Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 905 (3.8.1921)
- Date
- 1921-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Das Großkapital, 'gegen bas sie anznkänipfen versuchten, läßt sie seine ganze Macht: fühlen und wehrlos sind ihm die Angestellten der Geldntstiiute. ausgeliefebt. 'Sie habe« bedingünDNs kapituliert und müssen' wertlos dulden, was' ihnen die Banken befehlen. Die Größe der Niederlage steht in keinem Zusammenhang mit den Zielen, die, die Bankbeamten hätten erreichen könne«. Bei den tschechischen Bankbeamten handelte es sich -um die,' Ein-- fithrung der 'Dienstpragmatik, bei den deutschen um« er"nen Sympathiestreik, da diese die- D'ienstpragmatik schon besaßen. Es giidg also nicht um materielle, sonder« nur «m moralische Werte. . Man kann es sich nicht versage«, darauf hinzuweisen, mit welchem Leichtsinn' ein Kampf ausgenommen wurde, den zu führen schon stärkere Kräfta ergebnislos.: versucht haben. Die materielle Lage der -Beachten niar keine schlechte. Sie wollten mit ihrem Streik alsDorMmpfer des Sozialismus auftreten. 'Anders ließe' sich ihr .Vorgehen «iDsierktären, denn, wert« sie noch, einige Monate gewartet hättech wäre, das, was sie 'erkämpfen wollle« und jetzt endgültig . verlöre«! bohen, gesetzlich geregelt worbe«. Das Be'tWhsxätelMißr Zeit iMÄflWüsie meirtZ chrhaAelt. setzt^durch -d«-M?der^'- 'läge Her.. MuHeachten eine Mrzögerung'ünd Hemmung erlitie«. Aber Iguch der Zeitpunkt, den. sich die- Ärigestellten zur Durchsetzung-.ihM. .Forderizugen: -.g-^vffhlt. haben, war Her., denkbar ungünstigste. Seit Woche« und MSuateir Harschte im Lande -wirtschaftliche iStagnatron. Die Industrien und Banken haben nach de« langen. . Jahxen . der.. großen Gewinne eine Zeit' des > Stillstandes.~ Das Gesetz hinderte die. Banke«., ,7 sick. dort zuentlasten, wo sie es Och-' liebste»'-.- gÄaiw' hätten, nämlich, bei. den. Angestellte«. ,Da. käme.« die ' Bankbeamten mit ihrem Streik. Der erste- Gegenschritt der Barren gegen die Streike-iide.n war die Entladung aller,.,S<o .haben die. Hanken mit eiirei« .Schlage das. erreicht, wD .'sie sonst .nie hätten erreichen HnÄen. Sie konnten ihre Angestellten ne«, und so anstelle«^ wie es ihrren paßt, ohne daß sie jenland daranhindern k'ann^''' '. .. '^^ Die besiegten Barrkbeamterr 'haben aber auch durch ihre Taktik'.gezeigt, daß sic viel zu uuerfahre-n sind, als. daß sie -je Aussicht auf Erfolg gehabt hätten. Die einfache Erwägung, daß das Großkapital nur wieder durch das Großkapital wirksam bekämpft werden kann, habe« sie; übersehen. .Ma« kann nicht annehme-n, daß sie es . nicht gewußt hätten.-Als die tschschischon Banfe bramhm den ä Streik proklamiert hatten, riefen .die deutschen' Kdllegs« eine Woche später den Sympathiestreik ans und glaubten so ihren Kameraden zu helf-vn. Daß sie ihnen, «och! mehr aber sich selbst geschadet« haben,f wurde, ihnen, erst jetzt klar. Wieviel klüger wäre es gewesen,.wenn die deutschen Beamten, gerade aus. Syntpathie zu ihren, tschechischen Kollegen« bei ihre«.Schreibtischen in den deutschen. Banke« geblieben wäE...Die.dentscheii Banken hättentzsö-ß« Geschäfte gemMt, und zwar auf Koste« der tschechischen Banke« - und biche. hätten, weilsie jene« ihre« Verdienst!'ge--> «Met> 'hätten, sicher ihrer Beamte-nsch-ast Zugestäud- ■ nisse gemacht, um der deutschen' Konkurrenz nicht'zu viele Vorteile 'zu verschaffe«. Dadurch! aberdaß: die: deutsche« Bankbeamten auch in bvn....Hsiceik. traten,!!atfeh sie,ihren Gegnern, sichzu .vereinigt«, und mußten infolgedessen unterliegen. Das war der Hauptfehler und dieser rächt sich setzt bitter.; V; * Die: Banke« rächen sich? setzt. Alte, gut qualifizierte. Bcüm'te werden u«ter neue,« Bedingungen provisorisch! ausgenostlmen, viele von ihnen .