Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 911 (9.8.1921)
- Date
- 1921-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jgugetyreu» «n» :»tu Nr. 911 Wien, Dienstag den S August 1921 •Mita « »e. » 1»»r fciSj! iS« i r«d«- WüliH .**»■« «s; Lschech»El«»ar^r StiMIM . .Sm Vt-rtettichrttch . « Mech»»sr»»«rifch« sa>» *tuM\ Einzelpreis L» Krone« PrL»»«eratk»»»P«D», Ltzlemr ««taMch 7T3Mr ***« EoooMch. . - »** ltr- *—*$?*$Luv Attfinz MomatttchV?. . s«** C«. Monatlich. . . . " Schweiz «. d„ tdrij» ««äl^ Monatlich. 3***©**.- SSLAGstz» SAN «•tffttfttiffMkiiU» LgM 3. Jahrgang Neue europäische Krisen. ik». — W i e », & Angny, 0$ ist haS Kennzeich« bet allgemeine« europäische« sowie b« mnerSsterreichisch» Poliki? seit langer Zeit, daß chr l alle Großzügigleit und Zielbewußtheit .fehlt, daß sie kein einziges Problem tatsächlich löst, sondern vielmehr alles der Eutwicklung iiberlaßt. De» einzige» fixe« Pol'in der Erscheinungen Flacht bildet daS Streben der Machthaber "in dm verschiedenen europäische« Staat», die durch d» Krieg und durch die' inner» Umwälzung» ' erlangte Position mit all» Mittel« zu erhalt». Me die in der jüngst» Zeit abgeschlossen« Bündnisse haben ja in letzter Linie nur den eine» 8weck, den 8t»tn« quo j» erhalten. Eine andere Frage aber ist -S. nne lange derselbe haltbar ist und ob diese abgeschlossenen Bündnisse sich auch geeignet erweis» werden, einen dauerhaften Neubau Europazu begründen nud eine Aera des Bölkerfriedens 'awie der: sozialen.Erneuerung einleiten. Die erste, Voraussetzung biezu wäre, daß man im sogenannten neuen Europa die Fehler rerprerden, wstrde,: andm» das, alte Europa, zugrunde gegangen ist, Davon aber,, ist nirgends auch nur; die, geringste Spur zu, bemerken. . ' Die; brutale Gewaltpolitik in, ihren . verschied»» Hormen. verbunden, mit nationaler .sowie .religiöser Intoleranz. Äasssär- und Klassenhaß, der Dünkel des. Parieipapsttums feiert aHherall wahre ,.Orgien. Den Höhepunkt erreichen alldiese , lfthHstände am gesamten Balkan. Es scheint allen Ernstes, daß die Griechen wieder zurrickgelehrt sind zu ihrem "r allen Tr^mr. Äynsianlinopel zn besetzen, . auf der Aia Sophia den" Halhmond durch das DöWelkreuz''' ' zu ' eifttzen 1 undbas tüte byzantinische l Reich wieder::cherzustellen.. Sollte ' MrrfFall eintüttm dann steht Emoha^ab»? quch ein Teil von, Äsity- :vvr:, neu» schweren ErschAterpügtzN. Eß ist karzprauzn« nehchev, daß Rußland- — MK.esr)^ieMEK^sa«ch,cknm«,! züriExschqst güangt. Stfimh^^g» ^eff» s$ iy^eMr s Linse -i w d» ^knkg gezogen, , dauernd -7dm HÄ»» überlassen w'.ch.Wmki - seinerzeit LaS russische Prestige es nicht zuließ, daß die' siegreichen Bulgaren in . KonsiaÄtmopel .einmarschicrten, so. - wird auch das heutige, .mit -den - Türke« Verimn«. 