Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 892 (21.7.1921)
- Date
- 1921-07-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gede ff_Men. Donnerstag_ Die Freie Mische Volksbühne »ringt als nächste Vorstellung ihres Ensemble-Gastspiels an der 1?euen Wiener Bühne beste, Donnerstag, da- Drama „T'kias Kas" (Der Handschlag) zur Aufführung. Beginn präzise 7.8 Uhr. _ Ans den Theatern. JmKomodienhanS findet Freitag dm SS. d. M. >ie 100. Auffüh'nng der erfolgreichen Schwankopereite „Der verjüngte Adolar" in der Premierenbesrtzang statt. Professor Ruine» Stwons. Der Vizekanzler bat den?' Jeschäftsführenden Präsidenten der Wiener Theater». Komert- und Kinomesie, Geheunrat Rainer S i rn o n s. den Tüel Professor »erlieben. Streit örn Hrfnie. Der Verlag H'offmcmn und Campe iatte als zweiten Heine-Gedächtnisdruck die ,Harzreise" mit >en handschriftlichen Korrekturen Heines zur zweite,! Ansage von 1831 herausgegeben. Professor Hirth, zurzeit in Paris, hatte dem Verlag daS Original dieser ,Harzreis«" zum faksimilieren Überlassen, und der Verlag hat es wieder-;cgeben, aber aus dem Original die 88 Gedichte der Herui- 'ehr hinzugefügt. Auch hat der Verlag separat irt ‘inet lose beigelegten Broschüre noch diejenigen Gerichte der ersten Auflage beigegeben, die Heine in die jweite Auflage nicht mitaufgenvmmen haben wollte. Gegen nese Broschüre richtet sich die Klage von Professor Hrrth, »er mit der Veröffentlichung nicht einverstanden zu sein »orgab. Das Landgericht 1 Berlin entschied: Der Beklagte vitb kostenpflichtig verurteilt, die Verbreitung des Herrischem Gedächtnisdruckes Nr. 3 zu unterlassen. Der Verlag iat Berufung eingelegt. GtriEkvg <ÜS Aniderfen-Uebe-rfetzer. Eine bemerkenSverte literarische Neuigkeit teilt der Literaturhistoriker T. Blanck im letzten Heft der schwedischen Zeitschrift „Gamaren" mit. Danach ist Gtrindberg der bisher Unbekannte gewesen, der die schwedische Ausgabe von HanS Christian Andersens Märchen in der Uebersetzung von Backmann zu Lude geführt hat. Der Verleger dieser schwedischen Andersen- Lusgabe, Lindström, hat selbst im Vorwort berichtet, daß ,etne andere Hand" nach' Bamnanns Tode die Uebersetzung ortgeführt hat, der Name dieses Uebersetzers aber fehlte -m Buch. Nun hat Strindberg jetzt davon gesprochen, daß;r mit 25 Jahren auf Aufforderung eines Verlegers Andersen übersetzen sollte, und er nennt eines der Stücke „Die große Ieeschlange", die sich wirklich neben einer Anzahl anderer in dem von Backmann nicht behandelten Heft findet. H. C. Andersen wurde von Strindberg stets bewundert, und all der nordische Dichter selbst in alteren Tagen Märchen schriebmtstand eine Art von Kreuzung zwischen Strindbergscher Novelle und Andersenschen Märchen. Gerichtssaal. Verbot eines Vereines zur Auswanderung nach Sowjetrußland. Der VersaffungZgmchtshos unter Vorsitz des Präsidenten Dr. 33itt orcltt verhandelte m der Juli- Session über eine Beschwerde deS Wienir ArzteS Dr. Lev 8 r o d s? y und deS Technikers Johann Max Reindl als Proponenten des Vereines „Zenlralorganifatiov der österreichischen Auswanderer nach SowjetrußlaUd" mit dem Sitze in Wien, gegen das vom Bundesministerimn für Inneres und Unterricht bestätigte verbot dieser Vereinsgründung. Das Verbot war mit der Staatsgefährlichkeit eines solchen Vereines de» gründet worden. Die durch Dr. Valentin RoseNfel d verlretene Beschwerde führte aus, von Staatsgkfährl chkeit könnt.' nur die Rede sein, wenn der Staat selbst, nicht über nur bloß einzelne Mitglieder des Staates gefährdet werden. - Es liegt aber auch eine Gefährdung einzelner Mitglieder des Staates