibe«L Mozkrn eröffnet die Sitzung um V2II Uhr. Er schlägt vor, die vom Legitimationsausschusse noch', nicht oerisizieUen Delegierten MülaÜW. Er vtzttzündet, daß nach der in Prag beschlossenen Geschäftsordnung in der Generaldebatte' die Redner der großen Gruppen in der Reihenfolge^ der Stärke, ihrer Parteien sprechen sollen. Die kleineren Fraktionen haben das Recht, sich-zu diesem Zwecke zusammenzuschließen, ebenso können sich- 30 Mitglieder des - Kongresses^ für die Wahl je. eines Redners - zufammenschließem. Dagegen; wendet sich Abgeordneter S t r ick e r?rc> -spricht , O -e 0 i t e. M o/z k-i n ckedstMtnuy^ einer Gruppe von zwgnzjg' Delegierten W^chgriibE dsts'Wort je! einem Redner zu.'gestatten, dann ^Länttn/Vie Kleineren. Gruppen und individuelle Redner. Der Antrag wird a n'g e it 0 m m e st.'' - , . T/ Der erste Redner in der Debatte, ist de Lieme, früheres Mitglied der zionistischen Reorgamsations- - Kommission und der Exekutive. Seiner Rede war mit grcher Spannung entgegengesehen worden' und man Halte von ihr verschiedene Sensattonen erwartet. De Lieme erklärte: Ich fühle mich zum Sprechen gezwungen, weil die.Exekutioe gegen die Erklärungen der Brandeis- Grüppe iw Amerika eine Schrift steröffentlicht hat, in der sie Uninformiertheit zeigt. Es?: fehlen wichtige Dokumente, zum Beispiel die Resignationsbriefe von Bryndeis, Simon und mir, die Dokumente über den Ankauf der Ländereien vom Tale Emek. Es heißt nicht führen und leiten, wenn man die Verhältnisse sich entwickeln läßt, gegen die Man'.nachher revoltiert. Die neuen Ideen des K er en> H a j eff 0 d' haben lmferc. großen Sammlungen und Geldquellen versiegen lassest. Sprechen wir nun über die Lage. Wir dachten, daß unser Präsident in seinem Berichte seine Ansicht über. die politische Lage auseinandersetzen werde. Die Exekutive nimmt aber nur politisch und dialektisch 'SMüng. Weitzmann soll darüber sprechen, wie er die Frage sieht und wie er glaubt, daß sich unsere Zukunft entwickeln werde. Unsere Pdlitck ist eine F a s s a d e np o.l i't i k geworden. Wir haben nichts Neues aufzstweisen.Hur M am d a t s frage meine ich, daß in der ersten Periode des Kontrakts die Beziehungen zur ■ englischen Regierung stärker waren als heute. Es hat die Peßach-Pogrome in Palästina gegeben und wir haben Förderungen aufgestellt, die in keinem Punkt erfW wurden. Der A n st i f t e r d e. r P o g r 0 m e ist so g a r G 0 u v e r n e u r g e w v r d e n. D a s i-stein e Sch an d e. 7 Wie sieht es' nun mit der G r e n z f r a g e, ans? :W/die Nordgrenze streiten'die .Großmächte und' wir!verstehen, daß hier nicht' alle unsere Wünsche' erfüllt ichsthen, kynnen.' Aber die O st g.r e n g e ist kein, Sittstöbjekt der Großmächte. Bezüglich der Errichtung desjüdischen R e g i m e n t s stehe ich auf d em Standpunkt,, daß die Mandatsmächt^für die Sichethest der. Bürger sorgen müssen. Wird aber ein Regiment gesordeü, so muß man'entweder Vertrauen zum englischen Oberbefehl haben oder man hat es nicht. Es : nützt nichts, jüdische Soldaten und englische Offiziere zu haben. Auch wird uns' das. Regiment zuviel koste». Zur arMcheu Fragesagt Redntt: Wir wollen Palästina so jüdisch haben, wie England englisch ist. Die Araber wollen, daß Palästina so arabisch sei, wie England englisch ist. Die Araber haben den Vorteil, daß ein Teil Palästinas schon arabisch ist. Wir msissen also eine ö k 0 n 0 m i s ch e, aber k e i ft e d i pt 0 ma 11 f ch e Politik machen und es muß eine Brücke geschlagen werden. Der Redner bedauert,, daß die Dokumente über d i e B 0 d en k ä u f e i n Emek-Iesreel dem Kongreß,nicht unterbreitet werden. In der Frage der städtischen Bodenpolitik kann uns die Nationalisierung nicht