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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-05 · Heft 907 (5.8.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 907 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I L Einzelpreis SK Kronen G i«»r B— «HB» tatet - -ÄLur,«-- •mnpwinviii« •Hü «aaiät-wr«^ Nr. 907 Einzelpreis 2k Kronen Wien, Freitag de« 5. August 1921 _ Pole«: MonMtch. . SlMi t**’i*H4* mimt Stetten t muntirnTTr: Monatlich . . . «et si^. Schweiz s. bal ÄMge . MonatNch, . .A»m»r4 L.- W^SÄMMIS »NVLMibr 3. Jahrgang >-S«^M»z»MS»SSW«>SiS^! M ' in MM.! Erklärungen des tschechischen Ministerpräsidenten. Waber uud die Wiener Meffe. —7. Wir«, v. August. Zm nächsten Monat soll die Men« Messe stattfinden. Das ausländische Publikum wird nach Wien geladen, um sich mit eigenen Augen von dem Gewerk efleiß dies« Stadt zu überzeugen. Es sollen neue Verbindungen angeknüpst, die allen wiederhergestellt werden. Der Wiener Kaufmann, an den bei allen Aktionen niemand denkt, der stets nur Steuerobjekt, ist, will sich als Bring« des Guten bewähren und das, was die österreichischen Politiker verdorben haben, mied« heilen. D« schöne Plan will Wien neue. freunde werben^rurd die alte, reiche Kultur dies« tadt, der die ärgste Kriegsnot nichts von ihrem Niveau hat nehmen können, dem Ausland, vor Äugen führen. Die Kultur , Wiens ist aus seiner Stellung als Mittelpunkt eines von d« Natur selbst vorgezeichneten Straßennetzes, aps dem fteundlichen Wettbewerb d« besten Kräfte aher mitteleuropäischen Nationen entstanden. Erwächst schon daraus für ganz Europa die Pflicht, Wim in seiner Bedeutung zu erhalten, seine Existenz zu sichern, so spricht auch der allgemeine Zustand Europas für die Notwendigkeit, das Herz des Kontinents nicht veMuten zu lagen. Di« Welt ist nicht fy reich an solchen Ställen d« Arbett und der Kunst und jede dauernde Schädigung Wiens wäre ein unersetzlicher Verlust, den die historische Entwicklung niemals verschmerzen könnte. Aber es ist notwendig, dem nach Men einge- Menen Ausland auch einiges über die Polittk dieses Ägates zu sagm> in der die ^Fremden" feit neuester ZeOMegewisse Rolle spielsü. Die Einladungen M Meftbr Äteffe sprechen nicht von nationaler' oder konfessioneller Zugehörigkeit, sie wenden sich an die Kaufleüte der ganzen Well. Aher die Politik des Staates wird an einer sehr wichtigen Stelle in einer Weise gehandhabt, die zu dem Sinn der Einladung im schreiendsten Widerspruch steht: Die Kaufleute wollen Freundschaft und Verständnis für Oesterreich, . sie bemühen sich überall, für den Staat eine Stimmung des Wohlwollens und des Vertrauens zu schaffen. Aber der Minister des Innern nimmt Juden-nicht als Staatsbürger auf; er schreitet nicht ein, wenn österreichische Gemeinden jüdischen Bürgern keine Wohnung vermieten wollen oder ihnen das Aufenthaltsrecht verweigern. An der UnivMitLl, die das Ausland sehr gerne und sehr oft um Hufe ynspricht, wobei jüdische Hilfe nicht abgelehnt wird, ist die Zähl der Hörer aus dem Ausland eingeschränkt worden, wobei immer nur jüdische Hörer verstanden werden. Es wird hier von Regierungsstellen selbst nicht allein der Friedensvertrag