Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 911 (9.8.1921)
- Date
- 1921-08-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979990--08395-2994545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
August 192} Kr. M Tagesbericht. jftte 4 Men.^Wenstag _ MÄrer Morgenzemmtz Der Einbruch im kun$tbi$tori$cbcn! Museum. Der Tater bekck««t. — Die Juwelen in Holland verwertet. Die trinualich, ist in der Nacht zum 23. Jänner vorigen IahrrS ein unbekannter Dieb in die Räume des künsthrstori sch e «Museums gedrungen und hat in der-- schiedenen AusflellungZsalen Wertobjekte aus verschiedenen Kunstepochen rn sehr bedeutendem Werte gestohlen. Im Saale XXIX stahl er einen Elfenbeinsächer indischer Arbeit au§ dem ^6. Jahrhundert mit 18 reich ornamentierten Blattern und im Saale XXXIV aus einer Vitrine, die auch historische Waffen barg, die aus spanischem Rohr bestehenden Marschallstäbe des römischen Kaisers Frauz.l. mit goldenen'Griffen rmd, reichem Brillartmschmuck und des Herzogs Karl Alexander von Lothringen mit grünem Jaspisgriff. und Brillanten, Ältedelstemen, einem Minraturbild der Kaiserin Maria Theresia, aus der Gemmensammlnn» im Saale XIV 89 Gemmen aus verschiedenem Material, daun eine Anzahl Aihoskreuze. Der Friedenspreis aller dieser Kostbar feiten betrug mindestens 11/, Millionen Krone» mid hat sich im Kriege vervielfacht- Run ist es nach mehr als Jahren gelungen, diePers » « des T a t er S fest- L u st e l l e ». . - Bor' einigen Tagen hat der Patroukllenleiter Lvdwig- Nell der AusforschungZabteilung des OstbahnhofeS Kenntnis davon erlangt, daß sich zwischen einer gewissen. Hermine F i d i uud einem jungen Mann namrnS Erwin B eck ein Rechtsstreit entspannen habe, der sich nm den Verkauf eines Elfenbeinfachers und von antiken Holzkreuzen drehte. Nell kam auf den Gedanken, daß Fächer «nd Kreuze von d e m D i e b si ahl im kunsthi st ar i-f che n Mu se u m her rühren könnten. Die Gendarmerirorgane führten auch die ersten Erhebungen durch und setzten-das Sicherheitsbureau in Kenntnis. Hermine F i d i.-. geborue Cavar, 1893 geboten, XVl., Eisrm gaffe 5 wohnhaft,- gab bei ihrer Einvernahme an, daß sie mit der Familie des Kaufmannes Erwin Beck seo.. XVI., Kirchstetterngaffe 63 wohnhaft, von Jugend auf bekannt-fei. Eine Freundschaft verband sie namentlich mit dem Sohn des Kaufmannes, dem 1901 zu Wien gebornen Handelsangestellten Erwin Beck .jun. Im Jänner oder Februar vorige« Jahres will sie mit dem junge» Beck m der Straßenbahn gefahren sein u»d mit ihm davon gesprochen habe«, daß der Vater Becks nach Holland fahre und dort, Antiquitäten verkaufe. Plötzlich hätten sich zwei Mann er m daS Gespräch eingemengt, sich entfchuldigt, daß sie mrsreinMig gelauscht hätte», und gesagt, daß sie auch - Bachen hatte«, die »ach Holland gebracht «erde« sollten. Sir knüpften das Versprechen daran, daß Becks Vater für seine Mühe reichlich entschädigt werden solle. Sie hätten den jungen Leck in das Kaffeehaus Vaterland bestellt, und als Frau Fidi einige Tage danach den jungen Beck wreder sah, erzählte er, er habe mit den Männern schon gesprochen; sie halten; ihm Brillanten als Entlohnung dafür versprochen, daß sein Vater dm Elienbeinfächer und die Athos-Kreuze nach Holland schmuggle. sKnige Tage darauf soll Beck zu Frau Fidi gekommen sein und ihr »Meteilt haben, ,er habe nunmehr die Sachen". Dabei brachte er a«S einem Tuch einen Elfenbeinfächer und fünf bis sechs Hvlzkreuze hervor, zeigte sie Frau Fidi und ließ auch ein Säckchen Brillanten sehen, von dem er sagte, daß dies 'ein Löhn für de« künftige» Schmuggel sei. DieHalfte der B r il laute» übergab er der Fra« Fidi und erklärte, die beiden Herren schicken ihr die Brillanten. BeckS Vater hat den