Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 932 (31.8.1921)
- Date
- 1921-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Vollzogen sich in früheren' Jahren die Arbeiten des' jüdischen Korrgr-rsscS ziemlich unbeachtet, so erfolgen sie jetzt in einer politisch ungemein intensivierten Welt: in einem. Zeitalter, das bis. an die Grenze der Tragfähigkeit mit politischen .Problemen erfüllt istl, dessen ganze Nerven-' kraft sich' in dem^ schwersten Ringen um. die Neuordnung der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens erschöpft. Die Judenfrage' zählte feit .je zu den schwierigsten und kompliziertesten Themen der politischen und. sozialen Diskussion, ftn! unserer Zeit ist sie eine Weltfrage geworden, di< auf dem Programm der stärksten Mächtekonzentxatvon steht, die die Menschheit je gesehen hat. - ,!; i:; '!•/ - Der zwölfte! Kongreß ist mehr wie je das Parlament der jüdischen Nation,, ihre höchste Körperschaft; er schöpft seine Autorität eins dem.Willen des erst zur Staatlichkeit gelangenden Volkes, dessen' Souveränität höchste moralische Potenz ist. Das jüdischje, Volk, ehedem willenloses Werkzeug einer mehr oder: minder wohlwollenden, stets aber' ihm wesensfremden, politischen. Gewalt, hat sich aus seiner eigenen SW die.DÄWe: errichtet, von der herab es^ zu W' puderen Völkern! spricht, auf hier es Wer feine Fragen selbstl« auwritch: .entsWhet. -DM, Tribüne stM Mt^ inoW <mf;, fremdem Bvhen.Wir HMn, sie ,E'UWj,ereOÄM^rl Hans :erbauen . zu .können, als.. schSnstjes Zeichen? der mtt* - Erworbenen Freiheit, die Mrs - und der Mmschheit zum Segen. gereWn soll. ' -!' ’•> - i. V- Die Aufgaben dieses Kongresses/ sind' außerordentlich schwer, Das Mischst Parlament svll ein Sjadtsprogvamm aufstellen, ein Budget errichtendie wirb-, schaftltchsen und gesellschaftlichen 'Grundlinien der jüdischen KrgenberechtrgUntz zeichsnen. M MUß dies ' alles tun, obzwar > die politischst Situation des jüdischst» Volkes Unklar ist und obzwar Made di« Formung des politischen' Schicksals nicht ausschließlich vvft der. jüdischen Nation bestimmt werden kann. Aber bas ist" kein Uebel. Kein - Bott ist heute Herr seines' 'Geschickes und die Entwicklung, aller Nationen wird in höherem oder -geringerem . Urade von ih-ten Nachbarn mitbeeinflußt. 'Beimjüdischen. Volke, das sich baserste grund-. legende Kriterium seiner Existenz, die territoriale Selbstbestimmung, erst schaffen muß, tritt dieser Umstand aber besonders ausgeprägk in die Erscheinung. Es gliedert sich wie. Wes andere Volk in Parteien mit besonderer politischere sozialer und kultureller Stellung. Aber dazu wirken noch' die Einflüfft der Staaten, Völker, Gruppierungen, in denenes lebt - und machen die Erzielung einer einheitlichen Staatsauffassung zu einem Souderprohlenr,. l bas an die staatsbildenden Kräfte einer erst seit zwanzig Jahren zu.-politischem Eigeuivillen erwachten Nation die höchsten Anforderungen Hellt und allst! Energien auslöst, Wr. -haben durch die/zionistische- Urbeit den Nationalfonds und die Kolorualbauk errichtet,/.wir haben in die jüdische Siedlung '-Plan- und Wstem getragen, wir haben dem Mischen- Volke Beachtung seiner Wünsche errungen,, wir habFn.