Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 919 (18.8.1921)
- Date
- 1921-08-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 919 Men. Donnerstag Der Almanach auf das Jafcr 5682 |(V. Jahrgang) redigiert von Otto Abtslos und Lndwig Bato erscheint Ende August d. J. Iund nimmt zu den Aufgaben des Karlsbader Zionistenkengresses Steilung. Neben wichtigen politischen Aufsätzen ron Adolf SShm, Z. P. Chajes, Dr. Max Diamant, Dr. Osias Thon, Dr. Egon Michael Zwejg u. a. .enthält der Almanach Essays, Monographien, Studien- Novellen, Skizzen und Gedichte von Siegfried Abeies Jakob Fingermann, Z. F. Finkeistein, Eugen Hoef lieh, Ignator, HansKohn, David Rothblum, Siegfried Schmitz, Marek Scheriag, M. Smiianski, Beiträge ier Herausgeber, ferner Keruworte zur Judenfrage von Albert Einstein, Z. P. ChajeB, Gustav Landauer, Arnold Zweig u. a. Das Jahrbuch ist mit Federzeichnungen nächsten Kupferstichen und Holzschnitten geschmückt und künstlerisch ausgestattet nimmiiiitiiitmiiinmiimmimmiimmni! 616 8 Verlag: „Wiener Morgenzeitung“. iiiimiiiimuiuoiiHiniiitiiiiniiiiiiiiiiiitii im Preis eines Exemplares: Für Oesterreich K 180 (mit Postzustellung K 150), für die Tscbecho - Slowakei tsehech. K 15, für Deutschland Mk. 15, für Polen poln. Mk. 250 (mit Postzustellung Mk. 280), für Jugoslawien Dinar 10, für das übrige Ausland 3 Schweizer Franken. , Bestellungen &V* an die „Wiener Morflenzeitnng“ SM Bühne und Kunst. Ans de« Theatern. Im Deutschen Bolkstheater gelangt m Aendrrnng des SpielplaneS heute Hans MLklerS ,F l a mm e" und morgen, Freitag, Henry Bernsteins «Baccarat', Dienstag den 23. d. M. desselben Autors Schauspiel ,D e r D i r b* neu emstudiert und neu inszeniert zur Aufführung. In den' Kammerspielru des Deutschen Volks« theaterS wurde der Spielplan dahin g e ä n d r r t, daß heute Äedckinds ,Schloß W e t t e r st e i n" und morgen, Frrttag, ^rs LuUpiel ,E v a s S ü n d e n s a l l" von Antonius und Alderma« zur .Aufführung gelangen. Zn der Rolaudbühne (Gastspiel der Mitglieder der Jüdischen Bühne und der gesamien russischen Operetientruppe) gelangt Samstag den 20. und Sonntag dm 31. d. M. neu inszeniert „DerGolem von Prag", historische Legende ven M e i s e l s und P r i s a m r n t zur Aufführung. Die Hanpkslle spielt Herr 3 > u g w i r 1 h. Der Telepath Kara-Jka — Lheatcrdirektvr in Bade«. Aus Baden wird uns berichtet: Der bekannte Telepath Kara-Jka ist als Nachfolger des Herrn Höller als Mitdirektor in das Direktorium des hiesigen Stadttheaters eingetreten. Für dasselbe wurde auch der Bassist der Wiener Volksoper Hermann F r i s ch l e r als artistischer Leiter gewonnm. Bunter Abend Pieon-Kattch: Im Rahmen eines bmilen AbmdS, der im dichtgesülltea Bürgerthrater stattfand, ersreate Mali P i c o n durch neue Gaben. Sie spielte, sang und tanzte im Oprretteneinakter «Susi Brenn", daß es eine Freude wgr. Stürmischen Bestall lösten wieder ihre jüdischen Knabenlied« aus, die sie unvergleichlich vorträgt. Herr K a l i ch stand der hervorragenden Künstlerin wirksam zur Seite. Herr Direktor Isaak Deutsch, bekanntlich ein Meister des jüdischen Volksliedes bereicherte, das Programm durch eme Äeihe voUStümlicher Weisen. Ei«« jüdisch-dramatisch« Schule in Amerika. An Nrv'Dork wmde eine jüdisch-dramatische Schule eröffnet, derm Ausgabe die Vorbereitung jüdischer Schauspieler für dir moderne Böhne ist. Jeder Turnus dauert zw« Jahre worauf die Schauspieler ein ordentliche- Diplom erhalten. Als Lehrer und Bildner wirkm die bekanntesten jüdischen Artisten und Kunstkritiker New-Borks. Gleichzeitig wurde ein jüdische- Theaterjovrnal begründet, besten erste Nummer