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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-28 · Heft 899 (28.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 899 (28.7.1921)
Date
1921-07-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis K LLLLLW'LLO tafelM* 3, «ta» te «taw Wtt Vsft»«s«M flk Mt» Kttt pepeereichr »r-»«Nich. Kronen 180^. Tscheche-vr-nakeir «ontzttlch.. Kronen 18.— Vierteljährlich „ 54.— üt tschecho-flevaSscheeNStznutA ttttgsm: RlttUKA . « ftMWK W*“ Mertelsichrttch * »Wir-, i« «torischer WWm§. , SaMfMrion «eonntUch .. %&* W— «kerteljUrttch » 80.« 91«. 899 Wiener Wien, Donnerstag den 28. Juli 1921 K fßaSmt UMflUk * in tM«tf4er iöichrAnz «rr^d MonMtch^x^eiMGi Schweiz «. da» wrige WttaM Monatlich . .■*. Franc- 5^-' RedattioniuAdnti« Wten,».Bq,^ LUepbone: 44088.43S1S' a» «Ähr ave«d»vrr.1880» Postrparkaffentonto Ü0.S9- 3. Jahrgang Ungarische Dersprechnngen. —1. W i e n, S8. Juli- Im ftanzösischen Ministerium des Aeüßeren ist vorgestern die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden über den Frievensverttag von Trianon erfolgt. Der ungarische Gesandte erklärte hiebei, Ungarn sei bereit, seine Verpflichtungen loyal durchzuführen; die Nachbarstaaten Ungarns mögen int gleichen Geiste des Friedens den Vertrag einhalten und die Rechte der von Ungarn abgetrennten Minoritäten wahren. Diese Erklärung fließt aus der Situation. Für Ungarn wird es jetzt ernst. Der Vertrag von Trianon ist der ungarischen Oeffentlichkeit noch gar nicht zum Bewußtsein gekommen. Mit Ausnahme der Gebietsabtretungen hat sich keine Wirkung des Vertrages gezeigt und Ungarn beginnt erst jetzt mit den bitteren Erfahrungen der Reparationen, mit der Einflußnahme der finanziellen Generalgewaltigen des Auslandes und mit dem Hin und Her der diplomatischen Noten. Dazu muß es jetzt Westungarn an Oesterreich abgeben und damit das Recht der deutschen Minorität erfüllen. Der Lartch 'der wegen dieses Zwanges in Ungarn mlsgebrochen ist, wurde rasch gegen Oesterreich dirigiert. Die üngoÄschen Machthaber wüßten und wiflen genau, daß Oesterreich nicht als Fordernder aufgetreten ist und daß es die Vornahme der Bölksadsttmmung verlangt hat. Aber da Oesterreich noch schwächer ist als Ungarn, haben die Horthy-Polittker zur Vertuschung ihrer^ eigenen Sünden gegen Oesterreich gehetzt und der Finanzminister Hegedüs hat sich zu Aeußerungen be- WM gefüW me er schließlich' ableugnen Mußt«- Ist Hon diese maßlose Hetze gegen Oesterreich ein Beweis für den guten Willen Ungarns, so zeigen sich noch andere Symptome dafür, wie Ungarn seine Unterschrift einlösen will. Im »Oesteneichischen Volkswirt^ wird das Budget des Herrn Hegedüs auf seinen Inhalt geprüft und hiebei eine Feststellung gemacht, die zur Beurteilung der ungarischen Politik außerordentlich notwendig ist. Der Vertrag von Trianyn jetzt: die ungarische Armee auf 35.000 Wann herunter, bebiitgt also den Abbau dieser die Finanzkraft des Landes auszehrenden Institution. Tatsächlich sind im letzten Budget die Kosten für die Armee mit 3600 Millionen eingestellt, also um 967» Millionen geringer als im Vorjahr. Diese Einschränkung ist aber nur scheinbar, denn die Ausgaben, die dem Konto „Landesverteidigung" entzogen werden, erscheinen auf dem Konto .Gendarmerie und Finanzwache" wieder. Die Kosten der Gendarmerie sind mit 582 Millionen Kronen gegen l'>06 Millionen Kronen ipi Vorjahre, die der Polizei mit. 471 gegen 325 Millionen Kronen veranschlagt, wozu noch eine neue Ausgabenpost von 72 Millionen Kronen für die Organisierung einer Schutzpolizei kommt. Das Finanzministerium' verrechnet die Kosten der Fmanzwache mit 58 Millionen Kronen gegen 26 Millionen Kronen, die Kosten der Zolleinhebung, also offenbar der Grenzwache, mit 205 gegen 10 Millionen Kronen. In diesen Zusammenhang gehört aber