Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 903 (1.8.1921)
- Date
- 1921-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lenin schlug vor, es solle eine Ko alitio nsregier«ng gebildet werden, in die all e id ziäliftifch e u Parteien aufgeuomme« werden solle«. Dieser Regierung müsse die Bekämpfung der Hungersnot zufallen, die sie als einzige Aufgabe zn übernehme« hätte. Trotzkif wandte sich gegen diese« Vorschlag, der darauf vo« der Tagesordnung abgesetzt wurde. Inr Zeniralexekutivkomitee hielt Trotzkif hierauf eine Rede, i« der er den Kampf gegenEuropa verkündet e. In erster Linie sei Polen anzugreifen, um dem hungernden russische« Volke Lebensmittel mit Gewalt zu verschaffen. Er hob in seiner Ansprache hervor, die nächste Zukunft werde zeigen, daß die D e r s ö h « « « g s p o l i t i k, wie sie Lenin predige, ein Trugbild sei. Vo« Europa sei keine Hilfe zu erwarte», es werde das rusfische Volk verhungern lassen. Es gebe nur einen Weg: das Brot» das mau dem hungernde» russischen Volke nicht geben wolle/ sich mit Gewaltzuholen. Es verlaute^ daß Lenin sich ins Ausland begebe» wolle. Dies würde eine Erstarkung der Militärpartei unter Trotzkif zur Folge habem .«.■■■■— / Einigung zwischen England «nd Frankreich. Paris. 30. Iuü. (Havas.) Der englische Botschafter Harbin ge hat heute icheuds den Ministerpräsidenten Briänd dringend verständige« lassen, daß die britische Regierung sehr achch d e m V o r s ch l a ge sch öfter iü B erlin beauftrage, sich seine« französischen und italienischen Kollegen anrnschlietze», «m einen gemeinsame« Schritt bei der deutschen Regierung zu unternehme« und mitzuteilen, daß sie sich bereithalte« müsse, ans jede mögliche Weise den Transport alirrerter Truppen, dep die Lage in O'erschtesten in jedem Augenblick erfordern könne, zu erleichtern. Lord Gurzou schlägt den 8. August für den Zusammentritt des Obersten Rates vor» da sich der italienische Ministerpräsident V o n o m i nicht früher nach Frankreich begebe« könue. Der Ton der englische« Antwort ist söhr herzsich. Hardinge drückte seine lebhafte Genugtuung darüber ans, daß sich die Mißverständnisse der letzten Tage klären. Der griechisch-türkische Krieg. Eine Vermittlung des Oberste« Rates? Paris, 1. August (Havas). „Le Journal* halt es nicht h'rr unwahrscheinlich, daß von türkischer oder griechischer Serie an dm Obersten Rat ein Gesuch um Vermittlung werde gerichtet werden. Man behauptet sogar, daß die beiden K,iegiührmden zu gleicher Zeit ein solches Ersuchen stellen könnten, damtt in diesem Falle der Vertrag von Sövres durch den Obersten Rät abgeändert werden könne. Die griechische Flotte. / Konstantinopel, 31. Juli. (Havas.) Die hellenische Ratte bat den Hafen von S i n v p t beschossen. Die türkische Regierung hat beschlossen, dm Hafen von Samsun bis ans weiteres für alle Handelsschiffe zn schließen. . Gunaris will Konstantinopel besetzen. Die westungarische Frage. Budapest, 3i. Juli. (Privat.) Die Blätter veröffentlichen eine Erklärung des Grafen S i g r a y, wonach die zwischen der österreichischen nnd der ungarischm Regierung ««gebahnten Der- Handlungen bezüglich W «st u u g a r u S fortgesetzt werden, nnd «klär«, daß alle Nachricht« über ehte angebliche Evlfchüdnng Übereilte KpmhmMione« feie». „N e m z eti llj s a S* «rgkrl vast Po« '"«Äer sirbergabe Eßemmgarns vor der Uebernahme des Gebietes von F Ln fkircheu nicht -die Red« sein könne. Wie immer die