Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 897 (26.7.1921)
- Date
- 1921-07-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Tisza-Prozetz. Budapest, 25. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Im Prozeß gegen die Mörder des Grafen Tisza wurde heute das Verhör mit dem Oberstlrutnautauditor Ladislaus Sztupka fortgesetzt. Zwischen dem Zeuge« und dem Verteidiger kam eS zu mehreren Auseinandersetzungen. Der Zevge blieb auch heute dabei, daß in den Gang der militSrgerichtlichen Untersuchung keine unberufene» Faktoren emgegriffen hätten. Auf die Frage des Verteidigers Polonhi, ob während der Untersuchung oder bei der Hauptverhandlung unerl aubte Mittel zur Anwendung gekommen wären, erklärte dieder Zeuge als unerhörte Insinuation. Als später der Verteidiger von gewissen Begünstigungen einzelner Angeklagter sprach, nannte der Zeuge dies eine gewöhnliche Verleumdung. Verlobung des Prinz-Regenten Alexander. Agram, 25. Juli. (Korr.-Bur. Laibach.) Einige Blätter bringen heute die Meldung, daß Thronfolger-Regent Alexander sich in Paris mit Sophie Herzogin von VendSme, der zweiten Tochter des Prinzen Philipp Emanuel von VendSme-Alengon und dessen Gemahlin Priinesfm Henriette von Belgien, verlobt habe. Diese Meldung wurde nachmittags amtlich bestätigt. Das Sejmmandat des Rabbiners Halpern. Warschau, 24. Juli. (Privat.) Wie die „Hazefira" mitteilt, hat Rabbiner Feiner, dem der Agüda-Rat in Lodz die Uebernahme des Abgeordnetenmandats nnd); dem verstorbenen Rabbiner Halpern angetragen hatte, das Mandat nicht angenommen. Shackletons neue Expedition. PaiviS, 25. Juli. (Funkspruch.) Shackletan wird am 20. August seine,dritte Südpolarexpedition antreten. Die Expedition, die and); Flugzeuge mitführen wird, ist mit Vorräten für eine Dauer von zwei Jahren ausgerüstet. Eisenbahnräuber in Frankreich. Paris, 25. Juli. (Havas.) In der letzten Nacht haben drei maskierte Banditen zwischen den Stationen Geanne und Chagny die Reisenden eines Wagens zweiter Klasse des Zuges Paris—Marseille ans geplündert. Ein Schüler des Polytechnikums wurde bei dem Versuch, sich zu verteidigen, getötet. Um den Zug zu verlassen, zogen die Räuber die Notbremse und verschwanden sodann. Unglück in der Solothurner Badeanstalt. Solothur«, 25. Juli. Infolge Einsturzes eines StrgeS in üer Fraueu-Badeanstalt stürzten vierzig Mädchen in das Wasser. Acht von ihnen sind e r t r n n k e tt. Die Cholera in Rußland. MoLkau, 25.. Juli. (Funkspruch.) Infolge der sich immer bedrohlicher ausbreite.nden Cholera ist! die Emir nd Durchreise in die Ukraine, nach dem Nordkaukasus, Turkestan und Sibirien nur dienstlich unter persönlicher Verantwortung des Vorsitzenden des betreffenden Gouvernementsvollzugsausschüss^s gestattet. Untergang eines Hilfsschiffes für die ukrainischen Heimlosen in Betzarabien. Kischi-new, 23. Juli. (IO.. Korr.-Bür.) Dt. Kahan- Bernstein erhielt aus Galatz die telegraphische Mitteilung, baß die mit 97.000 Kilogramm Kleider für die ukrainischen Pogrvmopfer in Beßarabien beladene „Mapacu" in der Nähe von Bur gas aus eine Mine gestoßen und unter gegangen ist. Me „Mapacu" führte eine Ladung im Werte von 125.000'Dollar als Geschenk der amerikanischen Juden für die in Beßarabien befindlichen ukrainischen Heimlosen. Die Ladung war wohl assekuriert, die Hilfe für die halbnackten Flüchtlinge wurde gleichwohl dadurch auf längere Zeit hinausgeschoben. Poincarö über die Zrrdenfrage. London» 25. Juli. Wie „Jewish Times* mittriten, halte ein führender französischer Zionist eine Besprechung mit dem ehemaligen französischen Präsidenten P o i n c a r 6, der ihm Mitteilungen über die Stellung . Frankreichs zur Judenfrage machte. Danach würde Frankreich in Ost io r danien die Juden dem Emir Abdullah vorziehen. Er würde