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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-23 · Heft 894 (23.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 894 (23.7.1921)
Date
1921-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Eine Wiener Konferenz der Sukzesfionsstaaten. —7. Sie», 24. Juli. Die Gerüchte Wer die Schwierigkeiten der Kredit- Mion verdichten sich heute zu einer Meldung aus New-tzork, wonach die Vereinigten Staaten die Zurückstellung des Generalpfandrechtes von der Zustimmung des Kongresies abhängig machen, der sich aber Hiezu kaum verstehen wird, weil er damit einen heiklen Präjudizfall schaffen würde. Eine. Bestätigung dieser Nachricht fehlt noch, auch findet sich keine nähere Angabe darüber, welcher Stelle diese wichtige Mitteilung gemacht worden, ist. Es ist zu erwarten, daß die österreichische Regierung binnen kurzem sich äußern wird. Aber doch lagen die Schwierigkeiten für die Kreditaktion bei Amerika, dem die Völkerbundkommission die Entscheidungüber das Schicksal des Generalpfandrechtes anheimgestellt hatte. Wenn diese Schwierigkeiten unüberwindlich sein sollten— was durchaus noch nicht feftsteht -— so würde das für Oesterreich noch immer kein Grund zum Verzweifeln sein. Es würde eine solche Wendung den Anlaß bedeuten, mit bem letzten Rest der christlichsozialen Einstellung aufzuräumen und die positive Politik der Annäherung an die Nachbarn wieder auszunehmen. Zwar ist das Kabinett Schober durch seinen Pakt mit den Mehrheitsparteien auf die Fortführung der christlichsozialen Linie bis in den Spätherbst hinein verpflichtet und hat sich für die Ermächtigungen erteilen lassen. Aber die Sttuation hat sich von Kmnd aus geändert und ehe fich der Natiönalrat wieder versammeln wird, werden sich in Europa Ereignisse abgespielt habenderen Einfluß sich auch Wien nichts entziehen kann. In Ungarn und in Rußland stehen , die Dinge aus der Schneide des Messers, zwischen Frankreich und England vertiefen sich die Differenzen, Deutschland steckt in einer Regierungskrise, und Italien, dem die Entente bisher keine Befriedigung bringen konnte, sucht sich eigene Wege und menbet sich wieder Deutschland zu. Oesterreich ist also mehr wie je aus seine eigene Entschlußkraft gestellt. Die von Mayr verlassene Politik lief im Wesen auf die Aufhebung der Isolierung Oesterreichs, auf den Anschluß an den Völkerbund und auf Freundschaft mit den Nachbarstaaten hinaus. Die Gemeinsamkeit des äußeren Schicksals und der Parallelismus der politisch-wirtschaftlichen Entwicklung führte automatisch zur Anstrebung eines rein wirtschaftlich eingerichteten politischen Systems, als dessen Abschluß, die Ausrichtung eines großen mitteleuropäischen Wirtschaftsgebietes gedacht war, das gegenüber den Großmächten seine eigenen Interessen kräftig und erfolgreich wahren sollte. In Prag fand diese Idee niel Verständnis. Aber die von den Pariser Adelssnlons und von der Budapester Regierung gegängelten ChrWchsozialen sprengten die Koalition gerade in dem Augenblick, als in den Verhandlungen mit Jugoslawien der Schlußstein gelegt werden sollte. Oesterreich lenkte wieder gehorsam, durch Kreditversprechungen an der . Stange gehalten, in die Wege Frankreichs ein, die Tschechen, deren schärfster Gegner das monarchistrschmäfliche Ungarn bleibt, mußten die Idee in andere Formen gießen und schlossen ein nnlitarpolichches, Abkommen mit Jugoslawien und Rumänien, während sie eine wirtschaftliche Einigung aller Sükzessionsstaaten . gemeinsam mit Italien in Rom versuchten. Die Fortführung dieses Gedankens sollte M Portorose