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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-19 · Heft 920 (19.8.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 920 (19.8.1921)
Date
1921-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ Jt i- ( iäm Scconeti Lm^et^rets gjig**ggy» 1 MPMNIt i'wy^Wi «•HtaMnt #V|^> Nr. 920 renrr Wien, Freitag den IS. August 1921 Pranmuerat^snSpreisar?“ w«wr* t» »-r«isch-r wähn«, «»>Mtch??^^Äa^I 14^. n»atf((i^!‘1!**j^<Mii ft«. _ AtMeRr MsmttNch. . . . Utre «^. AnmSick«: Monatlich.... Le, t&-.’ Schweiz », da» Lbrigr Susim« Monatlich. . .Arrmc« 8*~ W»WWLLr L-j>L?ü^L.jWr SoMpln^effnrioat» ISßjass 3. Jahrgang mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm t f Mi« .- ®le «sir erfahre«, find hier gester» a»s Veft««garn Meldungen eingetroffen, wonach die berüchtigte« Horthy-Garden in West- Ungarn eine« Putsch plane«, «m die Hebet» gäbe des Landes an Oesterreich gewaltsam zu vereiteln. Es ist notwendig, daß die öfterveichifche Regierung sofort alle Maßnahmen ergreift, «m gegen jede Aeberraschnng seitens des Vndapester Gesindels, das jetzt in Westungarn als Landwirte «nd. Arbeiter verkleidet herumstrolcht, gesichert z« fein. Durch de« Putsch soll dem Ausland vor» getauscht «erde«, daß die weftnngarische Bevölkern«- de« Anschluß an Oesterreich nicht will. Konzentrierung ungarischer Truppe» in Westungaru. Die Detachements HejjaS, Pronay und Oszteuburg in Oedcnburg und Ersen sta^t. %4*e»*euffo*#, 18. August. Grivattetzarawm.) Wie gyr. .S». - >M«. Somstag zirka 800 Maun Jufanlierie mttMaschmen- ' geWrhrÄr ihre» Einzug. Ders^ve erfolgte mit fliegender -ahne und unter de« Klängen einer Militärkapelle, welche Zither täglich in Eisenstcrdt PlatzmÜsik. veranstaltet. Aus Oe beuburg kommt die Nachricht, daß' die in Eijenstadt eingelangten Truppen daS Detachement des Oberleutnants H e j j a S sind, während in Oedenburg selbst P ro- , ay und Osztenb «rg mit ihrcm Detachements eingel-offen sind. Die drei bekannten Derrovoffiziere gehen zwar 'n Zidilkleidung, sind aber von Leuten, die sw persönlich fetmett, mit Bestimmtheit agnosziert worden. Ihre Ankunft in Westungarn knapp vor der Uebergabe läßt ekle mögliche» Schlüsse zu. Die Bevölkerung, der ihre Anwesenheit bereit» bekannt ist, ist in Unruhe versetzt. Da in Oedenburg «och immer strenge Presse zensur geübt wird, können Zeitungsnachrichten ans Oedenburg selbst nicht hinpuSkomrne« «ov Mamt österreichische Gendarmerie znm Abmarsch nach Westungarn bereit. Wiener-Reostadt, 18. August, (privattelegramm.) Am Vorabend de» Abschlusses der Uebergabe des BurgenlandeS werden vom hiesigen Hauptplatz aus unter Kommando des Üanbesgr»?:armeriedirrkKntS Ornane r 800 Man« Gendarmerie und die bisher an dm: Grenze verteilt gewesenen iymgnzwachodteilungen in voller Ausrüstung nach Westungaru abgehe«. Unterwex? erfolgt die Aufteilung der Truppe« auf dio ihnen -«gewiesenen Standorte. Von ek»em Abmarsch von Neichswehrtruppen ist h«r nicht» dekcmrt. Wie in Westungarn geräumt wird. Die Uebersiedlungsarbeite« der ungarischen Behörden gehen bisher ohne Reibungen, aber mit einer Gründlichkeit vonstatten, die lebhaft an die RÜckzngsbewegnng«« der Truppen während des Krieges erinnern. Bio wie damals, wenn kerne Aussicht bestand, in das Rückzugs gebiet zurückzuSeyven, trachte« die Ungarn nach Möglichkeit, die AmtSgebäude, die sie vorlassen müssen, förmlich z« demolieren, damit die Oeperreicher desto mehr Bchwie^lkeiten und Kosten haben. Ans manchen Gebäuden werden selbst Türe« «ud FeusterftScke mitgenommen, die Nägel aus den Wänden herausger'sten, die Wände mit WexLe« beschädigt. Das Landesgericht und die Bezirksgerichte von Oedenburg und des lbomitats Oedenburg haben bereits sä-mtliche Akte» «rf daS ungarische Gebiet hinübergebracht und die Bevölkerung ist darüber beunruhigt, weil verschiedene Zivilprozesse anhängig sind, deren Beendigung dadurch sehr erschwert wird. Es »verden Klagen darüber laut, daß weder von Beite der Ententelommission, noch