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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-21 · Heft 892 (21.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 892 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang 0n Uor$to$$ der englischen Unterband Opposition gegen die Regierung. f habe, sie zu fragen, ob sie die Absicht habe, die Be- Ein Friedensvertrag zwischen Deutschland und Amerika. ratuntz fortxusetzen. C h a m Serlain antworte bi» Regierung habe die Absicht, die Beratung f^rtzusetzeu. Darauf brach die Opposition in den Auf: Zurücktrets»! aus, wahrend die Anhänger der Regierung jlarfleat Aei- Halb spendeten. Es bauerte einige» Zett, bis wieder Ruhe eiutrat. Am Schluffe der Sitzung macht« die Opposition einen vergeblichen Versuch, die. Regierung zum Rücktritt zu zwingen. C h-amb er lain wies darauf hin, daß die .Niederlage der Regierung angesichts des Gegenstandes btt Beratung bedeutungslos sei und daß das $au3 nicht die Absicht gehabt habe, die Niederlage der Regierung httbeizuführenr. ES' handle M nur um eine« Anfall. Immerhin Ware es gebloten, daß sich solche Zufälle! nicht allzuoft wiederholten. gesprochen worden sein, nach btt' Deutschland die zehn nördlichen und westlichen Kreise sowie Gleiwiß und Hindenburg, Groß-Strehlitz und Tarnvwitz, Polen dagegen Beuthen, Kattowitz, Königshütte, Pleß und Rhbnik. behalten soll^- Diese Linie werdet bereits als Loucheur^Linie bezeichnet. Tatsächlich! sei, dem „Lokalanzeiger" zufolge, unter den Mitgliedern des französischen Ministerrats die Meinung in dieser Frage geteilt. _!. Die Einwanderung «ach Palästina wieder gesperrt? Konstantinopel, 17. Juli. (Jüd. Korr.-Bur.) Kurz nachdem die erste aus 65 Chaluzim bestehende Gruppe sich a» Bord der »Quirinalr" «ach Palästina eingeschifft hatte, teilte das hiesige britische Konsulat dem lokalen Palästina-Amte mit, daß die Einwanderung nach Palästina. neuerdings suspendiert wurde. Genauere Informationen konnten bisher über diese neuerliche Maßnahme nicht eingezogen werdm. , . Der weihe Terror in Ungar». Budapest, 20. Juli. (Privat.) Der Abgeordnete Stephan Friedrich hat einem Berichterstatter des »Magyar Ujsag* milgcteitt, daß gestern ein Mitglied der Staatsanwaltschaft bei ihm erschiene» ist und ihn ersucht hat, ihm alle jene Daten über die Gewalttaten mitzuteile», die ihm währendseiuer Minister Präsidentschaf bekannt geworden sind- In der gleichen Angelegenheit erschien auch rin Mitglied der Staatsanwaltschaft bei dem Abgeordneten Edmund Be« iczkh und dem ehemalige«Oberstadthauptmann M a t t i a s o w s z k y. Französische Sozialisten gegen die Dritte Anternationale. Patts» 20. Juli. Bor dem Ausschuß der Bereinigung der Syndikate des Seine-Departements erstattete T o m « a s i nach seiner Rückkehr vom Moskauer Kongreß Bericht. Der Ausschuß gab. einstimmig der Ansicht Ausdruck, daß Tommasi dmch die Zusiimmung zu dem Anträge auf Bereinigung der Arbeitershndikate mit der kommunistischen Partei das ihm anvertrauie Mandat überschritten habe. Daraufhin legte Tommasi sein Amt als Sekretär der Bereinigung der Syndikate nieder! Hunger, Krieg und Pestilenz. —7. W i e n, 21. Juli. ' In verzweifelten Worten gibt die Sowjetregierung Nachricht von der furchtbaren Katastrophe, die Rußland getroffen hat. Fünfzehn große Gouvernements sind von Hungersnot betroffen, zwanzig Millionen Bauern haben sich in Bewegung gesetzt, um die zum Friedhof werdende Heimat zu verlassen. Die Flüchtenden führen die Cholera mit sich. Der Funkspruch der Regierung, der dies alles verkündet, nimmt bereits die