Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 914 (12.8.1921)
- Date
- 1921-08-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis g Kronen VrLnnmerationspreiss: W i»,r A«, «HÄ« h» »» SuichktßstMr «»»Mtch. 8nwa 1IO.« - «tt ••ftofrftufc ffty Situ ■* Oesterreich r . Aro,e«!80/> rschecho.Slv»»krI: . Monatlich . . Straften 18.— ' Vierteljährlich , S4.-» i» tiche»o»sr»Wakisch«r ß»ähr«ftV ■ itK,er»r Moftatlich.' . ßtanca 70«-» VterteljShrttch . «ft ftrizeritchre I9i|tn| } J»»ß«llsA>ieft, Monatlich. . . 9to*c IS.—' ^viertel jährlich . Anzelpreis S Kröne« Nr. 914 Wien, Freitag den 12. August 1921 ' J^iaiia: M-naaich. ...'. «chD««S ■-.»«» üirtie «x»fe* Monatlich; *"•* SF»az.,r»»chWl»-ch. NKxDL.Wi mjtm 3. Jahrgang Die Berneiner Oesterreichs. ' — y. M : e n. 12. August. # Die Besprechungen der Präsidenten Masaryk und Hämisch sowie der sie begleitenden Außenminister 'Schober und Benesch haben in drei wichtigen Fragen zu einem Einvernehmen' geführt. Es ergab sich eine einheitliche Auffassung der Meinungen in bezug, auf die Stellung Oesterreichs zur kleinen Entenje, zu den 'Strömungen in 'Angarn und zur handelspolitischen Situation der beiden Staaten. Beide Staaten haben das stärkste Interesse an der Verhinderung einer effektioeit Restauration in Ungarn, deren unvermeidlich aggressiver Charakter ihre innere Ordnung in Frage stellen würde. Ein Anschluß Oesterreichs an die kleine / Entente, die ein militärpolitisches Sicherungsbündnis 'des tschechischen, jugoslawischen und rumänischen Staates darstellt, ist unerwünscht, auch unausführbar und widerspricht der Stimmung der österreichischen Bevölkerung die. ihre Krisen nicht noch durch außenpolitische Komplikationen verschärfen darf. Hingegen ist der Ausbau der wirtschastspolitischen Beziehungen zwischen den SnkzessionsstaMn für alle von einer Bedeumug, die täglich an Aktualität gewinnt. Die Vereinbarungen hierin sind noch nicht bekannt, dürften aber ist einer ziemlich weitgehenden Annäherung der Zoll- und Verkchrsfragen liegen. Die Bereitwilligkeit der Tfchecho-Slowakei ist in einem offenkundig inspirierten Artikel des Prager,Cas* äusgedrückt gewesen und es ist nicht daran zu zweifeln, daß unser nördlicher Nachbar eine solche Lösung der auch für ihn,; unexträglich gewordenen Verkehrssperre begrüßen Ein Einvernehmen zwischen Staaten ist ein Vertrag. der von beiden Seilen loyal erfüllt werden muß: Wer aber die Parteienkonstellation Oesterreichs überblickt, muß feststellen, daß zwei der größten Parteien seit jeher die sich anbahnende Freundschaft zu den Nachbarstaaten bekämpfen. Die Großdeutschen sind offen gegen ein herzlicheres Verhältnis zur Tschechoslowakei und die Christlichsozialen zeigen ihren Haß in der Legung unterirdischer Minen. Beide Parteien find aufs sinnigste verbandest mit der unsinnigen Politik der Deutschen in der Prager Kammer und stehm in engster Verbindung mit den verschiedenen irredentistijchen Komitees der Tfchecho-Slowakei.Die Großdeutschen blicken' aus Horthy, die Christlichsozialen auf Hlinka. So sehr man diesen Parteien das Recht emräumen muß, Unterstützung und Anlehnung zu suchen, so sehr muß man dagegen Stellung nehmen, daß Regierungsparteien durch ihre Takti^der eigenen Regierung und — wie die Dinge heute flehen — dem eigenen Staat in den Rücken fallen. Die Politik des Kabinetts Schober, die vom 'Kanzler mit den Regierungsparteien festgelegt wurde, weift Oesterreich auf den Weg der reinen Wirtschaftspolitik und der Ablehnung aller auswärtigen Experimente. Aber die Art von Wirtschaftspolitik, wie sie der im Kabinett sitzende Vertreter der Großdeutschen betreibt, fordert auch das Ausland zur schärfsten Kritik heraus, Dieser Mann bricht dAr Friedensvertrag durch feine Öptionsordonnanzen. Er ist feige genug, keinen gesetzlich faßbaren öffentlichen Erlaß herauszugeben, feige genug, sich hinter eine angebliche Entscheidung des Vcrwaltungsgerichtshofes