Fächer und Holzkreuze übernommen und «ach Holland geschmuggelt. Frau Fidi machte die bedewsame Mitteilung, daß der junge Beck, als er die Sache« zeigte, Abschürffmge« avf »er Wange »«» auf bei»«« Hände« und eine Schnittwunde a« der inneren Handfläche und Verstauchung der Fußknöchel aufwirs. Diese Wahrnehmung ist für die Beurteilung der Täterschaft von größter Wichtigkeit, da sich der Dieb, nach den Blutspure« zu schließen, bei dem Ern" ich lagen der Vitrine» verletzt und. auf der Flucht durch den Sprung aus dem Fenster den Fußknöchel verstaucht hat. Da die Rolle, die Becks Vater, der 47jährige Kauft mann Erwin Beck senior, bei der ganzen Sache gespielt, sehr bedenklich war, wurde er am 4. d. M. v e r h a f t e t. Bei seiner Einvernahme gab er umumwundett zu. im April oder Mai vorige» Jahres eineu ElfenbeiLnfchrr, den er «ach der Photographie mit Bestimmtheit als de« im Muse«« gestohlenen erkannte, mehrere Holzlreuze,' eme große Anzahl verschiedener Gemmen und ein Säckchen Brillanten nach Holland geschmugelt zu haben. Alle diese Gegenstände habe er von seinem Sohn E r w i n e r h a l t e n,' der ihm erllärt habe, daß er sie von einem unbekannten Ruffen mit dem Auftrag erhalten habe, sie nach Holland zu schmuggeln.; .Herr Beck gab schließlich zu, daß er geahnt habe, daß, die Sachen, die-ihm sein Sohn gebracht, von dem Diebstahl im Museum henührm. Andeutungen der Frau Fidi riefen in ihm den Verdacht hervor. Die G e m m e », die er bekommen, etwa 70 -Stück, hat er in einer kleine» Schachtel verpackt und bei sich verwahrt, ebenso die Brillanten. die i» einem wallnußgroßen Säckchen waren. Nur der Fächer aus' Elfenbein- und die Athos-Kreuze mußten geschmuggelt werden. Er verbarg sie in seinem Koffer.. Beck so». kannte einen Kleiderhanhler .Friedrich K r a ko w i t s ch, VN., Siebensterngaffe 38 wohnhaft; der B e z i e h ungen-zu einem höheren Zo l l b e a m t e n hatte. Durch des Krakowitsch Vermittlung gedachte.'-er'eine ^glatte" Durchführung der Zoll« behandlnng erreichen zu können. Er gab dem Krakow tich, dazu K 1000 und bewirkte dadurch tatsächlich,' daß der Koffer r a sch- « tr d a n ft and S l ose r leb i g t wurde- Mit den Juwelen begab er sich nach A m st e r d a m und Halle dort die Gemmen einem Amsterdamer' um etw a 3-00 h o l l and i s ch e G u l d eri v e r kauf t. Die Brillanten will er att eine hol- - ländische Firma S t e ff e n oder Jessen um zusammen - 3VVV holländische Gulden verkauft haben. Die 300 Gulden. hat sich Beck. sen. als Ersatz für seine Reisespesen selbst behalten, die 5000 Gulden will er Deinem Sohne mit dem Auftrag übergeben Haben, ja nicht zu vergeffen, die Halste den zwei Nüssen auszufolgen, nur die H ä l f t e, weil sein Sohn ihm gesagt habe, die Rüssen hatten ihm aus purer Freundschaft die Hälfte des Erlöses überlassen. Beck sea. will erst ^viel später erfahren haben, daß der-Sohn die 2500 Gulden nicht dm Ruffen. sondern der F r a n Fr dieingehändigt hat. Diese kl 150.600 hat dann Beck jun. der Frau Fidi e i n g e h ä n d i g t. Sie hatte sich einige Steine behalten und sich daraus bei einem Gvldarbeiter in Ottakring einen Ring m i t 17'B r i l l a n t e n, einen Ring mit drei Brillanten und ein Paar Ohrichraubeu mit je zwei Brillanten, in Platin gefaßt, anfertigen taffen. Da die erste Reise so erfolgreich verlaufen war, beschlossen Beck Vater und Sohn im Mai l.J., abermals nach Holland z» reise«. Während der junge Beck sich dort eine Stellung ' suchen und dauemd dort bleiben sollte, wollte der Vater die Reise zu einem neuen Brillaniengeschäst ausnützcn. Er forderte den Sohn aus, ihm'ihren Anteil an dem El lös wieder zur Verfügung zu stellen und auch die Ruffen zu bitten, eS mit ihrem Anteil zu tun, damit er