Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 899 (28.7.1921)
- Date
- 1921-07-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sr. 89S Wien. Dommstas', i i i. ■<« im h»mui .i i\N arnrnmUm^tmm . Interparlamentarische Union. ■“''mma*. »?. YM. (Bblff.) ßum 10. ffiottgteg der Interparlamentarischen Union, der vom .16. bis j19. MugUst in Stockholm tagen wird, liegen bisher Anmeldungen vor aus Oesterreich!, Deutschland, Kanada, Dänemark, Finnland, Griechenland, Großbritannien, Japan,, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Schweiz, Spanien, den Vereinigten Staaten und Ungarn. Der Kongreß wird -unter anderen folgende Fragen behandeln: Die Interparlamentarische Union und der Völkerbund, die Interparlamentarische Union und bas Internationale Arbeitsbureau, Einschränkung der Rüstungen, internationale Wirtschaft und das Fmanzproblem, Wiederaufbau der Welt und Völkerbund, Organisation des Untersuchungs- und Einigungsverfahrens innerhalb des Völkerbundes. Die e«glische Politik in Perste«. London, 2§. Juli. (Wolfs.) Im Oberhause gab Lord Curzon eine längere Erklärung über die englische Politik in P e r s i e n ab. Er sagte u. a.: Bezüglich deS englisch-persischen Abkommens scheine die persische Regierung ihr Selbstbestimnmrig?- recht geltend zu machen. Sie habe auf die Aussicht, das Land mit britischer Hille wieder in Ordnung zu bringen, verzichtet, und sei zur alten Politik zurückgekehrt, ein tremdes Land gegen das andere auszuspielen. Persien habe seinen Weg zu wähle«, aber letzten Endes würde nicht England oder ei» anderes Land, sondern Persien der Leidtragende sein. Der Liller Gewerkschaftskongreß. Paris, 27. Juli. Die Beratungen des Gewerkschaftskongresses in Lille nehmen nunmehr einen ruhigen Verlauf. Die gestrige Vormittagssitzung war der Debatte über den Rechenschaftsbericht gewidmet, in der Nachmittagssitzuug wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, die die Verantwortlichkeit für die Zwischenfälle des Vortages seststellen soll. Schließlich wurde untgeteilt, daß der Verrfiürrungsausschuß bisher 2846 Mandate anerkannt hat,, darunter auch die Mandate der bisher, ausgeschlossenen extremistischen Vertreter. Ein Gebet gegen den Parteihaß. Rom, 27. Juli. (Tcl.-Komv.) Anläßlich seines Namenstages wurde der Papst vom Kardinalskollegium ersucht, seine Stimme j?ur Ausgleichung der Partrigegensätze in Italien zu erheben. Der Papst gab in seiner Antwort dem Bedauern über die blutigen Kämpfe in Italien Ausdruck und fügte binzu, unter den jetzigen Umständen und bei der Erregung der Gemüter halte er es. für wirksamer, sich mit seinen Worten nicht an die Menschen, sondern an Gott zu wenden. Der „Offervatore Romano" veröffentlicht ein Gebet, das der Papst angeordnet hat und in dem der P a r t e i h a ß als schrecklichste Plage seit den Schrecken drS Krieges bezeichnet wird. (Wird man in der „Rcichspost" dieses Gcbet leien?) Deutsch-russischer Zwischenfall. Berlin, 87. Juli. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung* meldet aus Bardö: Die elfte Halbflotille und ein Flotillcnboot der sechsten Flotille wurden beim Minensuchen in der Kolabucht am 25. Juli nachts von russischen Küstknsorts beschossen, obwohl bei dem Führerboot ein Boot der russischen KLstmwache längsseits lag. Als das zweite Fort gleichfalls d a S Feuer eröffnet e, mußte es deutscherseits erwidert werden. Auf deutscher Seite sind keine Verluste zu verzeichnen. Durch dieses Vorgehen der Russen wubden die Boote an der Ausführung der Friedensvertragsbestimmungrn verhindert. Der Urheber des Attentats ans den Minister Draskovie. Agram, 27. Juli. (Korr.