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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-31 · Heft 902 (31.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 902 (31.7.1921)
Date
1921-07-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Krone» VmittttMiwiyttifet »Sir»: £«a i» U» ___ . **•■* jk»K 1 Mi VrtKbrUSm «nRWflMMflt ~ “ Msyatitch. Keo»e» 130.-1 Mit siast»e^a»b für Me» *** »Oesterreich: ^»««tktch . ttrome» 130.— Tschtcho-Slowiikei: Ntüfltztlich .. 8ro»ev 18.— Vterteljiihrltiü .. '5rf*— intschecho-flowafischerWährung ’ •‘ Uagai«: M m^tlich . . Krone» 70,- vieriellahrüch ’ilOr“ wt »»gattscher Wahrnng J»göslaw»«n: ^»»natiich .. »Viva« Itt— Pl«eieit»hrlich 10 — Nr S02 Einzelpreis 4L Kronen Prä«»«erchtkm»pretf« Piche»: Msnatti- . ««, 8«V tat tmrtftcf «Shn»g?or«u.iv. RooMtch^W«e» JtMie»; Momttlich .... Sine G»-^ MmrotNch. Set *Vj Schwetz «. hMMBcfge ÄrttoW Monatlich .'. . Sranoi WWWLWS LNipSMAM Psstft«k^ke»r-»«o 15L«U «,»»,» WtWML—.— ■I Wien, Sonntag den 31. Juli 1921 3. Jahrgang Theodor Herzl. . - . -*y. W ieti, Li. Zuli- Splange er den Ehrgeiz besaß, in die Reche der / Autoren .her Wiener Burfltheaters zu treten, war er V tici beft Israeliten sehr beliebt. Sie waren sogar stolz \ auf 'dch interessanten Plauderer der .Neuen Freien!,/ Messet der in seiften nachdenklichen Feuilletons dem - Pötsenpübljkum so eindringlich die soziale Frage vorlfgter daß mancher Leser gerührt wurde. Aber als 1 Hor^l, löte das btt Jargon dieses Publikums aus- Mckte; jüdischer König werden wollte, siel er in Un- >,gsiade. Die Wohlwollenden nannten ihn verrückt, die ' nsideren / einen jüdischen Antisemiten. Und in dem Mäh, ack das jüdische Volk sich dem Dichter zu- \ wcinote,' wuchs die Abneigung bei dieser Schar der;inMrlichs Äbtzesaüenen und Lauen. Sie wurden zu in- ^lMmWn -Hassem der neuen Idee, als Herzl die MMche Büraussetzüng seines Staatsgedankens formu-!We: .Eroberung der Kultüsgemeinden l* Das war MgsaMtze äft allie die Elemente, die sich nur if i Sub^Umt potttisch ausleben Konnten, W - -ih»st^- dtr NationiMrnUS ihrer Umgebung KUTÜrq^ tzMesen hatte, di^ aber in ihrer MUM» vom Judentum als einer abgestorbenen LüHttlnims konfessioneller Seltsamkeiten, verbrämt mit KWenpieW jäh gestört wurden. Da stand einer aus tyrer^MiHMldsagte, daß sie Juden seien, daß sie stützauf iure Geschichte sein sollten^ daß sie den Antisemitismus'nicht durch Abwehrsprüchlein, durch Tempelpredigten öder durch Vereinsnachrichten.in der IudenprHGLeLMpftU^ Könnten, sondem daß sie mittun föfftrn die>Kräfte ihrer jüdischen SoßfeiR;#«^ zu viel.:"' «Mn vHMg« Mer HM. feine Jdee^ seine Schriften den großen Bann des Schweigens. Was nicht in der ^Presse "steht, worüber das .Tagblatt-, der „Pester LDyd^ mw/bie „Frankfurter" nicht schreiben» das ist / Aber l^r sMomstmp hat sich trotzdeck dar jüdische BM erübM. Mf'detn granWen Gefüge des Baseler Wgrchnwtz. Ist/herbstet«''der Organisation ersLasideü, in/ der sich das West- und Ms Oftjudentum zßschmyrnsDchrnauf