von Beite der österreichischen Negierung die nötige Borausftcht an den Lag gelegt nckrd, um späteren Kompsilatkonerr vorzubeugeu. Der RückMg der Urrgarn wird titxt dem berüchtigten Oszterrburg-Detachemerrt gedeckt. Fvrrnell amtshandel« die ungarischen Gerichte noch' weiter, was insofern, von schwerwiegender Bedeutung ist, al§ auch in letzter Zeit noch Verhaftungen vorgenommen werden für Vergeh»«, die sich gegen die Souveränität des ungarischen Staates richten und, wie dies zum Beispiel in dem Fall Haas geschah, selbst mit der Ueberführung der Verhafteten auf ungarisches Gebiet vorgegangen wird. Die Folge davon ist, daß viele Oedenburger und überhaupt Bewohner des an Oesterreich fallende« westungarrschen Gebiets nach Oesterreich flüchten und dort die vollständige Abwicklung der Uebergabe Westungarns an Oesterreich abwarten. Die westungarische Bevölkerung empfindet es alS einen Mangel des Friedensvertrages und der Uebergabsbestimmungen, daß die nngLrifchen Behörden — besonders die ungarischen Polizei- und Gerichtsstellrn — noch' immer fungieren, währeich es vernünftiger, beruhigender und gerechter getvesen Ware, wenn wähend der kurzen Zeit der Uebergabe eine Art Interregnum niit EntentAolizei geschafsM MMM Regieruug -mit den von ihr zur Auswanderung aufgehetzten Beamten und Lehrern ber gan die anderen Nachfolgestaaten gefallenen Gebiete in Ungarn gemacht hat, richtiger noch die Enttäuschung, die diese zur Verweigerung des Treueide^ veranlaßten. Mensche« in Ungarn erleben mußten, bewog die ungarische Regierung jetzt, die Beamten selbst in Westungarn zu belassen und es jedem fveizustellen. auf eigene Gefahr nach Ungarn zu übersiedeln. Ein Teil dieser Beamten hat sich' vis in die letzte Zeit hinein, solange die Horthy-Männer die Bevölkerung glauben machen wollten, daß ,das Burgeuland noch bei Ungarn bleibe« werde, durch besonders hvrthyfeundliches Benehmen hervorgetan und rm Teil bet Bevölkerung. glaubt, baß diese Beamten zum Zwecke der irredentistifcherr Propaganda Uarückgelassen werbe«, well noch immer die Hoffnung bestehe, paß Ungar« das Burgeuland zurückerober« werde. Im Komrtat OedenbUrg gestanden bisher drei Zuckerfabriken, sämtliche Eigentum der Firma Rottermanu-Patzenhoffer, und es verlautet, daß die Firma zwei dieser Fabriken auflösen wecke, weil sie die Rüben aus ungarische« Gebieten bezieht und dafür eine neue Fabrik im Eisenburger Kvmitat errichten wolle. Die übrigen Industrieanlagen, welche ihr Rohmaterial nicht an- Ungarn beziehen, unter ihnen die Reithofferfche Kautschukfabrik, eine der größte« Fabriken dieser Art, werden ihre Anlagen auch weiter in Betrieb halten. Große Verwirrung haben H'orthy-Agenten unter de« Besitzern kleinerer oder größerer Kapitalien dadurch' angerichtet, daß ihnen erzählt würde, daß sie ihre Rückzahlungen aus den Danke« in österreichischen Kronen, und zwar für jede ungarische Krone eine österreichische Krone, erhalten würden. Sin Teil der Geldinstitute und auch der Privatkapitalisten soll nun diese« Agenten aufgesessen sein und. die Geldvorräte nach Raab, beziehungsweise nach Steinamanger oder Budapest transferiert habe«. Im allgemeinen jedoch ist auf diesem Gebiet, entgegen den tendenziösen Meldungen ans Ungar«, ke i«e p a n i f a tilge Be w? g« n g zu bemerken. Die sogenannte wirtschaftliche Retorsion seitens Ungarns hat bereits in mancher Beziehung eingesetzt. Die an danunmehrige österreichische Burgenland angrenzende Bauernbevölkerung darf infolge des neuesten Verbot« keine Milch mehr nach Oederrbürg liefern. Die GettreideauSfuhr nach Wien, welch« lnslier über Oedeirburg abgewickelt wurde, ist gleichfalls eingestellt worden. Der Ausbau des Völkerbundes —Y. Wrra, 18. August. Ende August wird der Rat des Völkerbundes zusammentreten. Ob sich seine Besprechungen nur auf die oberschlesische Frage beschränken werden oder ob er das für den September in Aussicht genommene Programm in Gänze abwickeln wird, steht noch nicht fest. Dieses Programm umfaßt die Erteilung