Kapital für Brrllanteugeschätte habe. Tatsächlich übergaben der junge Beck ' und seine Frau Fidi ihre Anteile, zusammen K 300.000 dem Vater Becks, der dafür iu Wim Brillanten gekauft hat. Als er und sein Sohn nach Holland kamen, mußten sie die Brillanten n so niedrigem Preise verkaufe», daß sie angeblich eine Einbuße v o« K 150.000 e 11111 ett* Käufer der Edelsteine war eine Amsterdamer Firma- Auch Frau Fidi hatte dem Beck «m. die Schmuckstücke, die sie sich ans den Steine« Marschallstabes hatte anfertigen laffen, mitgegeben und sie hat er an die nämliche Amsterdamer Firma um rund 250 hollaudischeGulden verkauft. Für diese Juwelen übergab Söejjf sen. nach seiner Rückkehr 15.000 österreichische Kronen Frau Fidi, sic verlangte aber nun von Deck Vater und Sohn die Rückzahlung der K 160.000. Als Beck sen. das Geld nicht auSfolgeu konnte, klagt« ih« Fra« Fidi beim LandeSgericht i« ZivilrechtSsacheu in Wie» auf Herausgabe der Summe. Der Prozeß nah« seinen Lauf und eS wäre die Sache wohl kaum je aufgekommrn, weun nicht der Geudarmeriepatrouillenleiter Nell Kenntnis davo» erlangt und Verdacht geschöpft hätte, daß die Sache mit dem Elfenbeinfacher mit de« Musenmdiebstahl zusammenhange. . Nach de« geschilderte» Umständen ist wohl kau« ei« Zweifel darüber möglich, daß Erwin B e ck jm». de« Diebstahl im »«nsthistorische« Muse»« selbst k»egangen Hai. DoS Diener SichrrheitSbureau hat noch am *. d. M. telegraphisch die Amsterdamer Polizeibehörde von de« Tatbestand verständigt und um die V e r h a f t u n g deS junge« Erwin Beck und um Sicherstellung der von dem Museumdiebstahl herrührenden Juwele» «nd Antiquitäten ersucht. Erwin Beck jun. ist gegenwärtig als Volontär bei de B o e r in Amsterdam. Pieter Aerstraad 95, angestellt. Er hat fünf Klaffe« der Realschule und dann zwei Jahrgänge einer Privat-H andelsschule besucht. In der Realschule hatte er Erfolg, tin der Handelsschule ging es durch den zweiten Jahrgang mit 'Ach und Krach. Dann bli b Erwin aus der Schule aus; das Lernen freute ihn nicht mehr. Ec laS sehr viel, besonders Reisebeschreibungm, kam häusiger ins Kino. Er wird als ein bisher braver Junge geschildert. Er trank nicht viel, schwärmte nie außer Hause und unterhielt auch keine Mädchenbekanntschaften. Er kam auch nie spät nachts nach Hause. Rur in der kritischen Zeit im Jänner v. I. ist er einmal Über Stacht ausgebliebe« und hat sich damit ausgeredet; daß der Vater eines Freundes übersichle und er ihm helfe. Das fiel damals nicht auf. Es ist zweifellos die Nacht gewesen, m der Erwin Beck jun. den Mns e umd i eb st a h l verübt h at. Sem Vater Erwin Beck «in. war früher aktiver Offizier, hat ab^r detr Dienst quittiert, weil er lluannehmlichkeiten hatte. Sr hat bisher tuten guten Ruf genoffeu mtb nt guten Bürgeckreifeu Bekanntschaften unterhalten. Der XII. Ziouisteuko»gretz. Der bevorstehende Zivnistenkongreß «ist iu de« lveüesten Kreisen des jüdische» Volkes ei» bwuies Echo hervor. Nach den Letzte» Berichte» tarnt y« damit« rechnen, daß mehr als eine Million Jade» durch Bezahlung des Schekels sich das Wahlrecht zu» Kongreß erworben haben. Aus allen Teile» der Erde werde» Delegierte nach Karlsbad kommen. Mau evwartet eine sehr große Delegation au§ Amerika tmb mit, besonderem Interesse spricht man von der Delegation, die aus <Dowjetr»ßlanb unterwegs ist.und die nach letzten Nachrichten fast 70 Miau» stark sein soll. Die Zahl der Delegierte», die zu«. Karlsbader Kongreß kommen, dürste 500 bis 600 betragen. Biele, tausende Anmeldungen fßt Gastkariert liegen - bereits vor' und der große Theatersaal des Schiktzenhauses in Karlsbad reicht bei weitem nicht ^anE/'icht-aÜe'''-ie Bdsncher aufMtrehmeN, die sich z,rm Kongreß nach Karlsbad begeben