'bst«; Rußland 1 kaum geneigt sein, 'das, was , dem. fiawMen Bwdervotte der Bulgaren perwehrt. wqr,de» stammesremd» Griechen zu gestatten. Dam tritt noch der weitere Umstayh, dast fw Falle, einer ariechischen Okkupation Konstautinopels dir bereits, vorhandene große Garung der mohammedanisch» Welt in A^enstmd Afrika.,die sich unter anderem auch in den Kamps» gegen, die S p a n i e r r n M a r 0 k k 0 ä u ß e r 1 e. zü sehr bedenklichen den Weltfrieden neuerlich gefährdenden Explosion» sichren könnte. — Den Ausgangspunkt würde, wie in der Ber- Mii^en'heit. so in der Zukunft, der B a l k a n bilden. Hie Zustande sowohl in Rumänim wie ''m Jugoslawien sind' äußerst kritisch. Hier wie dort sehen- 'die regierend« Kresse sich bereits gezwungen, zu Ausnahmsgesetz» z» greifen, die l in jedem Staatsgebilde sich als ein Zeichen 'der Schwache 'zeigten vnd «irg»ds das gewünschte Ziel l er» reichen.' I« sämtlich» Balkanstaal» gärt eS gewaltig. Die nastsnalm, konfessionellen vnd sozialen Gtgmiä'tzc haben dm Höhepmrkt erreicht. Falls die Griechen den türkisch» Badischah ans Konstantinovrl vertreib» und ihre Hand auch aus llirhsches Besitztu« in Ast» leg» würden, dann würde die vamslamisische Äewegmg, die ja auch in Albani» m der jüngst» Zeit sehr kaftige Lebmzeichtn gab. astüberall zu einer arsährlich»'Taktik' des'Kampfes bis auf äußerste getrieben werden» DaS balkanische Chäüs ist aber umso bedenllicherals auch in sämtlich» - Snkzessiönsstaat» dieselben Probleme, welche semerzeit zum Weltkriche nnd zu den verschieden» inneren/Umwälzungen irrhrt», HÄte ebenso mgilöst sind wie äm Jahre 1914. ■ Man verfolge nur die Verhandlung» in der tschecho- ' I »wäksschen und nstgarischen Nationalversammlung nnd Man brlammt ein ttänriges Bild der sowohl in Tschecho-Slowakien als auch in lliNgar» herrschenden unhaltbar» Zustände, welche übeldich »och .durch die Gegensätze zwischm dm kinzelnen Sukzessionsstaaten. wie. zum Beispiel zwischen Tschecho-Slowäkei und Pol«, gesteigert werden. Aus ein ischecho-slowakisches Bündnisangebot sollen von polnischer. Seite einerseits eine F2de-' ratiö«: zwischen Pol». Tschechto-Slowakim. Oesterreich mid ttngaxn' sowie andererseits por allem die Austösung der in der Tschechv-Slowakei »och besindlich» «kräinrschen Legionen gesordett M»kd» ft«, also Postulate, die m Prag derzeit abgelehnt weröenl/ l X. In Tschecho-Slowalle« blickt man auf das heutige Ungarn - vorwiegend'mit Rücksicht anf das magyarische Streb», die Slowakei zurückzügewinne» — mit ar»d«e« Aug», als eS die Äarstßäner Politiker tun. für welche die ukrainische Frage in Ostgalizren VerHÄ die dr»n»dste ist. Wahrend nun'von polnischer Seite-vulfack viel»' tschechischen eine Meitiae Parteinahme jör die Mroinrr -eg» die Die Caguna des Obersten Rate*. England fordert die ungeteilte Uebergabe des Industriegebietes an Deutschland. Paris, 8. August. (Havas.) Die Tagung des Oberste« Rates wurde heute uachmittags «nter dem Vorsitz des Miuifterprasidenten B riand eröffnet/dem Minister Louche«r zur Seite stand. - Der Sitzung wohnten Premiermmister L l 0 y d G e 0 r g e» Minister des Aentzern Lord C u r z 0 n, Miniftersraffdent Bon 0 m i. Minister des Aeußer« Marchese della Toretta, der Vertreter der Vereinigten Staaten Oberst Harveh, der javanische Botschafter in Paris .V r e 0 m t e Z s ch i i, der japanische Botschafter in-London Baron H ay a s h i sowie hie S a ch v e rst and i gen der Verbündeten für die oberschlesische. Frage , bei Die