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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-11 · Heft 913 (11.8.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 913 (11.8.1921)
Date
1921-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelpreis S Krone» Einzelpreis S» Kronen ""■*30»,"“ mm*m* . »im« XfMMHNMiit «MitlU . . Imm m,. yStoäiwSiW» «IMwS Nr. 913 Wien» Donnerstag den 11. August 1921 Prim»«eratt»»-ppetßa i ■‘•ws**/» 14r« ■ Atinik«: Ms»«Hich.; . thee 9^ ■ MumäKim: «roaatlich. . . . «ei a5.-- Schweiz ». ttl übrige A«Sla»t . . . S»««:» WLÄsDMLr vostsp«»kgff«,ßKo^ 120.6L 3. Jahrgang Die Präsidentenbegegmmg in halistatt. Befriedigendes Ergebnis der Besprechungen. Wien, 10. August. Die Entrevue zwischen dem PrLsidsnte« der tschecho - slowakischen Republik Dr. M a s a r h k und dem Bundespräsidenten Dr. Harnisch, an welcher auch der Außenminister der tschecho - slowakischen Republik Dr. B e « e s ch und Bundeskanzler Schober in seiuer Eigenschaft als Leiter des Buudesministerinms des Aeußeru teilnahmen, hatte ein vollstSudig befriedigendes Ergebn i s». Eine ganze Reihe von wirtschaftlichen und politische» Fragen, welche für die weitere Entwicklung der beiden Nachbarrepnbliken von größter Bedeutung sind, wurde« erörtert und die Unterredung führte zu dem Resultat, daß über die Richtlinien und die Details eine v o ll ft L n d i g e A e b e r e i n st i m m « « g konstatiert werden Konnte. Die Festigung des durch die Friedensverträge geschaffenen Zustandes in Mitteleuropa und dessen Ausgestaltung zu einer feste« Grund- Lage der Ordnung und des Friedens in ganz Europa bilden das Programm beider Regierungen,■ welches zum Wohle der Völker verwirklicht werden soll. Die Konferenz de$ Obersten Rates. Die Kommentare der Pariser Presse über den Verlauf des. zweiten Verhandlungstages des Obersten Rates lauten günstig. Die Blätter, geben einmütig ihrer Freude darüber Ausdruck, daß Lloyd George und Bria»d klar zu erkennen gegeben hgben, daß sie fei^, alle AnstrengungDN zu tun, um sine AuS^ gleichung herbeizuführen. Sie schließen daraus) baß ein vollständiges Einvernehmen bald werde erzielt werden. Den Beschluß des Obersten Rates, die Sachverständigerlkommission aufzufordern, eine neue Formel bezüglich' der. Zuweisung des Jndustriebvckens zu finden, bezeichnen die Blätter als einen wichtigen glücklichen Umschwung. Der „Matin" sieht darin einen üMugbaren- Beweis dafür, baß weder Btiand noch Lloyd George die Einigkeit der Alliierten zerstören wollen. Das Blatt nimmt an, daß die Demarkationslinie sich' merklich den vom Grafen Sfor za nacheinander ausgearbeiteten beiden.Projekten nähern werde. Alle Blätter freuen sich' über das Aufgeben des Grundsatzes von der Unteilbarkeit des Industriegebietes. Pertinax gibt im „Echo de Paris" wohl zu, baß ein Einvernehmen auf dem Wege, sei, ist-aber weniger op ti mistisch. Er befürchtet, daß durch das Aufgeben des Grundsatzes der Unteilbarst des Dreiecks die französische These eine größere Einbuße erleide als die englische. Bezüglich der Orientangvlegenh e i te n glaubt „Echo de -Paris", die Absicht.-des englischen Kabinetts gehe dahin, daß die Alliierten den' Griechen und Türken als Verhandlungsgrundlage den im Originaltext wiederhergestellten und zugunsten des Siegers«b geander te n B er trag von Sevres empfehlen. Die Beratung der Sachverständigen. Paris, 10. August. „Liberte" berichtet, nach Beendigung der Vormittagssitzung her Sachverständigenkommission habe sich das Gerücht verbreitet, daß über die Aufteilung des Jndnstriebeckens neuerdings ernste Meinun.gsversch ied.enheiteit aufgetaucht seien. Die Gerüchteseien von Briand selbst dornen-, t iert worden. Es bestätige sich) daß die Demarkationslinie nach den bisherigen Arbeiten der Sachverständigen unge sähr der von S f o r z a. Jorges ch l a g e n e n Grenze folge, jedoch an einigen Punkten z ug u n st nt D e uts ch t