durch den bcabsichtigten Auswandrrerverein nicht vor. denn dieser habe nach len Statuten den Zweck, die Auswanderung nach'Sowjetrußland im Einvernehmenmit derStaütSbehörde zu organisurcn. Hiedurch würdrn übereilte und unvorbereitete Auswanderungen nach Sowjetrußland hintangehalten werden, der Verein wäre also nicht nur nicht fiaatsgesäbrlich, er wäre im Gegenteil im staatlichen Interesse gelegen. Der Verfaffunoggerichtöhof entschied, daß durch die Untersagung der Vereinsbildung eine Verletzung des staatsgrurrdgesetzlich gewährleisteten Rechtes. Vereine zu gründen, n i ch t startgcfundenchabr. In der Begründung wird hervorgehoben, die Rrchtsanschauung. Staatsgrfährlichkeit liege nur dann vor, wenn der Staat selbst als Organisator gefährdet wird, sei eme irrige. DerStaat istdasorganisierteDolk und wenn bas Volk oder größere Volkskreise gefährdet werden, so liegt auch eine Gefährdung des Staates, seiner Ziele und seiner Aufgaben vor. E ne sichtige Auswandererpoütik. eine zweckmäßige Fürsorge, daß nicht die Unkenntnis der Verhällniffe, die Unfreiheit und Sorglosigkeit der Staatsgenoffen durch dritte ausgenützt wurde, um sie zur Auswanderung zu veranlassen und dadurch ihre persönliche und wirtschaftliche Existenz zu gefährden, ist allgemein als Pflicht des Staates anerkannt vnd findet in Zahlreichen Anordnungen der verschiedenen von Auswanderung bedrohten Staateü ihren Ausdrirck. Wenn d»e Startsbehördr in dem wirtschaftlichen Zustand Sowjetrußlands Gefahren solcher Art besorgt und daraus ableitet, daß das staatliche Interesse es erfordere, drr Auswanderung nach Sowjetrußlcmd entgegenzutreten, so kann diese Besorgnis keineswegs als grundlos und unsachlich bezeichnet werden. DaS Maß und die Art der notwendigen und zweckmäßigen Mittel zur Abtvehr dieser Gefahren müsse der Einsicht der Staatsbehörden überlassen bleiben und entziehe sich daher der Überprüfung durch den BerfassungSgerichtshof. Waschfrau, Kuttrrsurtmsler und Agitatorin. Aus Halle a. S. wird gemeldet: Frau Mina F aßhau e r aus Braunschweig, eine frühere Waschfrau, die während der R-volution in Braunschweig Kultusminister war,' hatte im Winter während einer Volksversammlung die Arbeiter zum Kampf gegen den Staat und zur Nicht:bl-eferung der WMn aufgefordert. Die Slra kammer in Nordbausen der urteiltsie dafür dieser Tage zu vier Monaten Gefängnis und 2000 Mark Grldüraie. Wiener Morgenzeitung Sport. Das Werberyeftschwimwssn des Sportklubs Hakoah. Die Schwimmseflwn der Hakoah veranstaltet Sonntag den 24. b. 4 Uhr nachmittags, im eigenen herrlich gelegenen vnd dieses Jahr erweiterten Strandbade Kuchekau ein Werbewettschwimmen-, daß, nun als Vorläufer des großen tnternatlonalen Hfrbst-Meetings jedes Jahr wiederkehren soll. Das Nenuuugsergebnfs ist überaus günstig ausgefallen und beweist durch die ganze Anlage deS Programms, daß unsere Vereine mit Erfolg bemüht sind, endlich an . die Eizielmng deS Nachwuchses hei anzutreteu. Schon dre Zeiten, die letzten Sonntag in den Neulinos- und Iuniorenkonkurrenzen erzielt wurden, sind ein deutlicher Hinwei-k aus die Bessmmg unserer Schwimmklasst. Insgesamt haben sämtliche Wiener Schwimmvereiue für 14 Konkurrenzen zirka 160 Nennungen abgegeben und sind spannende Kämpfe zu erwarten. Die Hakoah geht zwar nickt mit ihren besten Kräften in den Kampf, da viele gute Schwimmer auf dem Lande w-ilen. aber wenn auch die Zurückgebliebenen noch nicht dieselbe Leistungsfähigkeit erklommen haben, so werden sie sich doch erst narb Kampf geschlagen bekennen. Der Zuseher aber wird wenigstens einen Teil des momentan in Ausbildung begriffenen Nachwuchses