Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 908 (6.8.1921)
- Date
- 1921-08-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis PrLn»«erck1i»«»preise ifi ie«: Am« «»holen 1« brr <8&tm*n, 2. Bezirk, Lato» »e«tz 1 bi» », »t« ta eirfet ( Krone« Iäo.— Mit Voßbersant für »tot ** Oefterrrich; MnNNlkktch . Kronen ISO.— rschecho-Slowakei: MpSntllch. -Krone» 18.— Diertettichrttch , L^.— w ti»«L>^lo».kisch« CUtm« -N»»ar»r ' <» «l,«q»«r «Wann, Ä-^a:; «A srronen »SiMMN0»NNW>iMj!n»MU»»K Einzelpreis S Krone» lener Prä»»«,erati»rrrprea« - ' Holärr' Monorlich - .Mork,00^ ln ptMfrr.mfamg MonntUch. . . It«rll4- MonMi^ü^^önrA V. .JWlonr " MonatNch. . E. U« 0^. Monatlich. Let KS^. 6djWria *. trtf <Mi^,««Unn» MonatUch. . . Sro»p»,-H^- «2?rÄchl!^LL Wien» SamsHtg den 6. August 1921 -;:SHC5ÄftiS!; Vostsharkaffenront, UöjSm 3. Jahrgang . Minoritätenrecht.; —y- W t en, 6. August. DieFriedensverlräge ebmfo wie. die Satzungen desVölkerbundes besagen nichts. über den Schutz ver Rechte. - der . Minoritäten. Siestellen im allgemeinen die Ansprüche der nationalen Minderheiten fest» ohne aber zu bestimmen, wie diese ^Ansprüche gegen Aebergriffe der einzelnen Staatsnationen gesichert und mit der Raisön des Staates in Einklang gebracht werden können. Diese Unterlassung hat sich zunächst in dem Leben der * jüdischen Minorw - ■» schwer fühlbar gemacht. Da aber alle neuen / . . rn fremde Nationen in ihren Verband apfgenonu.U, haben, aber auch selbst Minoritäten ihres Volkstums unter fremder Staatshoheit sehen. sind sie alle,aktiv oder passiv an dieser Frage beteiligt. Es gibt Deutsche,. Polen, Magyaren in der Tschecho-Slowakei, Deutsche in Polen und in Jugoslawien. Jugoslawen in Italien. Man sollte also/meinen/ daß alle' diese Nationen daraus bedacht sein müßten, aus eigenem Interesse die Hechte der .bei ihnyr lebenden sremdnationalen StäatsbüHer M iordnen und mit ihnen ein Einvernehmen zu treffen, Welches die mit wirlschäftttchen Sorgen überhäuften Mehrheitsregierungen wenigstens' von dieser Last befreit. Aber die Tatsachen beweisen, daß Wetz Interesse, überall negiert wird und. daß die, Unterscheidung zwischen Staats- und Fremduationen tiefindie Politik hineingreift. / ' ./ Die Klagen. der jüdischen Bevölkerung in Polen ÄHr öeMiedeye! Aüsschreikungett und über ein neuer-/ lWs Mlwachftn/ des/ gesellschäftjichen Antisemitismus WWMche.ÄegMrg) WUMenvar^ürer/ gsMMen MaffeNvertzistUng nicht EE?üWtzW,eten' nls durch', Kpklärü.ng^n und Br-/ tMxüngen ihres Behäüinns.' '.Der.Ausgleich' mit 'der jübischrn Ration ist im Melden «nlerbrochen worden üttd die Zustände verschlimmern sich. In Oesterreich setzt sich ein Minister an die Spitze dieser judenfeinblichen Bewegung - und verleiht - ihr damit gewissermaßen die amtliche Sanktion. In der Tschecho- Slowakei. finden' seit fünf Tagen Ausschreitungen demobWerter Legionäre gegen die deutsche Bevölkerung eirtiger Städte statt und auch dort kann die Regierung über ' ein Betonen ihrer Unparteilichkeit nicht hinausgehen. / / Die Folgen des Krieges mit seiner Gewöhnung der Mafien an Waffe und Gewalt zeigen sich auch Unterströmüngen lut das ihre. Es gibt nirgends eine Stelle, die auf Grund eines Gesetzes, gestärkt durch die Autorität der Macht, diesen'Zuständen ein Ende setzen und den Regierungen, deren Stellung in solchen Fragen meist die des ohnmächtigen Zuschauers ist, zu Hilfe kommen könnte: Diese Funktion kommt dem Völkerbund zu, der aber den Dingen in Mitteleuropa viel zu fern ist, um sie richtig zu verstehen und in ihren politischen unb : wirtschaftlichen Auswirkungen würdigen zu können. Der Völkerbund hat bisher gute und reiche Arbeit geleistet. Er hat, für die Kriegsgefangenen gesorgt und die Typhusepidemie. im Osten eingeschränkt. Aber gegen die nicht minder