Verhandlungen mit Oesterreich , enden mögen, so müffe daS Gebiet von» B ar an y a zuerst geräumt werden und erst dann könne man von einer Uebergabe Wesinngarns sprechen. „Magy ar- Hirlap" betont, - daß das Gebiet von B a ran y a unter alle» Umständen.Ungarn, gehöre« während W e st u n g a r » erst durch, den Vertrag von T.r i a n o n geraubt werde« soll. Die Regierung dürfe daher kein Junktim zwischen beiden Fr'agm schaffen. da die beiden Angelegenheiten nicht miteinander zusammenhange«. Ungarn beschuldigt nicht das neue Oesterreich, die gehässige westungarische Frage: geschaffen zu haben, hoffe aber, daß sich Oesterreich zu einer klügeren Auffassung bekehren werde. (Von informierter parlamentarischer Seite erfährt die „Korrespo ndenz Herzo g*, daß die Auffassung der ungarischen Presse in der westungarsschen Frage in vollem Widerspruche mit dm offiziellen Kundgebungen der. Botschafterkonfereu; steht. Es ist allgemein bekannt, daß die Entscheidung über Westungaru bereits gefallen ist, daß ein bestimmter Termm für die Uebergabe des Burgenlandes bereits fest' gesetzt ist, und ist eS daher unbegreiflich, welches Interesse in Ungarn dafür besteht, offenkundige Tatsachen als nicht gegebm erachten zu wollm. Auf Grund der wiederholten Erklärungen von Zuständiger östcrre'chischer Seile sieht eS ebenso fest, daß von Verhandlungen zwischen Oesterreich und Ungarn in der westungarischen Frage, namentlich von Verhandlungen, welche irgepdeine Verzögerung der Uebergabe des BuraenlandeZ an Oestelreich mit sich bringen könnten, nicht die Rede sein kann. WaS schließlich die Frage eines Junktims zwischen der Ueber-- gabe von' Westungarn und der Räumung des Gebietes von F ü n f t i r ch e n durch Jugoslawien betriffh so haben lediglich die Londoner „Times" vor einigen Tagen ein solcheZ Junktim hergestellt, indem sie erklärten, daß eme ligale H.iltung Ungarns 'in der westungarischen Frage günstig auf eine glatte Erledigung der Baranyer. Frage zur ückwirkrn könne.) Erzherzogin Isabella in Budapest. Paris, 1. August. (Havas.) Nach cmer den hiesigen Zeitungen zugegangmen Athener Depesche ist König K o nü a n t i n in Eski S ch e h i r emgezogen. Man rechne d'.mit, daß Ministerpräsident G u n a r i s noch im Lause der Woche nach Smyrna znrückkehren werde. . Man will auch wissen,' daß Gvna/riS in etwa vierzehn Tagen 'nach London und Paris abrSis-y werde, um dort die hellenische« Forderungen zu.vertt.cten. Man glaube sogar, daß. er die Frage der B i f.e tz u n g K o « stan t.i n o p e l §. durch die Griechen anschneide» werde. . Herabsetzung des Bankdiskonts in , Frankreich. Past», 31. Juli. lFunkspinch.) Die Baut von Krankeich bat oesteru de» Diskont von ü aus bl/aV0 e >. m aß i g.t. Dt^ Satz iür Lorübüüe wurde mit 6lU*L setzgesetzt. Budapest. 31. Juli. (Privat.) Hier verlautet, daß Erzherzogin Jsabella, die Gemahlin des Erzherzogs Friedrich, zu kurzem Aufenthalt nach Budapest kamum mehrere Palais in Ose« behufs eventuellen Kaufes zu besichtigen. Annullierung der magyarischen Mandate in der Slowakei. Der Prager ..Benkvv" meldet, daß der Minister für die Slowakei die Staatsbürgerschaft der Abgeordneten T o b l e r, N a g y «nd S » r a n y r sowie des Smatvrs S v r a k e für ungültig «klärt habe und daS Oberste BerwaltllNgSgericht sich diesem Standpunkt angeschloffen habe- Die Pläsidien des Abgeordnetenhauses und des Senats weroen in veu nächste'. Tage« den Vorschlag auf 3 treichungder Mandate der genau utea VortLv-mpm« dem Wahlgerichte «ührcirreUev. Gestempette Krone --- —.65 Centimes, Auszahlung Wien —.70 Centimes. In Zürich notierte: die österreichische. Krone . . . . —.70 {—SVU am SO, Juli) die öftere, gestempelte Krone. . —.65 (—.