erfolgen, aber die Großmächte, vor allem v die französische Hochfinanz, sehen diese Bestrebungen sehr ungern und so wurde Portorose verschob^. Dies trifft Oesterreich sehr schwer. Aber in dieser Sachlage tritt wieder zutage,, daß das österreichische Problem nicht für sich allein besteht, sondern nur ein Teil der mitteleuropäischen Frage ist. Die österreichische Regierung hat durch den Kanzler Schober in seiner Programmrede gerade diese Feststellung sehr, scharf betonen lassen. Oesterreich braucht Kredite. Aber vielleicht kann es sie sich unter weniger demütigenden Bedingungen verschaffen, vielleicht kann sie so finden, daß es über dm nicht geringen Besitz, aer ihm nach Abzug der Reparottonen verbleibt, seine Arbeitsfreude, seinen Fleiß, seine natürliche Lage mid seine wirtschaftlichen Institutionen besser, und freier Die Entscheidung über Obmchicsicn. Wris, 22. Juli. (Havas.)' Der französisch^ Botfchkfter in London, Saint Aula it t, teilt» dem englischen Staatssekretär für Aeußeves, Lord Curzyn, die Antwort des Ministerpräsidenten Briand auf die englische Note, betreffend Obe-rschlesien, mit. Curzon bestand auf der unverzüglichen Regelung der schlesischen Frag« durch den Obersten Rat direkt, ohne vorherigen Zusammentritt der Sachverständigen, iutb! wies auf die Uebereinstinmmng der englischen Anschaunntz mit der in der gemeinsame« Note der interalliierten Kommission in Oppeln enthaltenen hin, die «ine sofortige Lösung bvr. Frage verlange. Nach Curzons Ansicht würde sich die Entsendung von Verstärkungen insbesondere dann Der Kampf gegen die Faszisten. Schwere Unruhen in Sarzano. Rom, 22. Juli. (Stefani.) Nach einer vont den Kommunisten in Lnnigiana ' Versuchten revolutionäre« Kundgebung Versammelten fich, wie die. Blätter berichten, die dortige« Faszisten, um gegen eine oon den Kommunisten beabstchtigte Bewegnug in S a r z a n 0 zu demonstrieren. Als ungefähr 700 Faszisten «ach einem langen Marsch in der Nähe des Bahnhofes von Sarmna angekommen waren, sahen sie fich Karabiniers gegenüber, die den Auftrag hatten, sie am Eindringen in Sarzana zu verhindern. Hiebei kam es zu einem Zusammenstoß. Die Faszisten zerstreuten fich in die umliegenden Dörfer, wo sie von Kommunisten angegriffen wurden. Nichtamtlichen Berichte» zufolge follen 20 Personen getötet und mehrere verwundet worden sei«. Hier ist von einer neuen faszistischen Expedition nach Sarzano die Nede. Unter den Faszisten herrscht große Erregung, da verlautet, die Kommunisten hätte« viele Faszisten ers ch o sseu und ins Meer geworfen. Die faszistifche Bereinigung von Florenz hat ihren zu den Verhandlungen über einen Vorsrreden mit den Sozialisten nach Nom entsendete« Vertreter zurückberufe». _ Rußland und die Abrüstung. v Eine Note Tschitscherins. Moskau, 21. Juli. (Funkspruch.) Tschits ch e r i n richtete an Großbritannien, Frankreich, die Vereinigte« Staaten, China und Japan eine Note, in der er die Haltung Rußlands gegenüber der Abrüstungskonferenz darlegt, zu der es, obgleich es als eine ans Meer grenzende Macht interessiert sei, nicht eingeladen worden war. Rußland spricht den Mächten jedes Recht ab, anf dieser Konferenz ihre Interesse« zu vertreten, «msoweniger, als ein derartiger Ostrazismus nur auf die Regierung der Arbeiter und Bauern abziele. Demzufolge betrachte die russische Regierung die Entschließungen der Konferenz als ungültig und ungeschehen und behalte sich vollkommene Handlungsfreiheit vor. Der Vorzug, der der konterrevolutionären russische« notwendig erweisen, wen« eine Verzögerung in dev Lösung einträte. London, 28. Juli. (Wolfs.) 