drr Hakvah-Sch'mmsekiion sehen lönneu und die Ucberzcuaung gewinnen, daß auch diese Sektion der Hakoah im Kommen ist. Rapid neuerlich geschlagen. Der Sportklub Rapid machte au' der Fahrt von Holland nach Schwöen einen Abstecher nach Hamburg, wo er ein Wctrjpiel gegen ReimsbÜitel aUSirug. Die Wiener, die mit mehreren Ersatzleuten angetreten warm, unterlagen 1: 8. Der österreichische Meister macht im Ausland alles eher als Propaganda sür drn heimischen Sport. Abreise der Hatzoah Fußballer nach Czernowitz. Gestern früh sind folgende Spieler nach Czernowitz abgerrist: Neumann. Scheuer, Trümer, Grünfeld, Molnar. Pollak, Palmer, Slutzky, Grünwald, Gansl, Boros. Häusler, Kliegler, Dickier. Die Leitung der Erpedrtron haben die Hernn Feßler und Paul Rudolfer über. Die Czernoautzer tragen sämtliche Spesen und haben überdies dem Platzfonds K lOuOOQ überhueien. Schachfedtion de- Sportklubs Hakoah. Die junge Schachseltion bat in dem am 18. d. M. statlgeumdenm Wettkampf gege« den spielsiarken Floridsdorfer Schachklub die Farben der Hakoah würdig vertreten. Drr Kampf wurde aus 15 Brettern ausgetragen und sab dre unseren mit dem überlegenen Resultat von 11: 4 siegreich. E:n fchc erfreuliches Resultat, wenn man bedenkt, daß dies das erste öff.ntliche An'rreten unserer durchwegs lehr jungen, in Turnierlämpsen gam unerfatirenen Svicler war. Der Retomkampf findet am 3t. d. M.. 9 Uhr vormittags, m unserem Klubheim strtt. Im koilimendeii Herbst wird sich die Schachsektion an den Kämpfen um die SchachmersterschaN Wiens beteiligen. Die Sektion verfügt über, eine große Anzahl von Schachbrettern und über eine ansehnliche Bibliothek, die jedem Hakoahner zur Verfügung steht. Die Svielabende finden jeden Mrtiwoch und Freitag statt. In nächster Zert beginnt ein Ankängcrkms für Damen und Herren, für den Anmeldungen an den Spielabmden entgegengenommen werden. Leiter: Herr Ingenieur Rob. Wahle. Sportklub Heros. Freitag, 6 Uhr. Versammlung im Cas6 Drei Lauser, IX., Alserstruße 31.' Mannschaftsaufstellung für Sonnt.:g. 3. Sp/ V. Hechawer. Donnerstag Ausschußfitzung im Klubherm um? llhr. Hernach Spiel rv^rsammlung und Aufsicllung für düs somuägtge Wett'picl. Buprechung der Reiie nach Steiermark. - - Hech-w r-Abend. J-d:n Samstag um 9 Uhr m Cafs Stadttheatrr. Vitt.. Albertgassk 89. Vorträge, Taüz. Eingelührte Gäste willtommen! Hechawer ivielt diesen Synntag in Wördern. am 7. August in Mvosbrunn uno fährt Mitte August nach Steiermark. Der Volkswirt. Gestempelte Krone —.81 CrEmes, Auszahlung Wien --- —.80 Centimes. In Zürich norierlr: die österreichische Krone . . , . ~.S0 (-.PO um 19: Juli) die österr. gestempelte Krone . —.81 (-.80 am 19. Jul» die tschechische-Krone. . . . . 7.90 ( 7.7f» am iS Julidie Mark . . . ... . . . ( 7.80 am 19. 3ul0 Agram .......... . 3 90 (3.75 am 19. Jult) Bukarest .. .. . .... «o oo ( 6 85 am 19 Juli! Budapest . .. . 190 ( 1^0 am 19. Juli) Warschau ........ . - 32 (- .33 am 19 Juli) Die Wirtschaftskrise in der Tschecho- Slowaker. Anö P rag wird uns geschrieben:^. Als Nachwirkung des Kiieges und drr politischen Revolution har die wirtschaftliche Revolution eingesetzt, welche nicht nur in den besiegten Staaten, sondern auch in den Siegerstaaten zu einer Krise des ges imten Wirtschaftslebens geführt hat. In den ersten zwei Jahren nach Abschluß des Weltringrns hat eine Aufwäitsbewegung drr Preise begonnen, deren Gipfelpunkt etwa 1920 erreicht war und welche zutolge Mangel an Kohlen, Rohstoffen, Schiffen, E'senbah^matuial, Maschinen, überhaupt allen Mitteln des LebenSbedarfcS, eingesitzl hatte. Diese Knappheit aus asten Gebieten