de» Auffllhinngerr von An-ftitz »Dibuk" in Amerika gewidmet ist. Gerichtssaal. Der Schriftsteller Hermann Blumenthal ohne Wohnung. Die Hausbesitzerin Anna Hofstatter, welche nicht i" ihre» eigenen, sondern in einem anderen Hau'e im sünsten Stock wohnt, kündigle einem ihrer Mieler, dem Schriftsteller Hermann Blumeüthal dieWohnung, damit sie selbst diese Wohnung beziehe« könne, weil es ihr unmöglich sei, fünf Stockwerke hinaufzusteigm. Sie sei herzleidevd vnd von den Aerzten *i cht gesagt worden, daß das Stiegensteigm für sie t o ddringend sein könne. Nach Einvernehmung von Gerichts« ärzteu, welche beßätiglen, daß das Stiegevsteige« m Wiener Mvrgenzeitnng 18. August 1921 Seite den fünften Stock für Heyikranke mit Lebensgefahr v erbunden fei, erklärte das Bezirksgericht die Kündigung für w i r k s a in. UeVer die von den Gekündigten dagegen eingebrachte Berufung fand gestern vor einem Ferialsenat des Zivillandesgerichles unter Vorsttz des Hosrales Dr. Stein die Verhandlungstatt.DleBernfungstiitztestch darauf, daß dervonderKlägerm geltend gemachte dringende Eigenbedarf nur dann vorläge, wenn sie selbst keine Wohnung hätte. Es handle sich ihr eben nur nur einen Wohnungswechsel und dieser komme in der Zeit der Wohnungsnot ganz außer Betracht. Der Berufungssenat gab der Berufung keine Folge und bestätigte das erstrichterliche Urteil, weil für die Klägerin, wenn sie auch eine Wohnung habe, der Wohnungswechsel notwendig sei; denn man könne ihrf wenn sie ein eigenes Haus hat, nicht zumuten, daß sie Me Wohnung bewohne, in die sie nach gerichtsärztlichem Ausspruch nur mit Lebensgefahr gelangen könne. Sport. Internationale Nirigkämpfe. Im Rahmen des großen Futzballrundspieles auf der Hohen Warte fanden auch zwei Treffen zwischen den besten Wiener Ringern einerseits, und den besten deutschen und tschechischen Ringern andererseits, statt. Als beste Repräsentanten erwiesen sich die Gäste aus Prag, die d e Hakoah sicher mit 14:6 Punkten besiegten. Die Tschechin, durchwegs vym A K. Zizka-kann man ruhig als die beste Klubmannschast auf dem Kontinent hinstellen' ja man kann sie sogar hoch über das beste deutsche Team, den Kölner Krastspor! von 1893, stellen. Wenn man bedenkt, daß die Hakoah aut ihrer diesjährichen deutschen Tournee gegen die Kölner nur 8:13 verlor,-diese aber am Sonntag gegen die Wiener Auswahlmarnichafk unentschieden rang, mag die Güte der Tschechen genügend beleuchtet sein. Der Städt'kampf W'.en-Köln endete bei gleichwertigen Le stuugen 10:10 un nlschieden. Die ersten drei Kämpfe brachten kein Ergebnis, nur Koczanderle (Wien) und H. Bock (Köln) errangen je zivei Stege. Sehr brav hielten sich dir Hakoahner am Montag gegen i die glänzenden Tschechen, die zwei Olympioniken (von der ' Pershing-Olympiade 1920 in Paris) an ihren Reihen hatten, j Insbesondere Reichmann und Selzer ragten in gutem Sinnt hervor, beide blieben auch unbesiegt. Die genauen Ergebniste waren: * Federgewicht: Kratochwill (Z.) gegen Rrichmcm« (H.) 2X10 Minuten unentschieden. Leichtgewicht: Halik (Z.) wirft Sebeflyen (H.) in 6 Minuten, nach der Pause halt der Hakoahner den Kampf unentschieden. Mittelgewicht A: Kopriva (Z.) ungt vor der Payse gegen Teichner (H.) uneutschiede», nach derselben siegt er in L Minuten. Mittelgewicht 8: Balah (Z.) gegen Selzer (H.) unentschieden. Ja der zweiten Halbzeit ist Selzer der weitaus bessere. Schwergewicht: Berger (H.) hat gegen Kraus (Z.) „nidjf zu leben*. In der 3. beziehungsweise!. Minute lag er auf de» Schultern. Alles in allem eine schöne und faire Propagaudavnaustaltuvg. ' _^_ Der Sportklub Ha»mo««a hat die letzten sechs Wettspiele mit einer Tordifferenz