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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-05 · Heft 907 (5.8.1921) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 907 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 907 43ieiti Freitag Für die jüdischen Pogromopfer in der Ukraine. Die bisherige Verwendung de« österreichischen Hilfsfonds. Wir erhalten den folgenden Bericht: In der am 12. Juli im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde unter Vorsitz dcs Präsidenten Professors Dr. P i ck abgehaltenen Plenarsitzung des Hilfskomitees für die ukraimsch-iüdischen Pogromopfer wurde über die vorläufige Verwendung von 10 Millionen polnischen Mark Beschluß' gefaßt. Der Vertreter des ZentralrateS der Jüdischen Welthitfskonferenz Herr Dr. Krämer berichtete ausführlich über seine neuerliche Reise uack den ukrainischen Grenzgebieten und konstatierte mit besonderer Genugtuung, daß die Wiener polnische Gesandtschaft chn mit einem liebenswürdigen Empfehlungsschreiben aus gestattet habe und die zivilen und militärischen Behörden in Polen durch ihr Entgegenkommen seine Arbeit bedeutend erleichtert. Er berichtete über die stets wachsende Notwendigkeit emer raschen und konstruktiven Hilfe für die Flüchtlinge und über die Vorschläge der lokalen Komitees, die gemäß den Prinzipien der Jüdischen Welthilfskouferenz die Arbeit zu leisten haben. Zur W a i s e n f r a g e übermittelt der Referent den ausdrücklichen Wunsch der ukrainischen Juden, daß die Waisenversorgung nur unter strenger Kontrolle der jüdischen Gesellschaft vor stch zu gchen habe. ' In der eingehenden Debatte begründete Frau A n i t t a M ü l l e r ihren Standpunkt zur Waisenfrage und beantragte die Errichtung von Durchzugsstationen in Wien u n d R o w no sowie die dauernde Versorgung einer Anzahl von Waisenkindern. Die Herren Prof. Dr. K ö n i g st e i n, Oberrabbiner Dr. C h a j e s und Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g befaßten sich ebenfalls ausführlich mit dem schwierigen Problem der Wa-fenversorgung. ' Es wurde die Einsetzung einer s i e b e n g l i e d e r i g r n W a i s e n k o m m i s s,i o n zur Leitung der Waisenaklionen bciditoffcii. In Wien und Rowno ist je ein Durchzugshcim für bi: Waisenkinder zu errichten und sind nach Maßgabe der noch zu schaffenden Mittel 50 8 l t e r e K u a b e n -ur dauernden Versorgung zu übernehmen. Znm Budget beantragte Herr Dr. K r a m e r auf Gruud der in den Sitzungen der lokalen Komitees abgefaßten Protokolle 3,750.000 polnische Mark durch die Fluchtl'ngssektivn des L c m b e r g e r Rettungskomiters nach Ostgalizien, seiner, 1.450.000 polnische Mark für den K o w e l e r R a y o n zur Unterstützung der Opfer der Balachowicz-Pog'rome und 4,800.000 polnische Mark an das Rownoer Komitee für Wolhynien zu überweisen. Diese Betrage in der Gesamthohe von 10,000.000 polnische» Mark werden zur Errichtung von E m igrante nheim.ru, T a g e s h e i m st 8 t t e n für Kinder. K ü ch e.u, T e e h a l l e n und Werkstätten, für d i e W a i s e n f ü r s o r g e, zur Unterstützung zwecks A bt r a n s p o r t i e r u n g von Emigranten und im Kowelex..,Kreis auch für H ä u s e r r e p a r a t u r e n verwendet ' .werden. ,In diesem Betrage. ist auch die Spende der jüdischen Gemeinde N a ch o d enthalten, aus welcher für die Dauer eines JrhreS ein größerer Betrag für die Erhaltung eines Waisenhauses m Rowno verwendet werden soll. Dre Plenarsitzung erklärte sich im Prinzip mit