allen den Juden gemachten Versprechungen treu bleiben. Er hätte sich auch für eine jüdische Immigration nach Frankreich erklärt, weil die Juden rasch zu guten und patriotischen Bürgern würden. In Frankreich gebe es teilie Gefahr antisemitischer Exzesse und falls solche gegen Juden vottämen. würden die Ruhestörer strengstens bestraft werden. Prinz RerrL von Parma in Wiener- Reustadt. Aus Wiener-Neustadt wird uns berichtet: Am letzten Mittwoch weilte hier Prinz R e n 6 von Parma, ein Schwager des Exkaisers Karl. Der Prinz fuhr in Gesellschaft einer Dame mit einem Auto bei einem hiesigen Mechaniker, der ihn noch aus der Friedenszeit kennt, vor und ließ eine kleine Reparatur an dem Auto vornehmen. — Man ftagt sich, wieso ein Aufenthalt des landesverwiesenen Prinzen in Oesterreich Die Bäder von Damasküs. Bon Engen H o e f l i ch. I« dch Bader» von Damaskus, an deren Pforte'Askari des VizekönigS standen, bis an dir Zahne bewaffnet, saßen die vornehmen Araber »nd Juden als Gefangene, wie es die Fremden befohlen hatten, denen es beffer schien, Gesseln in den Badern z« halten, als Aufruhr in den Städten. Die Edelsten beider Völker saßen in den getäfelten Nischen der . Brunnen and'auf dm Stufe« der Bassins vnd nicht brachte die Unsicherheit ihres Daseins Unruhe in die Würde ihrer Gewohnheiten und in die Feierlichkeit ihrer Bewegungen. Aus allem unbewußten Stolz ihrer Geburt schwiegen sie über die, deren Befehl sie hier hatte versammelt, und aus aller Erhabenheit traten sie demütig zum Gebete des Abends' Araber und Juden, Kausteute, Tepvichhändler, Dichter und Silberschmiede, zum Gebete des Abmds als Fürsten des Ostens. DaS Mißtrauen zueinander, das schlau versenkt worden war in die Herzcn dieser beiden Völker, ließ sie sich sondern voneinander, doch als zwei Freunde emtrafen, ein Schech aus Jerusalem und ein jüdischer Kaufmann aus dieser Stadt, hoben sie, wenn sie des Morgens einander begegneten, die Hand z«m Gruß an die Stirne. Wenn sie abends hinaufstiegen in der Kühle des Sonnenunterganges und von den Dächern binabblickten auf die rotübergossene Stadt, auf die grünen Gärten im Gelb der Wüste, bis hinaus in die Salihije, schwoll in ihren Herzen ein Gefühl an, das aus der ganzen großen Liebe ihres Sehnens kam und aus manches Auge sprang rin Funke des Verständiffes hinüber zur anderen Gruppe,, die, um ihren Aeltesten versammelt, mit gleicher Liebe dieses Land umfaßte. Bis in einer mondhellen Nacht, als die Gefangenen auf- und abgingen in den Wandelgängen der Bäder, vor denen die Springbrunnen eintönig spielten, ein Jude aus seiner Gruppe trat und dem Aeltestm der Araber den Gruß der Juden überbrachte und ihr „Salaam*. .Friede sei mit euch!" sagte er und seine Stimme war wie voll brüderlicher Liebe. Ohne zu zaudern, griffen die Araber an ihre Stirnen und ihr „Friede sei mit euch!" klang wie ein brüderlicher Gruß. „Siehe", hob der Jude au, als sie dann vereint auf dem Dach standen und auf die silberne Stadt blickten, „siehe, hier liegt unsere gemeinsame Liebe, für die wir leiden, weil wir sie so lieben. Darf Trmnendes zwischen uns stehen, die wir Brüder find eines Blutes und beinahe einer Sprache? Jedes Sandkorn dieser Wüste, jeder Mertsch dieser Stadt, jede Frucht dieser Gatten lieben wir aus der gleichen Stärke »nserer Liebe, darf uns trennen ,die wohlüberlegte Luge der Fremden, die unser Liebstes besitzen wollen?" Und er schwieg und die Araber beugten sich und sprachen: Es sei Friede mit vnS und Friede zwischm uns! vnd „Salaam" kam dem „Schals«» der Juden als Antwort. Brüderlich vereint gingen sie durch die Wandelgänge der Bäder, bis in die kalte» Stunden des Morgens, da die Wache» riefe», eS breche der Tag an. Gemeinsam schritten fie zum Gebet drS Morgens, nach Osten gewendet, Lob