o n d s -ab geändert worben sei. Das Blatt meint hiezu, daß die vormittags verbreitete Ansicht, das Industriegebiet' werde so ausgeteilt werden, daß etwa 60 Prozent Deutschland Zufällen, mit Vorsicht aufzunehmen sei) In amerikatrifcheii Kreiseu werde erklärt, daß Pol e n 7 0 P r o z e n t .des 'Gebietes, das sich für Polen ausgesprochen habe. erhalten dürfte. Schließlich spreche man davon, daß Polen und Deutschland, nachdem die Entscheidung des Obersten RateS getroffen worden fei, bestrebt sein dürften, sich direkt über die Regelung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten M verständigen,- di».: sich: mfö-~ Hr Teilung des Abstimmungsgebietes vrgebeir'könnten. Da die Sachvetständigen erst atzend K ih r e Arbeiten absch ließeit werden, gelange diet-oberschlesische Frage erst mo rge n vor den Obersten Rai, der mit Rücksicht auf die Einladung des Präsidenten', Mil ler a n d nur eine ganz kurze Vormittagssitzung abhalten werde. Besprechungen Briands mit de» Vertretern von Angora. Paris, 10. August. (Havas.) Ministerpräsident Briayd hatte heute vormittags Besprechungen mit den Verucknu der Regienmg von Angora. Die internationale Aktion für Rußland. , Paris, 10. August. (Funkspruch.) „Eclair" meldet, daß die Frage der Lebensmittelhilfe für Rnßlaich) heAe. oder morgen in Ramboullet, wo sich die Mitglieder des Oberste» Rates als Gäste des Präsidenten befinden werden, zur Sprache kommen wird. „Temps" meldet, baß in Washington ein Telegramm von Kamenew eingetroffen sei, wonach die amerikanischen Gefangenen, die noch in Rußland Aurstckgehalten wurden, Montag die Grenze überschritten haben. Nachdem diese Vorbedingung für die amerikanische. Hilfe?-' Leistung erfüllt ist, werden Anstalten getroffen, die großen Lebensmittelvorräte, die. sich. im Hamburg, Danzig, Reval und Riga befinden, nach Rußland z« bringen. Brown und Ca rot, die Ho o v e r vertreten, sind Montag abends von London nach Riga abgereist, wo sie mit Litwinvw zusammentreffen werden. — Aus Kvwno wird gemeldet, da ß der Mmisterrat große Kredite Kur Hilfe für Rußland bestimmt habe. * Neutralität int griechisch - türkischen Krieg. ' Paris» 10. August. fHavas.) Der O ü 11 fl t fli a I hwp vormittags die Besprechung der ,m Orient sh hkobachlenden Haltung fort und «ahm einstimmig folgnide Entschließung an: Die Berbandsntächte beschließe, ihre Haltung ü t c n gster N eutt a! .t* t ä,t i m g ri e ch i f ch - tü r k i i ch <t?f, . K r ieg bei z ü b e h ä l t e n, daß heißt, die BrrbaudSresi-e«' rüngen sind in dvr Ansicht einig, vm keiner Hilirlriidrug irgendwelcher Art in den Kampf einzugreisi«. - sei es mit Tmpvvt' tüt: - Wttffensendungett oder mit der Gewährung von- KvedmU.- Für den Friede«. —1. Wien, 11. Augnst. Das Genfer Rote Kreuz richtet an die Oeffentsich- Leit eine« Aufruf, für den Frieden zu wirken. Drei Jahre «ach Abschluß des Waffenstillstandes, zwei Iahte »ach-Unterfertigung des FriedensvertrSge muß die internationale Organisation des Mitleids und der Barmherzigkeit aussprechen, daß es nicht genüge, gegen die Leiden des Krieges zu kämpfen, daß es vielmehr notwendig sei, den Krieg selbst zu beseitigen, eine allgemeine und stetige-Propaganda gegen den Kriegsgeist zu führen. Wan« immer in unserer Zeit ein solcher Aufruf erfolgt — er kommt immer zeitgerecht. And das ist das traurigste Charakteristikum dieser in sittliche Verwilderung geratenen Welt, daß es nach dem Weltkrieg, nach dem Scheinfrieden noch immer notwendig ist, sie an das Grundelement aller grsellschastlichen Ordnung zu erinnern. Das Primarpe ist das Menschenleben, die Bürgschaft aller für den einzelne«, des einzelnen für die Gemeinschaft aller. Das Empfinden hiefür ist in der gelt des entfesselten nationalistischen Patriotismus abhanden gekommen; was davon vielleicht übrig blieb, droht in den Abgrund der sozialen Kämpfe zu stürzen. Wohin man blickt, zeigen fich tiefe Riffe in dem