diesen Vorschlägen einverstanden und. übergab deren genauere Prüfung einer engeren Kommission, welche in der am 18. Juli gemeinsam mit dem Finanzausschuß abgehaltenen Sitzung die Vorschläge des Referenten ernstimmig akzeptierte. In der Plenarsitzung wurde festgestellt, daß der e r st e K l e i d e r t r a n S p o r t. rn Kurze nach Wolhynien abgehen wrrd und daß die Speditionsstrma ,Wawel" den Traysport vollkommen kostenlos übernommen habe. In der am 21. v. M. stattgehabten Sitzung der Exekutive und des Fmanzausschusses wurden die Herren Börsenrat Glück, L ä n d e r b a n k - D r r e k t o r E p l e r und P r o f. D r, K ö n i g st e i » mrt der Leitung für die Dauer der Ferien betraut und über die Einsetzung der Waisenkommisston und die seitens des Künstlerkomitees geplanten Veranstaltungen Beschlüsse gefaßt. Herrn Dr. K r ä m e r, welcher bisher die kechntsche Leitung der Aktion eh, enamtlich innrhatte, wurde der Dank ausgesprochen. Das Komitee hofft, daß die jüdische Oeffentlichkeit die Schaffüngemesnvch erforderlichen Fonds von mindestens 5 Millionen Kronen für die dauernde Waisenfürsorge ermöglichen wird. Bezüglich der bisher eingelaufenen Anmeldungen zur Versorgung von Waisenkindern werden nach Rückkehr der Frau A n i 1 t a M üller auS Wolhynien die entsprechenden Verlautbarungen erfolgen. I» Per letzten Sitzung wurde auf Grund vorliegender Presseberichte über dm nachhaltigen Eindruck der Wiener Mion in Amerika und in Europa berichtet und mitgeteilt, daß die Juden in Deutschland bereits eine ähnliche Aktion eingeleitet haben und mit den Juden der Tschecho-Slowakei Verhandlungen gepflogen werden. Wiener Morgenzeituntz Kongreß der Augenärzte in Wien. Gestern vormittags begann der auf drei Tage anberaumte Kongreß der Augenärzte im Hörsaal der Ersten Augenklinik seine Tagung. Der Kongreß, an dem neben zahllosen inländischen Aerzten die bekannteste,» Augenärzte Deutschlands, dann solcheder Schweiz, Dänemarks und Spaniens, ferner ungarische und . japanische Aerzte teilnaymen, wurde von der Wiener ophthalmo logischen Gesellschaft einberuftn. .Hosrat Ernst Fuchs begrüßte die Kongreßteilnehmer mit einer Ansprache, in der «r kurz die Geschichte der Wiener Augenklinik streifte, deren erste von Maria Theresia an der, Stätte gegründet worden ist, an der sie sich, nv!ch! heute befindet.. Er bedauert es, daß es noch immer; nicht gelungen''sei, die feind.se Uge Haltung, welche das fr'üher feindliche Ausländ der Wissens ch a f t .g e gvnüber noch im mer e in - nimmt, zu beseitigen. Der Boykott, welchen zum Beispiel der Internationale Chirurgenkongreß gegenüber den deutschen Aerzten 'aussprach, vmchinderte auch, daß die Tagung der Augenärzte von .asten Kulturländern beschickt würde. Die Einladungen mußten sich, daher vor allem auf die uns wohlwollend gesinnten neutralen Länder erstrecken. Den ersten wissenschaftlichen Vortrag hielt sodann Professor Uthoff ans Breslau über den grünen Star und die Wirksamkeit der neueren Operationsmetlwden bei dieser Erkrankung. Die vermißten Touristen. Haftbefehle des Leobener Kreisgerichts. In der Angelegenheit der fünf vermißten Touristen wird nach wie vor in allen Gebieten, in denen sich die fünf jungen Leute vor ihrem Verschwinden aufgehalten haben, eifrig geforscht, um eine Spur zu entdecken/ Die erste greifbare Spur war, wie berichtet, der Fund des Wettermantels und des 'Rucksackes des Studenten Karl von Ribary, der am 31. v. M. erfolgt ist. Bon dem seit dem 30. Juni abgängigen , 