Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 915 (13.8.1921)
- Date
- 1921-08-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ceiu ioitu, Samsiag Tagesbericht. Mitteilllllgen aus dem Publikum. Zioniste«! Die Wahlen zum XU. Zionistenkongreß sind ausgeschnehen, Dos Zionistische Landeskomitee für Oesterdeich hat den österreichischen Zionisten eine Kandidatenliste vorgelegt, an deren Spitze.Oberrabbiner Doktor CHajes steht. Die Männer dieser Liste sino Gesinnungsgenossen, die zu den besten der österreichischen Organisation gehören. Es sind zum überwiegenden Teil dieselben, denen der Oesterreichische Landesverband auf seinen letzten Parteitagen die Leitung der österreichischen .Organisation anvectraut hat. Sie haben unsere Landsmannschaft auch zu wiederholten Malen erfolgreich m der Weltorganisation vertreten. Aus ihren Schultern liegt ein großer Teil der zionistischen Arbeit und eine schwere Verantwortung für die Führung unseres Landesverbandes. Das erweiterte Zionistische Laydeskomitee und die Vertreter der Dezirksorganifätionen haben mit eryriickender Majorität beschlossen, Euch diese Liste zur Wahl-zu empfehlen. Nun ist es notwendig, daß jeder von Euch seine Stimme für diese Liste abgibt und dafür sorgt, daß nicht die Meinung, diese Liste sei unanfechtbar, weilen Kreisen der Gesinnungsgenossen es überflüssig erscheinen läßt, für diese Liste tatsächlich zu stimmen'und zu werben.. Darum verlangen wir von Euch:, Stirn m et u n d agitiert für die Liste C h asies» damit nicht zufolge Enthaltung von der Wahl,ungewollte Ueberraschungen erfolgen^ damit die Vertretung.des Oesterreichischen Landesverbandes auf dem -Kongreß so ist, wie sie dem tatsächlichen Willen fast der " Gesamtheit der österreichischen Zionisten entspricht/' Für das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich: Robert St r icker, Präsident.' Zionisten l Dre Wahlen zum XU. Zionistenkongreß haben begonnen. Dieser'Kongreß wird die wichtigsten Probleme unseres Volles zu berate» haben: ° den Wiederaufbau ein es südischenPalLstina. Wirtschaf t l r ch e und k u l t» r^e t l e, t e ch n is ch e u a b s a n i t ä k e F r a g eu harren-^ihrrr Lösung. Wir haben eine Wahlbewegung herbeigeführt, um Geflnrlungsgmoffen, die bereits an der Wrege nuferer Bewegung gestanden .find, die seit Jahrzehnten tfytc fachliche Schulung m den Dienst der praktischen Arbeit für Palästina gestellt haben, an den folgenschwersten Einschlüssen Mitwirken zu lasten,' die jemals den Ziovistenkongreß beschäftigten. Nicht ^gegen Personen kämpfen wir, schon gar nicht gegen die Person beS von uns allen hochvcrehrtey y b e r r a b b ine r Dr. C h a j d s, waS schon daraus ersichtlich ist, daß wir n u r s e ch s Kandidaten ausgestellt haben, obwohl zehn Mandate zu vergaben stnd. Wir treten ein fük ein System ernster, fachlich sprzialisierler Arbeit, welche von-en Tüchtigsten ihres Berufes in einer nach demokratischen Grundsätzengeleiteten zionistischen Organisation geleistet werden soll. Nicht nur Poluiker. sondern Fachmänner, wie Techniker, Aerzte. .Lehrer und Kanfleute, empfehlen wir Euch zur Wahl! /Nicht Worte, sondern Taten — das ist die Losung! Zionist«, wählet geschloffen zum Xll. Ziomstenkongreß die Liste Löbl Taubes. ' . Für bas Wahllomitee der Liste La bl Taubes: Emg Torcz y ner m.x.Jngenieub Josef Laszkowitz w.p. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Montag den 15. d. M., 7 Ahr abenhs, findet im Lokal fl., Zirkusgaste 38, eine drmgmde Sitzung des e r« w e1 t/e r 4 e « Landeskomitees zwecks Entgegennahme/ wichtiger Mitteilungen statt. Zu derselben werden außer den Mitgliedern des erweiterten Landeskomitees die Obmänner der zioiiistischeN Bezirkssektionen sowie die Kontzreßdelrgierteu und Ersätzpelegierten-Kandidaten sämtlicher drei Listen eingeladen. Erschein« ist Parteipflicht! Für d«s Zionistische Landeskomitee: / Werner.