Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 931 (30.8.1921)
- Date
- 1921-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kunschak und Riehl, Waber und Ursm feierten die horthymagyarischen Pogrnmhelden als das Ideal zielbewußter'Kämpfer gegen das Judentum, als die nachahmenswerten Musterbilder ehrlicher verläßlicher Arbeiter für das Ariertum. Die Abgesandten Horthys und Osztenburgs am Wiener AnLisemitentag ließen es damals nicht nur bei stammenden theoretischen Reden bewenden, sondern versuchten es, wie erinnerlich, den Wienern auch einen praktischen Anschauungsunterricht darüber zu geben, wie das christlich-nationale Dreigestirn Pronai, Hejjas und Osztenburg die Iudenfrage in Wien lösen würde. Die Christlichsozialen waren es auch, auf welche die ungarische christliche Regierung ihre ganze verfide Politik gegen Oesterreich aüfgebaut hatte, und die Verbrüderung, die zwischen den Pogromhelden Horthys und den österreichischey Antisemiten stattfand, mußte m der Tat die Horthy-Regierung in dem Glauben bestärken, daß sie in einer Zeit, in welcher Christlichsoziale uyd Deutschnationale, also Programm- E MiftzWl^^D^ÄeG. am Ruder sin^> ein ckeichtes toprel haben werden, Oesterreich um den einzigen Gewinn aus dem Kriege oder wenigstens um einen Teil desselben zu prellew Als nun Oesterreich sich anfchickte. das Burgenland aus den. Händen der Entente in Empfang zu nehmen, da waren es wieder dieselben Osztenburg und Hestas, die diesmal nicht durch Abgesandte, sondern in höchsteigener Person an der Spitze ihrer Mörderbanden die von der österreichischen Regierung zur Besitzergreifung des neuen Gebietes und zur Sicherstellung der Ruhe und der Ordnung entsendete Gendarmerie mit Feuer und Schwert empfingen und das feierlich gegebene Wort der ungarischen Regierung und der Nationalversammlung desavouierten, und wie schon oft durch ein Blutbad den Beweis erbrachten, daß in Ungarn nicht Horthy, nicht Bethlen und seine Minister- Kollegen, sondern Osztenburg, Hejjas, Pronai und deren Banden regieren. Vergebens warnten wir und mit uns die gesamte unabhängige Presse davor, mit Horthy- Ungarn nach den Sitten europäischer Kultur zu verkehren, vergebens mahnten wir diesen Wegelagerern gegenüber zur Vorsicht; Oesterreich ist abermals diesen Betyaren in die Falle gegangen und hat seine Leichtgläubigkeit mit Menschenleben bezahlt. Man darf sich iodoch nicht darüber hinwegläuschen lassen, daß die Magyaren niemals ihre Willkür auch den Ententemächten chatten in so betyarischer Form entgegensetzen können, wenn die Errtentemissiorr sowohl bei der Räumung der Baranya durch die Serben als auch bei dem Akt der Uebergabe Westungarntz an Oesterreich nicht so völlig versagt hatte. In beiden Fällen, sowohl in Fünfkirchen als auch in Oedenburg, haben die Vertreter der Entente in unangenehm auffallender Weise sich auf die Seite der Magyaren gestellt und aanz besonders in Oedenburg ist es der französische General Michel, der den Magyaren gegenüber eine Sorglosigkeit an den Tag legte, die nur. dann entschuldbar wäre, wenn es sich bloß um die Unfähigkeit eines Offiziers und nicht um eine bewußte Bevorzugung Horthy-Ungarns handelte. Wir wiesen erst vor wenigen Tagen darauf hin, daß Generäl Michel auch in seiner Proklamation den Magyaren förmlich schmeichelte, daß er Kenntnis davon hatte, daß Osztenburg und Hejjas vor den Toren Oedenburgs mit bewaffneten Banden auf die Gelegenheit lauern, um die Uebergabe Westungarns an Oesterreich mit Brachialgewalt zu verhindern und im Notfälle auch vor Pogromen nicht zurückzuschrecken. Die Haltung Frankreichs gegenüber Ungarn, das gewaltsame Eingreifen einer