wohl auch eine sonderbare Post mtter „Kultus und Unterricht", nämlich 78 Millionen Kronen zur Pflege von Sport und Athletik, mit dem sich das vorjährige Budget mit 130.000 Kronen begnügt hat. Was wohl hinter dieser Post sich verbergen mgg? Dazu kommen noch' bei den außerordentlichen Ausgaben „Vorübergehende Ausgaben" für Gendarmerie, Polizei usw., nicht weniger als 200 Millionen Kronen, für Finanz- und Zollwache 80 Millionen Kronen, so daß allein die sichtbaren Gesamtkosten des Militär- und Sicherheilsapparats rund fünf Milliarden Kronen verschlingen, also fast 50*/° aller ordentlichen Staatsausgaben. Es ist eine selbstverständliche Erscheinung, daß diese Loyalität der ungarischen Machthaber vom Ausland nach Gebühr gewertet wird. .Man weiß, welche Bewandtnis es mit den vielen statistischen > Aemtern, mit der Grenzwache, mit den Verbindungsoffizieren auf der Eisenbahn hat. Angarn will seine Armee nicht abbauen, well sie als Organ seiner Revanchepolitik in Bereitschaft bleiben soll und weil sie in den Hoffnungen auf Restauration und Machtstellung einen breiten Raum einmmmt. Die Befürchtungen aus diesem nur allzu berechtigten Mißtrauen haben die Entente veranlaßt, die Räumung Westungarns in Verbindung mit der Rückgabe Fünfkircdens m hvvaeu. wobei es fick von selbst versteht.. Cschecbiscbpolnische üerbandlungen. Politisches und wirtschaftliches Ueffereinkommen. — Die künstliche Entwertung der polnischen Mark. Prag, 27. Juli. Minister Dr. Hotowetz erstattete heute Pressevertretern gegenüber einen ausführlichen Bericht Aber feine Verhandlungen in Pole«, wobei er ansführte, es fei gelungen, den Boden für den Abschluß eines f r e « n d f ch a f t'l i chen Aebereinkommens zwischen den beiden Staaten vorzuberetteu, das sich sowohl auf p o l itifche als auch auf Handels- und V e r k e h r s b e z r e h u n g e n erstrecken soll. Zwei Kommissionen werden ungefähr Mitte Septemb e r zusammentreten, und zwar die Haudelskommisfiou in Warschau und die Finanzkommission in Prag. Der Minister glaubt, daß die Verhandlungen bezüglich des Handelsvertrages glatt vonstatten gehen werden. Der Minister sprach sich sodann vertrauensvoll über die Z n k u «f t Polens aus. Sobald sich die Landwirtschaft wieder entwickeln werde, werde Polen sich auch in finanzieller Hinsicht konsolidieren. Der Minister wies darauf hin, daß die polnische Mark Künstlich entwertet werde, und daß deren innere Kaufkraft bedeutend größer sei. Es sei nicht bloß wahrscheinlich, sondern fast sicher, daß die polnische Mark auch weiterhin steigen werde. Die Durchfuhr durch Polen bedeutet für die Tschecho-Slowakei einen große« Vorzug. Polen werde der Vermittler des tfchecho-stowakischen Handels mit Rußland sein und darin liege die Wichtigkeit des Handelsvertrages. Hoover für Rußland. London, 27. Juli. Herbert H o ove r hat im Namen bei amerikanischen Hilfskomitees für eme Million Kinder anb Kränke ay? dem russischenHiritgergehiete Kleider und Lebensmittel pr nachstehenden Dedirrgürrgm «»gebotenDie' noch als Gefängerie in Rußland festgehaltene«A merikan er möffen augenblicklich befteit und überdies geeignete Vorkehrungen für eine gute Organisation getroffen werden. Die administrativen Vsrkehrnngen bestehen darin, daß die Moskauer Sowjetregierung den Vertretern ber American Relief Administration direkte Erklärungen abgibt: n) D a ß u n f r r e H i l f e n o t i g i st; - b) d a ß d i e amerikanischen Vertreter der R e 1 i f. .Administration volle Fr e ih eit haben s olle«, überall in Rußland zu reife»; ' e) daß diese Vertreter die Erlaubnis hüben sollen, ohne Giumischung der Regierung O r t s a ü s s ch ü s s e u n d l okale Hilf-vereine zu orgMfieren, die ihnen notig Erscheinen; ck) daß sie zu steiem Transport, zur Einlagerung in Warenhäusern und zum Verkehr mit importierten Gütern