deren Ruf die Juden i» der Wchqrei «jch Marokko hörtech die nach Argenttnien, nM.Ssitzäsiüka» nach dem Jemen und dem Pazifischen Archipel/voxdrang. Die SeUe des Volkes hatte Herzl ' ttnsgefchlossen und das Volk war ihm dankbar und richtete all sein brennendes Hoffen und Wünschen auf den Mann/, den seine eigene 'Kaste einen lächerlichen Utopisten nannte. Schönheit, Stotz' und Glauben trug sei^ Wort in das russische und polnische Ghetto. Aber die' Reiche» blieben fern. . Sie hatten vetlemt, an etckas zu glaftbtn. Änd ihre Presse, die über die Leiden der Kützowalachen blutige Tränen vergoß» die sicher die Staatsexpetimente tzertzkas, über Jacques LHäqb^ dien Kaiser der Sahara, die Federn aller Essdqrsten, Feuilletomsten, Causeure und sonstiger Pkagegisiper in Bewegung setzte, nahm von Herzl. über detr die.Phantasie des jüdischen Bockes Sagen uyh Lieder dichtete. Leine Kenntnis. . Das jüdische Volk sah in Herzl seinen Helden utzd Führer, den Mann, der das Schicksal der Nation erkannt /und geformt hat. Das Bock jauchzte Ä iu, nml er nicht dulden, weil er Kämpfen wollte, MM er nicht leiden, sondern überwinden, nicht vexzMfeln, sondem siegen wollte. ' Iü ihm sah d«rs Mische Volk ein Bild seines Wollens, „feines Wffens, den Mann, dessen Bsick üM den niedrigen Alltag hinausging nach femen Horizonten. »Zunächst Mß es licht werde« in den Köpfen. Der Gedanke/ Muß' hinaussiiegen ' bis in die letzten jammervollen ÄMr, wo unsere Leute wohnen. Sie werden aus- MGM aus'ihrem dumpfen Briitm. Denn in unser üller Lbben kommt ein neuer Inhalt. Jeder braucht nirr' mr sich selbst "zu denken und der Zug wird schon ein geistiger . . . ' Wir sollen erchlich als freie PKsttz auf unser« eitzewM' Scholle leben und in nhsW eigenen Hemvat ruhig Wtben. Die' Welt ' wird dffH^^'hnsßre^^ Freiheit bestes dt»G unsiere» Reichtum bchWett 'Mch vergiößttt durch'''üttseK'^-Größe/- Die htMn Worte drangen - m das müde gewordene Herz' Ayarhets/ ' Aber Z die aädertn, die nicht' mehr brgeisterungs- Wtz sind, die nicht an sich «och a» ihr Bock »och Englisch-französisch-amerikanisches Bündnis. Nom, 30. Juli. (Funkspruch.) Nach amerikanischen Zeitungsnachrichten habe Frankreich ein formelles Bündnis zwischen England, Frankreich «nd den Bereinigte» Staate« als Vorbedingung für eine eventuelle Abrüstung Verlangt. Washington, 30. IuL (Reuter.) Staatssekretär Hughes «örterte mit dem brMschm und dem japanischen Botschafter sowie mtt dem ttalienischen Geschäftsträger den Zeitpunkt für den Beginn der Abrüstungskonferenz. Großbritannien bevorzugt ein Datum nach dem 11. November. Frankreich wünschte den Beginn der Konferenz Ende dieses Jahres. Japan betonte, daß die Wahl eines baldigen Zeitpunktes seinen Interessen abttäglich wäre. Wieder ein 50 - MMonen- Goldmark-Kredit für Deutschland. Berka, 30. Juli. (Wolff.) Die Sleichsbaak teilt mit, Satz fie durch Vermittlung des Handelshauses MendelVsoh« <& Eo. in Amsterdam einen weiteren Kredit von 50 Millionen Goldmark beschafft hat. Die