-Bur. Agram.) Die Untersuchung wegen des MordanschlageS auf den Minister Draskovie hat ergeben, daß dir HauPtUrhrber des Anschlages ein gewisser Rudolf H e r e i g o r j a war. Gegen diesen wurde ein Steckbrief erlassen. Der Ministerrat hat auf seine Ergreifung eine Prämie von 10.000 Dinar auSgeseht. Leibesvisttation von Abgeordnete«. Graz, 26. Juli. Die „Tagespost" meldet auS B elg rad: Der Mintsterrat hat in ferner gestrigen Sitzung beschlossen, bi« ko mmnnistische Partei als ftaatSg efäh'rliche Goheimvrg a n isativn zu erklären, alle kommunistischen Verein« aufzulösen uttd die kommUnistischen Mandate zu annullieren. In diesem Sinne hat gestern der gesetzgebende Ausschuß eine Gesetzesvvrlage ausgearbeitet, die in der Sams tag sitzung der Sknptschina vorgelegt werden wird. Da bei der nächste«, am Samstag stattfindenden Sitzung auch die Komniunifldtt erscheinen werben, Hai bet Mrnisterrat beschlossen, daß alle Abgeordneten einer körperlichen Untersuchung unterzogen werden, damit niemand mit Waffen in de« Sitzungssaal kvmmeitl kann. Der Tisza-Prozetz. ' Buinch-st, 87. AM. (Uttj, In bei heutigen Verhandlung beS Prozesses gegen die Mörder Tifzas wurde der Detektiv Johaun Gs aky dinveviwmmsn. Der Zeuge schilderte die von ihm gepflogenen Recherchen uiid besttltt auf das entschiedenstedaß er ans die Angeklagten in dem Sittuk eingewirkt habe, daß Kiese in ihren Aussagen Stephan Fr i ehr ich, Paul Keri Und Fenyes v»l sie», sollen. Der Gerichtshof beschloß. von der Beeidigung des Zeugen Abstand zu nehmen, da er in seintzn AUSsagM dem Angeklagten offenbar feindlich gesinnt sei. Wiener Morgenzermng RMaBfii3s]3lirü§82 (6. Jahrgang) . Redigiert unter Mitwirkung herwfrratfönder jüdischer Publizisten und Schriftöteller von OTTO AB&LBS und LUDWIG DATO Verlag: „Wiener Morgertzeitüng“ «S ■ ■ B ■ ■ B ■ ■ MMra ■■ LSrmszenen im Prager Adgeordnetenhaus. Pt«g, 27. Jnli. (Tschecho-slow. Preßbur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung, in der Steuervorlagen der Regierung beraten wurden, kam es zu turbulenten Szenen. Der Abgeordnete L e h n e r t (deutschbürgerlich) verwahrte sich dagegen, daß er für eine Aeußer ung in seiner letzten Rede nachträglich zur Ordnung gerufen wurde. Da er der Aufforderung des Präsidenten, zur Sache zu sprechen, trotz mehrfacher Ermahnungen und Ordnungsrufe seitens des Präsidenten n'cht Folge leistete, wurde ihm das W o r t en - zogenund rhm bedeutet, seine Beschwerde schriftlich nnzubringen. Da Lehnert trotzdem weiter sprach, wurde er von der Sitzung ausgeschlossen. Es kam zu l 8 r m e n d e n S z e n e n. Den Ordnern des Hauses gelingt es schließlich, den Abgeordneten Lehnert zum Verlassen des Saales zu bewegen. Die Sitzung mußte aus eine Stunde unterbr.ochen werden. Rach Wiederau nähme der Sitzung genehmigte das Hans geschäftsordnungsmüßlg die Ausschließung des Abgeordneten Lehnert. woraus die Verhandlung in Abwesenheit der Abgeordneten des deutschen parlamentarischen Verbandes, d.r diese den Saal verlassen hatten, zu Ente geführt wird. Der tschechische BanKbeamtenstretK vor dem Ende. .Prag, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Wie d«r >„C-as" meldet, ist der Bankbeamtenstreik durch die Annahme der Pragmatik seitens des Bankenverbandes so gut wie beendet. Heute wird nur mehr über die Modalität des Dienstantrittes und über Personalfragen sowie über den Tag der Arbeitsaufnahme verhandelt. Waldbrände in der Tscheche-Slowakei. ' Prag, 27. Juli. (Tel.