verderbliche Pest des Bölkerhgffes hat er nichts unternehmen können, obzwar die Minorttäten unter leinem Schutz stehen und obzwar es feine vornehmlichste Aufgabe sein mützte, an der Demobilisierung der Gemüter zu arbeiten. Der Völkerbund ist aber keine über der Politik des Tages stehende Körperschaft, er kann sich nach seiner, ganzen Zusammensetzung nicht .von politischen Rücksichten freimachen und ist stets, " wenn auch unbeabsichtigt, : der Exponent jener Körperschaft, .die ihm sein Beralungsprogramm. zumeist. Aber der Völkerbund hätte doch die/ Möglichkeit, den Minoritäten in allen Stachen zu Hilfe zu kommen., Er müßte seinen Sitz von Gens in düs europäische Sturmzentrum, nach Wien, verlegen rstrd" er müßte den. permanenten Übernationalen'Gerichtshof Äs fein Organ aus sich heraus bilden. Sine solche Stelle wäre bald; in der Lage, sich Über die tatsächlichen Verhältnisse aus eigener Anschauung ein unbeeinflußte» Urteil zu bilden und der dem Völkerbund zugrunde liegenden Idee der internationalen Gerechtigkeit Leben zu verleihen. Es muß das Völkerrecht nach der Seite der Minoritäten ansgebaut und durch exekutive Autorität gestützt werden. ♦ Einberufung der Roten-Kreuz-Delegierten und AegierungsdevoÜMLchtigten «ach Genf. Genf, 6. August. (Schweizerische Depeschen-Agentur.) Ein Communiqus des Internationalen! Roten-Kreuz-Komitees besagt: Angesichts des Elends der Bevölkerung Rußlands mache« die Gesamtkommisfione« des Internationalen Roten-Kreuz-Komitees und die Liga der Roten- Kreuz-Vereine den Regierungen, dem Völkerbund und den Wohttätigkeitsorganisatioue« den Vorschlag, ein i n t e t u atro nales H r l f s werk zu gründe«, das die Tätigkeit der Regierungen zur Versorgung Rußlands mit Lebensmittel« und die Bestrebungen der freiwilligen Hilfsaktionen zentralisieren soll. Die Gesamtorganisation fordert die Delegierte« aller europäischen und ameritzanischen Bereinigungen, die zn gu nsten Rußlands eins ch r e i t en wollen, auf, sich am 15. August nach G e n f zu begebe«, um die Errichtu»- eines internationalen Organismus vorzübereiten. Sie hofft damit^ den Regierungen, die B e v o l l m ü ch t r g t e z n r K o n f e r e n z d e l e g i e r e n wolle», einen neutrale« Boden sstfe Vie/Hesprechnngen znr Vorbereitung des Werkes bieten zu rönnen. Teilnahme Amerikas an der Tagung vom 8. August. L o « d o n, 5. August. Wie das Rerrtersche Bnrean erfahrt^ PrasidentHarding die Einladung,Hu dev am 8. d. M. beqiunende« T d g n n tz d e s O b e/r st e n R a t e s einen Vertreter zu entsende«, a n g e n o mm e « und dabei die /ernste Hoffnung ausgesprochen, daß die direkt beteiligten Mächte schleunigst eine gerechte und b e f r i e d ig e n d e R e g e l u n g der oberfchlefischen Streitfrage herbeiführen und damit eines der Haupthindernisse beseitigen werde«, die jetzt einem dauernden Frieden im Wege stehen. Wichtige Besprechungen in Paris. Paris, 5. August. (Tel-Komp.) ^Chicago Tribüne* meldet' B r i a « d hatte gestern d r e i wichtige B e s v r ech u n g e « auf dem Quai d'Orsay. Er empfikg zunächst de» Botschafter Frankreichs in dm' Bereinigtm Staaten Fass «- r a n tz. der m Paris eingetroffen ist, dann den'französMen Botschafter in Berlin Laurent und schließkichdm deutschen' Botschafter Dr. Mayer. Jufferand verhandelte mit Briand Über die Abrüstungskonferenz und legte ferner den Standpunkt der Bereinigtm Staaten in der/oberschlrstschen Frage, dar. Laurent erstattete Briand Bericht über die Lagie in Deutschland. Auch Dr. Mäher soll nach dem Quai d'Orsay berufen' worden sein, um'die oberschlestsche Frage zu erörtern. Frankreichfür eine Neutralisierung Oberfchlestens? London, 4. August. Der oberschlesische Korrespondent des ^Manchester Guardian" teilt mit. daß: die Beziehungen zwischen Frankreich und Polen etwas gelockert find.