Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 916 (14.8.1921)
- Date
- 1921-08-14
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr . 916 Men, Sonntag Wiener rsrorgenzekmng 14. August im ocoer Regenwetter mit starte« nordwestliche« Winden (über 200» m Schneesturiu). Vorübergehend vielleicht geringe Temperatur-- Zunahme, dnnn andauernd sehr kühl. Das Ende der DollarpaKetaKtio». Dle Leitung der amerikanischen Hilfslagerhäuser (Dollarpaketaluon) ersucht alle Personen, welche im Besitze von unein. gelösten LebenSmittelschcötz (,^oock ckrakts") sind, die Schecks an den Käufer in Amerika zurückzusenden und ihn zu bitten, bic Rückzahlung des Betrages nicht von der Eruzahlungsbank, sondern direkt von der American Reliefs AdministrationWarehonses, 48 Broadway, New York City, zu verlangen. Der Feriensonderzug. Die von Hans Reimann trefflich geartete Wochenschrift ^Der Drachs" (Verlag „Der Lrache", Leipzig) veröfseatlicht c»i's.' a.iircrle Schilderung einer Ferisnreise. Bereits beim Anstellen am Fahrkartenschalter lern^ ich Herrn Pobecke kennen, er gestikulierte aufs leb" yaftefte und suchte die ihm erreichbare««, gleichfalls übelgelaunten Kettenglieder davon zu überzerrgen, daß es eigentlich ein Unsinn sei, einen Ferienzug zu benützen, wegen der paar Mark, die man da schon spare!.Ms ob' das überhaupt „mitspräche", wenn einer an die Ostsee zum Neppenlassen fahre! Herr Pobeckv drohte schließlich allen Ernstes, einen fahrplanmäßigen Zug zu.benützen, wenn er nun noch, länger auf die lumpige Fahrkarte warten müsse; und seine Darlegunge.it verdichteten sich immer mehr dahin, daß es überhaupt eine Unverschämtheit von der Eisenbahnverwaltung sei, Sonderzüge mit ermäßigten Fahrpreisen Vorkehren zu lassen. ■ Indessen schien Herr Pobecke seine Drvhüng nicht wahrgemacht zu haben, denn er war der Erste, der mich freundschaftlich begrüßte, als ich zwei Stunden vor Morgengrauen des großen Tages mit meiner leichtgeschürzten- Gattin das reservierte Abteil betrat. Herrn Pobecke war gerade damit beschäftigt, eine. Hängematte guer durch das Coupe zu spannen, indem er das eine Seilende um die Gepäckstauge über unseren Hüüpten zu kräftigen Knoten wand. „Für die Gindr", fügte er erläuternd hinzu -und verstaute alsobald die kleinen Pobeckchens in dem Gehänge. Sie erinnerten in ihrem (vorerst noch durchaus einwandfreien!) Gebaren aufs lebhafteste an junge Hunde, die man auf einen Tisch gesetzt hat und die sich noch nicht schlüssig darüber -sind, ob sie das Herunterspringen riskieren sollen. Dessenungeachtet begab sich Herr Pobecke nunmehr an die Verstauung des Gepäcks, das ihm in unübersehbarer Folge-von draußen herein gereicht würbe. Also-- dann versammelte er mittels Trillerpfeife die „Familie", als deren'erster .Vertreter Fritz den Wagen bestieg; mit fürchterlicher „Fla^be"; denn siehe, es war ihw soeben eröffnet worden/ daß der Enioileimer, den er zur Bahn tragen mußte, durchaus "nicht für ihü zum Fischefangen bestimmt sei, als vielmehr für die „Gliche". Fritz gab deutlich zu verstehen, daß ihm nunmehr die ganze Seereise schnuppe sei. Dessenungeachtet lief der Zug pünktlich zur Bahnhofshalle hinaus und die erste Viertelstunde verlief unter Besorgnissen, die Kinder könnten aus den schlechtschließenden Eoupeetüren stürzen. Darauf schritt man zum Frühstück. Umfangreiche Behälter wurden geöffnet und dicke Bemmen an die Kinder verteilt, die mangels richtigen Appetits, die Margarine viertelpfundweise an die Beinkleider der