gelingen. Wir dürfen nicht Reden Hallen, sondern müssen n a ti on a I e B 0 denp 0 l it t k machen. . In bet- Schulfrage müssen wir einen Kulturkampf vermeiden. Der I i s ch u w muß selb st die Sch ü ll a st e n über n e h m e n, damit wir unsere Subvention abbauen können.. Das Programm der Finanzkommission der Exekutive ist in dieser Frage destruktiv und negativ. Sie schlägt nichts weiter vor als eine Herabsetzung des Schulbudgets auf 4200 Pfund. Auch bezüglich der A g rar f r a.g e in Palästina sind wir keine Agenten der Amerikaner' gewesen. Ich freue. mich, daß ich mit Branders in dieser Angelegenheit übereinstimme. In der Frage der Gegenwart^' arbeit in der Diaspora ist der Redner der Ansicht, daß das Diplomatisieren bei der Aufbauarbeit ZulückgMellt werde. Dagegen will er die Heranziehung q I I e t jüdischen Kräfte : zur 'Slusbauarbeit. und eine radikale Reform der Arbeit. Der 3$ r äf ib e nt der Exekutive hätte tl t cht nach A M e r i k a g ehe n sollen, um eine S t r a f e x^p, e-. d'rt i o n zu leitest oWeHMdorher mit dem großen Aktionskomitee/ zu beraten. (Lebhafter Beifall und. Händeklatschen.) Es hat immer Kontroversen i in Zionismus gegeben und es war nicht gut, es zu einer solchen Absplitterung in Amerika kommen Zu lassen, in einer Zeit, wo wir a l l e K r 8 f t e heranziehen müssen. Wertzmann h.a t d i e B r ü ck e n zwischen P ins k un d W ash in g t.o n z e r-, b r 0 ch e n. (Lebhafte Rufe: Oho!) In der Auffassung. Brandeis'steckt etwas wesentlich Jüdisches. Es gibt zwischen uns immer eine Brücke und die ist Erez. Israel. (Lebhafter Beifall.) Dr. Berliner (Misrachi) spricht Hebräisch. Wir dürfen nicht vergeffen, daß die wichtigste politische Vorarbeit für die BalfoufDeklaration und Scur.: Remo von Weitzmann und Sokolow geleistet wurde. Schon deshalb mußte man ihnen viele Fehler verzeihen. Es ist sehr zu beb auer n, daß Max- N 0 r d a n h i e r f e h l t. (Stürmischer Beifall.) Wir vermissen aber noch Dr. Weitzmann' selbst als Kritiker. England ist durch zwei Dinge groß geworden: durch Tradition und Demokratie. Beides vermissen wir in den letzten Iahtest Man hat bei den Ernennungen der Leiter 'versäumt, sich an ' die großen' Parteien zu wendest Die Exekutive bestand nicht aus den einflüßrelchsten und stärksten Kräften des Volkes.' Das nennt man in Palästina Protektion!. (Heiterkeit.) Dieses System darf nicht länger herrschen. Aus die Reise nach Amerika hat Weitzmann niemanden mitgenommen, der für die r e l i g i ö s e n G e s ü h l e des Volkes Verständnis hat. Der Leitung ist es nicht' gelungen, weite Kreise heranzuziehen, nicht einmal die Reichen. Lord R 0 th s ch i l d hat in 'Amerika nur Pap i e r e t f 0 l g c gehabt. Der K e r e n ' H a j e s s 0 dmuß eine selbständige Institution bleiben. Der Einfluß von B r-a n d e i s in Amerika' wird sehr überschätzt und es ist . nicht richtig, daß Weitzmann die zionistische Organisation in Amerika zerstört hat. In Palästina aber ist es so west gekommen, daß inan einen Verein der Sabbatfreunde. ^gründen mutzte. (Heiterkeit und Zwischenrufe.) Es gibt lDinge. die über allen Gesetzen stehen, und dazu, gehört vor allem das innere Leben des Judentums, (Beifall.) Üffischkin soll da Abhilfe schaffen. Die Erziehung ist' für uns eine politische Frage. Nicht nur in Palästina, sondern auch in der.Diasporä muß die Beziehung z u r R el \ g i 0 tt aufrechterhalten werden, Palästina muß ganz jüdisch bleibe» in der Tat und im Geiste. Wir müsse» Jerusalem bauen, aber kein Rom. Die. nächsten Redner, Dr. Thon (Krakau) und! Dr. Pellin. sprechen hebräisch. In ihren Aus-' führungen beWea sie sich vor allem mit der Kulturi.r »ge» i v: fl ■ V ' l ’ /-/;;/; : i|:/; MS - f;/1’;.- h ■f :L 07063570