Diskussion vorweg. Man werde, sagt er, dies zum Sturz ,der Bolschewiken benützen, aber verantwortlich sei doch nur das alte Regime und die Natur. Das eine ist tot und das andere kann man nicht vor Gericht stellen. Deshalb beruft sich Moskau auch noch auf die Unbildung der Maffen, auf die geographischen Verhältnisse und die klimatischen Ereignisse. Das sind gewiß Bedingungen, die zu dem Wirtschaftsoerfall das ihre beitragen. Der wesentlichste Schuldtragende ist aher dieses System, das seit dem Jahre 1917 Rußland sesthält und es zugrunde gerichtet hat. Die Verbrechen des Zarismus sind nicht aufgehoben, sondern durch die Bolschewiken fortgesetzt worden. < Daß die Sowjetregierung selbst die Erinnerung an das aste System. weckt, fordert direkt zur Parallele auf. Es besteht zwischen beiden sowohl in der Regierungspraxis wie im Aufbau eine verblüffende Aehnlichkeit. In der . Zeit der Zaren sind Millionen Menschen in Rußlands ftuchtbarsten Teilen Hungers gestorben; unter den. Zaren regierte die kleine Schar der. Horrscherchen/ gestützt auf den Tschin mit Knute und.Kerker; es gab^ Zensur, Grenzsperre, geheimes Verfahren und Spitzeltum; es gab keine >Pröß- : kein Versammlungsrecht, keine Vereine, und selbst die Wahlen zur Duma, die der unglückliche japanische Krieg erzwang, wurden von der Zarenregierüng gemacht. Was hat sich zum Besseren! geändert? Statt der Minister gibt es Dikiatoren, statt der Statthalter Volkskommissare; die Ochrana heißt Wohlsahrtskommission. Die Souveränität des Proletariats ist eine nichtswürdige Lüge. Di? Freiheit des Wortes, der Meinung, der Kritik ein Phantom. Rußland hat. keine Eisenbahnen, seine Bergwerke verfallen, die Forste sind gerodet, der Schiffspark' zerstört, seine Mineralschätze nicht ausqcBeütet .ober in der Hand des ausländischen Kapitals. Die: Mittel der administrativen Verschickung sind gebliebek. und das Regierungssystem kennt in der inneren Politik keinen anderen Beruhigungsvorgang als Schießen und Einsperren. Auch! nach außenhin ist der Bolschewismus eine genaue ftopie seines Vorgängers. Er hat sich eine gutbezahlte Propaganda geschaffen, die über Rußland blühende Märchen dichtet, seine Auslandsvertreter sind Agitatoren einer wirtschaftlichen Doktrin, mit der Aufgabe, jede» Frieden zu verhindern und für die Weltrevolution zu arbeiten. Je bunter es zugeht, umso besser; und je mehr die Aufmerksamkeit davon abgelenkt wird, wie es eigentlich um das Leben in Rußland steht, um so mehr steigt die Verhetzung des Auslandes, das Bestreben. überall Händel zu stiften und die heimische Bevölkerung in Unruhe vor der Feindschaft des Kapitalismus zu «erhalten, den man durch ein Hintertürchen ins Land ruft. Die russischen Lehrer, Ingenieure, Aerzte find in dem ewigen Krieg verkommen oder ins Ausland geflüchtet, eine Industrie befteht gar nicht mehr. Aber dem Ausland flunkern die Sowjetdelegierten etwas von den reichen Getreide- und Bodenschätzen vor. Diesen Lügen tritt jetzt die Natur selbst entgegen und düs mißhandelte gequälte Volk greiftzum Wanderstab. In diesen vier Jahren ist nichts geschehen, um die Unbildung der Maffen zu beheben; die Sowjets haben, wie früher die zaristischen Beamten, dem Muschik geschmeichelt, weil sie ihn für die Armee brauchten, aber sie sind ihm innerlich fremd gegeben. Sie haben den wertvollsten Besitz des Volkes, seine Jugend, auf dm Schlachtfeldern verzetidlt. die' Gräber gefüllt und sich ein jeder Arbeit abholdes Landsknechttum herangezogen. > ' Rußland geht denselben Weg wie Ungarn. Wer die Gewalt ruft, wird ihr Sklave und schließlich ihr