^hem,,.jWschen Volke ein . großes, sonnen s-olles. Ziel gegeben. Wir haben es im Zionismus ge-, einigt' ftn' Zeichen unserer nationalen Erhebung, es kurch.,.das befteietide Ideal der Arbeit für bas Gettchukwöhl erhdb^n. Der Zionismus '.ist heute das IMW-e.i'Vott;. .'was' außerhalb des Zionismus,steht, ist' üichichD' Volf. Wirsprechen m se'inM NamenuEtvv inmustr es für, das . Judentum zu wirke«.' gilt/ fällt ö'ir. ÄrVstit' und mit' ihr das Vertrauen' lftm Zionist miu ' .Wir haben-sts! erreicht,' daß die Frage der' Mischeu'.Heimat 'in das politischst Gesichtsfeld' der Oeffentlichke'it .getreten ist. ' Daß. ist ein sehr weiter Schritt vorwärts' auf; dem Leidensweg des ■ jüdischen Volkes.- ES', liegt aber darin auch der, Nachteil,''daß- Ue-Mische' fragst alle' Schwankungen dw welfpoliftschen Entwicklung mituzachen.^ mutz. und' daß auf' Perioden der höchsten Aktualität Zeiten des tiefsten'Stillschweigens!Mn. MM« .«nb-M-r-MN» Vo n unserem Spezialberichterstatter. Die Frage-es Präsidiums. K a r l sb 0 d, 30. August. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Das Zionistische Ä k t i o n s k o ttt 11 e e begann hier gestern unter dem Vorsitz Professor Warb ur gs seine Beratunsterr, an denen die Vertreter aller Lander und die gesamte E x e tr ü i 11> c teilnahmen^ Den Gegenstand der Psratnngen bildete zunächst die Frage des P r L s i d i u m s des Kongreffes. Wertzmann schlug Lord R o t h s ch i l d als Präsidenten vor, woMgen S t i i ch e r siir Mozk i n eintrat. Die Beschlutzfaffnng wurde auf Heute vertagt. Am Äheud tratev die Vertreter der Landsmannschaften über Anregung Strichers zusammen, um über die Entwürfe der Wiener ManMeM vvtz Ded ziMWschenLayd^rgHni znr. NenorgaMervng der l zionistischen Leiinng z« ä; .v.;- : Mnregung. . S. t r r ch e r s fand gestern estre Sitzung - von 18 L a n v sch a n ns ch af t e « statt, die den prinzipiellen Beschluß sabten, eine A rb ei t s g ern e infchaft zu bilden. Hetzte beraten darüber' drei weitere Landsmannschaften. Diese Vereinigung von ettva 23 a T e i l n e h m e t« wählte eine provisorische Leitung, bestehend aus: S t r i ch e r (Wien), L i p f k i (New- Poltzü), H and t k e (Berlin), ferner Vertreter Polens, Rumänrens, der Randstaat en, 9 stg alizi e ns. Die provisorische Leitung notifizierte heute dem Präsidenten Är.Wei tz m a n n die Bildung dieser Fraktion. Heute fetzte das ANtionskomitee seine Beratungen fort. N«p p in - (Jerusalem) referierte über „P a l ä st i n a - Ä r b e i t". 0 Heute find Simo n und de Lieme hier «ingetroffen. Churchill und die arabische Delegation. . Karlsbad, A). August. Aebsr den Empfang der arabische« Delegation bei E h u r ch i l t cvfaxten wir: Churchill fragte - «ach dem Grund der Weigerung des Zusammentreffens mit he« Zionisten. Die Araber erwiderten, die Iudme wollten einen Iudeustaat errichten, das maM die Herrschaft der Minorität über die MasorM tat. Churchill: Das ist nicht richtig, die Zioniststz verlangen das nicht. Die Jude« wolle« f t ejj i« sLand einwandern und im L ause der Zeit die Majo ritat rvr Laude erlangen. England wäre .es erw ü n j ch t, wenn - d i e f et b ust an d S a l d ein t r e i e n w ü r d e Wenn 3hu«u das nicht patzt, so bedaure ich, in dieser M ziehuüg Ihnen nicht helfen zu können. Araber: Zwischen dem ersten und dem zweiten Lei« der: ein W id e rfM mfifftz. Chnrchilli EWdWht rernWiderspruch, idze" Araber tsiunen 5 «tzr Schutz gegsu,Mpropriationen