z« finge» de«, der die Liebe gab «ud die Erkenntnis der Brüderlichkeit. Dies geschah wahrend des Krieges. Der eS mir in einfach« »»gekünstelten Worten erzählte, war einer der gefangenen Jude», mein Freund Affaf Lewin, ein Dichter aus Jerusalem. Die Männer, die hinausgingen aus den Bäder», gingen hinaus mit Liebe im Herzen, als Künder der Lrebe, «nd ans ihre« Worten wird die Blüte der Eintracht wachse« am östlichen Stamme. Gelobt seien die Stunden in den Bädern von Es schäm, sie waren die Grburtsstunden einer neuen Zeit. Die Bekämpfung der Kindertuberkulose. Der Ms dem Gebiet der 'Sanierung der Volksgesundheit so segensreich tätige Brittsh Vienna Ernergency Relief Fund hat sich! gemeinsam mit den großen Krankenkassen und Krankenkassenverbänden in Wien t» den Dienst der Bekämpfung der Kinder tuberkulöse gestellt, die infolge der Nachkriegsverhältnisse in erschreckender Weise zNnünmt. In Letzter Zeit zeigte sich!, baß trotz der ErkrankungszNnahme ein großer Teil von Betten in den Heilanstalten leersteht, weil die prekäre Situation der zur Kostentragung berufenen öffentlichen Fonds eine volle Ausnützung der leerstehenden Betten in den Heilanstalten nicht Maßt. Eine n«ugegründete Aktion, die Auslands- und Jnlandshilfe zusammenfaßt, hat den Zweck, diesem fühlbaren Mangel abzühelfen und tuberkulöse Kinder in .Heilstätten und tuberkulös gefährdete Kinder in Erholungsheimen unterzNbringen. Die Überweisung in diese Heil- und Heimstätten erfolgt jeden Dienstag und Donnerstag von 2 bis 5 Uhr nachmittags ausschließlich in der Fürsorgestelle dieses Hilfs Werkes, die in der „Reichsanstalt für Mutterimd Sauglingsffttsorge in Wien" untergebracht ist. Diese Aktion erstreckt sich nicht nur auf die Kinder von bei Krankenkassen Versicherten, sonder« auch auf die Kinder des Mittelstandes. Ausgehobenes Waffenlager. Auf der Landstraße, im Hause Bauwgaffe Nr. 37, wurden gestern ein großes Waffenlager ausgchoben. In diesem Hanse befinden sich ausgedehnte Magazine, ferner die Lokalitäten dreier sozialdemokratischer Vereine. Die Polizeiorgane beschlagnahmten Waffen und Munition und führten sie in d r e i Lastautos fort. Wem dieses Waffenlager gehörte, ist bis zur Stunde nicht bekannt. Wegen Wohanngslofigkeit de» BnfiWW». Aus Wiener-Neustadt wird «öS bmchchk. Va die wiederholten Ansuche» deS BanrateS Fuchs »o» tat hiesigen Telephonzrntrale, welcher feit Mai v. I. Kim Dohmntz erlangen kann, so daß seine Familie in Brünn zu wohn« gezwungen ist, um Zuweisung einer Wohnung bei« städtische» Wohnungsamt fruchtlos waren, hat die Technische Union.. der Stadtgemeinde unter Festsetzung einetz Termins ShT eine Wohnungszuweisung an den Baurat die Sperr« der städtischen Telephons angedroh.t. Nach Aöllms dieses Termins wurden tatsächlich alle städtische» Aernter vom Telephonverkehr ausgeschaltet und die Absperrung aller Telephonabonnenteu i« Wiener-Nerfftadt und Umgebung angedroht. Der Bewohner der Stadt bemächtigte sich große Erregung. Die Stadtgemeinde nahm gegm die Telephonangestellten Stellung «nd kündigte ihnen jür den Fall der Richtanfhedung der Telephonsperre die Entziehungderrahv «irrten Lebensmittel «nd Absperrung von GaS, Elektrizität «nd Wasser au. Ueber Intervention des Bürgermeisters Abgeordneten O f e n b ö ck bei der Trlegraphendnektivn wurde die Sperr« wieder aufgehoben. _ Gang zum Grabe Herzls. Die BtziMMonm », IV/T, K, XH/XV, XXI,XVII. XIX, XXI werden um sofortige Bekanntgabe ihrer Ordner für den Grabgang ersucht. Die Ordner mögen sich Do «nerSt a g um 5 Uhr nachmittags im Bureau des Landeskomitees,, ll., Zirkusgrffe SS, zu einer wichtigen Besprechung einfinden. Zionistische Korporationen, Vereine. Bereinigungen, Verbände, Institutionen, Unternehmungen und dergleichen «ehr, dn geschloffen am Herzl-Grabgang