von 37:2 gcwonnen. Die Tore erzielten Fenichl (7), Schirok (6), Fromm (6), Wohsobp U (5\ Posanner (3), Singer (2). Baron (2), Schächter (2) Woljsohn I. Heller» Eisenmaycr und Elenberg je eines. Auch die Reserve hat sämtliche Spiele gewonnen. Torverhältnis 32:4. Die Torschütz.n waren Fiscus (8), Posanner (51, Wolfsohn U (8), Sokal (3), Trichthal (2), Schmeih« (2". Schoner 12), Gold. Lichtenstern, Schmalberg, Eisenmayrr, Menkes, Rögner und Liebrrmann je eines. * Ha««ouea - Hochschule« — Bar Kochba II 2.1 (0:1). Das erste Wettspiel, welches die Hasmonea-Akabemiker gegen Bar Kochba austrugen, endete mit einem knappen, aber verdienten Sieg. Der Mannschaft der Sieger konnte man den Trainingsmongel deutlich anmerken. Sie siegte nicht infolge besseren Könnens, sondern infolge der größeren, Aufopferung. Hervorragend war Wolf im Tor. Eine gute Leistung bot die Verteidigung. Die Deckung bewährte sich. Im S mm waren FiScns und Lwerlina die besten Spieler. Bei dm Unterlegenen befriedigten Bull«, Fedrrbusch und Reißbrrg. Anfangs offenes Spiel. Durch ein« Elfmeterstoß «ringt Bar Kochba die Führung. Rach Seitenwechsel bedrängt Hasmonea. Nach einem schönen Zuspiel Fiscus sendet Höring« I ein. In der 80. Minute «zielt fftSenfi* den siegbringender» Treff«. Mannschaft: Wolf, Rubin, Effenberg, Engelstein, Huber, Lanka», Zwerlwg. Höring«. Fiscus, Bimbamn, Königsberg. SchiedSricht« Au« (Pfeil). Die nächste« Futzballwettfpiele. Am Samstag und Sonntag kommen zahlreiche Fußballwettspicle zur Austragung. Der W. A. C. hat die Piag« Slavia zn Gaste gegen die er am Samstag im Prater antritt. Am Sonntag spielt Rapid auf der Hohen Warle gegen den deutschen Meist«, den I. Nürnberger Fußballklub. Admira und F. A. C. haben gemeinsam den Grazer Fußballklub Stuim engagiert. Auf dem Prater-Sportplatz ipielt die Hakoah am Sonntag gegen Cricket. Sine türkische Fußballmannschaft in Wie«. Eine türkische Fußballmannschaft, die momentan eine große Tournee durch Deutschland unternimmt, tritt anfangs September in Wien gegen Hakoah und W. A. C. an. Heere»«rift«rschasten 1021. Im österreichischen Bmibeshe« wird, wie in allen modernen Heeren, auf die Körperausbiloung als Vorbereitung vnd Grundlage des SoldatenbnufeS besonderer Wert grlegk. AlS Abschluß der dienstlichen und zur Ankiserung für de» freiwilligen KörverauSbildungsbetrieb werden im Herr ^Heeresmristrrschattrn" alljährlich abaehalteu. Die erste Heerekmeisterschajt findet Ende August 1921 in Wien statt und dürste sine der größten sportlichen Veranstaltungen in Oesterreich werden. Hera«. Heute, 7 Uhr, Versammlung i« TatS ,Drei Lauf«". Freitag. Training der Ul. und der akadcmischkn Mannschaft. — Max Fucks, der tüchtige Berteid g.r von Makkabi, Mährisch-Ostrau und M. Eichenöaum von Hakoah, sind dem Sport» Lnb HeroS beigelreuu. IBankhsus M. ROHATYN Wion, L, Maria Vheresienstrasse Nr. 10 Telephon 20-3-63. «4 _ Durchführung sämtlicher Bank -Transaktionen. | An- und Verkauf sämtlicher Devisen und Valuten. Der Volkswirt. Gestempelte Krone ----- —.58 Centimes. Auszahlung Wien --- —70 Centimes. In Zürich notinte: die österreichische Krone . , . —.70 (-.70 MN 16. August) die österr. gestempelte Krone . -.58 (—.58 am 16. August! die ffchechische Krone . . . .. 6.90 ( 6.90 am 16. August i die Mark . ... 6.55 ( 6.65 am 16. August, Agram.. . 3.10 ( 3.10 am 16. August) Bukarest. 