Mitreisenden schmierten. Fritz schützte Zahnschmerzen vor, was Großmutter auf den' Genuß unreifen Johannisbrotes znrückführte- „Das hättch dr glei sagn gernt; , Johannisbrot geht, in Zahn, ja!" -Grete, die sich verschluckt Hatte, war nur schwer zu einer Rtchtungsänderung ihres (auf-den Jumper meiner Gattinhiezielenden) Brechreizes zu bewegen. Die 16jZhrige Margit, die, uneingedenk her väterlichen Ermahnungen unentwegt zum Fenster hinaus-, schaute, witterte schon auf der dritten Station hinter Leipzig „Seeluft"; auf der vierten war ihr, wie es Vater richtig vorausgesagt hätte, der obligatorische „Krümel von der Lokomotive" ins Auge geflogen, was riesiges Leben in die Bube brachte. Tante Lina sprach 25mal> hintereinander Heu Satz' aus, man müsse egal nach! der Nase zu reiben; aber es half nichts. Inzwischen galt es, den winkenden Gurt zu belehren, daß er den Gruß eines Streckenarbeiters, als welcher ein „Soschialdemokrat" sei, nicht zu erwidern hübe.- Trotzdem entging mir nicht, daß Mutter ihre Aufmerklsamkeit den Schuhen meiner Gattin abpechs-e-lnd zu- und (unter nicht mißznverstehendem« „Ppö, ppö") wieder abwanbte. In . halb wachem Zustand stellte ich' noch! fest, daß die Schuhe meiner Frau blaßlila (mit blutroten Schnürriemen) waren, worauf die Umgebung endgültig ihre Reize für mich verlor. Im Vorgeschmack der alles hinwegspülenden Salzflut versank ich geschlossenen 77r dumpfes Brüten. A l s e l, zurzeit Hermgsdorf. Znteressermhme der Gemeinde Wien a« der Wiener Baugesellschaft. Zwischen der Gemrmde Wir« und dem Wiener Bankverein als dem finanzierenden Institut der Wiener Baugesellschaft ist eure Vereinbarung zustande gekommen, bergnfotot die Stadt «A M im Zuge befindlichen Kapitalsvermehrnugen der Mo» Do» gesellschaft 6ycv Aktien zum dauernden Besitz ectofett,. SDiilfi» gelegenheit wurde in der gestrigen Sitzung drS behandelt und der von Stadtrat Breit» er einhellig genehmigt. _ . Sammlungen der „Wiener Für ukrainische Dogromovßt'.t •:* (bisheriges Ergebnis K 173.331, 10 Lire und K 100^:, Theologia II K165, A.P. XYI,K 2>00, Sammlung Hochzeit Billig—Mayer durch Herrn Jakob Wahl und Gang 1780, Rosa Reich,-Podwolocryska, K20Ö, Helene Kohn, Bnez«^ lÄva Saul Eder L 30, S. P. 800, R. Klein, Fiume, 10 Lire. Fiir ukrainische Pogr » « vaise » (bisheriges Ergebnis K 42.825 und 5 Schweizer FranM: Rosa Reich, Podwoloczyska. kl 260, Poulinr Plotzh- T'M P. K 2C0, Dr. Jakob Braun, Piesting. K 35, Fanny M«M«K 100, Rechne Kleiner K SO. Für iüdisch es Bl in de » hei« - (bisheriges Ergebnis & 5720): Wolf Grünberg, Bukarest, 860. F ä r j ü d i f ch e § V e r s o r g « n z S h^a u^S (bisheriges Ergebnis A 1700); S. P. K 260. Für jüdische Krreg § inv « l Ue -bisheriges Ergebnis K 23.860):. M. Ruff H K 25. F n r jüdische LnngenkraukeinHe i^ka «st «, l 1 Allan d (bisheriges Ergebnis K 25.345): Wolf Grünberg, Bukarest, 8 860. ' Fürdie alteBedienerin nä Notiz in Nummer 90 V.26. Juni 1921. . (bisheriges Ergebnis K 450) i S- P. K 200. Für jüdische Blinde (bisheriges Ergebnis K 12.545): Wolf Grünberg, Bukarest. K 500, S. P. 200, M. Ruff II K 25. * Marokkanische Nnttergefchichte«. Wir habe» in de» fettarmen Zeiten des Krieges den Wett der Butter, die wir in Tagen des Ueberfluffes als ein selbstverständliches Nichrnngsmirtel Hinnahmen, erst recht schätzen gelernt. Aber so vich a»ch d« Butter im alltäglichen Leben uns bedeutete und noch bedeutetso ist das doch nichts gegen die Rolle, die sie i« L^ea beS Marokkaners spielt. In einem amüsanten Buch, „Marokko, tot* es war*, erzählt ein sttiherer englischer Resident in diese« Laübe, Walter B- Harris allerlei Lästiges von dieser mcmrische» Bntterverehrurig: ^Die Butter ist für de« Maure», waS für rmS das Schneeglöckchen oder Brilchm ist: die Verküadignng des Frühlings/ schreibt er. .Die Dichter Marokkos befingew die Butter, wie unsere Poetm die Rose und die Nachtigall, »icht etwa als einen leiblichen Genuß, sondern als das üusiere und!»»»