zu verkriechen. In einer geheimen- Instruktion hat er die Abweisung aller jsidischen Optionsgesuche angeordnet. Er schreitet auch nicht gegen die Gemeinden ein, welche jüdischen Staatsbürgern die Freizügigkeit stehlen und das Aufenthaltsrecht nehmen. Er ist nicht Pundesminister, .will es wahrscheinlich auch nicht fein, weil die Pflichten einer solchen Stelle sich nicht mit den Weisungen seiner Femvorgesetzten vertragen. Aber er ist Mitglied einer Regierung, die schließlich auch für sein Tun verantwortlich ist. Mit einem solchen Minister, der heilte die Juden, morgen die Tschechen vertreiben will, mit dem Agenten einer Partei, die den Staat und,das redliche Bemühen des Kanzlers direkt sabotiert, . kann keine fremde Regiemng verhandeln. Seine Unterschrift kann' jederzeit durch irgendeinen Parteibeschluß desavouiert werden und seine Tätigkeit afe Minister kann im Ausland nur schärfstes Bedenken erregen. Solange ein solcher Minister möglich ist, solange Regiemngopartcien die von ihnen umschriebene , Politik 'bei* Regierung täglich und stündlich verneinen, wird Oesterreich auf kemeu atüneit Zweig kommen. England gibt nicht nach. Paris, 11. August. (Havas.) Die Kommissare der Alliierten in Schlesien nnd die Sachverständigen haben ihren Bericht fertiggestellt und ihn gegen Mittag dem Sekretariat der Konferenz vorgelegt. Die Sachverständigen bezeichnen Zene Gemeinden, die vom Industriebeckbn unzertrennlich find oder eine untrennbare Einheit bilden. Da das Industris-Dreieck auf diese Weise in ziemlich zah lreiche Teile z e r st ü dt e l t wird, bleibt es dem O b e rsten Rate überlasseNpdieGrenzl i« i e z u bestimmen. L l o h d G e o r g e, E u r z o n, B r i a u d und L o n ch e u r haben 'vormittags zwei Stunden konferiert. Es scheint n i ch t, daß die Besprechung zu einem Ergebnis geführt habe. Die Engländer sind Wenig geneigt, Zugeständnisse zu machen, und hatten an der sogenannten Marirris- Linie fest, die» pon einigen Perbeffsrunge« abgesehen, dem Entwürfe Pereioal-Marinis Shuelt. Die Franzosen hatten eine solche Grenzführung für Polen «ngenSgend. So lagen die Dinge, als Vie französischen und die englischen Vertreter anseinanderginge«. Es scheint also, daß der französische und der englische Standpunkt sich neuerlich iw Gegensätze befinden. Wenn bis znm Abend kein Mittel zur Annäherung gesunden wird, wird sich der Oberste Rat, der Tagesordnung entsprechend,.mit der russische» Frage befaffeu. Paris, 11. August. Die Agenee Havas erfahrt ans maßgebender Quelle: Die Nachmittagssitzung des Obersten Rates wurde vertagt, damit die Regierungschefs direkt die Prüfung des Entwurfes für die schlesische GrenZführung fortsetzen können. Zerstückelung. Parrks, 11. August. (Wolfs.) Wie „Petit Parisien" mitteilt,hat der Sachv-erständigenansschuß gestern seine Arbeiten nur teilweise fortgesetzt. Bloß der erste Teil seines Berichtes sei beendet worden. Es sei noch' eine Vormittagssitzung notwendig,'um die Unterlagen zu beschaffen, die der Oberste Rat brauche, um sicherneut mit der oberschlesischen Frage zu befassen. „Petit Parisien" und andere Blätter hieben hervor, es sei nicht sicher, daß sich der Sachverständigeuausschuß über eine eigentliche deutsch-polnische Grenzlinie einigen könnte. Die Aufgabe bestehe im wesentlichen darin, den industriellen Block'zu teilen, indem mau im Innern des Landes eine Anzahl wirtschaftlicher Zonen schaff«, die voneinander losgelöst werden 'könnten. Nach'dem „Petit. Parisien" seien bis gestern nachmittags 16 verschiedene Zonen gebildet worden. Diese ins Einzelne gehende Zerstückelungsarbeit erleichtere zwar nach' halbamtlichen Blattern die Grenzführung, setze aber der Erörterung über die. Grenze kein Ende.' Deshälb sollen die Regierungschefs die endgültige Entscheidung treffen. Briand, Lloyd George und Lvncheur würben sich heute schon früh zusammenfinden und man würde die Erörterung eröffnen, bevor die