Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 909 (7.8.1921)
- Date
- 1921-08-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2979076-2979773-2979988--08376-2994524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 909 »Sonntag Wremer MorgenzeiLüüK" /^August1921> Arbeitsfähigkeit uyd Lebensfreude, bisher andauernd, wiedevgegeben.worden. .Auch von SHädlichkEen, habe' ich! nichts' gehört und gesehen. Gewiß gibt es Der-- hager. Aber die Operation seniler und namentlich präseniler Erscheinungen durch Anregung des ganzen Shstems der Drüsen mit innerer Sekretion wird sich' durchsetzen. Das Problem erheischt natürlich fortgesetztes, positives Weiterarbeiten.";; Rauchen verböte«! , Im allgemeinen ist bei uns das Rauchen überall dort Klaubt. wo' nicht besondere Umstände, vor allem Feuersgefahr, ein Rauchverbot bedingen. Nicht,überall ist indes die Freiheit des Rauchens ritte so vollkommene. Ein Platz, von dem das Rauchen grundsätzlich ' verbcmvt ist, ist die Londoner Börse. Früher war nach 4 Uhr nachmittags das Rauchen an der Börse erlaubt, aber im Jahre 1S10 fand die Börsekammer, daß vereinzelte Aörsebesucher schon um V,4 Uhr anzuzünden, begannen, und daraufhin erfolgte, sin vollständiges Verbot. Im englischen Unter- Hause ist das Rauchen niemals erlaubt gewesen und dürfte es aller Voraussicht nach auch niemals werden. Selbst in Ausschuß-- beratungen war eS bis 1913 untersagt; in dieiem Jahre wurde es von Artur Henduson als Vorsitzenden zum ersten Male erlaubt- Eine Gegnerin; des Rauchens unter den regierenden Häuptern ist Königin Wilhelmma von Holland. Sie raucht weder selbst, noch gestattet sie cs irgendicmandcm ihrer Umgebung.. Im Vatikan ist das Rauchen gänzlich verboten. Pius X. war cs, der dieses Rauchverbot erließ, und nicht einmal in der privaten Zurückgezogenheit ihrep Gemächer dürfen die Kämmerlinge, und Beamten des Vatikans dem Rauchen huldigen. In Paris dürfen die Tax:-Chauffeurc und Lohnsuhrwerks' kutscher während der Fahtt nicht rauchen,' wogegen sie in London diesbezüglich Freiheit genießen. Sehr arg sind die Eingriffe in die per önliche Freiheit in Amerika, wo manche Staaten und Ortsbehörden die willkürlichsten Rauchverbote erlaßen. In den Staaten Minnesota. Washington und noch einigen anderen ist das öffentliche Zigarettenrauchen verboten und mit sofort'gcr Lrretirrung bedroht. Auch einzelne Prlvatimteriiehmnngm sind bem Rauchen ihrer Angestellten abgeneigt; so entläßt die Chicago and Rock Island Railway Co. beispielsweise auf der Stelle jeden Angestellten, der beim Rauchen enter Zigarette getroffen wird. -In den meisten Geschähen und Priv.rtuiiternehmungen wird während der Bureau- und Arbeitszeit nicht geraucht. Eine Ausnahme bilden in der ganzen Welt die Redaktionen, wo das Rmchen ad libitum gestattet ist. Merkwürdigerweise gibt cs jedoch in London fine Redaktion — und zwar die Redaktion eines d r sechs größten Blüiter der Metropole —wo. das Rauchen niemals erlaubt gewesen und auch hcute nicht gestatte! ist. /Die KoLainseuche in Italien. Bolanntlich> richtet da^ Laster des Kokainismus kn Frankreich schon seit langem furchtbares Unheil an und ist dazu in stetem Steigen begriffen Die Zahl, " der, in .Paris bestraften Kokainfabrikanten ist von 53 im. Kahre 1916 auf 151 im Jahre 1920 'gewachsen und im . Jahre 1921 sind bereits während der ersten fünf. -Monate;100 verurteilt worden, Die größten Kvkaingua'nten werden aus Deutschland van Händlern und Reisenden^ von französischen und amerikanischen Soldaten aus dem besetzten Gebiet nach Paris geschafft, wo sie das für 600 Frekncs per Kilogramm erworbene Gift mit '12.060- bis 15^.0Y0. Francs..