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Wiener Morgenzeitung · 1921-08-02 · Heft 904 (2.8.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 904 (2.8.1921)
Date
1921-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ungarn geht schweren Zeiten entgegen, hat der demissionierte Präsident der Nationalversammlung Räkoohky in seiner Äbschiedsrede an die Parlamentsjournalisten gesagt. Der Kampf zwischen den monarchistischen Parteien ist mit .voller Stärke ausgchrochen. Die reinen Legitimisten, die Partei des Exkönigs Karl, hat mit Enthüllungen über die Judenmorde begonnen, die vor zwei Jahren dem Abmarsch der Rumänen gefolgt waren und der Gegenrevolution ihr Gepräge gegeben hatten. Was zu jener Zeit in dem Gebiete zwischen Donau und Theiß geschehen ist, kann noch immer nicht übersehen werden und wird in seiner Gänze wohl noch für lange Geheimnis bleiben: Aber die Enthüllungen des Herrn Beniczky reichen ddch hin, um erkennen zu lassen, daß die von Szegedin aus geleitete Bewegung mit ein Ziel halte, die Einsetzung der Gentry in. die Macht und nur ein Mittel, den Mord. Sie hat kein wirtschaftspolitisch fundiertes Progranim besessen und die Ausrichtung eines christlichnationalen Staates, die von geschüftsgewandten Jesuiten als Smn des Mchlches gegen Budapest ausgegehen würde, war nur. Gauselei. Die Leute unter Horthys und Friedrichs^ Führung wollten gar,, chcht-s anderes möglichst viele reiche Juden erschlügen und ihnen die Taschen leeren: Die Erzählungen Beniczkys, die, den kriminellen Unterbau dieser Gegenrevolution entblößen, sind nicht Aercherungen -semes RechtseNwfinderrs, fondem Rache- Üiiter Medtrch, unter Beniczky ist gengu so gemordet und geraubt worden wie unter Teleki und' Bethlen, der. heute jede Anklage Beniczkys mü der Frage Nach Beniczkys Gegenmaßregeln beantwortet. Das ekelhafte Schauspiel dieser Nationalversammlung, in der sich die Monarchisten der verschiedenen Färbungen gegenseitig, die Kleider vom Leibe reißen, ist durch ^M Mertrag. von Trianon ausgelöst worden, dessen Bestimmungen. jetzt trauriges Lebek erhalten. Alle Misten und Intrigen der ungarischen Raubgesell^ i sich /der Verpflichtung ihrer Unterschrift zu entMheü find nutzlos verpufft. Sin freiheitliches, dejuokxaLisches Ungarn hätte bei seinen Nachbarn sreundliche. Unterstützung gesunden. Ader das. protzige Pochen auf die in allen Gegenden des Krieges verprügelte Armee, die sogar Budapest erst mit Hilfe der Rumänen , nehmen konnte, das Bramarbcksieren mit den Hegedüsfchen Bankrotteurkunststucken, das freche Treiben' der Erwachenden haben Ungarn jede Sympathie 'verscherzt und die Oeffentlichkeit Europas gezwungen, jeden' Schritt der ungarischen Regierungen stärkster Vorsichten beobachten. Die kleine Entente entschloß sich zu einer militärischen Ueberwachung, die einen waffenstarrenden Gürtel rings um Ungarn legte. Jetzt muß Ungarn detr Friedensvertrag aurfführen und die erste Wirkung dieses Zwanges ist das Geschrei der Mörder gegeneinander» ihr Bestreben, die begangenen Verbrechen von sich aus die. Genossen von gestern abzuwälzen. Hinter ihrem Liffm, ihren Anklagen birgt sich die Angst vor dem Volk und alles, was sie sagen und tun, gilt einzig dem Zweck, der Abrechnung zu' entgehen. ■ Es ist Wetterschießerl in das Gewitter, das sich am Horizont sammelt. Die Aufmerksamkeit des Volkes soll von der Trostlosigkeit der Verhältnisse abgelenkt werden und jeder der schreienden Enthüller hält sein Heilmittel bereit. Friedrich ist für einen Wahlkönig. Bethlen für den i Mm Vorstand des erwachenden Diebsgesindels avancierten Ruthenenkönig und