gebrochen, sondern jedwedes Gesetz verletzt, wenn sich dies irgendwie gegm Juden tun läßt. Das geschieht in der Metropole Europas. Man kann sich eine Vorstellung davon machen, wie die Gesetzlichkeit auf dem flachen Land und in den Provinzstädton gegen jüdische Fremde ausgeführt wird. Das Beispiel, das dieser Minister gibt, wirkt überall auf seine Untergebenen, die sich, ganz wie er, nicht als Organe des Staates, der Allgemeinheit, sondern als Angehörige, antisemitisch-rückständiger Parteien fühlen und demgemäß handeln. Äuf solche Weise wird der Staat von denen geschädigt, die sein Interesse wahrzunehmen hätten. Dadurch ist die beschämende Isolierung Oesterreichs entstanden und jene beklagenswerte Stimmung des Mißtrauens, vie sich in dem Hinausziehen der Kreditaktion, in dem Sinken der Valuta und in der Verödung des Wiener Marktes dokumentiert. Alle Bestrebungen der Werktätigen, der arbeiteirden Kaufleute werden dprch solche Regisrerei in das, Gegenteil des angestrebten Zweckes umgekehrt' und die Wiener Messe wird keine wohltätige Wirkung für Wien und Oesterreich haben, wenn ein solcher Minister von der Deffentlichkeit noch länger geduldet wird. Das Beispiel von Eferding. Die christlich-fromme „Reichspost" berichtet: Dis Gemeinde Helpsan-Uttendors (Oberöst^veich) hat, da sie mit jüdischen Sommerfrischlern schlechte Erfahrungen gemacht hat, beschlossen, Inden höchstens einen "4stündigLN Aufenthalt zu gewähren. Au.si ru'u iirdischen Haust.'rera verweigert die Genreinoe f»ic ^idierniig <** . Prag, 4. August. sTfchecho-slow. Preßbur.) In der heutige« Sitzung des Senats gab Ministerpräsident 6 e r n y über die Anssiger Ereigniffe eine längere Erklärung ab. Aus Grund der amtlichen Meldungen, die im Laufe der Nacht und deheutigen Bormittags emgtläufe» sind, wies er darauf hin, dgß mit Rücksicht auf den Umstand, daß z r h l r Wi $ c d e mobilisierte Legionär e und tschecHsch^e Br v ö l k e r » » g aus derUmgebung in der Stadt Aussig eingetroffen wären, mithin zn befürchten war, daß die öffentliche Ruhe gefährdet werde» könnte/ die ' politische Bezirksverwaltuiig ungefähr nm S UHr abends die Erlaubnis zur Abhaltung dir geplanten d eu t s ch e n P rot e st v e rs am m l un g widerrief und gleichzeitig der Gendarmerie den Befehl erteilte, die Hauptstraßen, die zym Marktplatz iühren, abzasprrren. Hinter dem Gmdarmeriekotdon, führt« der Minister- Präsident weiter aus, bildete sich, ein Menschenauflauf, zudem in der Trplitzerstraße Abgeordneter W e n-z l sprach. Nach deffen Rede zerstreute sich die ungefähr 2000- Personen zählende Menge größtenteils. Nur einige kleinere Gruppen blieben zurück. 2» diesem Augenblick siele» uugefähr fünf oder sechs Schöffe aus de» Reihen der L cgi « när e.