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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-08 · Heft 910 (8.8.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 910 (8.8.1921)
Date
1921-08-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Montag Keine Niederlassung Exkaiser Karls in Italien. Rom 6. August. (Stefani.) Sämtliche Blätter dementieren die Gerüchte über eine beabsichtigte Niederlassung des Exkaisers Karl in Italien und erklären, daß sie jeder Begründung entbehren. . Nutzland Kaust. Berlin, 7. August. Wie der ^Ost-Expreß" meldet, stabe der Berliner Leiter der russischen Delegation S t o m o n i a k o w, der aus Moskau hier eingetroffen ist, den Auftrag zum Ankauf von ausländischen Jndustriewaren für Rußland tmBetrage von etwa einer Milliarde Mark erhalten. Als Einkaufsland sei zunächst Deutschland in Aussicht genommen. Ein Dampfer mit 200 Passagieren gesunken. San Franzisko, 7. August. (Reuter.) Der Dampfer »Alaska", der über 200 Fahrgäste an Bord hatte, ist auf der Höhe von Fureka (Kalifornien) gesunken. Zwei Boote mit Ueberlebenden wurden von einem hilfeleistenden Dampfer gerettet. Generalaussperrung in der Braunschweiger Metallindustrie. Berlin, 7. August. (Priv.-Tel.) Morgen tritt die von der gesamten braunschweigischen. Metallindustrie an-' gekündigte Aussperrung aller Arbeiter in Kraft, die darauf zurückzuführen ist, daß die Belegschaften mehrerer Betriebe seit einigen Wochen im Streik verharren, obwohl die Unternehmer die vom Einigungsamt vorgeschlagenett Lohnerhöhungen akzepttert haben. Die verstiegenen Touristen gerettet. Innsbruck, 8. August. Die drei Touristen, die sich im Karwendelgebirge verstiegen hatten und seit vorigen Sonntag an einer Felswand hängten, sind gestern glücklich geborgen worden. Einer von ihnen ist bereits nachmittags in Innsbruck eingetroffen, die beiden anderen werden heute erwartet. Sie befinden sich wohl, sind jedoch sehr erschöpft. Bad Ischl, 7. August. Heute um 2 Uhr nachmittags wurde in Hallstatt die Leiche des Studenten Karl Ribary unterhalb der Stelle, welche das Medium des Dr. Thoma, Megalir, bezeichnete, im Mühlbach aufgefunden. Eine Gerichtskommission aus Bad Ischl begab sich sogleich an die Fundstelle. Nach dem ersten Eindruck, den man vom Aussehen der Leiche gewann, ist anzunehmen, daß der junge Ribary das Opfer eines Verbrechens geworden. Die Untersuchung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Der geprügelte Feldmarschalleutnant. Bad Ischl, 7. August. (Privat.) Das durch das geheimnisvolle Verschwinden der Touristen irritierte Kurpubliküm Ischls wurde in den letzten zwei Tagen in nerierliche Unruhe versetzt. Ein mysteriöses Plakat versprach 10.000 Kronen Belohnung demjenigen, der Angaben über einen in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August erfolgten Ueberfall auf einen Passanten in der Poststraße zu machen in der Lage wäre. Die Poststraße, mitten im Orte gelegen, war demnach Schauplatz eines Ueberfalles und die abenteuerlichsten Gerüchte wurden kolportiert. Wenige Stunden später erschien ein zweites Plakat, das ebenfalls 10.000 Kronen demjenigen versprach, der beweisen könnte, daß der Berufsverband der Militärgagisten in Bad Ischl mit dem Ueberfall irgendwie in Zusammenhang stünde. Zwei Ehrenbefeidigungsverhandlungm, die gestern beim Strafrichter des hiesigen Bezirksgerichtes zur Austragung gelangten, gaben dm Kommentar zu den beidm Plakaten. Am 28. Juli war es zwischen dem Feldmarschalleutnant i. P. Go drin L ilienhof-A d elfte in und dem hiesigen Kaufmann Karl Gottwald bei einem Esplanadenkonzert zu einem Rencontre gekommen. Herr Gottwald hatte seinen Platz einer Dame reserviert, der Feldmarschalleutnant in Unkenntnis hievon den Platz seinen Damen angeboten. In