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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-24 · Heft 925 (24.8.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 925 (24.8.1921)
Date
1921-08-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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'*■ / -i>,.\l / Einzelpreis SS Kronen Einzelpreis LS Kronen Ponnnmerntinnsproise: ie»: $MM «bhi»n, i« H% c^MkMUva. Vcaiirf, *««k t <b «teM «iMMOf*. mrnm W«- MÜ m* BtlMlMl » NZOUtM 11^» Me»»Mch. . JKmmc 18.- 54— rener PpSmunerattonSPreiß^sz .. ts*ie»* ■; r, »Lisch« vckh»W^" DtEchkmcht Hwilwldii 4 xwiHUlf... gtmv 4m «M«,, * MmwKttchVT^. «fct fc- . RwWfli: 1 MomNUch. ... Lei »S.- i Schveiz *. d«t ifcig« SusiMfc 1 rar DLSsWNrr, snna%tss' vo^fl-arr«ffe«roerttQä» Nr. 925 Wien. Mittwoch den 24. August 1921 3. Jahrgang <%/ Bor dem Rücktritt des Autzenministers Grafen Banfsy. B « da pe st, 23. August. (Privat.) Im Parlament verlautete heute mit Bestimmtheit, daß die SteSung deS Minister des Aerrtzern Grafen Dauffy erschüttert sei, und daß mit seineut Rücktritt in kürzester Zeit gerechnet werden müsse. Banffh wird beschuldigt, er sei in der ungarischen Frage nicht genug etter» frisch gegenüber Oesterreich ausgetreten Als sein Nachfolger wird Graf L e l e k i genannt. Bauffy soll zum ungarischen Gesandten in Paris ernannt werde«. Die Schimpfoffenfive der Horthy- Agente«. Budapests 23. August. (Ung. Tel.-Kvrr.-Bur.) Bo-r Umgang in öie Tagesordnung erhebt: Abgeordneter Gros Kuno Klebelsberg im Namen der Stadt Oedenburg Protest dagegen, daß die Stadt sowie ganz Westuu garh unM österreichisiM Joch gerate. Dadurch, 'bWMWMH M1,-«ach--btt^MMung '^vsn>''Mlg<LE' tvieder versucht, uns zu berauben, entsteht zwischen bsiden! 'Staaten' sin K o n f l i ft, der niemals zu überwinden sein wird. (Lebhafter Beifall im ganze» Hanse.) Abgeordneter -Heller erklärt, daß die Entente bei der Pe Teilung der Pente auch den österreichischen Nachbar gerufen habe, beijahrhundertelang von Ungarn Iv b; o. 2Äcrs m Oesterreich geschieht, bas ist Htzäneripo littst» das ist Lerchenraud, d rs ifi, sine Politik der S e l b st f n ch t und F e i g» h n i i. * Oesterreich soll es für! ewige Zerben .merken, daß-es im-Augenblick, .wo es seine Hand aus ungarischst. Gebiet legt, zu unserem größten und bestgehaßten Feind wird. Abgeordneter Lingauer betont, daß die Bevoittl'Ung WestUilganls wegen der drohenden Besetzung durch OcsterreiH'aUf'Ms tiefste erbittert fei. Diese Stnunuurg. werde durch Gerücht» noch verstärkt.' Das OedenhürgerWebtet leide unter einer wirtschaftlichen Krise'und selbst die Lebensmittelversorgung sei uutev&unbett.. Ein Teil der Bevölkerung v er s chle nd e r e st tit % t r m ö g c n.' Die Unrgebung von,Kölsz«g ii. erde infolge des Verlustes des Ernähr»ugsgebietes unrettbar einer Hungerkatastrophe entgegengehen. Wenn die Regierung den Stand her Dinge beizeiten nnlgeteilt hätte, hätten die westungarischen Abgeordneten einen bewaffnete« Widerstand organisiert. (-»etzt. ,vo'der Anschluß' sozusagen meuchlings gekommen sei, könne davon nicht inehr di« Rede sein. Die Nationalversammlung möge bedenken, ob es geraden sei, de» SoinilierilMüb angesichts dieser Lage der Dinge am- Nltreten. Dpr Interpellant fragt die Regierung, ob Perhandlüngen in Schwebe seien und ob im Falke des Mißlingens dieser Verhandlungen Rotors i v n s ma ß r e g e l n ergriffen werden, - und ob der Abbruch der diplomatische» Beziehungen mit Oesterreich für den Fall des Verlustes Westungarns erwögen'werde. Minister des- Aeüßern .Baron > Banfsy erklärt m seiner Antwort, in der Sitzung des Ausschusses für attswärtiße Mn^e'legsnheiten' sei-' eine Erklärung abgegeben ivorden- 'dast in Verhandlungen eingegangen worbsn'-föi,' die^ zum Beschluß fass* österreichischen Ausschusses für Aenßeres vom 13. .August führten, wonach der österreichische Ausschuß keine Basis zu uumttMarbn/MrhittchlMgvn fitche. Dies-sei in dem ssiilerzc'-tigen Eommünigu« veröffentlicht worden. Die r.'