Erzherzog Alvrecht, Gratz und Apponyi versuchen beim Völkerbund für den Exkönig Karl zu wirken und Benicky macht durch seine Äktenprovaganda gegen Horthy unh dessen Umgebung die Stimmung klar für den König, der - die,, Rechtsgarantien wiederbringen soll. Ueberallhin werden Verbindungen gesponnen; Friedrich wendet sich an Bulgarien, an Kemal, an den Ludendorff-Agenten Schenk; die Mutter Albrechts, Erzherzogin Jsabella, die sich : auf ihre Guter 200 Millionen Kronen ausgeliehen hat, arbeitet für ihre» Sohn Albrecht in Spanien, während für Karl General Dank! in Tirol, Baron Morfey in Kärnten, Bgron Rhomberg in Vorarlberg. Berchtold — jawohl, Berchtold, der Sieger von Temes^Kubin — und Erzherzog War m Bayern wirken. Eine rasende Gevas englisch französische lieberem- Tagung des Obersten Rates für 8. August festgesetzt. London» 1. August. (Reuter.) Der französische Ministerpräsident B rr and hat heute vormittags den Vorschlag, die Tagung des Obersten Rates für den 8. A u gnst in Paris anzusetzen, nach London zustimmend b ea « t w o v tet Lloyd George, Lord E.n rz o n und andere Regierungspntglieder werden Sonntag abreifen. Es herscht die Empfindung» -atz die Tagung nur von kurzer Dauer sein werde, da die britischen Minister i« London dringende Geschäfte zu erledigen haben. Der italienische M i n ist e r? p r ä s i d ent und der italienische Min ist e r des A e u tz er « werden ebenfalls in Paris sein. L o « d o u» 1. August. (Wolff.). Die Blätter veröffentlichen ausführliche Pariser Telegramme über das zwischen England und Frankreich in der oberschlefischen Frage erzielte Uebereinkommen. Die „Tim es“ fügen, daß die oberschlesische Krise vorüber fei. Wie verständige« bereits Mit den Haichtfchtvierxgkeiten ihrer Aufgaben und die vorgeschlagenen G r e n z l iure n O b e rs ch l e s i e N s wurden in Schwarz, Rot und Blau aus de« Tafeln verzeichnet. England für die Aufhebung der Sanktionen. Berlin, 1. August. Aus London wirb gernekwt: Die Konferenz des O b e r st e n R a t es ist vom 4. d. M. vorläufig auf den 8. d. M. verschoben worden. L l y h d Georgewird der Konferenz beiwohnen, während er am 4. d. M. verhindert gewesen wäre. England wird mit dem Vorschlag hervortreten, daß die Londoner Sanktionen aufgehoben werden mögen, weil deren Aufrech terhaltung als eine große Gefahr für das in London günstig beurteilte Kabinett . Wirth angesehen werde. / . . Die englische Regierung steht im übrigen, ganz abgesehen davon, auf dem Standpunkt, daß die Anfrechthaltung der Sanktionen durchaus unberechtigt war, da Deutschland bisher alle seine Verpflichtungen erfüllt habe und weitere Erfüllungen zugesagt hat " * Paris. 1. August. (Tel.-Kornp.) Für die am nächste^ -Montag'««.Quai "^bttfsen^Ratt-'IMdEinladungen' von Brian d heute offiziell an Lloyd George und Bonomi abgesandi worden. - Paris. 1. August. (Tel.-Komp.) General le Ronb Müde heute in Abwesenheit des Ministerpräsidenten vom Generalsekretär des Auswärtigen Amtes Philipp Bnthelöt empfangen. Die Union der rufstschen Randstaaten. He.lfingfors, i. August. (Funkspruch.) Die Beratungen, der Minister des Aeußern der baltischen Staaten waren am Samstag beendet Hs wurde eine Mitteilung veröffentlicht, in der festgestellt wird, daß die Erhaltung des Friedens in Osteuropa ein ge-' m e i n s a m e s V o r g e h e n d e r R a n d st a a t e n Notwendig mache, und daß die Minister des Aeußern beschloffeu haben, zum Zwecke gegenseitiger Aussprache über Angelegenheiten von gemeinsamem Jntereffe fich von Zeit zu Zeit zu versammeln. Die nächste Zusammenkunft wird in Warschau stattfindeu. Auslieferung der kommunistischen Abgeordneten in Jugoslawien beantragt. Laibach, 1. August. (Korr.