-Nach dm Informationen des. sonst sehr gut unterrichteten Journalisten hat sich Briand^ einem Vertreter der. polnische» Regierung; gegenüber dahin geäußert,. Franste! ch würde isoliert dastehen, wenn es auf der bevorstehenden skönstrmz des Obersten Rates, eme polenfreundliche.Politik treiben würde. Es müsse vielmehr den - übrigen Alliierten K o n z e s s i o n e » machen, wenn eS diese zu seinem Standpunkte bekehre« wolle. Aber diese .Kopzessiomn dürfte» nicht derart sein, daß die .Stellung des. Kabinetts Briand dadurch gefährdet würde. Durch die griechischeu Siege sei E n g l a n d s Politik gestärkt, F:a«kreichs geschwächt. Frankreich könne daher nicht riskier«»' in Oberschlesien eine .antienglische Politik zu führen oder womöglich , wegen Polens mit England zu , brechen. Daher würde Frankreich f ü t eine R e u t r .a l i f i c r ü » g O b.e r s ch l t f i e tt. s einttetcn und es Bolen crmöglichm,. , eine stärkere Ärmer in der umstrittmeu Provinz zu halten. Die Fiumaner Frage. Belgrad, ü. August. (Preßbur.) Der Präsident der Fimnaner Regierung Zanella hat die Obmänner der chv- .,elnen Parteien besucht, um mit ihnen über die toeuetc (!/un,- der Liwyaner Fraae m verbsudel«. Schlußsitzung der britische« Reichs» koufereuz. London, 5. Avgust, (Tel.--Kvmp.) Am heuttgL« T-age hielt die Reichsko«fexenz der Premierminister der englischen Dominions ihre l etztr Gitzn.n g, ans welchem -Anlaß sich die Presse eingehend' mit der von der Konferenz geleisteten Arbeit beschäftigt.' . Uebereinstimmend' stellen die Blätter fest, daß rjn Wendepunkt in der englischen Verfassungsgeschichte eingetreten sei, da nunmehr die auswärtige Politik Großbritanniens nicht »mehr von England alldm bestimmt werden wird, sondern dem Einfluß und der Zustimmung der Dominions unterliege. Als erster Grundsatz wird bas Zusammengehen mit den Bereinigten Staaten angesehen. Der Siuufeiuer-Laudtag. London, 5. August. (Funkspruch.) Am 16. d. N. wird der Landtag der „irischen Repub liV* emberUfen werden. Mle Mitglieder, einschließlich dtt iM Gefängnis befindlichen, ^werden zur Sitzung eingeladen werden. Man erwartet mit Bestimmtheit, baß die in Gewahrsam befindlichen Volksvertreter ans de» Gefängnissen werden entlassen werden, um an de» Sitzungen, teilnehmen zu können. D e Valero hat Sir Craig zu. einer Zusammenkunft auf irischem Boden ein-- geladen. Der Waffeirstillstand wird peinlichst beobachm. Abstinenz der Dcutschbürgerliche« i« tschechische« Senat. Prag, 'S. August." (Tschecho-slotv. Preßbur.) Der Senat hat den Handels- und Zollvertrag mit Jugo-; slawien heute im beschleunigten Verfahren 'behandelt. Die Ratifikationsentschließung wurde in beiden Lesunge« gegen die Stimmen her tschechischen Kommunisten und der deutschen Sozialdemokraten angenommen. Die deutschen bürgerlichen Senatoren . sind zur heutigen Sitzung nicht erschienen. - Im Abgeordnetenhaus nähme» von deutscher Seite nur die Sozialdemokraten an der : Sitzung teil. ' - - Ein Attentat auf Bela Linder? Budapest, . 5. August. Wir das "8-Ühr Blatt* zu beychwr weiß,, hat in Fünfkirchen , «in jun^rr Mann dieser Tage gegen de« Bürgermeister der Stadt-Funfkirchrn und gewesenen Knegslymister Bkla Linder, als dieser das Rathaus verlassen wollte, ei» Ältentat verübt. Er gab gegen ih» einen Schuß ab, doch blieb Linder nnverletzt, während der' in seiner Begleitung befindliche Stadtbauptrnann C s e r f a eine leichte Verletzung erlitt. Der Attentäter, deffen Name «och geheimgchaltm wird, wurde sosord verhaftet. Paste wieder erkrankt. Agram. 5. August. (Preßbur.) »Ri ec* berichtet au- Belgrad, daß Ministervrastdent P a s i c wieder erlrankt lei. Nach e-.ner Erholung^wecde er süc sechs Wochen »ach Frauch reich reise«. 007