teilzunehmen wünsche», wolle« dies sofort zwecks Zuweisung deS Aufstellungsortes dem Zionistischen LandeSkomitee, H, Zirkusgaffe 83, anzeigeu- Der Schekel, Wie daS Londoner zionistische Bureau mitteüt, hat d« Appell, in diesem Jahre eine Million Schekel aufzubringe«, einen großen Erfolg gezeitigt. In kurzer Zeit seien mehr als 800.000 Schekel verkauft worden und man erwartet, daß bis zum Kongreß mehr als eine Million Schekel verkauft werden. Hoffentlich wird die Schekel-Propaganda in Oester, reich ein ebenso gutes Resultat zeitigen, so daß Oesterreich auf dem Kongreß gebührend vertreten ist. Die Einbrecher von -er Leopoldstadt und Brigittenau. .Girre höchst gefährlich«' EürwecherbÄn-« ist dieser Tage von Kriminalbeamten dingfest gemacht worden. Einbrüche im 8. und 20. Bezirk wäre» und find' ja nichts Weltenes.... Aber -ei «im« ganzen Reihe von Einbrüche« zeigte sich da- Gemeinsam«, daß die Täter durch die Oberlrchte in die Geschäft« gedrungen waren. Es gelang den Krim'mälbeamten, den Rädelsführer in der Person des 23jährigen Mischers Josef E h'r v m yy dingfest zu machen. Er war schon!am 17. b. M. in Gesellschaft seines Genossen, des 20jährigen Hilfsarbeiters Anton I Wäscher? v, bei einem Einbruch auf frischer Tat ertappt wvrdsn. Es wurde ststgestellt, daß Ehromh einer Bände Vorstand, der außer Jwäschezko noch der LSjähtige Magazinsarbeiter Johann »nt, seine Gattin, die SOjäh'rige Gisela SStern, geborene Mohr, der ÄOjäh'rige Kutscher Karl R vv ae«k und der iS 1jährige Dreher Robert Kunz und et« siebenter, bisher nicht, ermittelter Vervsse anigehvrt haben. Di« Band« hak zahlreiche Einbrüche verübt. Ghromh, das Ehepaar Brom und Rovaeek habe« folgende Einbrüche verübt; Beim Konditor Adolf Kohlmann, ll., Rordbahw» straße 38 (Schaden K 20.000 bis 30.000), in der Putzer« Katharina Winkler. H„Obermüllnerstraße 17 (SchadenX 50.000) beim Kaufmann Adolf Robitschek, Ifc, Darwingaffe 18 (Schaden K 10.000). Mit Jwäschezko und einem noch fluchtigen Genoffeu verübte, Chromh folgende Einbrüche: Im DelikateffeNgeschäft Frimrt Weiß, ll., Große Sperlgaffe 34 (Schaden X 25.000), beim Trödler Jakob Z y g a n, ll., Am Tabor 28 (Schaden X 10.000), im Gemischtwarmgeschäft Markus B a r b e r, XX., Rauscherstraße 7 (Schaden X 20.000). Mit Kunz und dem noch flüchtigen Spießgesellen Hai Chromy den Einbruch im Kaufmannsgeschäft Alois Q u i t t n e r, II., Hollandstraße Nr. 2 (Schade X 10.000) verübt. Mit ihnen hat er auch das Selchergeschäft des Ernst Hahn, II„ Novaragaffe Nr. 22, erbrochen Bei diesem Einbruch hat ihn sein Schicksal ereilt. Einen Teil der Beute hat die Bande bei dem 37jährigen Gcmischtwarmhändler Ernst P o k o r n h, ll., Borgartenstraße 132. abgesetzt. Waren im Wette von X 30.000 konnten noch zustandegebracht werden. DaS Ehepaar Srom, Karl Novacek, Karl Kunz »nd Ernst Pokornh wurden dem Landesgericht emgeliefertz wo Chromh und Jwäschezko schon in Vntersuchvngshast sitzen. * Die neue Front. Die Herren von der ^Frontkämpfer» Vereinigung" konnten am Sonntag mit einem naffen, einem heiteren Auge seststellm, wie rasch .ihre politischen Kampfmethoden in Wien Schule gemacht habe». Ihnen gebührt das Verdienst, das Wiener Parteileben um jene Mance fceieidjert zu haben, welche m dem gewaltsamen Herausholen von Gegnern aus den Tramwahwagen ihren sinnfälligsten Ausdruck findet. Nach der Schlnßversammlnng des AmisemitentageS haben sie allen Gleichgesinntm Xt.897 Men, Dienstag Wiener Morgenzettttng es. IM rezi Tagesbericht. 1 ■rirfjy ■!>'■' Sperrung der Telephone der Stadtgemeinde Wiener-Neustadt durch die Telephonangestellten. -öglich rft. 2ir erster Weg um bei Bedarf von Herren- und Damenstoffen infolge kleiner A FriGd Regien solid und billig ejmacukaufeii| sei inuner nur VI.. Link* Wienxttil« 40. in tief«