^ 7 bezahlt be- Freunde damit versorgen. Das Präparat ist aus Amerika nach 'Europa "gekommen und' erzeugte in Fvankeich eine Verseuchung,' die seit dem Jahre 1912 v'ergoblich von Herr. Aerzst'n und dem Gesetz bekämpft würde. Nun scheint' das Hebet in erschreckenden Dirnensioneu auf Italien übergesprungen zu sein. Allein in Mailand würden' nrehr. rals?^ 50 Kokairtverkäufer; - perhastet. Besonders ungeniert' blüht der Handel im der' Theaterwclt, namrntlich untzkr den Balleteusen, Choristen, im Kr nematog r a p h. So gar 'Züh äWr' wB 'Prostituierte verbreitew das Kokain innerhalb' ihrer' Kundschaft. Andererseits'sind es Lebemänner und gewissenlose Verführer, fei* •bflntit schutzlose Mädchen ins Verderben bocken. Diese verhArgnisvolle Kokainverseuchung Italiens lat' che Oessentlichkeit alarmiert. Familienväter und MPIer" 'sieht: m«U! Mittend 'sich an Aerztd und Polizisten wendchr) die: ffüe stm Rettung ihrer 'Kinder .anfiehen. Bii/. einw -HäuZdurchsnchlin'g wurde ein Brief gefunden, den de.r Besitzer nicht einmal --zu verbergen für nötig be'snnden.chat!<.^ Der Brief.lautete': '.Herrn Kl., Kokain ^Wiil^nthielt mir; bic ^ergreifenden Worte: ..Verflucht seist Du und.Deine; Mutter, die Dir Beibilfe leistet.^ In der Wöhnnug eines anderen Kokainverkänstrs sfand< man ein; kleines; Zimmtzr. mit. zwei Bttteü.Mtiii ein junges Paar in einem vMigeN^r.^kaiii^usäi'. /Siel UiÄen-' beide wie irp^e ans die Erscheinung'her Polizisten, deren Gestalten sich mit ibreN.Visiouen vermischten. Nur. mit Mühe.gelang es, n > »nr Wirklichkeit rurückzuführen. Beche, das Mädchen, Mitteilungen aus dein Publikum. Henriette Wojnilower Peleth Glasberg "Wien, II.;; . ' ' Wien, III. t Verlobte August 1921 5102 Tony Kessler Rudolf Schwarz «tnd. ror. com. P.'L;> , Verlobte ‘Jl'l Wien, August 1921 . 8163 Dora Biherberg Nathan Wachtel Tarriöw Verlobte ’ Tarnöw, im Aügust 1921 Rzeszdw 0082 Dem Frl. Dora Biberberg - ' ‘Tarnöw . gratuliert horzIichstzuihrerVerlobungmitHetrn Nathan Wachtel «3 ' Familie Ignaz Kurz- SPIRA gediegener Erzeugnisse l VLMAR1AHIIFER5IRASSE m grösstes, bestaortiertes Lauer Wiens in Teppichen, Dechen, Vorhängen,Ueber würfen, Laufteppichen, Stores, Doppeldeeken etc. Billigste Preise. 8540 MM anne TU. ,SGhottenfeld g.24 Telephon 39-1-08 m GRÖSSTE AUSWAHL IN LüXUS- UND STIl- MÖßElN MÄSSIGE PREISE 440 ß%n?al°“45®#s ßummiwaren aller Art BWaCl6liaUDei£Te]<4^.62 w- und ausländ. Parfümerien kauft man billigst bei Julius Spiegel, II., Glocken gassei4 EIST GROS EXPORT ZEHNT ZDZET.AXL. Grösster und bester Käufer Wiens ^frV :- C-’6149 BRILLANTEN, PERLEN Juwelen, Edelsteinhändler Rahiuo^vltscl!, Juwelier ■AXIMILIAMSTRASSE 5 II., STEPHANIESTRASSE 3, nur Nr. 0 (Jetzige Mahlerstr.) Tel. 8541 (Jetzige Hoilandstroste) im eigenen Hauso Haltestelle Opeming, Zug. Käintnerstr. Tel. 45i46 Samstag oesohiossen. 1 - Horen Sie auch unsere.Preise Bei einer Bank A.