Gesamtsumme der durch das Hans Mendelssohn & Co. beschafften Kredite erhöht sich somit ans 250 Millionen GoldmarL. Dk MeMchyrsche» KredM. Eie ch 30. Juli. Bo» einer PersSnlichkeit, deren iuuige Vertrautheit mit den einfchlügige« Verhältnisse» über jede« Zweifel steht, erhält das Telegraphen-Korrespondenz- Bureau die Nachricht, daß, entgegen anderslautende« BlLttermeldunge«, der Kongreß der Bereinigte» Staaten in Washington g e g e «- wärtig tagt «nd daß er die Bill» betreffend die Stundung der von Amer i k a g e w ährt e « Kredite, berät. Die Teilung Oberschlefiens. Paris, 30. Iuli..(Havas.) Das ^Petrt Journal* meldet r Die Sachverständigenkommission hat gestem' den btitischen Vorschlag aygehört. Die Kommission ~ verglich sodann die verschiedenen T e i l u n g s p 18 n e, um zur Festsetzung einer ethnographischen Linie zu gelangen, wonach tunlichst nicht mehr polnische Elemente an Deutschland «ote deutsche Elemente an Polen, fallen sollen. Wie», 39. Juli. I» AnSführMg eines vom Kontzreß der In ter« a t i o n a l en Fr a« e « liga für Frieden und Freiheit gefaßten BeschlnffeS wurde an dm großbritanvifchm Botschafter in Paris, Lord H a r d i n g e, in seiner Ggmschast als Selrrtär des Obersten Rates in Paris, folgendes Telegramm abgesendet: ' Die Jnternaüonale Frauenliga für Friedm und Freiheit bittet dm Oberst« Rat dringend, die oberschlesische Frage raschestenS im Jniereffe der Gerechte g l e i t und d e s F r i e d e « s zu lösen. Dieser von dm polnischen und devtschm . Delegationen gemeinsam eivgebrachte Entschließungsantrag ist vom Kongreß einstimmig angmommea worden. Bitte, ihn cm dm Oberstm Rat weiteitzuleite». - i Soldatenexzefie gegen bie Juden in Fi»«la«d. Ttiga, 29. Jnll. (J8d. Korr.-Bnr.) Der Moskauer ^Prawda" zufolge 'sind finnlöndäche Judm in der letzten Zrid '«iedtrholtin lmehrerm Ortm rohm Gewaltlätigkeitm der ^finnische« Soldaten zym Opfer gefallen. ' Dir russtsche Hungerkatastrophe. Moska», 29 Juli. (Ukr. Preffedirnst.) .Jswestia" berichten, daß eine zirka 6 Millionen Menschen zahlende AuSwandererwellr die Gouverments Tambow, Pmsa und Woronesch überflutet hat und weiter nach Moskau zicht. Am 20. Juli erreichte diese Menschmlawme Tambow. Hunderttausende von Hungrigm durchbrachen die militärische Kette und begannen Ges ch 8 f-t e und Magazine z« plündern. Die Pferde der Feuerwehr und -der in Tambow dislozierten Kavallerieabteilungen wurde« eingefangen und von der Mmge verzehrt. Prag, 30. Juli. Wie daS tschecho-flowakrsche Preßbnrean erfahrt, hat sich da» Ministerin« des Amßeru in »ngrlegrnheii der Hilfsaktion gegen die Hungersnot in Rußland bereits an das internationale Rote Kreuz gewendet und eim Aktion bezüglich einer Mtexnationalm Hilfsorganisation eingkleitet., , , Berttn^MW DaS Ätsche/Mft^Henz/hat^:- - zur Linderung dm Not in Rußland de« russtsche» dbtte» Kresiz seine Hilfe angrbotm. In kürzer Zeit soll znnSchst ein S a n it a t S s ch i f f mit ärztlichem «nd Pflegepersonal sowie mit Medirammte» und «züiche« Behelsmaterial «ich Petersburg ab» gesacket werde». / . Das Palastlna-MaAdaL. Mew-Bork, 28. Juli/. (Jüd. Körr.