__ Stricker. ... Hitze» P olitik und andere Verbreche«. Die Somre entfaltet einen Arbeitseifer, vor dem der menschliche resigniert kapitulieren muß. Müde sinken alle Hände in den Schoß und erheben sich nur ungern tu immer längeren Intervallen, um den Schweiß des Ai'gesichrs K» trocknen. Um den Federstiel heften sich, B'/igewichte und hemmen mit Zentnerschwere die besiüg..:.ltstr Phantasie. Darum freut es mich unsäglich', daß der Dr. Melbin ger ein Christ ist . . .Denn ich bin ein guter Kerl und vermag mir nrich.t ohne rirfstes Mitgefühl für jene Tintenkuli, die aus der lysietnarischen Veruaderung des Bibelvolkes ein armseliges .Gewerbe gemacht haben, auszumalen, wieviel physische Energie — geistiger Aufwand fällt bei dieser traurigen Brotarbeit weniger ins Gewicht —' in Unsummen von Kalorien erzeugende Bewegung geraten tväre, wenn der Advokat, der mit den Sträflingen im Landesgericht in nicht ganz reinliche Be- .siehuiigen gebracht wurde, ein Jude gewesen wäre. Zuerst, wäre der Heerbann der sittlich-religiösen und deutini'idralistischen Artikelschreiber ausgeboten worden und tiüitc dem'' ge ängstigten arischen Lesepublikum au v'iuem so nlarkanten Mispiel wieder einmal die haarst, Verderbtheit einer Rasse vor Augen geführte dr/ schon v.n [o viel Jahrtausenden ums goldene Kalb Lia Eanczyker Hei Adolf Feintneh Taraopol Podwoloczyska empfehlen sieh als Verlobte 6179 Taraopol, im August 1921 Dr. David Juris *, Wien, II., Radingerstrasse 17 ist ln die Ve r te i d i g e r 1 i s te für den Oberlandesgerichtssprengel Wien eingetragen worden. Hötel „Zion“ K. Bellnko .p Rae Aaastaul No SO Mn Alexandrie (Egypte) Ei« gestricktes wollenes Kleid, 881 Wiener Fabrikat, 5000 Kronen ALBERT H1ATZNER, . Feinste nach Mass aus prima englischen Stoffen zu noch billigen Preisen verfertigt ZWICKEL, XX., Webergasse 11/5 getanzt hat und - seither so materialistisch verseucht ist, daß sie der übrigen Menschheit nur Verwaltungsratsstellen in Aktien-, und Versicherungsgesellschaften, aber keine moralischen Werte zu bieten vermochte. Wohingegen in der kerndeutschen Sa§e - vom Nibelungenhort und vom Rheingojd so niedrige Instinkte, wie GeL- -sucht^ ^bekanntlich,"4,-- ^ine. Rolle spielet!. . . tSvdanin wäre'der Pegasus frisch ausgezanmt worden und der „Reichspost"-Poet — der mit dem ,Hobelspäne" absorbierenden'- Gehirnhätte die jüdische Schlechtigkeit rhythmisch zum Ausdruck bringen müssen. Und hat das Judentum eines gewissenlosen Vvlksbekleidungsamtsleiters der antisemitischen Lyra ein jambisches „Selbstredend: ein Jud!" entlockt, so wäre dasselbe Glaubensbekenntnis eines anrüchigen Advokaten zur Abwechslung trochäisch oder gar logaödisch zu feiern gewesen! Bei einigen 30 Grad im Schatten!! Und gar der Freispruch' des Angeklagten hätte den ganze« Wohllaute ausströmenden Chor zu einem harmonischen Schlußgesang über die jüdische Solidarität, die jedem ' stammesverwandteu Verbrecher ein Hintertürl zu finden vermag, in effektvoller Tönedhnamik vereinigt! .All das ist der schwitzenden Menschheit erspart geblieben. Die sittlich-religiöse und deutsch-idealistische Presse hat diesem Prozeß, der immerhin ein interessantes Zeitdvkument darstesit, ihre kleinsten Buchstaben gewidmet, so klein, daß des Lesers Auge flüchtig darüber hinwegglitt und sich so das zornige Ausblitzen ersparte. Denn der Doktor Melbinger ist ein Christ — selbstverständlich n ich, t „selbstverständlich", sondern rein zufällig — sogar ein guter Christ, der als Anwalt wiederholt die christlichsoziale Sache vor -Gericht vertreten durfte. Wahrlich, ich hätte me gedacht, daß ich über das Bekenntnis! irgend jemandes zu einer antisemitischen Partei eine so lebhafte Genugtuung empfinden könnte! ES ist wirklich die höchste Zeit, daß es kühler wird . . . % Ueberfiille in einem Gasthaus. Wie schon berichtet,, war das Gasthaus des Ludwig Barg a, V., Wieda« Hauptstraße 154, fett fast drei Wochen der Schauplatz von Gewalttätigkeiten, bit immer die nämliche Gesellschaft beging. Am 24. v. M. mt der Kutscher Franz Graß mann mit dem Hilfsarbeiter Josef St ei n«r, dem Galvamseur Robert M a i e r und dem Hilssmonteur Karl Stöcker im Lokal. Sie randalierten und bedrohten den Wirt und einige Gäste mit dm Messern und Revolvern. Man ries um Wache, doch die Tater bestiege» ein Automobil, das auf sie wartete, und fuhren davon. Am 7. d. M. wurde dann Stock e r verhaftet und am 8. d. M. dem Landesgmcht eingeliefert. M e.i e r wurde auf freiem Fuße belasten., Graßmanu und Steiner konnten nichtauSgeforscht - werde«. In der Nacht zum 10. d. M. wiederholte sich der Erzeß. Diesmal erschienen Graßmann'und Steiner mit einem dritte» Burschen. im Wirtshaus, zertrümmerte« Fenster uxd Gläser, bedroht« abermals die Gäste und'flüchteten wiederim Aut», mit dem sie gekommen waren, nach Mariahilf, «o sie im Caf6 Brustmann, Nelkengrfle 13, einen Raufhandel inszeniert«. Dabei ' würde der nn Lokal ms Gast anwesende Stadtschutzwann Emil '•% es ch n e r durch Messerstiche s ch w e r v 1111 tz t. Ein herbeigerufener Wachmann konnte Graßmann und Steiner verhastkn, doch gelang es den: Graßmann nachher wieder, zu flüchten. Das PolizeUommistarial Margareten, das von . diesem Vorfall Kenntnis erlangte, ließ sich de« dort m Haft befindlichen Stein«, d« sich ebenso wie Graßmann einen falschen ' Namen beigelegt hatten übctstellm «ud Steiner, wurde am 11. d. M. dem Landesgerichi ringelirfert. Dringend verdächtig, der dritte Begleiter zu sein, ist der HilfSarbeit« Leopold K r a t f ch m e r. Ihn konnte der ririichreiteride Wachmann ' nicht mit Sicherheit erkennen. Nun sind am 11. d. W. spät §3. August 1921 _Nr. 916 , vbeubsLerKlaviermacher Otto Rzesnh undderHilfsarbeiter Richrrrd Wojta neuerlich im Gasthaus Barga «schiene« und haben den Wirt mit einem Schlagring und mit Bingläsern mißhandelt, so daß er schwer verletzt wurde. Im Gasthaus hatten zurzeit zwei Kriminal de amte wegen der Ueb«f8lle Ueber- ' wachmgsdienst. Sie hattm sich eben a «f k« r z e Zeit entfernt, »m di« v«haftung eines verfolgten Verbrechers vorzunehmen. In der Zwischenzeit geschah der Ueberfall. Bei der Streifung, die bte Kriminalbeamte» sofort Vornahme», wurde» Wojta Md Rzesnh verhaftet. Hitze und Gewitter. Der gestrige Dag brachte in seinem Dvrlauj eine weitere starke Steigerung dvr> Denlpera.tur und abendsi eino leicht« Abkühlung, die durch/ den freudig begrüßten Gewitterregen hervvrgvrufen wurde. In den gestrigen Morgenstunden wurde aber in den! AuDeubezirken nach einer drückend schwülen Nacht bereitst eine Temperatur von 34 Grad Celsius im Schatten, abgelesen. In der Inneren Stadt konnte um fcfen Mittagsstunde an einzelnen l Stellen bereits ein« Schattentemperatur von 39 Grad Celsius gbgelesen werben.. Der gestrige Tag wird als der heißeste; Tag in Wien seit etwa 90 Jahre« bezeichnst. Die» heiße Luftströmung brachte eine Steigerung der Uttr. ruhe und Nervosität und weitere Qual fstr die Stadtbewohner, da neben her drückendem Hitze noch die; Stanbplage zu ertragen war.. Ein großer TeU der. Bevölkerung zog in den vergangene» Nächten