-G. Die Stelle eines Devisen-11. ÄrMtage-CMs eines Korrespondenten eines Kontroll-Cliefs „l eines Selretäre OWarte« »lud zu richten an BaMKPIBEK- TOB, HOTEL ME8SSL & SCHaPM, Zimmer 4" Ketlehliart wird nur aul hrsthlasslge KiSfte 000 mit längerer Baakpraxla 000 r!itc zn anzigjährige Deutsche aus München, er ein stattlicher Jüngling, den die Seuche dom arbeitsamen Buchhändler zu einem Tagedieb' verwandelt Hätte, waren <"'n?m re'reMmäyigen Gäuner in die Hände^ gefallen. Rch n sollte an einen, die schärfe Verfolgung seitens der M'o'rhab'. «bTn: Kokainverkänsern mehr Zurückhaltung dem unerlaubten Wiederverkauf dienen. Gänze FamrliM scheinen von diesem .Handel zu leben, bis' der Verdacht des Großhändlers über die Wachsamkeitder sie entlarvt. ' - M-. '; >'/>! ^l- ''! ' Bei den meisten Kokainisten härldelt es sich^mr Leute mit schwächerem Charakter, die pm WirkürHy des Giftes keinen Widerstand entgegenzusetzen häMrZ Eine Heilung ist nur in Ausnahtnefällen zu erzieleu^ In der Regel gerät der Kokamist sogleich nach! se-i'n^rr Entlassung aus der Heilanstalt den .neuem in den Barm, des Giftes, bis die zunehmenden Sersallssymptornes. den Tod herbeisühren. Die häufigsten Begleiterscheinuns gen der Kokainseuche sind neben physischen Depressiouerris Herzstörungen, Halluzinationen und Delirien. WWenÜ, der Nacht sehen sich bR Kranken, sobald die Wirkung! des Giftes aufhört, von drohenden Schatten umgeben.' Zu den Gesichtstäuschungen gesellen sich .Gehörs-^! täuschungen. Die Furcht steigert sich, zur höchsten Angst» in der die Hchrde krampfhaft nach! einer Waffe suchen.' Gelegentlich löst die Angst Handlungen Legen die' Schatten Eps. Ein Kokainist versuchte so sein Weib!-M erwürgen.' Ein anderer kies wie .gesagt in Unterhosertz und Strümpfen durch die Straßen. Andere wieder ver-1 bringen schlaflose Nächte hinter verbarrikadierten -TürenZ den Revolver in der Hand pder jemand feuert Schüsse, auf eingebildete Diebe ab'. In schweren Fällen kommen^ Krämpfe, Erbrechen und großer Durst hinzu. Bei^zU-!' nehmender Magerkeit tritt der Tod durch Herzparalysos ein. Die Kokainpslanze wurde zuerst in Amerika-verwertet. Die Indianer von Bolivia kauten ihte .Blä zur Belebung der Kräfte auf langen, anstrengende Märschen. Erst dem Kulturmenschen war es vprbehältM dieses Gift als Genußmittel zu mißbrauchen. Jm^Jah^ 1856 entdeckte ein amerikanischer Arzt, daß' das' Ka der Kokäinblätter eine erhebliche UnempfindlichMt der Zunge herbeisührte: Im Jahre 1889 wandte müft auferlegt, zumal die Zeitungen seit einiger Zeit dem Nebel spaltenlange Artikel widmen. Das verbrecherische Treiben läßt sich jedoch dadurch nicht im mindesten stören. Während sich-dieses Laster früher nur nach Mitternacht auf die Straße wagte — meist herumlungernde junge Leute, die kleine Dosen des Giftes zu beschaffen wußten — vermag man jetzt überall ohne Schwierigkeiten Kokain zu erhalten. Auch bedienen sich die Dpfer skrupellos verbrecherischer Mittel, Um ihre Sucht zu befriedigen. Fälschungen ärztlicher Rezepte und ähnliche Betrügereien stehen an der Tagesordnung und erstrecken sich' nicht selten auf größere Quanten, die gleichzeitig Seit 1884 kennt .man die giftjgen Eigenschäften 'deZ' Kokairks und ein Jahr später wurden die erstLn''Fäll^ von Kokainismus beobachtet. Ans dem bereits von aller-; Hand anderen Narkotikern