-ir'garische Rsgiss:ung Habs sich gleich am folgenden Tags auf den Umstand" be-cu^'n, daß sie in der Hoffnung auf ein Uebev-cinkomine« die unmittelbar $n lösende« Fragen in die letzt» Reihe gestellt habe. Es müsse daher jetzt die dringlichste Lösung dieser Frage« gefordert werden. Diesbezüglich sei die Aufnahme von Verhandlungen gewünscht worden. Der Minister könne sich nicht in eingehende Aufklärungen einlassen, erkläre jedoch, daß sich diese Verhandlungen auch auf die westungarischen Liegenschaften des ungarischen Staates, die Rechtspflege, die öffentlichen Angestellten Und die valutarischen Fragen erstrecke. Ungarn wünsche die dringlichste Lösung dieser Fragen und die in Schwebe befindlichen Verhandlungen würden in kürzester Zeit beendet sei. Abgeordneter LingaNer erklärt, er könne öie Antwort des Ministers nicht zur Kenntnis nehmen und werde die Konsequenzen bezüglich der Stellung seiner Partei ableiten. Das Haus nimmt die Antwort, des Ministers mit überwiegender -Mehrheit-zur 'Kenntnis., j - Abgeo rdneter S z m rees a u h r erkl ärt, - - tsch«!,isch« A«per!tt!:.'' bilde , vom ethnischen und geographischen Smildpunkt aus ein n.n m ö g l i che s Kong lvme,r a't- Redner beklagt die Atrozitäteii, die. von .seit«» der Tschechen gegen die nationalen Minderheiten begangen würden. Magyaren tytfc Slowaken, die von einer Zugehörigkeit zur tschecho-slowakischen Republik nichts wissen wollten, seien unterdrückt worden. Die. tschecho-slowakische Gesarchtschaft in Birdapest unterhalte ein Spiouageshftem, das sie durch Bestechungen stütze. Demgegenüber sei es Ungarns Aufgabe, Zustände zu schaffen, die in den unteibrückien Völkern die S e h n s n ch t erwecken, irr beit alten Staatsverband zurückzukshren. (Das besorgt wohl der Pronay. die Red ) Den Slowaken müsse schon jetzt gesagt rverden, daß ihnen, wenn, sie in, den ungarischen , Staatsverband zucückkehren, eine Autonomie weride zuteil werden, die auch für andere , Nationalitäten vorbildlich sein müsse. Die slowakische Autonomie werde sich auf die Ressorts des Innern, der Justiz, des Unterrichts, der religiösen und krrlturellen Angelegenheiten erstrecken und im Wege' einer autonomen Nationalversammlung mrd eines slowakischen Ministeriums durchgeführt worden. Redner fragt die Regierung, ob sie beim Völkerbund Schritte unternommen habe, «m die Rechte der Miudeoheiten in den besetzten Gebieten, zu sichern. Minister des Aeußvrn Baron Banfsy erklärt 'zunächst der Interpellant erwarte sicherlich nicht Aeußerungen über die allgemeine große Politik und bemerkt, es sei ztveifellvs, daß die große Entente, auf deren Geheiß der Trianoner Friedens- Vertrag unterzeichuvt wurde, und die Mächte, die aus dem Vertrag Nutzen gezogen haben, verpflichtet sind, auch jene Punkte einzuhalten, welche die Rechte der nationalen Minderheiten in den besetzten Gebietm wahren. Es sei natürlich, daß die ungarisch» Regierung ihre Tätigkeit in der Richtung entfaltet habe, baß die Rechte dewer, die für Ungarn optieren, getvahrt werden. Die damit in Verbindung stehenden Fragen können einer Löösung einerseits dadurch zugeführt werden, daß der Bund der Nationen zur Wirklichkeit wird, andererseits im Wege von unmittelbaren BerhaMungen, wie sie in letzter Zeit in Marienbad . geführt wurden, in-denen man einer Lösung nähe rge komme n sei. Di« Regierung werde nicht uachgeben, aitf dem zu bestehen, was der Friedensvertrag Ungar« und seinen Konnationalen zugesichert habe. Was die Zwang sverpachtungen betreffe, seien von Ungarn die nötigen Schritte geschehen. Abgeordneter Beukö interpelliert über die Abtretung WsftUngarns. Redner beantragt, die Negierung möge fci» Ite&ei'flpbe wenigstens solange verschieben, bis Oesterreich den Gegenwert für das kn österreichischem Besitz befindliche Staatsvermögen «nd für die ungarischen Kunstschätze erMl». Ministerpräsident Graf B erwidert: Das Begleitschreiben Millerands habe die ungarische Regie-; rung stets als Bestandteil des Friedensvertvages betrachtet und dies auch im ihrer Antwort cm die Entente betont. Ungarn könne auf die im Geleitbrief zugvsprochenen Mchte nicht verzichten. Wen« die Ueber». gäbe durchgeführt werben sollt» (1), biete der Gelertbrief Gelegenheit, zu einer - Grenzberichtigung zu - komnren. Die Regierung werde für die Verteidigung! der ungarische« Interessen sorgen; sie werde trachten,^ baß die Ueb»rgabe nicht früher erfolge, alp) bis die gerechte« Interesse« U«gar«S geschützt seien. Hierauf überreicht der Ministerpräsident dem Präsidenten der Nationalversammlung ein Reskript de- Reichsvertoesers, das die Session für vertagt erklLür Das Reskript wird zur Kenntnis genommen, Der kranke Staat. r. W i e 8, 34. Angpst Die altbekannte Wiener Smjationsluft hat wieder einmal ihre Affäre. In Baden hot man eine SM* holle ausgehoben, die sich nobel und bezeichnend poar etrangers nannte, was fteilich nicht ausschloß, daß sschji , in dettächtlichem Maße wie es scheint, auch jM heimischen Kreise an jenen trauten Freuden beteiligten, i die der Wirtschastswirbel der letzten Jahre gewöhn^ hat. rasch und ausgiebig zu Geld zu kommen. Allere dings weist die Präsenzliste der dingfest gemachte» Anwesenden ein buntes Bild auf, und es ist in der; Tat eine intemationale Gesellschaft, die sich in der; verschwiegenen Badener Villa ihr Stelldichein gegeben hat. Die neueste' Affäre hat jedoch ein über da»! Lokale hinausgehendes Interesse: von Tag M Tagi werden Spielhöllen ausgehoben, der Prozentsatz jener^) die von der Uebertretung der Gesetze leben, wachst ins beängstigender Weise und Wien beherbergt heute eins internationales Publikum, deffen bürgerliche Derlaßlichkett auch die zahlreichen Paßoisas nicht beglaubigen. Alles wird käuflich, die Korruption wächst auf allen Gebieten und die öffentliche Moral wird bald ein Begriff sein, der sehrantiquiert anmuten wird. Der Fremde, der heute nach Wien kommt und mit seinen Valuten hier noM immer sehr billig wegkommen kann, ist nur schwer? davon zu überzeugen, daß Wien die Stadt des Elends? ist, die Stätte, wo Msttelständlee und Arbeiter, das ganze Heer der Fixbesoldeten und Beamten — von de« Pensionisten und Kleinrentnern nicht erst z» reden —\ unter einem immer unerträglicher werdenden Wirtschaftsdruck seufzt: Die Faffade des Luxus» der zahlreichen Vergnügungsstätten übertüncht jene» Elends^ bild, das fich im Gegensatz zu den anderen «ic$6 in den Vordergrund bringt «nd sein Leid stumm- und gelaffen im verschwiegenen Winkel ttägt. Die Ausschreitungen einer immer ausgelassener werdende«' Zügellosigkeit, welche nr gerader Proportion mit de« Sinken unserer Valuta wächst, bilden eine ernste' Gefahr für die Zukunft dieser Stadt und sie find ein Merkzeichen für die Verknüpftheit von Politik mis dem bürgerlichen Leben des einzelnen, die allzuosi hinter den polittschen Schlagworten verborge« bleibt. Diese Fäulniserscheinungen sind das deutlichste Kennzeichen der Krankheit, welche das österreichische! Problem heißt, eine Krankheit, für welche sich bisher der Arzt nicht gefunden hat. Alle diese Erscheinungen find eine Folge der hierzulande herrschenden Unsicherheit,, eine Konsequenz von Mißtrauen und von Verhältnissen, die das Hochftaplertum aller Art in die Höhe schieße« lassen und bald die verschiedensten Glücksritter aus aller Welt in Wien konzentrieren wird. Das Berttauen zu der ohnmächtigen und gänzlich von der Gnade der Entente abhängigen Staatsmaschine ist völlig geschwunden und diese Stimmung bildet tat, Nährboden für jeglichen Exzeß. Diese Umstände sind es auch, die den österreichische«; Finanzminifter wieder einmal nach Paris getrieben haben, um in Sachen der versprochenen Kredite zu negieren.' ")lber die Lösung wird beständig auf die lange Bank geschoben und die Folgen Mes ZMmdes

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