dem hieraus entstandenen Wortwechsel hatte der Offizier Herrn Gottwald als feige bezeichnet, worauf der letztere gegen ihn einen Schlag führte, was wiederum eine Flut von Beschimpfungen seitens der Feldmarschalleütnants zeitigte. Sowohl der Offizier wie der Kaufmann strengte« Ehrenbeleidigungsklagen'gegen einander an. In der Nacht vom 31. Juli ans de« 1. August wurde aber Herr Gottwald beim Verlassen einer Bar von etwa fünfzehn jungen Männer«, die mit Schlagringen und GummiknÜtteln bewaffnet waren, Überfallen, verprügelt und ihm schließlich sogar Messerstiche beigebracht. Seitens des Rechtsanwaltes des Ueberfalleuen wurde die Strafanzeige gegen unbekannte Täter erstattet und die Gendarmerie leitete die Untersuchung ein, ob der Verband der Militärgagisten Ischls mit dem Ueberfall irgend etwas zu tun habe. Bei den gestern durchgeführten Ehrenbeleidigungsverhandluugen wurde Herr Karl Gottwald zu 10.000 Kronen Geldstrafe oder fünf Tagen Arrest, der Feldmarschalleutnant Lilienhof zu 15)00 Kronen Geldstrafe oder 48 Stunden Arrest verurteilt. - Die Untersuchung wegen des nächtlichen Ueberfalles wird vom hiesigen Richter und von der Gendarmerie mit allem Nachdruck weitergeführt. Jedenfalls wird die Klarstellung der Affäre die Unruhe und Angst des KurpubÜtums aus 'm Welt schaffen Wiener Morgenzeitung Mitteilungen ans dem Publikum. Ein gestricktes wollenes Kleid, 881 Wiener Fabrikat, 5000 Kronen ALBERT MATZNEft, kehlttLBÄ » Tagesbericht. Der Dank des Fürsten. (Aus dem Nachlaß eht'eS im Jahre 1860 verstorbenen v Hofrales.) v Der junge Fürst — er war durch , den plötzlichen Töd feines Oheims, des regierenden Herzog?, früher, als man erwarte» durfte^ aus den Theo» berufe» worb«» — empfand an dem Tage, an welchem ihm die Krone auf das Haupt gesetzt wurde, das tiefinnerliche -Bedürfnis, seinem Lehrer und Erzieher in feierlicher Welse seine» Dank auszusprechen. Mit übersttömender Beredsamkeit würdigste der junge Herrscher die hingebungsvolle Täligkeit, die der ebel-i fühlende und gewiss ichaft denkend? Gelehxt: cnlivickelt h tte, um den Prinzen für seinen zukünftigen hohen Beruf vorzubereiten. Die treffendsten Morte fand der Fürst, um die Grundsätze. zu rühme«, die ihm .seiriMzieher gepredigt; begeistert, pries er die Lehren von Gerechtigkeit, WahrheitSli'Le und Pflichttreue, die er aus seinem Munde vern.'mmen, und schließlich überreichte er Ihm — es war dies die erste Regierungs at, die er vollzog — das Komma:d ürkr.'üz seines Hausordens, mit der Versicherung: ,$dj weiß, was ich Ihnen, mein lieber Herr Hofrat, zu danken habe." Der Hofrat aber änlwortrte: ^Eure Hoheit mögen mir gnädigst erlauben, daß ich zum Danke für diese hohe Auszeichnung eine kleine Gesch chte erzähle, die ich jüngst, in einem uralten Buche gefunden habe." Der Fürst nickte zufbmmend und der Hosrat begann; »Meine Geschichte heißt: Der großeSultan und der klelneDogel. Einst lustwandelte der mächtige Sultan eines große« Reiches in seineur herrlichen, mit de« köstlichsten Blume« und Pflanzen gezierten Garten. Er war ganz allem» die bis zum Kopfe bewaffneten Soldaten, dir alle Eingänge zum Garten bewachien, befanden sich, da det Garten unermeßlich groß war, in solcher Entfernung, daß man vo« ihrer Anwesenheit nichts merkte und daS Gefühl völliger Einsamkeit habe« konnte. Plötzlich gewahrte der Sultan einen kleinen, jämmerlich klagende« Bogel, der sich in einem Gebüsch derart verstrick hatte, daß er nicht loskonnte. Der Sultan befreite den Vogel aus dem Dickcht, machte ihn aber, da er ihm wegen ferner unerhört winzigen Gestalt und seines ungemein schwarzen Gefieders auffirl, erst recht zu einem Gefangenen. Er steckte ihn in einen der prächtige«, mst Goldstäben geschmückten Käfig«, die an der Mauer der Mandelgänge des GaitmS