-Komp.). Am Samstag war in den Waldungen der K a s ch a ü ein Brand ausgebrochen, dcr erst heute mittags lokalisiert werden konnte. Es besteht noch immer bte Gefasr eines neuen Autflammens des Feuers. Der Schaden konnte noch nicht annähernd festgestellt werden. — Gestern brach m den Waldungen bei Hi rs ch b « z g et« Waldbrand aus, der katastrophalen Umfang annahm und viele Quadratkilometer Wald zerstörte. Es bestand auch große Gefahr für zwe angrenzende Ortschaften. Die Feuerwehren von weit und breit Unterstützten die Ortsbewohner bei der Lokalisierung des Brandes. Der Schaden betrügt ungezählte Millionen. Die Taktik der polnischen Sozialdemokraten. Warschau. 36. Juli. (Tel. d. „Wr. Moraenztg*.) Der Sozialistenkongreß nahm mit 161 gegen 116 Stimmen die Resolution deS Abgeordnelen Perl an, wonach die Sozialisten gegenüber der Regierung eine gemäßigtere Kampstaktik «inzu« schlagen haben. Verträge gegen die Habsburger. Die Belgrader „Tribuns" meldet, daß zwischen der rumänischen und der jugoslawischen Regierung ein Einvernehmen erzielt worden ist, wonach' beide Staaten« irn Falle eine® neuerlichen Versuches K a r l S, nach Ungarn zurückzukehren, sofort den Kriegszustand mit Ungarn erklären werben. Rach einer Erklärung des tschecho-slöwakischen Gesandten in Bukarest wirb auch die tschecho-slowakische Regierung diesem Schritte zustimmen. In diesem Sinne sollen von den genannten Regiermugen Schritte bei der Budapester Regleruug -»macht werden. Et« Weltkongreß gegen die Lnberkvlose. Oesterreich vertreten. Lchchan, 27. Juli. (Furtkspmch.) Die MlttuMkulosekonferettz wurde gestern in London eröffnet. Deutschland hatte keine Vertreter entsendet. Der österreichische Vertreter hielt eine kurze Rede, m der er die Grütze seines Vaterlandes übermittelte. 68. Juli 1921 . Gelte 3 ... . w, „ ... I " iw».'Yl."«.. ' „I— . > Tagesbericht. Splitter «nd Balken. Seit dem Zusammenbruch der ungarischen Kommunisten Herrschaft sind nun schon fast zwei Jahre verstrichen und noch immer lebt die magyarische Presse, von den Greueltüten der, Kun und Szamuely, als ob Ungarn seither ein Paradies der Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit geworden wäre. Und doch braucht man nur die Statistik deS ..roten" Blutdurstes mit der — freilich nach ungedrucktrn — der „christlichen" Blutrache zu vergleichen, um Kun »nd Szamvelp beinahe als barmlo-e Narren rehabilitiert zu finden. Das christlichrratisvale „Uj Nemzedek" veröffentlichte dieser Tage wieder einmal eine Statistik von Märtyrern der Bolschcwikenherrschaft. Sir erstreckt sich nach einer Wiedergabe in der »Reichspost" aus das Gebiet zwischen Donau und Theiß, wo in der Zeit vom 5« Mri bis 30. Juni 1§19 die Henker Szamuels nicht weniger als 94 Leute „hingerichtet" haben. Der statistische- Ausweis zählt Namen, Beschäftigung, Alter und Konfession aller Märtyrer auf. Der fester Lloyd" ergänzt. die Angaben noch dnrch folgende,authentische Daten": In Szolnok hat Szamuelh vom 3. bis zum 8. Mai 32 „Gegenrevolutionäre" den Galgentod erleiden lassen. In Gyönghös haben zwei Bürger ihre vatriotrsche Gesinnung mit dem Galgentod büßen müssen. In Cloina, jenseits der Theiß, hat Szamuely 7 ,Gegenrevolutionäre" dcr Henkershrnd ausgeliefert. All das ergibt zusammen 135 poliüjche Märtyrer. Wem können solche Ziffern, selbst ihre Unvollständigkeit vorausgesetzt, heute, nach zweijähriger „christlicher" Wirtschaft noch imponieren? Welche Stümper waren doch diese „roten" Terroristen! Man merkt es der Statistik ihrer Verbrechen nur zu deutlich an. daß ihnen die orove ..christliche" Tradition der Inquisition und der Herenprozesse abging. Da können die Herren Hejjas und Pronay auf ganz andere Erfolge zurückblicken. Die ungarländische Presse wird sich freilich hüten, ihnen dabei behilflich zu sein — sie weiß schon warum. Doch sollten Leute, die demonstrativ auf dem Boden der „christlichen Weltanschauung* stehen» in höherem Grade davor gefeit erscheinen, statt des Balkens im eigenen Auge immer nur den Splitter im Auge des anderen zu sehen.... Die Notlage der Juden in Karpathorntzland. Landeskonferenz der Ioint-VertrauenSmänner. Unter Vorsitz des Herrn Brrnat H a r t st ei n und.Be» leiligung von etwa 30 Delegierte» der karvatborusstschen Distriktskomitees des American Joint Distribution Committee fand am 19. d. M. eine Landeskonferenz in Munkacs statt, welche sich mit der bishengen Tätigkeit des Joint sowie auch mit-der Einleitung einer eventuellen sanitären und wirtschaftlichen Wiederaufbauaktion zu befassen hatte. Außer den Repräsentanten sämillcher jüdischen Körperschaften Karpathorußlands waren bei den Beratungen auch die vom Joint entsendeten Regionaldirektoren Herren Wechsler aus Wien und Z u ck e r aus Warschau zugegen. Im Laufe der Debatte legten die zahlreichen Redner die Ursachen deS spezifischen Glends und der noch nie dagewesenen E rwerbslosigkeit wter den Juden Karpathorußlands dar. Der Generalredner für das Som,8tswesen Herr Doktor S1 e r n b a ch (Volovec) hob den enormen Sterblichk e i t S g r a d, welcher unter den hiesigen Juden den außerordentlichen Prozentsatz von 4 0««/» erreicht, hervor. Der sanitären Verwahrlosung der hiesigen Bevölkerung sollte durch Einleitung einer vielseitigen 'und großzügigm Krankenfürsorge-Aktion systematisch entgegengearbeittt werden. Nach Anhörung dieses Referats wurden bezüglich der sanitären Fürsorge nachstehende Resolutionen angenommen. Die Landeskonferenz wünscht: . 1. Errichtung eines jüdischen L and e S s pitalS in Munkacs. unter Mitwirkung der bodenständigen Bevölkerung, welche für dielen Zweck ein entsprechendes Objekt nebst beträchtlichem Gründungssonds von LS 300.000 unverzüglich zur Dersügung stellt; . . » 2. Errichtung äcztücher Ambulatorren insbesondere in der von den Stadtzentren entlegenen Gebirgsgegend; 8. Bekämpfung der Epidemien , durch: Beteiluuy der Btvölkerung mü W ä s ch e und Seife. Subventiomerung ritueller Bäder (Mikwah), beziehungsweise Modernrfierung der bestehenden Badeanlagen» Förderung der S ch u lh y g x c n e in den privaten Chedern und Jeschiwas; 4. Gründung von W a r s e n h e i m « n und intensive Förderung der K i n d e r a d o p 11 o «. Der Referent für dar Problem dewirtschaftlichen Wiederaufbaues, Redakteur S z e r e n y, wies auf den permanenten wirtschaftlichen Stillstand und die fortschreitende Verschlimmerung der Erwerbsmoglichkeit infolge der anhaltenden Grenzsperre hin und beantragte die Annahme folgender Resolutionen: Die Konferenz wünscht: ( 1. Gründung eines jüdischen Kreditinstituts unter leilwetser Beteiligung der ansässigen Bevölkerung «nd inländischen Kapitals zwecks Ermöglichung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues des Landes mit besonderer Berücksichtigung der produktiven Kreditteilnehmer; 2. Gründung vonFachschulenundArbeets- Werkstätten zwecks Ermöglichung der Umschichtung der berufslosen Existenzen: , , . m 3. Industrialisierung de§ Landes unter besonderer Bedachtnahme auf die enormen exploitationslähigm Holzbestande und das Vorhandensein eines arbevswilllgen Menschen« Materials. Die Regionaldirektoren Wechsler und Zucker versprachen, die hei der Konferenz vorgebrachteu Wünsche bei den maßgebenden Joint-Fastüren durchzusetzen. Ihr Schaden %*&&&» 41» Räum uitgstrerk&iif »Woche htM«it«QiMaia Anzug», Kostüm» sowie Regenmantel« «&* Raglonstoffen nicht auenotzen. | Ui ICtihjmrsflMfe Ip.'ls, -!■ mwa—ttt^f Wm m 60 141541^