Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 896 (25.7.1921)
- Date
- 1921-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zn Erwiderung auf de« von Maxim G o r k i tv* taffenen Aufruf Zur Hilfeleistung für die liurrgerleiverrden Millionen Rußlands hat Hoover an Gorki ein Telegramm gerichtet, worin er als unerläßliche Vorbedingung für eine« Beistand erlkart, daß die noch in Rußland gefangengehaltenen Am er i k a n e r sofort freigelasse» werden. Der Marsch der Cholera. London, 28. Juli. (Privat.) Rach einer Meldung der „Times" wird in de« Hungergebiete« von Samara, Saratow und Archangrtfk bereits B a u m r i » d e gegessen. Reben Hungersnot herrschtauch Cholera. Bereits im Februar wußte «an, daß Gefahr im An-, zuge war. Tauseyde vouBauernflüchteteu aus deuEholerageVieteuund verbreiteten dieLkraukheit in g a u z R hl tz l a-n d. In den letzten sechs Wpche» wnrve» '4S7chMue Eholerafälle festgestsllt, in Rostow sallKm in einem Tage 72S Fälle. Die Cholera hat auch Moskau er-, reicht - - - Gerhard Hauptmann tut Gorki. Berlin, 24. Juli. (Wolff.) Gerhard Haupt ma NN hat den Hrlferüs rM a x i m. Gorkis in einem längeren Telegramm beantwortet, in dem es heißt: Die ganze zivilisierte Welt hat Ihren erschütternde» Hilferuf nicht nur mit dem Ohr, sondern mit dem Herzen gehört. Sie wird ihn nicht ohne Antwort lassen. Je mehr , sie zu tun imstande ist, je bester es ihr gelingt. Hunger und Krankheit zu bekämpfen, umso tiefer w»d sich die Menschd e i t entsühnen. __ Die Kredite für Oesterreich. Avenol fährt nach Amerika. Paris, 24. Juli. (HavaZ.) Der französische Dckcgicrte in der Finänzkommistion des Völkerbundes, A v e n o l, wird sich nach Amerika begeben, um mit dem Staatsdepartement unmittelbare Behandlungen über die Frage des Verzichtes Amerikas auf die aus dem Vertrag von St. Germain sich ergebenden Pfandrechte aus die österreichischen Aktiven zu führen. Die internationale Verkehrskommtssivn. Genf, 24. Juli. (Schweiz. Dep.-Agentur.) Die technische Kommission für Verkehr und Transit wird morgen hier rusämmmtreten. Diese Kommission wurde von der Konferenz in Barcelona ins Leben gerufen und dem Völkerbund. am gegliedert. Sie hat über die Anwendung und Verwertung der in Barcelona angenommenen Grundsätze zu wachem. Der Kommission gehören 16 Mitglieder an, und zwar 4 Mitglieder der ständig im Bölkerbundrat vertretenen Mächte und 12, die von der Konferenz gewählt würden. Äras Toggenburg — nicht italienischer Staatsbürger. Bo«. 24. Juli. Der Wahlausschuß der Kammer hat dem Pratest gegen die Wahl des Grafen Toggenburg m der Erwägung stattgegeben, daß dieser nicht die volle i t a l i e » i s ch e S t a a t s b ü r g e r s ch a f t besitze und dgs.seinem Vater und besten Nachkommen verliehene Ehxenbirrgerrecht von Triest nicht anerkannt sei. , Lfoyd George empfangt Korfavty nicht. Berlin, 24. Juli. Nach einem Warschauer Telegramm der ..Kreuz-Zeitung* hatKorfanty, dn durch den polnischen Gesandten in London um eine Audienz bei Llohd George angesucht habe, um persönlich über die Lage in Oberschlesim Brricht zu erstatt«, die Antwort erhalten, dem englischen Volk Und seinem Ministerpräsidenten könne nicht zugemntet werde», einen Mann als East au'zuüehmen, der die etiolifr^ov, Die Jnduftriekrife in der Tschecho- Slowakei. Mährifch-Oftvan, 21. Juli. Die „Morgmzeitmig" schreibt Die Jndustrielrise greift derart um sich, daß selbst die f i n a nziellstärkste« Unternehmungen ihr nicht mehr standhalten können. So habe» die W i t k o w i tz e r Eisenwerke 1500 Arbeiter gekündigt und wollen am 1. August weitere 15C0 entlasten. Sollte im Laufe des August nicht wenigstens eine geringe Besterung der Lage eivtreten, so würden sie, am 1. September mit der Entlastung weiterer 2000 Arbeiter Vorgehen mästen. Die Chemische