verlangen. Churchill erklärte zum Schlutz, der Besuch trage ketnerlek o f fi z i e l l e n C h a r a k t e r. SchlMW wurde der Delegation bedeutet, datz ste adreisen tonne. Konfeee«ze«. . Karlsbad, 30. August. Sonntag wurde hier, dsi zweite , Weltkouserenz. der' jüdisch-.sozialistischen Bolkspgrtei- . „Hrtachduth" in Anwesenheit von etwa 60 Delegierte» «offnes S prin z a k (Palästina) berichtete über die Aafgäben Mrdl' Ziele der Partei. Nach ihm referierte Dr. Martin B u b e r-üh^^ zion'stische Politik. Karlsbad, 30. -August. Seit. Freitag, tagt S» der Weltkongreß der ^zionistUichen Stn-. d e n t e.n s ch a f t, aus dem 50 Delegierte aus allen Welltellm vertreten sind, sow'e se.t Samstag die j ü d i s ch e T u r.^^. s chaft vieler Länder. , s Minister Solowejtschik i« Karlsbad eingetroffe«. Karlsbad, 30. August. Unter den m Karlsbad ringetroffenen Delegierten befindet sich der Mi-uitzar' für jüdische A n g e l e g e n h e i t e n i n L i t a tt «« Dr. S o l o w e j t s ch i k. " - . ' deshalb' nicht kopfhäligerisch zu werden. Unsere Geschichte hat bis zum heutigen Tage mehr schlimme als gute Stunden gesehen und ihr Höhepunkt wurde dort erreicht, wo wir selbst unsere Existenz betonten, unsere Forderungen stellten und unseren Willen aussprachen, von dem Recht auf Land und Freiheit /nicht abzulassen. Einen solchen Höhepunkt erleben wir. jetzt wieder auf dem Kongreß, der die Verbannten aus allen vier Estben der Welt" versammelt. Unsere Geschichte zählt nach Jahrtausenden und es ändert nich'ss an unserer Entschlossen-, 'heits lvenn sich neue. Schwierigkeiten türmen.. Wir tysspstmübertzisniven, evenn nur der Mut, das Schicksal zu smeisternd sich nicht abschwüüht. sWohlwollen.und Fireundschaftsbe^eig'ung2N von Regierungen.'mögen - viel Meuten, aber wir wissen, daß alles' veränderlich 'ist, alles 'federleicht wiegt in einer Menschheit, die nur -die Wicht der Zahl gelten läßt. Nicht der Temtzel, den Kyros bauen ließ, konnte das Exil überwinden; das jüdische Gesetz,' das Nehemia schuf, hat uns die Kraft des Düldens und. die Hoffnung gegeben, die in unserer Seeleruht.« Mmr -die Zeit von -heute, gegen uns zu w?Mn. wir LchuH-iü W ' Mestfortseheu und' nur auf uns vertrauen. Wir müssen^ die jüdische. Sache aus das jüdische Volk stellen.- Auf dem Kongreß sprechen wir zur Menschheit» deren Glied wir sind, dereil Leid' und Freud' wir' teilen. Wir stellen ihr vor, daß die Existenz dieses Kongresses ein Protest ist gegen das ungesühnte Verbrechen am jüdischen Volk, gegen alle Schandtaten, bi« unsere Geschichte, aber ebenso die Geschichte der Mensch^ .heit verdunkeln. Wir'sagen ihr, daß i^öes Wort vout Frieden und Versöhnungleerste Heuchelei bleibt, solange das jüdische Volk ein Spielball unsinniger, sadr-' stischer Launen bleibt, und wir sagen/daß!' wir dieses Schicksal nicht ert-rdgen wollen^ -dasun-seke Mnsthen-- würde, unser primitivstes Recht verneint.' Wir-erklären vor aller Welt, daß' wir M unsere Freiheit, außunser Land niemals verzichten und -daß wir unsere Zukunft nicht den Wechfelfällen und Laanen frewdev Faktbren anvertrauen'. "Finden wir. auf unserem--Wege für uUsere Ansprüche als. nationäle Individualität! freundwillige Hilft und Verständnis, so werden wir drs mit ewiger Dankbarkeit lohnen. -Und der '-Rotzen---witzt » tzM MlW. M unjerer Seite lieOn. ' l