der Mandate an England und Frankreich für Palästina, Mesopotamien und Syrien, Angelegenheiten, die schon seit geraumer Zeit verhandlungsreif geworden find, aber ihrer Erledigung noch immer harrm. Die Zustände, die diese Verzögerung im nahen Orient geschaffen hat, gleichen denen in Oberschlesien. Hier wie dott ein durch keinerlei Gesetz zu hemmender Raffenkneg, der durch Verhetzung, aher auch durch die Unsicherheit über die Zukunst genährt wird. Die Beratung der oberschlesischen Frage würde, wenn sie der Völkerbund zu Ende führt nnd wenn seine Entscheidung von den Mächten des Obersten -Dates akzeptiert wird, auch für die Behandlung der vorderasiatischen Mandate, aber auch für die Rechte der Minoritäten überhaupt ein schwerwiegendes Präjudiz bedeuten. Freilich ist zu unterstreichen, daß die Entscheidung über das Schicksal der Minderheiten in Oberschlesien nicht von diesen, sondern von den alliierten Mächten angerufen wird. Der „STemps*, htm diese Art der Lösung des oberschlesischen Streites^ wider dm Strich geht und der mit demonstrativem' Hinweis auf die Nichtzugehörigkeit Nordamerikas zum Mangel sehr stärk heraus, wenk er ironisch schreibt, daß inan die Deutschen und die Polen um Hre Einwilligung hätte befragen müssen. Das Organ des Pariser Auswärtigen Amtes ist nicht so weit von der Wahrheit entfemt, daß nämlich das heutige Chaos in Mitteleuropa, im Osten Und in Asten nur dadurch entstanden ist, daß die besiegten Völker, ja auch die Kleinen Siegervölker bei der Fest- ' stellung der Grenzen gar nicht zurale gezogen wurden und daß über die Zutellung der Völker lediglich das strategische Moment im Hinblick auf einen zukünftigen Revanchekrieg in Berechnung kam. Gerade dadurch aber sind für alle Zukunst Kriegskeime ausgesät worden. Die Betrauung des Völkerbundes geschah seitens des Obersten Rates als Derlegenheusmittel. Der Artikel 11 des Volkerbundstatuts, auf dm sich der Beschluß des Obersten Rates beruft, spricht zwar gegen die Auffassung des »Temps^, indem er besagt: AaSdrücklick wird hiemit festgestellt, daß jrder Krieg nnd jede Bedrohung mit Krieg, mag davon unmittelbar ein BundeSmüglied bewoffen werden oder nicht, eine Angelegenheit des ganzen BnndeS ist und daß dieser die zum wirksamen Schutz, . des Völkerfrirdeps geeigneten Maßnahmen zu ergreifen hat. Tritt ern sölcter Fall ein. so beruft der Generalsekretär Unverzüglich ans Antrag jedes BundeSmitgliedes den Rat. Es wird werter sestgestellt, daß jedes BundeSmitglied das Recht hat, in frmndschastlicher Weise die Aufmerksamkeit der Bundesversammlung oder deS RateS auf jeden Umstand zu lenken, der von Einfluß auf die mteniationalen Beziehunge« sein kann und daher den Frieden oder daS gute Einvernehmen zwischen den Nativne«, von dem der Friede abhavgt. z« stören droht. Aber indem der Oberste Rat diesm Ausweg wählte, hat er seine eigene Autorität geschwächt und flity wie „Daily News* bemerken, dem Völkerbund die Gelegenheit, feine UeLerlegenheit als Instrument der Gerechtigkeit gegenüber dem egoistischen und schädlichen Wirken des Obersten Rates zu zeigen. Wir meinen ober, daß es in der Welt schon genug Autorität der Militärstaaten gibt und daß es endlich , an der Zeit wäre, wenn der Völkerbund, so wie jetzt, aus einem Instrument der Ententepolitik zu einem in letzter Linie und autoratto entscheidenden Gerichtshof ausgestaltet würde. Das Fernbleiben Amerikas hat: nach den wiederholten Erklärungen Hardings feinen Grund in der stiefmütterlichen Behandlung des Völkerbundes und in dem Fehler seiner Konstmktton, der Deutschland und Rußland die Türen des großen» allen Völkern als gemeinsames Organ zugedachten Heims schließt. Amerika wünscht einen Bund aller Völker, eine Stelle, an der sich die bevollmächtigten Vertreter aller Staaten zur Aussprache versammeln. Dieses Ideal ist einstweilen noch nicht erreicht. Aber der Oberste Rat hat jetzt durch feinen Beschluß selbst Bresche gelegt in die 299527

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