belgische Abordnung wohnte d erSitzung nichr bei. da dieselbe einzig und allein der oberschlesischen Frage gewidmet war. Ministerprüsident r i a n d hieß die Anwesenden willkommen nnd lud jede Abordnung <rin, eine a l t g.e mein e fs b e r« sich t -er 0 b er s ch l esis ch e n Frage z« geber^. Der Vorsitzende der Sachverftändigenkommission F r 0 m a g e 0 t legte den juristischen Standpunkt Frankreichs dar nnd wies nach» datz das A b st i m m nu g s g a^b i e t ig e t ei l t io et j| e « kö » u e und butz d^e BreMelMNGchr'Mch gtzureindeweisen AbftirnMüng richten mkffe. Sir Ceeil H e a r t s legte den englischen Standpunkt dar, der zum Schluffe kommt, daß das Industriegebiet unteilbar sei und ungeteilt Deutschland zu g e s p röche n w erden s 0 l l. Hierauf gab der franzVsische Sachverstüttdige L ar och e der Ansicht Ausdruck, daß das Industriegebiet geteilt werden und zum groß e n T e i l a n P 0 l e n f a l l e n solle, wobei die Grenzziehung im wesentlichen mit der Sforza-Linie unter Einschluß von Königs Hütte zusammenzufaüen Hütte. Der ita lie »ifch e Vertreter legte einen vermittelnden Staudp « n r t dar. Die Sitzung war «m 6 Ahr beendet.. Der Bericht der Sachverständigen. Paris. 8. August. (Tel.-Komp.) In der heute beginnend» , Konferenz des Obersten Rates wurde der Bericht der S a ch v e r st ä n d i g e n« ü b e r O b e r s ch l e s i e n mitgeteilt. Darin stell» die Sachverständigen zunächst drei Grundsätze anf: 1« Daß der Versailler Vertrag (Artikel 83) bestimmt, ,daß Oberschlrsicn zwischen Deutschland' n n d P-o len zu teilen ist, 2. daß der Vertrag bestimmt, daß für die Festsetzung der Grenz» nur der in der A bst i m m u n g ausgedrückte Wunsch der Bewohner in Betracht gezogen werde. und erst in zweiter Linie dürft die wirtschaftliche und geographische Lage berücksichtigt werden, 3. daß die Abstimmung der einzelnen Gemeinden in Betracht gezogen werden müsse, um die Grenzen zu bestimmen. Die Sachverständigen prüfen sodann in dem Bericht die verschieden» Projekte zur Regelung der oberschlesischen Frage, von den» sie nur zwei beibehaltm habe», nämlich daS fx an» zö fische nnd daS e » g l i s ch - i t a li e »i s ch e Projekt. DaS vermittelnde Projekt de» Grafen Sforza i st f a l l e« g e l a s fe » worden.. Für keines der beiden Projekte konnte aber heute eine Uebr« cinstimmung erzielt werde«. England und Italien einig. Mailand, 8. Auguft. (Tel.-Komp.) De« „Corriere della Sera" wird ans London telegraphiert r Zur heutige» Tagung des Obersten Rates wird in hiesigen diplomattscheu Kreisen bemerkt, England nnd Italien seien einig geworden. Beide Staaten seien gegen e i« e T eil u n g des Industriegebietes, aber niM abgeneigt, einem Provisorium unter der Kontrolle einer Fachleutekommisfio« zu» zuftimmen. Hinsichtlich der Zottsanktionen am Rhein wären beide Staaten der Ansicht, daß sie ansgehoben werden müffe«. Noch keine Entscheidung getroffen. Paris, 8. August. sHaoas.) Der Oberste Rat hat; nach Anhörung der ■ Darlegungen der Sachverständigen, die lediglich eine objektive, dokumensierende Darstellung der Angelegenheit^ lieferten, keinen Bes ch/l« ß g es aßt. Hie Delegierten Hamen Oberem, sie im Besitze aller wünschenswerten ürformatioeu Daten sein würden.! i Der Oberste Rat wird morgen die Mitglieder, der : Interallierten Kommission von Oppeln änhören, die über die gegenwärtige politische Lage im Abstimmungsgebiet berichten werde». Polnischer Verzicht auf Oberschlesten? Erörterungen in Warschoner Abgeordnelenkreise». Warschau, 8. Angust. (Tel.