-Bur. Laibach.) Wie die Blatter aus Belgrad melden, hat der Jmmunitätsausschüß der Nationalversammlung einstimmig bejchloffen, beim gesetzgebenden Ausschuß die A « S l i es e r u n g aller k o m m ü n i s ch e n Abgeordnete» zu beantragen, da eS erwiesen sei, daß sie an den Vorbereitungen für die Anschläge auf den Prinzregenten und den gewesenen Minister des Innern Draskovic beteiligt gewesen seien. __ Die Fragen des fernen Ostens' . London, i. August. (Wolfs.) Die »Morning Post", meldet, daß die Washingtoner Negierung dm Vorschlag der britischen Regierung, eine Vorkonferenz vor dem Zusammentritt der Konferenz über die Fragen des srruen Ostens einzubelufen, . abgelehnt habe. Der tSrkisch-rnsfische Vertrag. . Paris, l. August. (Wolff.) Nach Meldungen ans Konstantinop'el bat. die türkische Nationalveisammluug den türkisch-rusfischeu Vertrag mit 267 Stimmen gegen 1 Stimme atifiziert. fchästigkeit zeigt sich plötzlich m diesen Kreisen, um die kommende Volkserhebung rechtzeitig abzufangen, i» ein genehmes Bett zu leiten und ihr — wieder die Juden zum Opfer vorzulegen. Führungslvs steht das Volk vor diesem Treiben. Die Opposition, die dieser Gesellschaft den Garaus machen könnte, sitzt in Wien und läßt die „Arbeiter- Zettuug" gegen die jüdische Großbourgeoisie schimpfen, Etne Rede Erispie«s 1« Paris. Berlin, 1. August. Wie die Blätter aus Paris melden, hielt der Vertreter der deutschen Unabhängigen so-ralistischen Partei C r i s p i e n bei der Gedmkfeier für Jan r b § am Samstag in Paris eine Rede vor ungefähr 6000 Zuhörern. Cri.spien konnte mit Ausnahme eines einzigen lleinen Z w i f ch e n f a l l e s voll kommen ruhig und sachlich sprechen- Seine Rede wurde mit großem Beifall ausgmommev. Crispie« sagte unser anderem: ^Auf meiner Reise nach Paris hgbe ich eure verwüsteten Felder, eure z e r störte« St ä.d t e « n d Dörfer gesehen und mehr als je habe ich die Wundm mitgefühlt, die der Krieg Frankreich geschlagen, hat. Ich habe noch einmal verstanden, daß das deutsche Volk euch eine aufrichtig^ Wiedergutmachung schuldet,' die allein als Grundlage für «nr Versöhnung dienen kann. Ich gebe euch diese Bersichernug im Nameu aller deutschen Sozialisten, denen ich die Abneigung der französischen Sozialisten gege» jeden Imperialismus Md Chauvinismus übermitteln werde." Die irische Frage. London, 1. August. (Tel.-Kvnrp.) Der Korrespondent der „United Preß" in Dublin, der vvn seiten der Sinnfeiner gut unterrichtet ist, meldet, daß die irische Frage nunmehr als erledigt angesehen werden , könne. .De Valera und der Ausschuß der irischen NaAvnalversamnrlnng haben die Einladung der briti- ' schen Regierung unter der Bedingung angenommen, daß einige Einzelheiten geändert werden^ ' Berlin, 1'. dlugust. Aus London wird gemeldet: Dein Vernehmen nach wird de Daleia nächsten Donnerstag in London eintreffen. Desgleichenwird der Ulsterführer Craig noch Ende dieser Woch^ m London erwartet. ' Man schließt daraus, daß die Antwort der Sinnfirner auf die Vorschläge Lloyd Georges mr- ' mittelbar bevorsteht. ' . - um -die elende Feigheit der Sozialdemokratie und den Wahnsinn der Kommunisten zu übertönen.. Die Opposition laßt die Mörder gegeneinander enthülle» und . enthüllt fleißig mit, bleibt durchaus passiv und wartet — bis es zu spät sein wird und irgendein «euer.. Horthy dem Gezänk ein Ende macht und das Ver-f derben Ungarns vollendet. Kanaille rechts. FchHnayj links, dir Juden m der Mitte. ';f'' I i". ' 1354

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