Jndustrie-A -G. in O d er f» r t wollte ihre Betriebe gänzlich einstellm, doch wurden einer nach Prag entsandten Abordnung der Arbeiterschaft und der Betriebsleitung staatliche Lieferungen zugefagt. Lohnherabfetzuugen in der Textilindustrie. Prag, 24. Juni. Nach einer Preßburger Meldung der »Prager Presto wird die paritätische Kommission über L o Hube r a b s e tzungen m der Textilindustrie verhandeln. Die Arbeitgeber wollen eine 30'/.ige Verminderung der Löhne durchsetzen. Auch die Holz i n d u st r i e l l e n beiibnchnoi'n, eine Lohnhrrabsetzung um 30V» zu verlangen. Große Majorität der italienischen Regierung. Nom, 28. Juli. (Kammer.) Am Schlnste der Debatte über dir ' RegierungSeiklärung. ergriff Ministerpräsident S o.« o mi daS Wort. Er erklärte zunächst, die Frage der Ü n a b hÄ-n g i tz k e i t und der F r e i h e i t F i « m e s sei gelöst. Es erüblige noch die Lösung der wirtschaftlichen Frage, die mit jener der östlichen Grenzen verknüpft sei und deren Bereinigung der im Vertrag von Rapallo vorgesehenen Kommission überlasten werden soll. Bezüglich Montenegros sagte der Ministerpräsident, wen» die Mehrheit des montenegrinischen Volkes an einen internationalen Kongreß appellieren sollte, werde sich Italien mit seinem traditionellen Sinn für Gerechtigkeit an der Prüfung dieser Frage beteilige». Der Ministerpräsident führte sodann aus, daß sich das D e fi z i t im Staatshaushalt am 30. IM von 10.370 Mi!" lioue» Lire auf 4262 Millionen Lire vermindert habe und sich jür das Budgetjahr 1931/22 um fünf Milliarden verringern i werde. In dem Konflikt der F a sz ist en und der K o mmutt i st e n sei die Regierung fest eutschlosten, die Freiheit aller Parteien zu gewährleisten und dem Gesetz Achtung zn verschaffen. Er bitte um das Vertrauen der Kammer. Die Rede des Ministerpräsidenten wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Die Kammer nahm eine Tagesordnung, die der Regierung das Vertrauen ausspricht, in namentlicher Abstimmung mit 302 gegen 136 Stimmen an Dagegen stimmten nur die Sozialisten, die Faszisten, die Kommunisten, die Republikaner und einzelne andere Abgeordneie. Die Kommunisten im Jugoslawien. Belgrad, 25. Juli. (Preßbureau Belgrad.) Gestern begann das Verhör der 20 Mitglieder des terroristischen Ausschuffes in der Stara Pazova. Es wurde festgestellt, daß die Terroristen in Verbindung mit dem Belgrader Aktionsausschuß der kommunistischen Partei und dem Landesaktionsausschuß in Neusatz standen und in der Stara Pazova häufig Geheimfitzungen abhielten, wo auch die Vorbereitungen für terroristische Aktionen besprochen wurden. Diesen Sitzungen wohnten oft dir Führer der Nen''atzer Kommunisten bei. Die Untersuchung ergab, daß auch an anderen Orten geheime Sitzungen stattsande«. Weitere Verhaftungen stehen bevor. _ Dte Budapester Ionrnalisten. Budapest 24. Juli. (U. T.-K.-B.) Der Unter» suchungSrichter hat heute Zoltan SzaSz, Viktor Gergely und Dr. Ladislaus Banoezy verhört und nach 'dem Verhör ihre Verhaftung angeordnet. Die drei Verhafteten Haben gegen den Beschluß deS UntersuchungSrichterS den Rekurs angemeldet. DLe Belgrader Devisenzentrale aufgehoben. r Belgrad, 24. Juki (Preßbureau Belgrad.) Der Finanzminister hat naek Inkrafttreten der Verordnung, betreffend die ^k'gelung des B<'r'ebrs mit Valuten und Devisen, die Liauidatron Die deutschnationalen Inden in der Tschecho-Slowakei. —äsr. Prag, 25. Juli. Die Prager Beratungen des zionistischen Aktionskomitees haben in der tschechischen Oeffentlichkeit ziemliche Aufmerksamkeit erregt und bewirkt, baß die zionistische Frage von einzelnen Blättern in längeren Artikeln besprochen wurde. Wenn auch die meisten der Blätter dem Wesen des Zionismus nicht nahe kommen können oder wollen, so waren sie doch immer bemüht, ihren Standpunkt zum