vor jedem anderen Handelsbetrieb berechtigt sein sollten; ferner, daß die'Behörden die zur Verwaltung notigen Gebäude mit Einrichtung und kostenloser Beheizung zur Verfügung zu stellen batten; e) daß außer der vom Ausland eingeföhrten Nahmng, Kleidung und außer den Medikamenten die Kinder noch die ll^tsübliche Ration an Lebensrnitteln erhalten müssen, dir jedem anderen Russen zukommt; f) daß die Relief Administration die Versicherung vollster Freiheit von seiten der Regierung für alle ihre Mitglieder erhält. Belagerungszustand fit Moskau. Große Unruhen. BeÄl», 27. Juli. D'ic Delegraphenunion meldet aus Reval, das; rnsvlge großes Uirruh'en der Belagerungszustand rtber Moskau proklamiert worden ist. Eine tschechische KouMisfion in Rußland verhaftet. Prag, 2?. Juli. (Tel-Komp.^. Wie der ,28. Rijen* meldet, wurde die tschecho-slowakischeRep atriieruugskommission die nach Kiew eulsendet wurde, von der Sowsttregierung in Haft genommen. , M^^WWWWWWWMM^WWWWWM»W»W^»M^»W«WW««>U» daß vor der Angliederung Fünfkirchens Ungarn gewichtige und von der Entente kontrollierte Garantien dafür ■ wird geben müssen, daß es keine Repressalienpolitik betreiben wird. Solange diese Bürgschaften nicht bestehen, darf die Bevölkerung dieses Gebietes nicht an Horthy übergeben werden. Das in den letzten Zügen liegende-System der Bajonette sucht ununterbrochen Anschluß an die reaktionären Kräfte Mitteleuropas und ist bestrebt, überall sich als Bundesgenosse anzubieten, wo gegen den Frieden gearbeitet wird. Es bestehen Verbindungen mit dem foaenanuten Turamsmus, mit den national!- Hunger und Pellagra itt Amerika. Loudo u, 27. IM: (Reuter.) Much Meldungen aus Washington stehe« wette Gebiete der Banmwollbezirke so gut wie vor einer Hunger s n o t; gleichzeitig herrsche eine PeÜagra-Epidemie, eine Art L e p r a. Präsident H a r d i« g habe die Gesuudheits- ' behörden sowie das Rote 5lreuz ersucht, sofort eine Anterfuchung anzustetten, uw Mittel zur Linderung der Rot ausfindig zu machen. Keine Räumung Fünfkirchens. Eine Erklärung Jugoslawiens. B e l g r a d, 27. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die halbamtliche „E p o e a" veröffentlicht folgende Erklärung: ^Der S. tz. S.-Staat zieht seine Truppen von den Nordgrenze« nicht zurück Er würde dadurch wichtige strategische Punkte anfgeben. Aeberdies erfüllt die Armee im nördliche« Teil des Landes eine außerordentlich wichtige humane A u f g a b e, indem sie die dort lebende Bevölkerung von einer halben Million Menschen vor dem weiß e n Terror bewahrt. Rach Abzug der Armee wäre die Bevölkerung der blutigen Rache der,Horthy- Truppen ansgeliefert. Durch die Rüumung würde der jugoslawische Staat alle Garantien für die Einhaltung des Friedens- Vertrages und den Anteil an der Kohlenpro.duktion Fünfkirchens ans der Hand gehen. Solange diese wirtschaftlichen und politischen Beweggründe bestehen, kann von einer Grenzkorrektur dort t e i n e Rede sein." ___ Der Mikado erkrankt. Bukarest. 27. Juli. (Funkspruch.^ Der beabsichtigte Besuch dts j a p a.n i's ch e n K r o n p r i nzen m'Rumcinien entfiel, weil eine Krankheit des Mikad os die umgehende . Heimreise des Kronprinzen notwendig machte. stischen Türken — wobei weder Horthy noch Lenin die nahe Nachbarschaft stört — mit den in Wien im Exil lebenden Westükrainern, mit den Wrangel-Leuten, den deutschen Adels-Agrariern, mit dem polnischen Hochadel und mit den Wiener und Agramer Christlichsozialen. Es sollen alle, die auf neuen Krieg, neuen Raub und neue Geltung hoffen, in ein System gefaßt und dem einzigen Zweck der Rache untergeordnet werden. Und Lies noch rasch, ehe die keimende demükratische Entwicklung 'Ungarns dem Horihy-Regime , den Garaus macht. Die Anrainer Ungarns ' haben Grund M Vorsicht.

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