überhaupt auf. bas! Pfläster' gefetzt. Die jüngeren 'Beamtear verlieren ihre Stellen. Und niemand, auch! die Regierung nicht, hat dic Macht, hier etwasbveinznreden. Ganz willkürlich wird vorgegangen. Wachtberauscht nützendie. Bäu-kenfetzt ihren Sieg-gegen den ganze« S-ozialismus aus.. Sie wollen Vorerst die Bankbeamteuorganisatiou sprengcn,- um da«« auf dieser Bahn weiterzuschreiten. Dau>it sind die BaNben dabei, ihrerseits einen,Fehler z« Die Zitrung des Paris, 2. August. (Funkspruch). Montag abends ergingen an die Regierungen von England, Italien, Belgien, Japan und der Bereinigten Staaten die Einladungen zur Teilnahme an der Sitzung des Obersten Bases. Berlin, 2. August. Die Blätter melden aus P. a r i s, daß nach, den Pariser Blättern, die Tagesordnung der bevor- 'stehenden KoriserenLdcs Obersten Rates folgende Punkte umfassen wird : 1. Entsendung von Brrslgrkungcrr nach Oberschlesien,;2. Festsetzung der deutsch-pol« sehen Grenze in Obcrschlesien und Auslegung der Vollsabst'nnmunp. ,'8.,Dre seit März «nv. Avril in Anwendung befindliche« ' wirischastlichen . und nnlitänschen Säpklronen. (Frankreich beantragt' Ansrechterholtung, England Aufhebung demselben.)-L Die Urteile/gegen die Kriegsbeschuldigten und die Le pziE M'vzeße. 5. Maßnahmen, um dem wirtschast-- lichen Elend m . Rußland...,entgegenwwirken. 6. Eutwaffnung Deutschlands und Maßnahme« zur Durchführnng der Wirkschaftskontrolle. 7. Die Q r i e n .t s r a g e und 8. die albanische Frage. ....... ( .... Ein Appeü des deutschen ReichstznnzLers. Bremen, 2. Augirst. (Wolfs.) In einer von etwa .5000 Personen besuchten Bersamrnlung, die von der Handelskammer in Breme« ..einbernstn worden war, sprach, heute Ueichskanzler, Dx-.,Wi%ih über hie.,.wirf-, ' Ä'üsä" Es handelt sich nicht um Hergänge«e Iklusionen der M«cht, soirderu um die Ifeberzeugung, daß der Kerir der Weltgeschichte ein moralischer ist. Wohin der 'Machtgedanke. führt, zeigt das traurige Beispiel in Ober sch le sie«. Es wäre Sabotage des großen demokratischen Wcltideals, wenn nicht das Recht, sondern Obersten Rates. die Diktatur Korfantys in Oberschlesien zur Geltung käme. Europa kann nicht noch! einmal durch iiteuc Wirren > hindurch geführt werden.. Todesschatten lagern über, dem KontmLnt, der der Bringer des Lichtes und d«r Freiheit für die ganze Wett sei» müßte. _ . . 7,. Die großen und etnhieitliche« Richtlinien der R e i ch' s Politik sind die- Gedanken der Erfüllung d e r V e r p fl ich tu n g e n gegenüber dem Ausland, der 'Arbejt, des Rechtes und'der sozialen Wohlfahrt. 'Das Vertrauen Deutschlands,, daß ein faires Spiel ge- - trieben wird, das Vertrauen in die europäische ' .Solidarität, das gemeinsame Interesse aller VöMr an der Freiheit und Demokratie dürfen nicht enttäuscht metbc«. ' . Nachgiebigkeit Frankreichs in der öberschlefischen Frage. Sine deutsch-polnische Wirtschaftsregierung. Baris. 2. August. (Tel.-Komp.) Wie verlautet, will! die Ttüii.wftfäe Regierung bei der Lösung, der obrrschlesischen Frage etwas nachgiebiger sei«. So hofft man, die zweite S f o rza» Linie dmchzusetzen. Sie würde den Verlust von Brutheu und einigen Werken östlich vo« K a t t o w i tz und KönigSh ü.t t e. ..neben hem Verlust von P l e ß und R y b uf k ^bedeuten. Um D.eulschlcmb die. AnnahN^ dieser Entscheiduüg M erleichtern, soll von französischer Seite folgendes Zu gestand» n r s gemacht werd n: Da. die polnischen Verwaltungszustande schlechte sind, würde Frankreich einen deutschen Antrag nnter- ' stützen, im Industriegebiete fiir mehrere Jahre e inegemeiw» Farne d ent s ch - poln i s ch e .. W r r t»s ch a f t s r r-> g : e r n n g einzurichten, allenfalls mit einem Ententtschiedsmann an der Svitze.