dem Aufenthalt im Freien dem Schlaf vor, da in den- Zimmern keine Ruhe zu finden war. Die gestrige Steigerung der Hitze hatte. bereits lähmend guf dass Geschästsleben und ans die Arbeitstätigkeit gewirkt. Alle Arbeit, die nicht unbedingt notwendig war, wurde, eingestellt, Mer überflüssigv Gang unterlassen. Wie., in der großen Hitzeperiode vor vierzehn Tagen, wies? auch die Straße einen viel geringere» Verkehr aus. als sonst. Erst spat abends, als der Rege« der Hitze ein, wenigstens vorläufig^ Ende gesetzt hatte,' &e* belebte sich, wieder die Stadt. — Auch'ans den Alpen-» ländern, aus Prag, Berlin und Krakau! kamen. Meldungen über starke Gewitter. Amtliche Vor aus sage: Gewitter mit Temperatursturz, später vorwiegend trüh, zeitweise Niederschläge, lebhafte, böige Westwinde.; Mesenwal-drimd iw Schneeberggebiet. Die Wittgeustemschen Wälder seit drei Legen in Flamme». Aus Nennkirche« wnd gemeldet: Der m Grünbach am Schneeberg in de» Wittgenste'msche» Wälder» ansgebrochene Brand wütet schon drei Tage. Reich S w ehrte »te aus Wiener«Neustadt'«»d Paherbach, unterstützt von Gen» darmerie aus Aeuukirchen, Pitten, Schwarza», Puchberg, und Grünbach sowijs' von dm Feuerwehren aus Wöllrrsdorf, Puchberg and Grünbach, arbeite» mmutnbrochen unter ernormer Hitze an der Lokallsiemng, welche sehr schwierig sich gestaltet, da der breunende Wall» sich längs emeS Bergrückens hinzieht Md weit Md breit kein W a ff er zm Verfügung steht. Der LvfchmMnschaft ist rS nm möglch, die Glut, die stellenweise kniehoch liegt, mit Stauden z» rrsiickea. Um das Feuer aufzuhaltm, hat not im Wald eine 30 m lange Gaffe anSgehanm, doch auch diese wmde von dm Flamm« Überschwüngen, so daß der Bnmd bereits an die Gemeindegrmze von Miesenbach im Guimsteinertale heraureicht. Bis heute sind 40 Joch Wald im Gesamtwerte von 4L Millionen Kronen avgebrount. Kundmachung. Der Jüdische HdchschulanSschuß ist in der Lage, einch größere« Anzahl bedürftiger Kollegen, welche nachstehendm Bedingungen mtfprrchm, Geldznwend un§ e« bis X 8000 seitms einer Wohltatigkeitsinstitvtio« zu verschaff«. Dir BedingMge» find: 1. Deutschosterreichische Staatsbürgerschaft; ' 2. nachgewirsem Mittellosigkeit; 3. aus der KricgSgesangenschLft heimgekehrt; 4. letzter Jahrgang des Studiums; 5. nachweisbar guter Studienersolg. Kollegen, bei diesen diese Bedingungen zutreffen, wollen sich, mit allen Dokumenten versehen, bis zum 18. d. M. in der Zeit von 11 bis 12 Uhr vormittags im Wirtschaftsamtr de§ Jüdischen HochschnlvvsschnsseS, IX., Mariavnrngasse 32, melden. Die Einhaltung dieser Frist ist unbedingt geboten, da spater keine Zuwendungen mehr erreicht werden könuten. Rabcnweishckt. Die hannoversche Stadt Tostedt gibt als Notgeld einen öll-Pfennig-Schein heraus, der ein. aitztisirmitisches Hetzbild übelster Sorte als „Zierde" enthält. Es ist da als Symbol ein Baum abgebildet, an dem zwei Jude»: aufgeknüpft sind, während eine Anzahl Rabe-nj sich abseits hält, alis schesusten sie sich, diese Leichen antzurühren. Dies« Rabe», die sich usm so viel zivilisierter zeigen als die Anfertiger und B.rschlcißer solchen Notgeldes, find gewiß 'die Bügel, die dem Kaiser Rotbart ult Kyffhäuser über die Vorgänge auf der Oberwelt Bericht erstatten müssen.. Traurig melden sie ihm, um wieviel roher bas heutige- Deutschland ist, als eß daS Mittelalterliche der Hobenstaufeu war, ulnter dessen mildem Zepter Christen, Juden und Heiden „ungeschieden" waren, wie sich ein zeitgen.össischer Dichter ausdrückte. Und seufzend schläft der Rotbart wieder ein, in der . Erkenntnis, das; dre Stunde von seines Reiches Herrlichkeit noch Umße nicht aeLchlaaen hst . . . «