Arbeiten der Sachverständigen zum Abschluß gekommen .wären. Abreise Lloyd Georges. L o it b o n, 11. August. (Reuter.) Lloyd George fährt morgen nach London zurück. Seine Rückreise hängt mit der irischen Antwort Msmumr«- Die Hilfe für Rußland. .Paris, 10. August. (Havas.) In d^ hksttMn Sitzung des Obersten Rates legte der französische Ministerpräsident Briand den Plan fürdi»Ruß* land zu 'gewährende Hilfe dar. Die französische Regierung sei der Meinungdaß diese Tagung. d«A Rates nicht teilnahmslos bleibe« dürfe gegvnWer dem großen Unglück, von dem das russische Dol? Wrvffe« worden sei. Alle' Alliierten, besonders aber FränkreüA dürften/nicht der Hilfe vergessen, die ihnen Rußland während des Krieges geleistet habe. Die Alliierten sollten sich' zu großen hutmmitäve» Gesellschaften zusammenschließen, ohne daß jedoch di« .Hilfeleistung off izielle n Charakter hätte. Das Best« wäre, sich der American Relief Assoriatro « anzuschließen, um mit Hilfe der ts'checho-slow akische» Regier» ng mit dem russische» Volk in Verbindung zu treten. Premiermenister Lloyd George orAärte, er sei mit dem Standpunkt des Ministerpräsidenten' Briand. bezüglich' der Notwendigkeit, de» russischen Völkerschaften Hilfe zu bringen, vyllkomifl«n,Hinve^ standen, wies jchochl auf die SchwilttiigVeitzU- '.dieM Problems hin, da fast 85 Millivne« Mensche» von der Hungers» ot nud der Cholera betroffen seien. Es werde sehr schwierig fein, Rirßland Hilfe zu leisten, wenn die russische Regierung den Organisationen des Roten Kreuzes nicht verschiedene Begünstigungen gewähre. Bor allem müßte man . das Getreide, bas in gewissen Gegenden Rußlands. vorhanden sei, in andere, minder gut versorgt» Gebiete befördern kön-nen. Ministerpräsident Bo nomi verspraM d ie..Mithilfe Italiens. Eine 'ähnliche. Erklärung. 'gaben." did-. Vertreter Japans ab'. / 7 , „ i Oberst Harvey erklärt», er sei bvreit, , den-' Alliierten alle nützlichen Mtteilungen über die' Zntentwnen des Hoover-Komitees zu. wachs»-. I' ä'f 'v'.a ri befürwortete die Einsetzung eines besondere« 5^>m.Äees.' ^Schließlich faßte der Oberste Rat den Beschlüße di« Einsetzung deiner i n t e r n a tiv n al.e n- Ko nt-: mis si ou zu betreiben, die mit der Prüfung der Frage betraut werden soll, wie der hungernden^ v'ölkktrung Rußlands Hilfe .gebracht werden - kann.^ '. .In der gestrigen Nachmitbagssitzung des' O>hersterr> Rates führte Bonv mi aus, daß es sich .auch' barum handle, einen Teil de ^'öffentlichen europäischen MeWÜng^ die die Bolschewikenherrschaft als" eW'.'Ärk irdischen Paradieses betracht«, im -Gegenteil zu zeigen,^ daß Rußland der dringenden Hilfe der bürgerlichem Regierun gen bedürfe, um gerettet zu werdmr. C u r z o n - wies darauf hm, daß die Einzelp'unkte für die Mfe Transport und g u t eOr g a n isa t-iv n feien. Die Hungergebiete müßtenunterteilt undsorgfältig übertvachl werden. Die ankommenden 'Lebensmittel, müßten strenge rationiert und Unterkunstsbärtser für die Betroffnen errichtet werben. Vor alkÄir/bedürfe man begeisterter junger Mänarer/ die für die Sache mit Eifer arbeiten wollen und Orgänisativnstalent besäßen. Es werde auch wichtig sein> die Mithilfe der Sochjetregierung Zu verlangen, i n t» rnationale Berteilungsbehördenzu schaffen und erfahrene Männer anzustellen, - wie -jüne^.-die' H'oover in seinem 'menschenfreundlichen Werk« unterstützt haben oder wie sie Großbritannien in 'Indien und anderswo besitz«. - Neutralität. London, 11. August. (Funkspruch.) Nach Dieldun^ gen aus Paris hübe der Oberste Rat beschlossen/ daß dir Entente im giechisch-türkischen KosifliE volle Neutralität wahren werde und «iti» Macht einem der Kriegführenden in irgendeiner Weise zu Hilfe komme» werde. Den Staatsangehörige' .tzevs Ententemächte ist es jedoch gestattet, den' hhfbeE kriegführenden Mächren im Rahrnen der mtet}iötru>-' ' na len Bestimmungen K r i o g s rn a te r i a l aur - eigerbv sab SKeäauuw■&.#&&&