22jährigen Juristen Otto Alexander war bisher gar keine Spur zu finden. Der junge Mann, der einzige Sohn des Zahnarztes Dr. Gustav Alexa n d e r in der Burggasse, hatte im Hotel Post in Aussee gewohnt und war am 30. Juni von dort bald nach dem Mittagessen rftit leichtem Sommerauzug weggegangen, um einen Spaziergang'zu machen. Bon diesem ist er nicht zurückgekehrt. Sein Vater hat sich' seither unablässig bemüht, mit Unterstützung. der Gendarmerie und der Ortsbewohner eine Spur" zu finden. Er hat Tausende auf Nachforschungen ausgegeben und eure Belohnung von 50.000 Kronen apf die Auffindung des jungen Mannes ausgesetzt; altes ist bisher' fruchtlos geblieben. Nun hat das Kreisgericht Leoben in dieser Angelegenheit zwei Haftbefehle erlassen. Sie betreffen den Arbeiter Johann Witter, am 7i Mai 1896 geboren, nach Eisenerz zuständig, und den Arbeiter Leopold Drosch, am 29. Mai 1886 geboren, nach Lupischnig (im,'Bezirk Kaplitz) in Böhmen zuständig. Drosch und Mitter haben in der Gegend bei den Salinenwerken gearheitet unl> sind am 2. v. M. ganz' ohne 'Grund der' Arbeit ferngeblieben und seither verschwunden. Ob weitere Gründe, die den Verdacht rechtfertigen/ vorliegen, ist in Wien. Unbekannt. Mitter ist inzwischen -in Vorderuber g verhaftet und dein Kreisgericht Leoben eingeliefert worden. Vermißt werden, nach einer Innsbrucker Meldung, drei bekannte Innsbrucker Touristen, die am Samstag eine Tour ins' Karwendel zur Erkletterung der Nordwand des Praxmarer Kars (Melzerwand) Unbernounuen .haben; ferner Frau . Emma Arnold aus Wien samt ihrem 17jährigen Sohn Fritz Richard, die am 1. d. M. einen Ausflug ins Stubaital unternommen haben und bisher in das Hotel, wo sie ihre Effekten znrücksießeu, nicht znrück- 'gekehrt sind. Die Entente und die österreichische Armee. Wie die Korrespondenz Herzog meldet, hat der interalliierte 'Heeresausschuß die Aufstellung von N n tero sfiz ierskurse n in Wien, Graz, Lmz nnd Innsbruck unter Prüfung auf den Friedensvertrag verboten und die Zurücknahme des bezüglichen Erlasses binnen vier Tagen gefordert. 6. August 192t Die Spielbanken i« de« böhmische« Kurorte». Allgemeines Spieloerbot. — Masse»a»s«ieif>SG». - Aus M a r i e n b a d wird der Korrespondenz H«h»g M Aufhebung der Spielbanken und Ausweisung von Spieler» Gemeldet: Die tschechische Regierung hat dem in den Borjahre» Ze» duldeten Bäkkaratspiel den Krieg erklärt und bereits rm Frühjahr dw schärfste Verfolgung eventueller geheimer Hasartz» spiele angckündigt. Ein Beschluß der Marienbad« StuKh« Vertretung, welche die Leitung des Spieles gegen Entricht««- hoher Abgaben an die Gemeinde einem privaten Konsdrim» übertragen wollte, wurde von der Staatsregiernng aufgehoben und überdies zur strengen Durchführung des Spielverboteß «nee staatliche Polizeikommsssiou auS Prag nach Karl Sb ad und M a r i e n b a d entsandt. Während ab« m Karls b a d diese Abordnung vom ersten Augenblick an «nt all' Energie arbeitete und alle Versuche, Spielhöllen einzurichten, im Keim unterdrückte, war bis in die letzten Tage eine larerr Praxis der Polizei zu beobachten. So warm eine Aazahl tz«n Spielbankbesitzern. wie man erzählt, infolge sich« nicht billig erkaufter Verbindungen mit einzckuen .Polizeivrganen in der Lage, ungestörte Spielabende jja arrangieren, die, wenn ein „Wink" kam. für kurze Zeit Wert wurde«. Npr, um nach Prag auch von „Erfolgen" berichten zn lönuen, wurden einige kleinere Spielbanken ausgehoben, wobei ah« mit auffallender Nachsicht vorgegangen