>>»»«»«> »»»»,«»»»«««»»>»'»»»»»»«»»»»«»»»»»»»»»»»»«»»«»»»»»»»»» ■ ■«■■■■■»■■ «■■■4UR«Mnri Anlässlich des XU. Zionistenkongpesses welcher am 1. September 1921 in Karlsbad seinen Anfang nimmt, werden wir im Rahmen unserer Hanptausgabe eine erscheinen lassen. Die Kongressausgabe der,,Wiener Morgenzeitung* wird eine ausführliche, zusammenhängende, prototcoflartlge Darstellung der Verhandlungen und Vorgänge am Zionistenkongress enthalten. Verwaltung und Redaktion der w Wiener Morgenzeitung“ treffen alle Vorbereitungen, um die Berichterstattung aufs verlässlichste und rascheste durchzuführen. Diese Vorkehrungen machen es möglich, dass der Leser ausführliche Berichte über den Kongress in der jedem Kongresstage folgenden, in der Früh erscheinenden Ausgabe vorfinden wird. Durch rascheste Expedition wird Sorge getragen, dass die Bezieher die Kongressausgabe der nWiener Morgenzeitung“ vor allen in Betracht kommenden Organen erhalten werden. Die Kongressausgabe wird 15 Nummern (vom 31. August bis inklusive 14. September) umfassen. Als erste Nummer wird am 31. August — am Vortage des Kongressbeginnes — eine erscheinen, welche Beiträge zionistischer Führer über die Verhandlungsgegenstände des Kongresses und aktuelle zionistische Probleme emhaiicn wird. Für die Kongressausgabe werden Sonderabonnements unter folgenden Bedingungen entgegengenommen: Son dnv IfnnnvAOOüifonahn’ Oesterreich: K120, Deutschland: Mk. 14, Jugoslawien: Dinar 12, Tschechoslowakei: tschech. K15, lulS IIvI [UlliPiüÜUßyÜUB. Polen: poln. Mk. 150, Holland: holl. fl. 1.50, Schweiz: Frcs. 3, England: sh 3, Italien: Lire 6, Amerika: Dol|ar —.50, Frankreich und Belgien: Frcs. 6. Für das übrige Ausland: Schweizer Frcs. 3. Gleichzeitig mit den Bestellungen hat die Ueberweisung des Betrages zu erfolgen, da sonst die Versendung der Ausgabe nicht erfolgen kann. fir sl|e and neue lonnenten wird die Ausgabe oMufsclg auf die in Geltung sielenden Bezoiisiiedioiiii und E-. v^M^: Für Deutschösterreich: K 390, Tschecho-Slowakei: tschech. K 54, Polen: poln. Mk. 600, Jugoslawien: Dinar 39, Deutschland: Mk. 42, Holland: holl. fl. 4.50, Schweiz: Frcs. 9, England sh 9, Italien: Lire 18, Amerika: Dollar 1.50, Frankreich und Belgien: Frcs. 18. für das Übrige Ausland: Schweizer Frcs. 9 geliefert werden. Bestellungen werden von den Verschleisstellen sowie von der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung", Wien, U., Taborstrasse l, entgegen* genommen und müssen unter gleichzeitiger Ueberweisung des entfallenden Betrages bis spätestens 25, August im, Besitz der Verwaltung sein. Der Geschäftswelt bietet die Kongressausgabe eine besondere, nicht bald wiederkehrende Gelegenheit, erfolgreich zu inserieren und neue, wertvolle Auslandsverbindungen zu erreichen. Bei Anfragen wollen Grösse und Erscheinungstage des gewünschten Inserats angegeben werden, wodann änsserste Offerte erfolgt Normaler Anzeigentarif. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“ Wien, U., Taborstrasse I S. IBBBHSHBI ««> Ittflttl ia»»i