Opfer. Es gibt in Ungarn keine Regierung,. sondem nur eine ihre Prärogative mit' brutalster Methode schützende Adelsclique; in Rkßlaud kämpft eine Gesellschaft ursprünglich ethischer LoMaN, 20. Juli. (Wolfs.) Im Unterhaus wurde von Abgeordneten der Regierungspartei ein Zusatzantrag eingebtacht und trotz des Widerspruches der Regierung verabschiedet. nachdem ihn Asquith unterstützt hatte. Dtt Zusatzantrag sieht vor, daß die von Geschäften ein gehobenen neuen Mgaben nicht auf die Gewinne und! Überschüsse augewendet werden sollen, die' aus Geschäften von Unternehmungen und Organisationen stammen, welche für ihre Mitglieder gemeinnützige Vorsorgen treffen. Bei Annahme des Zusatzantrages brach! die Opposition in stürmische« Beifall aus, der mehrere Minuten andauerte». Als der Vizepräsident die Beratung: eines anderen Gegenstandes beginnen lassen wollte, stellte Mac Lean eine Ge»- schäftsordnungsfrage und wies darauf hin,, daß es üblich sei, wenn die Regierung eine Niederlage erlitte« B e r l i tt, 20. Juli. »Exchange Telegraph" berichtet aus Washington: Offiziell wird jetzt zum ersten Male mitgeteilt, daß Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Geschäftsträger in Berlin Dresel und dem deutschen Minister des Aeutzern Dr. Rosen über den Abschluß einesFriedensvertrages zwischen Deutschland und de« Verein i g t en St a at e « im. Gange find. Es wird hinzugefügt, daß der Attorney- General die Frage zu prüfen habe, ob eine besondere Proklamation zur Erklärung des Friedenszustaudes notwendig fei. Rasche Entscheidung über Oberschlesien gefordert. Oppeln» 20. Juli. (Havas). Der französische, der englische und der italienische Oberkommissär haben an die Botschafterkonserenz eine gemeinsame Note gerichtet, worin sie die Aufmerksamkeit der Konferenz auf die Notwendigkeit lenken, Berstärk« n g e n nach Oberschlesien zu entsenden und sobald als möglich eine Entscheidung, betreffend d i e T e i l u n g deS Abstimmungsgebietes zu treffen. Betti«, 20. . Juli. Heute mittagist das Reich-- k a b i n r t t zu einer Sitzung zusammengetreten, um die oberschlesische Frage neuerdings zu erörtern. Die Srtznng soll den Blättern zufolge dadurch veranlaßt worden sein, daß die Regierung sichere Nachrichten über einen nenenpolnifche« A «f st a n d bekommen hat. Besprechungen zwischen Louche»r ttttto Rathena«. Berlin, 20. Juli. Wie „United Telegraph" meldet, soll zwischen Ra t Henau und Louchenr bei den Wiesbadener Besprechungen eine sogenannte L v u ch e u r- Linie in Erwägung gezogen worden sein. Aus Kreisen der französischen Kammeropposition verlautet mit Bestimmtheit, daß. in Wiesbaden auch das. oberschlesische Problem berührt worden sei. Im Gespräch! soll mit allen Vorbehalten über eine Linie Menschen mit allen Mitteln um die Erhaltung in der Macht. Aber alle Sünden brechen auf und es kommt der Tag der Rechnung. Dort wie hier. Die Moskauer Botschaft spricht von der Freude der Gegner Sowjetrußlands. Das ist leider richtig. Alle Reaktionären in Europa haben aus der Sterilität des Bolschewismus soviel profitiert, daß sie sich in jeder Frage sozialen Fortschrittes mit viel Recht auf Rußland beziehen dürfen. Für alle diese Elemente ist das Versagen des sozialen Radikalismus Grund zu Hellem Jubel und alle ihre nur mühsam gebändigten Instinkte des Haffes und der Hetze warten ungeduldig auf den Augenblick der Aktivierung. Wenn sich heute fooiele Hoffnungen regen, die Uhr wieder zurückstellen zu können, so tragen die Lenin und Genossen ihr volles Maß der Schuld.

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