7.10 ( 7.20 am 16. August- Budapest .. r. ..... . ( 1.57 am 16. August) Warschau . . . . . ... . — 25 (-L7 am 16. August) Die Aussichten der Bauindustrie in Palöstina. Im „Havlam" schließt Dr. S a g a'd v s? y seine Betrachtungen über den palästinensischen Baumarkt mit folgendem Artikel ab: Von a.llen Zweigen der palästinensischen Bauindustrie verdient die Zementindnstrie das größte Interesse. Noch vor dem-Kriege pflegte man große Mengen Zement aus Belgien, England, Deutschland! Oesterreich - und Frankreich einzuführen. Aus diesent Zement machte man die Fußböden in den Hausernj und die Bürgersteige in Del-Awiw. Außerdem stellte man aus diesem Einfuhrprobukt Ziegel her, d.ie man für den Bau der dünneren Wände sowie für die obersten Stockwerke verwenden konnte. Schließlich hat man aus diesem Zement Fundamente und Zimmerdecken gemacht. Viele Chaluzim haben ihre Häuser ausschließlich aus! Zement gebaut, um jede Abhängigkeit von den Arabern zu vermeiden ttmd vor allem, um jüdische Arbeiter! zu/beschäftigen. Bereits vor dem Kriege war die Gründung einer Zementfabrir geplant. Wenn die vorhandenen Rohstoffe auch aus reichten, so war die Hoffnung auf einen Erst»lg damals doch sehr gering, da in ganz Palästina nur eine Kleinbahn (Jaffa—Jerusalem) existierte. In Haifa gab es keinen Hafen, und der Transport m Lande war so teuer, daß man mit Auslandsware nicht konkurrieren konnte. Jetzt sind die Verhältnisse wesentlich, günstiger, die Eisenbahnen genügen durchaus, und der' Hafen von Haifa ist vertief! würben/ Die Bahn verbindet Jaffa, Tulkerim, Sichem, Gaza, Berseba, Haifa, Tiberias, Jerusalem, Die Chaussee ist jetzt bis Sased weitergeführt, und Kolonien, die Baumaterial verbrauchen, liegen entweder an der Eisenbahn oder an der Chaussee. Aus allen diesen Gründen hat' eine Zementsabrik in Palästina eine glänzende Zu^ tunst. Die Einfuhr von Zement na$ Palästina belief sichim Jahre 1910 auf zirka 7000 Tonnen^ Das erste, was die nach dem Kriege einlaustnden Schiffe brachten, war Zement. In den letzten Jahren sind mehrere zehntausend Donnen eingeführt worden. Ueber die Fabrikation von Dachziegeln wurde schdn im vorigen Artikel gesprochen. Bis jetzt t|t ess noch' nicht gelungen, Form und Gewicht -der Ziegels den Notwendigkeiten des, Landes anzupassen; dies ist aber für einen Fachmann eine Kleinigkeit. Selbstverständlich können solche Unternehmungen nicht von einem einzigen Mann ins Leben gerufen werden; dazu gehören naturgemäß diele Unternehmungen. Bor allem aber gehört dazu ein' Kreditinstitut, da viele Firmem sich' trotz hoher Aufträge nicht weiterentwickeln können. Der Mangel an Betriebskapital hat sich so stark geltend gemacht, baß eine schnelle Einführung von Kreditinstituten erforderlich' ist. ' Vor dem Kriege bestand in Mmich ein Kialkb'rennofen, der einem Juden gehörte. Das Geschäft gitjg sehr gut, aber infolge des Krieges mußtll es eingestellt werden. Auch in Artus war ein Brennoftn, der infolge des SteinkohlenmangelS während des Krieges eingestellt wurde. Es blieben nur die primitiven arabischen Kalkbrennereien. Modern eingerichtete Brennöfen könnten, jetzt in großer Anzahl in allen Teilen des Landes erbaut werden; sie würden alle gute. Geschäft« machen und uns von der Willkür der Araber unabhängig machen. ' Während in Palästina viele Gips berge vorhanden find, werden viele Tonnen Gips aus Frankreich und Cypern eingeführt, weil sich bisher niemand gefunden Hai, der diese aussichtsreiche Industrie im Lande selbst betreibt. Dar zum Baufach gehörende Holzhandel hat bereits vor dem Kriege viele Ju^ea in Palästina beschäftigt. Es wurden vor dem Kriege Brewer, Hvlzstämme und sonstige Formen von Holz aus Rußland, Ungarn, der Bukowina, Rumänien, Dänemark, Schweden und auch aus Kleiuasien eingeführt. Vor dem Kriege betrug die Einfuhr 40.000 Tonnen jährlich. Die ZahL ist jetzt erheblich gestiegen, und jedes Palästina «st*, bansende bringt Bau- und