- die von der anderen Seite herrukamev. Die Sache ist noch nicht ganz klar und muß noch untersucht werden. Die Gendarmerie, die in ihrer Stellung verharrte, forderte, .M, zmn Theater, wo wiedechm einige Reduer sprachen. Mch hier sielen e i n i g e S ch ä f f e. Ebenso kam es in der Biela-Straße zu Zusammenstößen zwischen dem Publikum und den demobilisierten Legionären. In der 23. Stunde trat in der Stadt vollkommene' Ruhe ein. - Bei den: Zusamrnenstößen wurden n e u n P e r f v n'e n verletzt: fie befinden sich alle, bis aus einen, der nach-'der ersten Hilfeleistung in häusliche Pflege übergeben wurde/ im Auffiger Krimkenhans. In der Tchlrtzerstiaße et hielt ein Mann namens Franz Pick zwei Bajonettstiche in Herz und Lun^e, denen er. e ^le g e n ist, Allen Betroffenen wird der gesetzliche Beitrag für den erlittenen Schaden gewährt werden. Heute herrscht in Aussig vollkommene Ruhe. . Rach anderen Berichten drangen demobilisrcttb Legionäre in die Kaserne ein. Es ist jedoch noch nicht möglich', etwas Bestimmtes darüber zu sagen, da die Untersuchung noch andauere. Die /politische Bezirksverwaltung hat alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen und Redner selbst habe auf die zuständigen Faktoren beeuhigend eingewirkt. Präventivmaßnahmen sind nicht außer acht gelassen worden. Sogleich . nach den ersten Berichten, wurden Dinrstag .zwer Konzeptsbeamte nach Aussig entsandt und 100 Gendarmen mit einer entsprechen-, den Anzahl von Offizieren kouzeutuett/' außerdem ist' m fl>, t 8 rische Bereitschaft augeordnet worden. Als gestern. nach 7 Uhr abends die Meldung einlangte, daß die Lage gespannt sei, wurden weitere Gendarmerievetftätkungen nach Aussig .entsandt. Die Regierung erklärt, daß sie gegen alle Schuldigen, mögen sie welcher Partei odir Klasse immer nngehör en, rückfichtslos gemäß dem Gesetz einschreiten wird. D Im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen muß erwähnt werden,"was sich in Aussig am 18. nud 91. Juli zugetragen hat.. Am 18. Irrli farrd in Aussig c-nc öffentliche Pwl ^stversammlung - der deutschen Parteien gegen das Steuersystem und Die'englisch-irischen Verhandlungen. L o n d o n, 4. August. (Tel.-KynipI „Daily Mail" meldet aus Dublin: In der Konferenz der Führer der Sinrrfeirrer mit de Vale ra wurden die von Lloyd George gemachten Konzessionen an Irland gutgeherßen. Das Sinnfeiner-Komitee hat de Valero zur F ortfüh rang der V e rh and lungen mit Llohd George ermächtigt. Ausbau der englische« Flotte. London, 4. August. 'Tel.-Kvnip.) In.der .estrigen Sipung ttks llnttrhauses begiünd-te UtV*riiaivt.uetäv A \\\ t v y eine« N \fh:iWti zum Flottctat ui b;r Hi-he bim \ 1,8 .iO'-O P * •: u d Sterling.' Amyq» begründet die For^cmug iram.i, da^ die die schwerere Steuerlasten statt.'Die Redner sparten nicht mit den schärfsten Worten and die Sache wurde so dargestelli, al^ ob ber allen Steuervorlagen beabsichtigt sei, n u r d i e d e u t s ch i Bevölkerung zu schädigen. Es wurde dävop ge brochen. daß die Krankheit dieses Staates die Grosmannsucht sei, daß dieser Staat durch K o r r n p t i » uj, B e r» gew altigung und Raub entstanden sei. Die deutsche 'Bevölkerung wurde aufgrsordert, einen na t i o n a len -A bw e h r s o n d s zu gründen. Die Aimee - wurde verspottet: und es wurde behauptet, daß gegen das tchechische-Wüten zur.Selbstwehr gegriffen werden^ miisse. Einer der.Mdner schloß-seine Ansprache'mit den Worten: Nichts für diesen Staat, alles für das Volk! ' - - . : Diese Dinge find nur ein kleines Beispiel einer bewußt sysiemalischen Handlungsweise gewisser deutscher Kieise, haudke es sich