hingen. Der Sultan wollte schon wieder sein« Spaziergang fort, setze», als ihn, zu feiner nicht geringen Verwunderung, der kleine Vogel folgendermaßen ansprach: .Mächtiger Sultan, schenke mir doch die Freiheit! Du hast so viele schöne, prachtvoll gefiederte, mit kunstvoller Stimme begabte Vögel, daß du leicht aus mich verzichten könntest. Welchen Gewinn hättest du auch davon, wenn du mich in einen Käfig sperrtest? .Ich bm so unansehnlich an Gestalt, habe kein schöneS Kleid und kann gar nicht singen. Aber wenn du mir die Freiheit schenkst, will ich dir drei Lehren geben, die dir, wen» du sie befolgst, dem ganzes Lebenlang von große« Nutzen sei« werden." .Laß sie «ich höre»! Wenn deine Lehre» mir wirllich gut, weise und nützlich erscheinen, mein Sultanswort. ich schenke dir dann die Freiheit." Der kleine Vogel sprach: .Meine drei Lehren lauten r .Klage nicht und gräme dich nicht Über Ding«, die einmal geschehen find." „Wünsche nicht, was dir selbst mrerreichbr erschein« müßtet »Glaube nicht, was deine Vernunft nicht als möglich aunehmen kann." Der Sulla» dachte eine Weile nach und sagte daun: .Die Lehren find wirllich gut, weise und nützl ch." Und er öffnete dir Küstgtüre dem kleinen Vogel, der hinaushuschte und sich fröhlich auf dm höchste« Gipfel des nächste« Baumes schwang. Der Sultan versank in tiefes Sinne«, woraus ih« rin Helles Lachen auffchreckte. Der kleine Vogel war es, der so lachte. .Du frmst dich deiner Freiheit?" meinte der Sultan emporschauend. .Du lachst, mit du dich jetzt glücklich fühlst?" „Auch das! Mehr aber noch lache ich über die Thvkhrtt der Menschen, dir sich so weise dünken und den Besitz der Welsheit als so hohes, unschätzbares Gut m Wort und Schrift, in ihrm Beratungszimmern und i« ihren Büchern preisen." „Daß wir die Weisheit so hoch schätze», dem dankst du ja deine Fttiheit, du sollst also nicht darüber lachen", riet vorwurfsvoll dcr Sultan. »Ich lache nicht ltbrr die Weisheit, ich lache über die Thorheit. Denn sich, Sultan, großer, mächtiger, reicher Sudan, wärest du klüger gewesen, dann, wärest dü heute der reichste Mann auf Erden, reicher als alle Sultane, die je gelebt. Denn wisst, ich trage ist meinem Leibe einen Edelstein von der Größe eines Hühnereies. Dev wäre dein gewesen, wen» du mir nicht die Freiheit geschenkt hättest? Der Sultan war wie vom Blitze getroffen? Daß er sich so hatte überlisten lassen! Er raustc sich die Haare Und flüchte Über bte Falschhell drs kleinen Spötters. D.1NN aber besann er sich und silur au mit sikßeu Woxten den Vogel zu bchmLLjv »KcM»' 8. August 1921 Nr. 010 ...—--....- doch zurück zu mir! Du sollst es bei mir herrlich haben. WaS hast du von der Freiheit? Sie ist ci» eingebildetes Gut. Schau» welche Gefahren bedlohen dich, auch jetzt schon im Sommer. Die großen Raubvogel und auch viele andere Teere sind die Feinde von uch kleine» Tierchen. Du kannst auch in die Hand eines rohen, uuwissenden Menschen falle«, der dich Nicht zu würdige» versteht. Und wie erst» wenn brr Winter mit seinem Frost und Stur« naht, jedes Samenkörnche» dir raubt. Statt Hunger und Kälte sollst dü bei mir ei« warme«, goldenes Haus haben, die besten Speisen sollen dir mein« Diener reichen. Komm' herab, du wirst es selbst erkennen, daß du es bei mir b.ffer hast als in der Freiheit." Der kleine Vogel lachte noch heller, noch spöttischer. Der Sultm aber bat nur noch herzlicher, dringender «nd verschwendete' die süßesten Schmeichelwottr, NM de» lachende« Spöiter zu ködern, wobei er aber Mühe hatte, seine Ungeduld, seinen Zorn uud seine Verbitterung «icht allzu dm'lich zu vertaten. „Du lachst »och immer?