-Komp.) Der hiesige Korrespondent des ^United Telegraph" erfährt, daß in gewiss» Abge» ordnetenkreistn, die nicht ohm Einstuß sind, die Möglichkeit, erörtert wird, daß Polen gegen gewisse wirtschaftliche Zugeständnisse Deutschlands a u f O b e rs ch l es i e n v er zicht e n svl^ da es sich die Lebensmöglichkeit durch ein W i r t sch a f t S- - a b k 0 m m e » mit Deutschland gleichfalls sichern könne. Die Kreditaktion für Oesterreich. Vorsprache -er Ssterreichische« Gesandten in London, Paris und No». Wien» 8. August. Wie die »Politische Korrespondenz" erfahrt, haben dir österreichische»- Gesandten in L 0 n d 0 n, P a r i s und Rom bei/den dortige« Kabinetten vorgesprochen» um die Hauptstaaten der Entente neuerlich anf die dringende Notwendigkeit einer B eschleunigung der Kreditaktion für Oesterreich aufmerksam zn machen, nnd sie haben bei diesem Anlaß zugleich das Ersuchen gestellt, die Besprechung dieser Frage aus das Programm der Tagung des Obersten Rates zu setzen. Pol» (mit besonderer Rücksicht ans die ungeklärten Verhältnisse des zu Tschecho - Slowakien derzeit gehörend» Karpathornßland) vorgeworsm wird, ist man andererseits in Prag vielfach unzufried» mit der Haltung verschiedener polnischer /Kreise in der slowakisch» Frage. Man wirst diesen vor, daß sie die separatistischen Bestrebungen einzelner slowakischen Gruppen, welche in letzter Linie einen selbständigen slowakischen Staat erstreben, aktiv nnd passiv fördere, auch zu dem Zwecke, die Komltate Zips und Arva an Pol» anzügkiedern. AvS. dem Gesagten , ist also ersichtlich, daß nicht nur die Teschne^ Sireitftage, sondern auch das slowakische und ukrainische Problem .zwischen den Regienrvgskrnftn in Prag und Warschau einen Gtgenstand der Dissermz bildm. In der jüngsten Zeit hat man auch von einer AmiShernng . Tschtcho-SlowakieuS und OeüerrerLs aelvrocken. in der Beaearuwa mit d» beiderseitigen Präsidenten Professor Masartzk und Doktor Hämisch den ersten Schritt zu einer freuudschaftlichm Annahepmg erblickt. So wünschenswert auch diese Annäherung der beidm anfei»-, ander — besonders in wirtschättlicher Beziehung — angewiesen» Staate« ist, so darf man sich diesbezüglich derzeit noch kein» zn großen Hoffnungen hingeben. Wie die Vorgänge in der tschecho-stowakisch» Ratiopal« Versammlung beweis», ist diese ebenso reif zur Auflösung als her österreichische Nationalrat und das ungarische Parlament. Man muß in Prag wie in Pest und Wien noch in diesem Jahre mit der ernsten Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen rechnm. Diese aber werken nur dann die Verhältnisse der einzelnen Staaten nach innen nnd meinander bessern, wenn allüberall n»e Männer mit neuen Programm» einzieh».