gesellschaftlichen Organismus, der fich in Sieger und Besiegte, in Besitzende und Besitzlose unterscheidet. Von allen Seiten wird daran gearbeitet, die Brücken von dem einen Ufer zum anderen zu zerstören und die menschliche Sälidarstät vollends zu sprengen. ^Pet^Krieg dauert fyrL Er ist in das Denken der Väkde^ so'^ tief eingedrmrgeu, daß sogar eine so surchthare Erscheinung wie die der russischen Hungerkatastrdphe nur politisch gewettet wird und nur,daraufhin geprüft wird, ob sie dem oder jenem Machtekonzern, her oder jener Klasse Nutzen bringt. Im Vordergrund aller Erwägungen steht zu jeder Stunde die RÜMHt ajtf j>ns egoistische Machtintereffe des eigeneu SiaatkS und obwohl die traurige Geschichte des europäischen Kontinents seit dem Kriege die Schüben solcher Betrachtungsweise klar enthüllt, bleibt weiter ', in der Polittk die Zerschlagung der Völkergemeinschaft in ihre einzelnen Telle das bestimmende 'Moment. Alle Staaten, alle Völker sind bewußt oder tmhewüßt. miteinander durch die stets gleichwirkenden Gesetze der wirtschaftlichen Entwicklung verbunden, aber die Kriegssiimmung könnte trotz aller Anstrengüngen edeldenkender Menschen noch nicht verscheucht werden. Die Schlagworte, mit deren Hüfe man im Jahre 19f4 die Millionen blühenderIugend in Toh rmd Elend trieb, die Phrasen von dem Ueberfasi durch einen meuchlerischen Gegner, von dem Schutz des eigenen Volkstums, der eigenen Scholle haben sich in den letzten Jahren ein wenig; abgeschwöcht. Aber es ist doch noch zu viel von ihnen übrig geblieben, um die Hoffnungen der Menschen zu bedrohen» daß die Geschlechter» die nach dem Krieg an den Neuaufbau der Welt schreiten werden, zu einem freien, aufrichtigen Leben gelangen werden und in gegenseitiger Ünterstützltng» in friedlichem Zusammenmbeilen Hrdnung und Sicherheit neubegründen werden. Jeder Tag bringt neue Konflikte. Der Frieden wurde im Geiste des 'Krieges, in Haß und Feindschaft geschlossen und aus solchem Werk kann nur Mißtrauen, Begehrlichkeit und Haß entstehen. Das internationale Rote Kreuz wendet sich an die Völker und die Einzelpersonen mit dem Verlangen, daß sie mit allen Mitteln den Kriegsgeist bekümvfen. Staatsmänner, Schriftsteller, Schule, Universität» Kapital und Arbeitskraft, alle sollen dessen bewußt sein, daß sie in einem gemeinschaftlichen - höheren Interesse zum SirW des Friedens auf der Erde beitragen müssen. Wenn wir um uns blicken, wenn wir die Träger der Menschheitsvergiftung, die Hetzpreffe, die Straßenichreier und die Versaiinmlungsdemagogen, die Arbeiterbortzen am der Arbeit sehen, dann wird uns die entsetzliche Notwendigkeü solchen Stcebms des Roten Kreuzes' offenbar. Tausende von Menschen leben heute von der Verhetzung, vom Antisemitismus, vom natio-- naüstischen Getue. Ihre Stimmkraft hat sich vom Lärm der-Kanonen nicht übettönen lassen. Erziehung der Jugend zum Frieden und zum Menschentum ist gewiß ein hohes uub edles Ziel, ^lber ebeujo notwendig ist die Schasiltng eines über ben Bulkern und Partete» stehenden GerichtshoseL., der dir Brediaer des der RasitzUugd Klauen- : Verfeindung in Schranken hält und sie: wegen der schwersten Sünde, der am Geist und an der menschlichen Solidarität, zur Verülttwvittmg In den Völkern ist nur der Wille znm Frieden und zur schaffenden Arbeit lebendig. )iber iine Seele ist muft tonnt) üüiu Kl leg und sie hören kein Wort der Bertöhimng. Zu. laut spricht der Geist des Krieges tuirdi i Die IutiücuüurUen Fäiichcr »er ojiomiui;cu Ä'teinutta. Deren Werk gedeiht, weil niemand autoritär genug nt», ihrem Treiben zu steuern und weil die Freunde des Friedens sich zu schwach .oahnen, ihnen entgegenzuarbesten. Es fehlt die universale ständige Gerechtig-, keil, die zun! Interna!iormlismus führen kann, der mit der Liede zum eigenen Bork die Achutnq vor dem Re d! des' anderen Volkes, des Mtmenjcheu ver» h inüt'L

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