durchsetzten Boden der Pariser Lebewelt fand diese Seuche die weiteste, Ausdehnung^ von wo sie nach Italien Übergriff und hier '/'nae^j dem Kriege schnell.einen erschreckenden Umfang awnahMU i , KurtBou«^ ' Die Einwanderung in PalastinaU Eine Acubernnii »es kanadischen Ministerpräsidenten) Die kanadische zionistisch'^ Föderativ« richtetL^ anläßlich der Jähreskonferenz an den Ministerpräsidenten von Kanada ein Telegramm bezüglich der Einschrcdlrknn^ der jüdischen Einwandexnng irr Palästina. Sie erhielt folgende Antwortdepesche: „Ich beftagte d^en MaÄssekretär für Kotomenwesen und erhielt svlgenLBzÄ^fcklärung: Die Einstellung d'er Einwanderung 'inKlästHa wurde von der Regierung Sr. Majestät a0, "LiW temporäre Maßnahme genehmigt. Die - paläftrn^r< fische Regierung läßt jetzt eine verhältnismaM'geringe! Anzahl von Einwanderern zu, welche zur ZpitDdeu! Einstellungsversügung ^bereits unterwegs' wcrrWr.HDÄ Zahl beträgt ungefähr 1600. Es ist beabMVgtH'i'M Einveunehmen mit ' der ' 'zivnrWT-che.n Orgdnifation nur so viel Einwanderer.'Wgelassen^ als das industrielle und landtvirtschaftlicheiLebenMes! jüdischen Gemeinwesens aufzunehmen " vermäMKDIe Juden der ganzen Welt werdenohne Zweifel nach erustL^ Ueberlegnng zugeöen müssen, daß es nieder als "Gsemein-' schaft noch als Einzelpersonen in ihrem Jnteresse^g^ legen sein kann, daß eine große Zähl von Eiww>anÄereru nach Palästina komme, ohne Aussicht auf BeschafffgiM^ und ohne Mittel für eine Existenz, was sichierMÄrsH^ würde, weun mehr Einwanderer, als' das Wir'lMaW leb'en aufzusaugen' vermag, zu gelassen w'Ürd^IHm^ Wanderer, die 'sich selbst erhalten können, MisendieDW! 'gewisse andere Kategorien werden 'bereits' * Die hebräische „Reichspost". Die /„RÄchDtzjH- - Druckerei hat sich, wie die Leier ihres Donnersiäg-AbendblÄt^ mit riniger Benvundenmg konstatieren konnten, hebraische^THeU znpxlegt. Im ersten Moment wird der-Laie ^stutzen,Mypzu denn eine ausschließlich zur Herstellung s ^gutH'christWM? e'me.EssM Denn T bloßMrun Bücher und Zeitungey bestimmte Druckerei keineswegs billige Belastung braucht der von Schopenhauer entdeckien arischen e r eT^'ulnd i a" durch öde Karrikienmg drr den ' JndenIheillgeN Schrift zu frönen, werfen die' geschäftskmdigen Herren.doIMa Geld hinaus. Weit eher., wird man -die richtige LösiyrgddE^ Rätsels im Inseratenteil suchen '«lüften. Die - antisemitischen Blätter von Wien haben vor einigen Tagen dieHartej-emes jüdischen Baukdirektors gebracht. Besonders „erhebend^hat!Mm der ^Deutschösterrcichifchen. Tageszeitung" gewirkt, ■* woHfie in die Nachbarschaft der W i ch t l - Parte geriet-l— fmb^efu Geschäft ist halt Geschäft. Bei-'!! LerKAiÜgestaltung diescß Geschäftes t jirfte mm die christlichsoziale ^Reichspost" mit ihieu hebräischen e 11 e£t|uj di: deutschnationale Konknrren; bnlo ans dem Felde fzu schlagW wenk diese, nicht von der den großdemschen AntisemitenDm U r s r n s ch e n Programm zedierten Freiheit Gebranch^machmH dem Geschäft zuliebe gleichfalls hebräischen Unterricht;uimm^ Die „ReichSposi" hat zwar dcn Vorteil voraus, daß viele'nnter presse, dis nie livrsxmaa^ Räumungswoehe Anzug-, KoslUm-i Raglanu. Mantel-EaalltSIsitoffe, Stadt-Re8tenmos8e, I., Weihburgg.10—12 Tel. 1163, Stelle IV, und I., Adleraawc^, Tel, 17923 74277927 D-D