berüchtigten Mörderbande in den Pollzugsakt des Trianoner Vertrages ist nicht nur eine Schlappe der Entente, sondern sie ist ein neuerliches Wammlssfignal au die gayze Welt vor der ungarischen Gefahr, von welcher der Friede Europas ständig bedroht wird, wenn in Ungarn der Brachialgewalt gegen die Konsolidierung nicht eine andere energische Brachialgewalt zur Sicherung der Konsolidierung entgegengesetzt wird. Ungarn ist in seinem heutigen Zustande nicht Vertrags fähig. Es leidet nicht, wie von den Königsmachern gerne behauptet wird, an dem Mangel einer Autorität, sondern eher an der Hypertrophie von Autoritäten, die in geschickter Weise einander ausspielen und, wenn es nottut. ablehyen. die Verpflichtungen anzuerkenneu. die die scheinbare Regierungsautorität eingcga'ngen ist. Das ungarische Volk ist an diesen Gemeinheiten seiner ihm aufgedrängten Führer: unschuldig. Die Banden der Hejjas und Osztenburg sind nicht aus den Söhnen, des arbeitenden ungarischen PMes: nicht aus Bauernsöhnen zusammengesetzt, sondern? bestehen aus deklassierten Offizieren und dem Klem-^und Mitte!'' ade! angehörigen BeMteU. der vMynHe?MäÄ 'NichL,>MdeL^W. rWttm verntäK' ah daßer sie von' Zeit zu Zeit aus Raub ausziehen läßt gegen die wehrlose Bevölkerung, vornehmlich aber gegen die völlig schutzlosen Juden.. Die ungarische ReMrung wüßte von dem Vorhaben Heijas' und OfztenMgs, - die. hohe Regierungsstellen bekleiden; mir ihrer Hilfe wurde die Hetze gegen Oesterreich betrieben,' wie im Innern des Landes mit Hilfe und Duldung der /Regierrmg "die Hetze und die Raub- und Mordziig^Wen die Juden veranstaltet werden. Hejjas und hinter ihm Stephan Friedrich dürstet es, nachdem sie Ungarn völlig zugrunde gerichtet haben, nunmehr nach dem Ruhm d'AnnuMos und Korfantys. Wenn die Entente mit Energie eingreift, kommt Weftungarn in den Besitz Oesterreichs? Aber es wird nur dann der ungestörte Besitz Deutschösterreichs bleiben können, wenn die Entente sich ausrafft, endlich einmal in Ungarn selbst Ordnung zu machen, denn nm Leichtgläubige und mit den Verhältnissen in Ungarn nicht genügend Vertraute können sich in dem Glauben wiegen, daß der Putsch von Oedenburg die letzte blutige Ueberraschung sei. die von den „Erwachenden Ungarn" und den ihnen zu Gebote stehenden verschiedenen Ossiziersdetachements verursacht wird. Aber auch eine andere Lehre mögen die Lenker der Staaten, die heutigen Gebieter über Krieg und Frieden in Europa, ganz besonders aber die französischen Machthaber aus den Vorgängen in Oedenburg ziehen. Die Duldung und Förderung einer Staatspolitik des Judenhasses rächt sich immer schließlich nicht nur an denjenigen, die den Antisemitismus zur Staatsraison erhoben, sondern au denjenigen, die ihn liebevoll umschmeichelten und ihn durch ihre Förderung großzogen. Nicht von den Juden, die durch diesen Antisemitismus an Leib und Seele getroffen werden, geht die Rache aus, sondern das Gift, das in die Bevölkerung als Antisemitismus geträufelt wird, deffen Wirkungen man glaubt nur gegen die Juden dirigieren zu können, verbreitet sich in dem ganzen Volks- und Staatskörper und erzeugt eine allgemeine Tobsucht, die in ihrer Zerstörungswut keinen Unterschied mehr kennt zwischen Juden und Ariern, zwischen Bürgern und Adel, und sich letzten Endes gegen diejenigen wendet, die die Volksvergistung herbeigeführt haben. Auch die Franzosen werden zur Ueberzeugung gelangen, daß es eine verfehlte Politik ist, dem Judenhaß zu schmeicheln und die Reaktion als diplomatisches Auskunftsmittel zu benützen. . ■ Flucht aus Weftuugur«. Ans »turclN vor den magyarischen sind Hütte viele Bewohner Westrmgarns abgereist, um sich nach