* fi agtt endlich ganz erbost dm Sultan. „Ja. Aber ich will dir auch sagen, weshalb ich lache, o reicher, mächtiger, Welser Sultan. Du schenkest mir die Freiheit zum Tausche gegen drei Lehren, die du als weise Und üb:raus wertvolle anerkennst. Sie waren es aber auch. Weshalb aber, o Sultan, machst du keinen Gebrauch von ihnen? Nur das könnte ja ihren Wert als zwei'ellos erweisen. Unbenützt, ungebraucht sind doch auch die lasterhafteste», die törichtesten Lehren gerade io viel oder so wenig wert, wie btt «lcht befolgte» erhabensten, weisesten Borschristen .... Wie lauteten meine Lehren? „Klage nicht und gräme dich nicht über Dinge, die emmat geschehen sind" — du aber klagst und jammerst darüber, daß du mir bte Freiheit geschenkt hast. Die zweite lautete: »Wünsche nicht, WaS dir selbst als unerreichbar erscheine« mutzte" — du aber wünschest, >ch soll wegen deiner Schmeichelworte Freiheit und Leben opsern, denn wie soll ich glauben, daß du mich nicht löten ließest, wenn du dich dadurch in den Besitz deS kostbarsten Edelsteines der ganz« Welt sitzen würdest? „Glaube nicht, was deine Vernuasi nicht alß möglich annehmen kann" — das war di« dritte Lehre. Du aber glaubst, von Habgier betört, daß ich. der ich nicht so groß »« «in halbes Hühnerei bm, i« meinem Leibe einen Edelstem trage, der dvppeU ko groß sei« soll alS ich! Und da soll ich nicht über dich lachen, o weiser, mächtiger, reicher Sultan?" Und lachend flog der Bogr! davon- » „Damit enoet meine Geschichte", schloß mit einer uesea Verbeugung der Hosrat. _ & E-nn. Selbsthilfe gegen die Staubplage. Die Bewohner der Häuser Cngerthstraße 41 bis 55 hatten schon am 1. April l. I. in einer Eingabe an die MaaistratSabteilung XXVIII sich wegen der übermäßige« Staubentwicklung vor ihren Wohnhäusern beschwert. Als die Eingabe keinen Erfolg hatte, beschloffen sie. zur Selbsthilfe zu greife «und sperrten am 6. d. M. um 6 Uhr abends die Straße durch Pflastersteinaufschüttung, die sie mit der Tafel .Abgesperrt" versehen, ab. Der Permanenzingenieur des Stadtbauamtes wurde berufen und hat vorläufig verfügt, daß die Plastersteirraufschüttungen während der Nacht mit Laternen verschen werden. ___ Die Antotaxl werden billiger. Die .Sonn- und MontagSzeitung" meldet: Bor wenigen Woche« wurde dar Wiener Lohn» fuhrwerkstarif bekanntlich um durchschnittlich.40 Prozent erhöht und die sogenannte 60fache Taxe zur Einführung gebracht. Ei» Teil der Lvhnfuhrwerker war bereits zur Zett der Einführung der neuen Taxe mit dieser Reform nicht einverstanden und nur aus dem Grunde, weil die großen Lohttsuhrwerksbetriebe der Erhöhung zustimmten, mußten auch die kleineren Betriebe und die Einzelttzenzinhaber sich dem allgemeinen Beschluß fügen. Die Folgen der enormen Verteuerung des LohnfuhrwerkS zeigten, sich sofort in einem Rückgang des Geschäftes der LohysuhrwerLer. Insbesondere ist seit Inkrafttreten der netten 60fachen Taxe eine geringere Frequenz der Autotaxis zu verzeichnen, da vielfach den kostspielige» Autoruobilen die Einspänner vor gezogen werben. Während die Tageseinnahmen eines MtvtaxichauffettrS vor dev Düxeerhöhung K. 3000 bis 4000! im Tage betrugen, bewegt sich die heutige Dirrch-, schnittseinnahme d«S Autostaxilenksrs trotz Vermehrung des Bruttoumsatzes zwischen K. 1600 biS 2000. Diie großen Ätttotaxi-Geseltfchafteu, die in Wen zwei- bis dreihundert Metautomovlke betreiben, sind denn auch zur Erkenntnis gekommen, daß ihre Betriebe infolge der hohen Laxen die Mutabilität verlieren. Die maßgebende größte Wiener Autotaxigesellschaft hat nun, wie wir erfahren, die Absicht, im Herbst dieses Jahres löst MietautomobUe neu in den Wiener Verkehr zu stellen. Damit wird diese Gesellschaft an 500 Wagen betreiben und damit die Majorität der Lohnfuhrwerker darstellen. Sie hat die Ansicht, gleichzeitig auch die Taxe um 25 Prozent billiger anrutepeU.

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