9m „Daily Chroniele* schreibt der diplomatische Mitarber: Gestern nachmittags bat der französische Botschafter in London die Antwort der französischen Regierung übermittelt. Danach ist der französische Ministerpräsident nicht geneigt, einer Zusammenkunft deS Oberste» Rates für den 28. d. M. zuzustimme«. Briand verlangt anstatt dessen die Entsendung weiterer britischer Truppen »ach Oberschlesten. Ferner ersucht er «m die Zustimmung der britischen Regierung zur Entsendung einer neuen französischen Division. Inzwischen wird berichtet, daß eine ftanzö« sische Division eiligst nach Oberschlesien geschickt wird, ohne andie britische Antwort zu warten. Regierung gegeben wnrde, sei ein neues feindliches Manöver gegen Rußland. Die russische Regierung betrachte die Abrüstung als ein natürliches Resultat, der von ihr, befolgten Poliük, aber sie werde nichtsdestoweniger die Beschlüsse unbeachtet lassen, die von der Konferenz ohne ihre Beteiligung gefaßt würden. Amerikanischer Getreidekredit für Deutschland. New - York, 22. Juli. (Reuter.) Ei« Bankensyndikat bewilligte eine« Kredit von neun Millionen Dollar für Getreide- Verschiffungen «ach Deutschland. Dem Vernehmen nach läuft der Kredit aus drei Monate. Die Washingtoner Konferenz. Japans Teilnahme gesichert. PcktS, 22. Juli. Nach' Washingtoner Meldungen habe die amerikanische Regierung nach Besprechungen. Des Staatssekretärs Hughes mit dem japanischen Botschafter zugestimmt, das -Programm der Washingtoner Konferenz gemeinsam mit den anderen Mächten festzulegen. Es .scheine nunmehr sicher, dazß ' Japan die Einladung des Präsidenten Harding annehmen werde. . Exkaiser Karl noch in der Schweiz. Bern, 22. Fulr. Entgegen anderslautenden Ge-; rüchten in der ausländischen Presse weilt Exkaiser Karl. . nach Erkundigungen der Schweizerischen Depeschen-. . agentur, noch immer in Hexthenstein bei'Luzern. Durchführung des Vertrages von * Trianon. Paris, 22. Juli. Die gestrige Sitzung der Botschafterkonfermz, an der auchsbet neue amerikanische Botschafter H r r r i ck teilnahm, befaßte sich mit einer Reihe von Fragen, die mit der Durchführung des Vertrages von Trianon Zusammenhängen. Der Austausch der Ratifikationen werde im Laufe der nächsten Woche erfolgen. Die englisch-irischen Beratungen. London, 21. Juli. (Reuter.) Die heutige Besprechung des Premierministers mit de Valero dauerte nahezu eine Stunde. Wie verlautet,'umfaßte sie folgende Punkte: i. Homerule für Südirland nach dem Vorbild der britischen Dominions. 2. Sicherheiten für Ulster. 3. Wichtige Zugeständniffe anf f i n a nziellem Gebiet. 4. Abmachungen, um die Beziehungen der nordirischen und der füdirischen Republik zn regeln. verfügen kann. Wir müssen, da der Anschluß an Deutschland unmöglich ist und übrigens weder uns noch Deutschland etwas nützen würde, wieder die wirtschaftliche Annäherung an die Sukzessionsstaaten suchen. Ungarn schaltet sich von selbst aus. Solange die westungarische Frage nicht beseitigt ist und solange dort noch der unfähige, aber schreiende Hegedüs Minister ist, kann Oesterreich ..mit Ungarn nicht verkchreu. Wer mit Prag, mit Warschau, mit Belgrad, mit Bukarest und auch mit Rom bestehen gute, loyale, Beziehungen. Nichts hindert Herrn Schober, im ge-? eigneten Zeitpunkt eine Konferenz der Sukzessions-j staaten mtt genau vereinbartem wirtschaftlichen? Programm einzuberufen und die Liquidation des! Krieges selbst in Angriff zu nehmen. Das wäre eine Tat, die Herrn Schober, selbst wenn sie unerwarteterweise nicht gelingen sollte, die Achtung der Wett sicheyr n#t > -

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