Oesterreich 3» flüchte». eines Ultimatums bet Budapest. e Wie wir erfahren, werden heute vors mittags die Vertreter der Ententemächte in, Budapest der ungarischen Regierung ein energisches, befristetes Ultimatum überreichen. Das Ultimatum fordert die «ugarifchr Regierung auf» sofort alle Banden und Detachements ans ganz Westungarn zurück- Mziehen «nd das Gebiet bis zu der im Friedensvertrag bezeichneten Demarkationslinie sofort zu räumen. Für alle VorfMe, die sich aus der Nichtbefolgmrg dieser Forderung ergeben, wird drc ungarische Regierung verantwortlich gemacht. Eine Erklärung der Regierung. Di- ,P 0.li 1 i sch e Korr r s p 0 n d e n z" -icfjuttyi m in einer ' offtriellen Bitdapefter Kundmachung zUtgge hrtftchr Ayff.'.ffvtM S.er,^vgaHhm Uegiramg/ noch, Mt/ den B e st xit-^e i| / F'rieöensverttäfl'V' unb den BMüffen det^ tfttt-b« Uebergabe. DrslnngaMs brtraüte« mtevalliierttn MffitärhniMi m?O-denbm't'!, Teile des 'wefiuntzänschm^ PebieteS' 2 f and Kr die von ihr gemachten finanziellen Anshchchr 'weiter be'etzk. m kalten und danach das westungarifche Gebier in eine Z '01t c I lr »,b.; fl; zu teilen, enspncht,. in keiner Form dv' internationalen Rechtslage, 'wie sie' durch die' Friebrns« vertrüge nnd die wiederbosten EntscheidMgen der Eutmiemächtr gegeben ist.' In .keiner? der in Betracht iommeudrn Hnffchließtmgen war die'Uebergabe des Bvrgenlandcs au Oesievrerch abhängig gemacht von' der v o rh e r ig e n Ersüllung ';c i n z e l n 'er E n t s ch' L d i'g ü n g Sa «s Pr ü ch'e.' Vtcm 35' e t e?chtigung übrigens erst zu erweisen sein wirdungarische' Rigieriwg hat sich in .ihrem 'Widerstand' M'en d.e Atzetkeunung der durch die Frirdensvertrage festgesetzten i Orenzlinien immer nur aus ethnographische' nnd wirtschastlich^: Verhäüniffe im Bmgenlande selbst berufen, niemals aber die' Ersiillung des FriedrnSvertrages von einer vorherigen Regelung' sirianzieller Reklamationen abhängig gemacht. ES kann sich also hier nur um einen Vorwand handeln, den' die nngarvchr - Regt rilng im entscheidenden Augenblick in den Vorderarnnd stellt, um für ihr neuerliches Attsweichen eine Grundlage zn konstruieren. Die österreichische Negierung, die am 27. d. M. vom Ausschirß für Aeußeres wieder ennächtigt wurde, über alle mit Ungarn schwebenden Fragen nach ungestörter Uebergabe de§ Burgen' landes in Unterhandlrmgen einzntretrn, kann den Standpunkt der rmgarischen Regierung unmöglich teilen und hat dementsprechend bereits die n 0 t i g e u S ch r i t t e znc Wahrung der Rcchte und Interessen Oesterreichs unternommen. , Der Miuifterrat über die Vorfälle. Der heute abgehaltenr Ministerrat hat sich nur mit V/>. durch die jüngsten Ere>gnisse im Burgenlande herbeigefülnten Lage beschäftigt und vor allem der Gendarmerie für ihre opferwillige nnd tapfere Haltung den Dank der Regienrng 'ansgelprochen. Zur Unterstützung der durch die tückische n Ueberfülle bedrängten Gendarmerie nnerdendie u c> l» wendigen Maünabmenbeschlossert. Bundeskanzler S ch 0 b e r hat an den Geti^v n.' - zentraldirektor Dr. G a m p p rin Schreiben gerichtet, wvt » er unter Miteinsendnng eines namhaften Betrages dm ©en? darmeriezentraldirektor. bittet, diesen. Betrag an die fünf Gmdarmeriebeamten. welche bei der Besetzung des Bnrgenlandes schwer verwundet worden sind, mit seinen besten Grüßen zu verteilen. In diesem Schreiben heißt es daun: „Mit dem Wunsche, daß unsere brave Gendarmerie vo» weiteren Opfern verschont ttei&cn möge und recht bald ihrer eigentlichen Aufgabe, -«ach allösterrrichischer Gkudarmerietradition der Schützer: des frird, lichen Bürgers auch im Burgenlande zu werden, vochlomuien kann, verbleibe ich 3br . ..uira»