nun. um! die Nichlaösührung - der Steuern,- mirActr Picktantritt drs Miütärdienstes oder um bewaffneten Widerstand gegen die Republik. ' . Daß es sich hier nicht um vlatonische Ariffoxtzet-.müeuhandelt, beweist ein Fall aus-der letzten Zeit, wo in einet-deutschen Grenzgemeinde > 125 deutsche Mauser-Gsmehre mit 10.000 scharfen Patronen 'gesimden..wurden. Dje verfolgt solch^ Erscheinungen sehr anfmerksom. , :?i >r*~cnCew Etecnp wurde' die D ebatte eröMret. , . Als erster Redner -sprach der deutsche Sozialdemokrat. Dok^rr H el ler, welcher zunächstdie Ereignisse in Aussig - ündt'Posiel»'- bergi schilderte und i erklärte, daß dies notwendig sei, dyi-M Etklärung -q-.. MmLstp^rGsütten'^..m.-.- dieses -Hinstcht -nst'H t'.,b ef c i e d i g e. .Znii'chen dem Redner.und dem7SeyMr.'H n.« b.tz, kam es zu einer heftigen A u s e i nand e r-s e itzm n g, in welcher, der Redner dm Senator Hrnby beschMgte/sich durch, fein slüheres; Auftreten an ten Vorgängen nuttchnldig gemacht^ zu haben. So-sehr wir alle, sagt Redner, die Vorzüge dest sch echt! chen Volkes anerlenuen, ebenso wissen wir auch, daß dieser. Staat auf dem Gemaltsnedm von Versailles äufgedaat ist. den wir in dieser Form nie anerkennen können. Solange dieser Staat nicht allen Völkern und daber auch den Deutschen das .Selb Ü b e st i m m n n g Z r e jb t gewährt, kynnen Ste 'nicht, verlangen, daß wir Ihnen befondere Liebe entgegen bringen. .Redner Kälte vom Ministervräfidevr.en. eine Er»- .ilätung erwartet, ob er bereit vei, -btc ganze StaaisgewrU 'auszif bieten, nm.den L.e g i.o n ä r e n i h r e W a.s-s e n a bn-i n e h m e n.. Die Erklärung des Milsistervräsiömten. >ei irnztti reichend und ans diesem Grunde tönne. er sie nicht zuri ^enntuish nehmen. . . ■ ■ „. ' . .. _ .. ' ' . Präsident P. raset ruft de» Mdner wegen des von ihmh gebrauchten Ausdruckes „Gewaltn.aat^ z ü r O t d n ü n g.. ' i Hreraus sprach je mi R e d n erd e r t,s ch e ch i s.ch e Part eien, worauf, die Eriläymg .des. Mmisirrpräädenten mit allen gegen dre. Stimmen der tschrchistzen. KowmiusiKrn.' und.' der, deutschen Spzialdemoktaten. z'u r 'K.'c u n'.t n i sg c». n. o. m n, ,e « wurde. Die dentschbürgerlichen Senatoren nähmen an der Sitzung bricht, teil. , ' -, ' - - Ebenso waren in der heutigen Sitzung des -Abgro'dnrtenha»ses -die. "Bänke der . .derrrschbürgeküchc« Par,eien . undder deutschen Svzialdemokt-aten leer. ' ■ großen Schlachtschiffe bereits v i r a l t e t seien. Ä'.ß a u t.r b sagte. England wolle lein vetschweitd-erische? und veii-r <-:r.- 5-s 'iIüirnsten., ab^r iS. mit-je scine Küste und den i ügana zu-d.n,' ,ü.br:geie. -Teilen des Re.ches schützen. Er., gab.'dir'', Hoffnung' Ausdrir.'!. daß de bevrt-rebknde K p.n f e r r i, '; »t W a l li t n ig i o u die'cs .Problem, wesenlii ch verei r'aa,cn werd-»i Abschluß der Militärdorivention zwischen Zugoftawien und der Tschecho-Slowakei. . G r a z, 4. August. Die Grazer ^Tagespost" meldet aus B e l g r a d: Hiesige VlLtter berrchten aus Prag, -aß gestern die M i litstrk o u b c n 11 o. n?*r!;>§■?» I n g o f l am lew uit9 der Lschech» Slowaket unterzeichnet mordsa ist. -r. D1D

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