- > Die Sowjetregierung will gehen? Uebergabe der Macht an den Hilfsausfchutz. K o p e n h,«r g e n, 1. Auyitst. (Wolff.) „Politike»" veröffentlicht eine Petersburger Meldung, wonach dort Gerüchte verbreitet wurden» daß die Sowjetreg rer ung^ gegenüber den Menschewiki die Eri'iärung abgegeben habe, daß sie der Lage in Rußland nicht gewachsen seien. Sie sei bereit, mit allen Parteien das Schicksal Rußlands zu bestimmen. Sie verlange, daß der eingesetzte Hilfsansschuß, i« dem die Bolschewiken nur schwach vertreten feien, die Macht übernehmen solle. Ka'pe«Wgt?n, 1.. August. „Politik^«" meldet, daß auf einer Konferenz der Sowjetkom.nnssäre. ür Moskau Käme new erklärt habe, die russische Regierung vermöge nicht für die.hungernde« MMöwen -La nötigen Lebensmittel -zu.-schaffen- und könne auch! «W-. die Verpflegung der Armee im' biDherigexi Umfange» sicherstellen. Somit «nüsse man miit gegeiwvvv lu^ tiv'n äre n 'Erih'eL'üü'gen rechnen. 'Diese, Erktä!- rung hat gwßö Aufregung herpv'rgeriifen. -Das' BlaM'' -meldet ferner', daß ei« m c «s che, w i k i s ch v r A u si r u f eM)ieüeu sei, .worin es heißt, eö M jetzt) nicht nur der Augenblick gekommen, «m Brot -zu schaffen,, -und eine Hilfsaktio« einzuleiten, fordern auch he,r' Moment des Handelns sei gekommen. Infolge dieses Aufrufes sei der Belagernngszu»- stand in ga nz Rußland erklärt' worden^ begehen, der sich' an ihnen ebenforächen könnte,, -wie sich die Fehler der Beamten gerächt haben. Während .des Streiks-Haben die Bankbeamten Nicht die- Sym» Apathie der Oeffentlichkeit genösse.«. Im Gegenteil, die Schichte, die für alle Streikenden immer Sympathie ernpsiudet, die Aiweiter, waren gegen die Bankbeamten, weil sie fühlten, daß. nicht die Not hie Beamte« zum« Kampfe zwingt, sondern, wie viele sagte«, -er Hebermuit. Aber jetzt werden durch das schonungslose Bor-! gehen der Bankeir Märtyrer geschasseu. Huaiüerte Bank- Das Palästina - Mandat vor dem Völkerbund. Girre Erklärung BaLfours au Sokolow. L o it d o n» 31. IM. (Telegramm der ^Wiener Morgenzeitung". Dev Vertreter Englands i« Völkerbund, B a l f o « r, teilte de« Vizepräsidenten des Zionistischen Aktionskomitees Rahum So Kolo w mit, daß er die Frage des Palästina-Mandats in der entscheidenden Septembersitznng des B ö l k e r b n n d e s mit seiner ganze« Energie unter st ätze« werde. Höchstwahrschemlich werde die Mandatsfrage während der nächsten Session endgültig geklärt werden, «msomehr. als über das Mandat selbst zwischen England und Frankreich keine Me innngsverschredenh eite» bestünde«. Caruso gestorben. ' Paris, 2. August. Nach einer öz!. Meldung aus Neapel ist Earnso dort ge« storben. __ Ein furchtbarer Pogrom in Witebsk. Warschau» 31. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Hier eingetroffene ' Flüchtlinge aus M i n s l erzählen von einem in W i t e b s k . stuttgefundenen gräßlichen Judenpogrom, in welchem 50 Inden . getötet und nahezu 200 verwundet wurden. Biele jüdische Hänser ' wurden bis auf den Grund verbrannt. - , beamte sind arbeitslos,: die Stagnation -erschwert däA Auffindeu. einer «Kuen Stellung. Diese Hunderte sind-! für die Banken gefährlich!. Je mehr Opfer die Bankchri fordern, desto unkluger handeln sie, weil sw den- , Keim zu einem- .neuen Kriegs legen, der dann, da er - um die Existenz dieser Hnnderse geführt wird, die. Unterstützung aller findet. Die Banken sollte« eL-nhalten, den Bogen .nicht überspanuen. Die Zeit dE - absoluten Herrschaft des Großkapitals ist trotz-seLuesj-> jüngsten Sieges doch schpn vorbei.