des, Warersma,jkles war infolge der Nachwirkungen des Krieges zum Test wirklich volhanden, zum Teil jedoch künstl>ch hervorgetulen, da große Kreise große Warenmengen auf Spekulation gehqnrstert halten, um aus den täglich steigenden Preisen namhafte Gewinne zu erzielen. Den damals noch gedro sielten Warenverläufen standen auch dringende Nachfragen nach Waren gegenüber. Aber allmählich wurden in der Weltwirtschaft die Nachwirkungen des Krieges überwunden, es traten Gesundungserscheinungen ein. Diese GesuudungSerschemungen hatten den lauge ersehnten Abbau der Preise zur Folge und der Rückgang der Warenpreise aus dem Weltmarkt brachte eine katastrophale Absatzkris r, denn niemand will heute kaufen, wenn er hofft, viel wohlfeiler kaufen zu können. Der einstmaligen Diktatur deS Ber* kaufes steht heute die Diktatur deS Käufers gegenüber, der sich starke Zurückhaltung auferlegt, sowohl im Verbrauch wie ,m E nkauf. Dre Volkswirtschaft iu unserer Republik blieb eine Zeit hinter der internationalen Bewegung zurück, da wir «iisere Waren, in Weltgeld gemessen, doch billiger erzurgcn und verkaufe« konnten. Das Ausland hat mit dem Abbau der Preise, 21. Juli 1981 Wt. 8Wh -: ' '1 ' " IT ' " ‘ n 1 "• .-m. der Löhne und der Produktionskosten bereits begonnen, währen! bei «nS durch neue Forderungen der Gewerkschaften tmb durö schwere Belastungen der ^übersozialen" Gesetzgebung und eine? industriefrindlichen Steuerpolitik die Produktiv «Skoster über die W e l t p a r i t 8 t hinaufgeschraubt wordm sind Unsere Ausfuhr stockt, eine Konkmrenz ist ausgeschlossen un! unsere Volkswirtschaft ist in den Zustand einer schweren Krisi geraten. In erster Linie ist der Preis der Rohstoffe ev Faktor der Preisgestaltung. Der Preissenkung der AuSlandsrohstosfi steht der Valutastand gegenüber und nachdem wir im Gegensaf zu England, Amerika und Rußland arm an Rohstoffen sind wiv diS meiste vom Ausland beziehen müssen, so sind Wik von de' Preisen auf den ausländischen Rohstoffmärkten avhLngig. Metast und Baumwolle bilden zurzeit die allerwichtigsten Postm de» tschccho-slowakischen Einfuhr. Zufolge des allgemeinen Preisrückganges wird in Erwartung weiterer Abschwächung nur der notwendigste Bedarf befriedigt. Die ausländischen Märkte sind überfüllt und haben Preisstürze zur Folge gehabt. Am heftigsten kommen sie zum Ausdruck bei Baumwolle, Kupfer» Zmk, Zinn, Blei, während Aluminium auf dem Weltmarkt seine Preistendenz beibehalten hat. Bei Chemikalien ist die Nachfrage eine größere, so daß scharfe Preisrückgänge nicht vorkamen. Baustoffe, insbesondere 'die Holzzweige, haben ebenfalls eine Rücklage zu verzeichnen. Eine außerordevtliche Ueberzeugung in Baustoffen liegt jedoch nicht vor und die Preissenkung ist lediglich auf die Zurückhaltung der Käufer zurückzufübren. Waden inländischen Rohstoffmarkt anbetrtfft. leidet dieser ebenfalls unter dem Absatzmangel, einerseits infolge deS geringen Absatzes als Folge der Jnoustriekrise, andererseits sind die Gestehungskosten derart hoch, daß eine Konkurrenz mit den Auslandsrohstoffen trotz der Valutaunterschiede ausgeschlossen ist. So zum Beispiel stellen sich die Kosten der slowakische» Erze loko Oderberg aus zirka 470 Mark, wcihrmd die deutschen Erze um 484' Mark per Tonne .geliefert werden. Die Ursachen sind hauptsächlich in der Tarif- und Sttuerpolttik zn suchen. Wesentlich belastet die teureKohle nicht nur die Preisbildung der Rohstoffe, sondern auch alle anderen Stoffe, welche als Hilfsmaterialien in den Berg- und Hüttenwerken verwendet w rden- Ein weiteier Faktor der Preisgestaltung sind die L 5 h n e, welche in unserer