-Bur.) Soebm gllangtr' d« volle Text.drr Antwort deS BötterbundeS a« die amerikanische« Zionisten zur Berlautbarung, welche berm Bolkerbund telegraphisch' die prompte Ratlfizlernng deS P a l 8 st i» a - Mandats «rgiert haben. Die vom Direktor der ManßatSWo» R a p p a r d «uterzeichnete Antwort bestätigt den Empfang der tetzgräphische» Urgensowohl seitens d«.. Eleveland« / jchMsjhx«.; konserenz als. auch einer ähnlichen seitens Brand ns und Ma^s und teilt dm amerikanischen Zionisten mit,. daß diese llrgenzm sogleich unter qllm Mitgliedern des Bötterdvnd^ verteisi Hmcdm und daß die auch dem Völkerbünde erwünschte rasche Ratifiziernng ' der Mandate -er Klaffe und v lrdigM .dnrch ' die uneyt- ' schloffene Haltung der amerikanischm Regierüug, die. seit , erstm Nöte in der Mandatssrage von fich 'nichtS rmhr hör«} 4 laste, -iS .zur Klärung des amerilanischm Standpunktes, auf* geschobm werde« mußte._■ Gesandter De. Riedl über die öfters reichifch-deutschen Bezlehnnge«. Berli«, 80. Juli. (Tel.-Kompc) Der «mernannte pster^' reichische Gesandte in Berlin, Dr. R i e d l. erklärte einem Journalist« gegenüber, daß!er es sich zur Aufgabe gestellt habe, - freiere Formen^ des Verkehrs der Personen- und Güter zwischm Dmtschland und Oesterreich' zu ermöglichen. Er weist auf die Bedeutung Wiens als llmschlagplatz »ach dem ' Ostm' hm and fwl auch die Hoffnung, daß sich: in absehbarer? Zeit eine Mild erun g in der Handhabung des-P aß»' « e s e n s erreich« lasten werde. Mit Anspielung auf die ober-' schlesische Frage meinte' der Gesandte, Oesterreich werde die i« : FriedenSvertrag übernommen« Berpflichtunge» halten. - Der - Mefandte betonte ferner, »daß die R ü ck w i'r k u n g e n der oberfchlesifchen Frage auf das österreichische Existenzproblcm - außerordentlich «achhÄtig seien. Oesterreich - spüre jede Erschütterung r der Produkt« in Oberschlesim außerordentlich' hart. Besonders > Wien ist ans die Einftchr von Kohle angewiefm. an icgettdeinss Idee glanberr, die anderen find bei ihrem Haß und/ihrem Nein geblieben. Zwar hat sich Herzls i ' DyräÄsßcht erfüllt; sei« Weck, für das er stach» wird Wahthüt vund man kann nicht gut daran vorbei. Wer /da es' der Zionismus war, das oolitifch organisierte, seiner selbst , bewußte-Mische Volk, sind die Reichen, die alten' wie die neuen, noch immer nicht entschlossen. - Sie KLmen sich an Unheilsprophezeiunge» nicht aenua . tun: Wir wollens cckwarten. Wir gehen, an die Arbeit,. /gestärkt - vom Vertrauen in die ünbefiegüche Kraft des - Bockws, in seinen Idealismus und seinen Willen. Ww : hatten .uns an Herzls Wort: „Die Jude«, die wollen, iwerden chren Staat haben und sie werden ihn verdienen.^ Ob die anderen kommen oder nicht, ob sie den» K Heimweg zur Mutter Rachel finden wollen oder nichts; kann uns jetzt nicht bekümmern. Wir gehe» weirer.

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