^5 . am 80. Juli) die tschechische Krone . .... 7.80 { 7.65 am SO. Juli>' die Mark 7.55 7.47»/, am 30 Jnlll Agram 3.50 ( S.^0 am 3v Füll) Bukarest .......... 7.65 J. 7.60 «n SO Juli) Budapest ........ 1.60 ( 1.55 am 80. Juli) Warschau ...... . .—.30 (-.30 am 30. Juli) Gegen den Krieg. Berlin, 31. Juli. (Priv.-Tel.) Am Heuligen siebenten Jahrestage des Kriegsausbruches fand eine riesige Maffenkundgebung unter dem Mbttv^ „Nie wieder Krieg!* statt. Sämtliche pazifistischen Organisationen, die beiden sozialdemokratischen Parteien und zahlreiche Bereimzüngeä hatten ihre Anhänger nach dem Lustgarten «nberüsen, wo gegen 11 Uhr vormittags eine unüber?eh bare Menscheumeüge Köpf an Kopf stand. Bon zahlreichen Stellen aus sprachen Redner zur versammelten Menge, an beinahe derselben Stelle, an der am 31. Juli 1914 Wilhelm II. seine kriegerische Ansprache an das Voll gerichtet, hatte. , Die Reden/ die teils einen ssziasistischen, tM eine« bürgerlich-pazifistischen Anstrich hatten, bewegten sich alle in der gleichen Richtung, nämlich, daß eine Wiederkehr des Völkermo'rdenS nm jeden Preis verhindert werheV o t c ii ft es bä s wirk) amste M it t e l dazu u nd d e r Kampf gegen die Reaktion die beste Vorkehrung dagegen wäre. In geschloffenem^ Zuge marschierten dann die Versammlungsteilnehmer wieder ab, 'ohne daß eS zu irgendwelchen Störungen' gekommen wäre. Auch in de» meisten anderen Stadten Deutschlands sandm am heutigen Tage ähnliche Kundgebungen statt. Verschiebung der Abrüstungskonsereuz. Paris, 30. Juli. (Wolff.) Der Berichterstatter der ^Rew Bork Tribüne* in Washington teilt mit, daß der britische Botschafter und sein japanischer Kollege dem Staatssekretär einen Besuch abgestattet haben, um ihn zu ersuchen, die vom Prafidenten. Harding einzuberusende Konferenz zu vertagen. Nach gewissen Andeutungen scheine es. daß die Regierung der Vereinigten Staaten gezwungen fein werde, die Konferenz bis zum nächsten Frühjahr zn verschieben. _ Weltpostkonferenz. Zermatt, 31. Juli. (Schweiz. Dep.-Ag.) Heute trat hier die internationale Kommission zusammen, deren Einsetzung auf dem letzten Weltpostkongreß m Madrid beschlossen morden war. Sie hat die Aufgabe, Vorschläge zur Verbesserung und Vereinfachung des Verkehrs des Weltpostvereines auszuarbeiten. In dieser Kommission sind acht Staaten vertreten. Vorsitzender ist der Direktor des Weltpostbureaus Deeappet. Erinnerung an Ianrös. Parts, 31. Juli. Gestern wurde i« mehreren soziallstisch:» Versammln«oen daS Andenken Jean I a u r ä gefeiert. An der- Feier im Trocaderv nabm auch der deutsche Abgeordmle Crispieu als Vertreter der unabhäugigen sozialistischen Patter Dmtsch-- lands teil. - Die Kämpfe in Marokko. Melilla» 29. Juli. (Havas.) Die F r e m d e u l e g t o n hat sich des Ortes R a d o r bemächtigt und die Garuisou, d« bis dahin noch Widerstand geleistet hatte, befreit. Mehrere Flvgzeuge sind ans Spanien angrkommen. Aufhebung -er Pässe zwischen Frank» reich und Belgien. Paris, 31 Jul'. (fflmksr>ruch.> Zwischen den Berineter« der. belgischen und der s v a n \ 8 1' ' di c n Regierung wurde ein Abkommen über die Aushebung des Paßzwanges zwischen den" ttden Ääuderu getroffen.