wollen. Eine Fülle von Veranstaltungen wird de» Kongreß, umrahmen.' Ein großes Turnfest der jüdische« Durnerschaft ist vorgesehen sowie ein Match, zwische» den besten jüdischen Fußballmannschaften. Das Hakoah-Orchester aus Wie» wird emen große» Symphonie-Abend veranstalten, Lia Rosen, die bekaunte Bibelrezitvtorin, wird. im. Kurhaus lesen, Marti» D über wird einen, Vortrag -halten, eine große hebräische Veranstaltung rst geplant usw. Behörden der tschecho-slowakischen Republik bringe» dem Kongreß das größte Interesse entgegen. Alle Gefmrdtschaften und Konsulate sind angewiese«, den Kongreßbestlchern bei der Paßerteilung in weitestem» Maße entgegeuzUkommen. Die. Teilnehmer am Kongreß' erhalten eine bedeutende Ermäßigung auf den tschechoslowakischen Eisenbahnen. Auch die österreichische und die deutsche Regierung habe« Anordnungen getroffen, um den Reisenden zum Kongreß die VisabechrgunK möglichst zu erleichtern. Die Presst der ganzen Welt hat für den Kcmgreß naturgemäß ein sehr lebhaftes Interesse. Fast al!^ großen Telegraphen- und Nachrichtenbureaus sowie die filhrenden großen Weltblätter haben ihre Berichterstatter zum Kongreß bereits angemeldet. Mitteilung des B«rean« des LN. Mo«iste«k»«gr«ffe» Visa: Folgende Vertretungen dertfchechv-slorvaNschen Republik erteilen Visa für Kongreßbesucherr Gesa ndtschaften: Brüssel, Rio.be Aanekrv, Sofia, Paris, Kopenhagen, Haag, Rom, Tokio,,Budapest, Berlin, Warschau, Wien, Bukarest, Belgrad, Washington, Bern,. Konstantinopel, Stockholm, London und Madrid,- Konsulate: Buenos-Aires, Sybuey, Alexa». drien, Paris, Lyon, Bombay, Triest, Mailand, Genua Hamburg, Dresden, Berlin, Köln, Chemnitz, Bremen, München, Breslau, Dortmund/ Nürnberg, Leipzig, Frankfurt a. M-, Krakau,' Graz, Linz, Galatz', Batum. Wladiwostok, Belgrad, Laibach» Agram, Sarajevo, Spalato, New-Dvrk, Chicago, PittSburg, San Francis«, St. Louis, Mvntreal, Madrid, 'Fürich^ Oppeln, Men, Czernowitz, Saloniki, Darna, Reval, Riga, Teschen und Posen. Die Gesandtschaften und Konsukaie Dck vom' W'e'cho-slowakischen Mnisterium des Innern beauftragt worben, eine Ermäßigung von 50 Prozent avf die Vifagebühve» zu gewähren. Die österreichische Retzierv'WN M Tonfalls Mgestlgt, daß alle Kongreßbesucher, die sich durch Legitiulationssch'reib«» der zionistische» Landrsvrgand. satione» vusweife», anstandslos das' Durchreisevisum gegen Erlag der ermäßigte» Gebühr für Mindestbemittelte erhalten. Sammelvisa: GiAppeu, bte Mn fahren, Mögen uns eine genaue, von der lLandesorganisation bestätigte Liste der Teilnehmer einsenden. 'Ans Grund einer solchen Liste ist es möglich^, die Einveisv in die Tschecho-Slowakei auf einem VisUin für sämtliche Mitglieder einer Gruppe zu erwirken. Es ist aber dringend' notwendig, daß uns' diese Listen in den allernächsten Tagen eingeschickt werden. Fahrpre isermäßrg ung. Wir habw aufdrir 'tschecho-slowakischen Bahnen «ine Fahrpreisermäßigung von 33-33 Prozent erwirkt, die gegen Vorweisung einer besonderen Legitimation bei den Persvnenkassen der tschecho-flvwakischen Bahnen von den normalen Tarifpreisen gekürzt wird. Kongreßbesucher, die ans die Ermäßigung Anspruch erheben, müssen also ihre Karten für die tschecho-slowakische Strecke erst an der Grenze' lösen. - ^ö gis. Die Msngreßbesuch^r werben nochmals aufmerksam gemacht, daß es dringend notwendig ist, Zimmer zu bestellen. In der Bestellung muß unbedingt angegeben sein,'wann der Betreffende in .Karlsbad ein,. Ilm der YorraussicMichen Teuerung in Stoffen vorzubeugen empfehlen wir Ihnen sehen jetzt ihren Bedarf an Anzug», Kostüm-, Raglan- und Mantef-Qualltätsstoff« in dec Stadt - Restenmesse ~9l I.. Wf-ihbur'igasse 10 die 18, Telephon 1163/IV und Adlergawe 5, Telephon 17923 &u decken