Zionismus in sachlicher Form vorzuhringen und waren vor allem mit der Anerkennung der Bedeutung des Zionismus nicht zurückhaltend. Es liegt nichts daran, daß einige Blätter das zionistische Problem fasch auffassen und aus dieser falschen Auffassung falsche Schlüsse ziehen. Die „Tribumr" versuchte in ihrem gestrigen Sonntagsartikel über de« Zionismus nachzuweisen, daß der Zionismus, der die Assimilation bekämpft, diese fördert, indem er die schwer assimilierbaren ostjüdischen Elemente in Palästina in einer Gruppe vereinigt und so die Widerstände gegen die vollständige Assimilation schon zum Teile akklimatisierter Juden verringert. Daran liegt, wie gesagt, nichts. Die Hauptsache und das Erfreuliche ist, daß die zionistische .Frage überhaupt in den tschechischen Blättern erirst besprochen wird. Anders verhalte» M die deutschnationalenAeitüugen der tschecho-slowakischen Hauptstadt. Die deutschbürgerlichen .Blätter können Um die Berichterstattung über-die zionistischen Ereignisse sehr großer Teil der Prager Deutschen, wenn auch nicht immer Sympathien und Teilnahme, so doch Interesse an der zionistischen Bewegung hat und stolz ist, daß Prag zum Beratungsort des Aktionskomitees auserwählt wurde. Die deutschnationale Presse aber bemüht sich, zum Teile die zionistischen Beratungen z« verschweige», was sie aber mit ZÄicksicht auf viele ihrer Leser nicht gründlich tun darf, zum Teile aber benützt sie die Konferenzen zum Anlaß, Um gegen den Zionismus zu schreiben. Das wäre nichts besonderes und nicht berücksichtigungswürdig, wenn nicht einzelne dieser Artikelchen den deutschliberalen CoulMrstudenten jüdischer Nation und meistens tschechischer Muttersprache erkennen ließen. Gerade diese Art von Deutsch«en in der Tschecho-Slowakei ist es, die sich dem Wesen des Renegatentums entsprechend, in Verhetzungspolitik gegen alles^ Nichtdeutsche nicht genug tun kann und bereits ungeheuren Schaden angerichtet hat. Der Prager Schmock, der weltbekannte, treibt sein Unwesen und ist scheinbar unausrottbar. Seine Tatenlust ist durch keine Kenntnisse beschwert und von keinen Regungerr des Ehrgefühls beeinflußt. Seine Bierbankpolitik und seine Kvmmersausdrücke, vermengt mit Brocken ans dem Jüdischen, sind bas Rüstzeug, bas er gegen die tschechoslowakischen Zionisten ins Treffen führt. Er reklamiert alle Juden für das Deutschtum Und ist empört, daß Zionisten auch tschechisch sprechen. Hören wir, was so ein echter, rechter Deutscher aus der Prager Altstadt im deutschen „Montagsblatt aus Böhmen" über das große zionistische Meeting in Prag zu sagen hat. Ich will nur noch erwähnen, baß die englische Regierung und die tschechische Regierung es notwendig gefunden haben, die Zionisten feierlichst zu begrüssen. Der Sohn des; Präsidenten, Dr. Jan Masaryk, und der englische Botschafter, Sir Clark, haben die Bedeutung der Zionisten und ihrer Führer gebührend gewürdigt. Aber der Schmock schreibt den „Zionisten" folgendes ins Stammbuch: „Prag beherbergt die Vertreter der zionistischen Gedankenrichtung oder der jüdischnationalen Strömung unter den Juden. Sie waren zu einern Weltkongreß gekommen, um hier in Prag ihre doktrinären und weltfremden Ansichten in einem Privatissimum zum besten zu geben. Ain Donnerstag fand in der Luzerna ein M«etinig statt, und nur dieses interessiert Uns. (Was ihn aber nicht hindert, später seine Ansichten über den Zionismus zn explizieren.) Ich bin nicht.bei dem Meeting gewesen (tut nichts); was ich vom Meeting weiß, erfuhr ich aus Zeitungsberichten. Aber da dies«» Zeitungsbericht ziemlich ausführlichwar (ex bedauert es), kann er Anspruch erheben, inforwciftv zu wirken. Ich sah auch nicht die Versammelten, aber ich kann sie mir lebhaft vorstellen. Und ich schwör hnv!\ :rv; sie tu mehr als 90 Prozent Deutsch v'Lr-