wurde. Es wurde einfach von den einschreitenden Polizeiorganen das Sviel für sistiert «klärt, die Spielgeräte beschlagnahmt, aber bald darauf wieder ausgefolgt. „ Die Folge dieser laxen Praxis war ein rapides Ueberhaudnehmen d« Wincelbanken, in denen es uichl immer mit rechten Dingen züging. Wiederholt wurde von dm spickend,« Kurgäste» falsches Sviel festgestellt und großer Lärm gemacht. - Diese Vorkommnisse ver» anlaßten die Prager Behörde» den Dingen i» Marienbad größere Anfmerksamkeit zuzuwenden und der dortigen Bezirkhauptmann» schaft entsprechende Weisungen zu geben. Nu»mehr wurdr «a» auch in Marienbad energisch. , In den letzten Tagen wurden zahlreiche Berufsspieler W r e n e r, Budapest« und Berliner, welche in M aritn« b a d Ernte batten wollten, als lästige Ausländer auSgewiese». Das Vorgehen der Behörden hat bereits s«ne Wirkung gehabt. Seit vier Tagen sind alle Spielhöllen Marie»badgesperrt. Die meisten an den Hasardveransialtungm berufsmäßig beteiligten Vmonen, wie Bankhalter, Croupiers und dergleiLm — auch die bisher noch mcht ausgewie'euen — »«lassen dm Kurort. ' _ Erlauschtes. (A u s einem F e r i a l t a g e b u ch.) Der Hausknecht vom Schwanm meldet d« Schwank Wirtin, e>« feiner Herr, 'ein Wiener Banldir:ktor, wünsche ein schönes Zimmer. „Jud isch er kein«. Er schimpft di< Juden O du naiver, weltfremd« Hausknecht vom SchwanH..... * Eures von den mrgezöbttm, fröhlichen Gespräche« Ä« unsere lieben Konnationalen, die in schmissigen Jagerg'wandrl» oder in U'. tiroler Svnntagsdreß von früh bis abends tarockieren,' über die anmutigen israelitischen Großmütter, die i« kuirsreir« Dirndl, mit leuchtenden Scldenstrümvfen und lenchteud gefärbte« Haaren, mit tühn geschwungen« Busenlinie und blitzeudem Geschmeide vor den Gasthöfen hocken- Ein« erzählt. « habe diese« erbanlichm Mummenschanz reichlichst geschart ans d« Wiese vor dem Nobelhotel ans Streckstühlen liegend angetrossen. Ec habe den Eindruck gehabt: „Jüdische Leichenhalle-. Das grobe Wort ist nicht übet gemüuzt. Tote Grdauktn' lofigkeit, i« bizarren, unsinnigen, -wesensfremden Tand gezwängt, lurgert da herum, verfettete Dummheit läßt sich für ihr gute- Geld begucken, bespötteln, gelegentlich beschimpfeo, bespricht zehn Stunden im Tag die Speisenfolgen, die Bratenpresse, tut -W«- ans lebendig, versucht sich üb«laut im landesübliche« Dialekt, läßt sich überglücklich von jedem Svmper würzen — »nd ist doch kläglich mißglückte, aufgedunsene, Äbskrbende Mimckrtz. Znm XU. Zionistenkongretz. Morgen um '/-8 Nhr abends findet in der Scholle Dianabad, Eingang Menbrunngasse 1») eine Wahlversammlung zum XII. Zionistenkougreß statt, a» welcher sämtliche Scheküzahler und die Kandidat» eingeladen weide«. — Tagesordnung: Stellungnahme der Kandidaten -»« Kongreß. Referent: Jngemmr 2 a s z k o »i tz.. , ) £ > >'; V 1 ' ': 1 :r : der erste nach San Remo, tagt vom 1. bis 10. September t. J> in Karlsbad. Ausführliche Berichte ^ns#re KOHI^reSS^AUS^ieibeil «mfassend l» Nummern, rom 31. August (Festnwnmer) bit 14. nehmen Dollar In allen Nachfolgestaaten, im gesamten Auslande werden die Zionisten unsere „Kongress-Ausgaben* lesen; Die Insertion In dleson Nummom id daher hervorragend Wirksam. Wir stehen der p. t. OeeehURsweU mit Offerten «der Vertreterberach gern xu Diensten. Normaler Anselgonterlf.t Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“, Wien II., Taborstrasse 13, Telephon 38-0-44 und 43*3 19. »WWW«

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