Republik unter Anwendung politischer und wirtschaftlicher Druckmittel zu Kon« junkturlöhnen hinauflleschraubt wurden- So lange die Produttionskosten in der tschecho-slowakischm Republik viel niedriger waren als im Ausland, konnten unschwer Lohmrböhungrn durchgesetzt werden. In dem Maße als, sich der Unterschied zwischen inländischen und ausländischen Produktionskosten verringert hat, wird eine Gesundung der Lohnpolitik notwendig. Bei den Arbeitergewerkschaftm muß die volkswirtschaftliche Einsicht ernkehren. Sie müssen zu beurteilen verstehen, w.'lche Forderungen sie vertreten können, ohne die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie im Ausland zu vernichten. Die Konkurrenzfähigkeit hat ja die Absatzstockung,, die Krise 'der Arbeitslosigkeit in der isch:cho-slowa!ischen Republik hcrvorgrrnfen. Daß der Zustand unserer Wirtschaft derartig verworren wurde, ist hauptsächlich darauf mrückmfiihren, daß die zur Leitung berufenen Männer fast ausschließlich Parieipolitiker sind. Was der Verlust Oberschlesiens für Deutschland wirtschaftlich bedeuten würde. Di: M ilderung der Rcichseinnahmen. die bei einer Abtreunuug Oberschlesiens durch den Fortfall der S 1 e u e r e r n k ü n f t e aus diesem Gebiet entstehen würde^ beträgt rund 4 Milliarden P a p i e r m a r k. Hiezu kommen die r n d r r e k t e n Wirkungen einer Abtrennung. Die Mindklung des Bolköeinkommens in den übrigble.benden Teilen Deutschlands im Falle der Abtrennung .würde etwa 8.4 Milliarden Papiermnk betragen. Unter Zugrundelegung der durch-chnittlichcn Belastung mit Reichssteuern von 25°/, entsvricht dies einem weiteren Steuerausfall von 2.1 Millmrden Papiermark. Der gesamte Ausfall an Reichssteuem würde somit über 6 Milliarden Papiermark betragen. Das fundierte E'i n k o m m e n Oberschlesiens berechnet sich zinsgemäß bei einem Kapitalo rmögen in der Höhe von 67 5 Milliarden Papiermark aus rund 3.4 Milliarden Papiermark. Hlezn kommt das A r b e i t s e i n k o m m e n seiner Bevölkerung. Die Zähl der Haupterwerbstätioen beträgt in Oberschlesien rund 9Q0.000 (= 48% von 2.09 Millionen Einwohnern). Nimmt man deren Arbeitseinkommen mit monatlich durchschnittlich 11.000 bis l2.0f.0 Mark an. so ergibt sich als gesamtes jährliches Arbeitscrnkommen der vbersihlesischen Bevölkerung eine- Summe von rund 12.5 Milliarden Papiei maek. Das Gesamteinkommen Oberschlesiens beläuft sich somit auf etwa 15.9 Milliarden Papi ei mark. Danebrn muß die Verminderung des Volkseinkommens berückfichtigt werden, ^die durch die wirtschaftlichen Folgen einer' Abtrennung Oberschlesiens in den übrig bleibenden Teilen Deutschlands hervorgerusen wird. Die Minderbeschästigung der Industrie verursacht einen Ausfall von 7'26 Milliarden Papier-' mark. Die Mehrkosten des Bezuges eines Teiles 'der ausbleibeudm Rohstoffe aus dem Ausland V.tragen 1°12 Milliarden Papi erwart. Insgesamt kvürde daher das Volkseinkommen iy den übrig bleibenden Teilen Deutschlands um etwa 8'38 Mill , arden Papiermark vermindert werden. Eine Abtrennung Oberschlesiens würde daher eine direkte und indirekte Verminderung des deutschen Volksvermögens umrund 24'3 M illiardenPapirrmark verursachen. Für den gegenwärtigen Warenverkehr Oberschlesiens liegen ausreichende statistische Üuterlageu nicht vor. Man kann jedoch durch Vergleich mit der Vcrminderuug deS Warenumschlages im übrigen Deutschland mit ausreichender Sicherheit annchmen, daß sich die Warenmengen um durchschnittlich 25% v.rnundert haben und daß die Großhw^elöpreise dcß mn.'.deutschen Verkehrs kin Papieriuark) auf das Bierzehnfachc, de« Warenversaudes m daö A«S-