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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-12 · Heft 883 (12.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 883 (12.7.1921)
Date
1921-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lloyd George tritt mit seinem Brief an den Irenführer de Valera an ein Problem heran, vor dem die englische Regierungskunst seit fast erstem Jahrtausend steht, das wiederholt zu greuelvöllem Blutvergießen führte, und an dem sich einer der größten englischen Staatsmänner, Gladftone» verblutete.. Es standen Ketten gegen Angelsachsen. Katholiken gegen Protestanten. Grundherren gegen Pächter. Der jüngst todgesagte Balfour versuchte der irischen - Frage. mtt einem aus f ozialen Reformen und unerbittlich« Anwendung der Regierungsautorität geinischten System beizukommen. Aber seine Mühe hlieb erfolglos und erst kurz vor dem Krieg, als in England der Suffragettenkampf um die Gleichberechtigung. der Frauen zusammen mtt dm Iren eine für W Reich fast unüberblickbare Situation erzeugte. Hßquemte sich die englische Regierung zu Verhandlungen Wer dieTeilungJrlands in das vroteftantische -AM-'-Md^bst» katholische Gebiet. In IÄnd selbst KechDtÄM sich diebeidenPartettn. In Ulster bildeten die- Katholiken, im übrigen Land die Protestanten förmliche Armeen. Der Krieg unterbrach diesen Zustand, aber er wirkte fort und gab der Mehrheit der fischen Ration ein neues Mitte! in die Hand, das Einverständnis mit Deutschland. Noch in Erinnerung istdie tragische Episode Sir Roger Casements, der von Deutschland aus den Zug nach Irland wagte, verhaftet wurde und dann den Märtyrertod starb. Irland wurde nunmehr mit Militär überschwemmt, feine..Jugend ins Heer gesteckt und aus dem Festland-eingesetzt. Das Ende des Krieges, das unter dem von Amerika herübertönendenWott. vom Selbstbestimmungs- Mt der Völker erfolgte, brachte auch in Irland eine rjeüe, großangelegte Bewegung. Die ganze Nation erhob sich zym Widerstand, der aber schon bald den politischen Rahmen sprengte und zum Bandenkrieg wurde.;. Der Hungertod des wegen Hochverrats verhafteten Bürgermeisters von Cork, Max Swinney, gab dqs, Signatund eine lange Reihe von Gewaltakten WiMn. irischen Abenteurern und englischen Polizisten und. Soldaten, die mit Brandstiftungen, Morden, Rapbzügen und gegenseitiger Blutrache ausgefüllt wyren» schien jedes ruhige Urteil zu vernichten. Lloyd GMge aber setzte trotzdem seine vorsichttgen Vorbereitungen fort. Er nahm den Gedanken der administrasioen Teilung des Landes in einen protestantischen, mMch gesinnten Norden und in einen Katholischen Süden wieder auf, gab jedem der Teile ein Parlament llstd schrieb Wahlen, aus. Es zeigte sich, daß die Iren trotz des erbitterten Widerstandes ihrer Katholischen (Wstlichkeit doch , nicht allen politischen Sinn verloren hatten/ die Parole der Wahlenthaltung setzte sich Mtdurch. Der König «öffnete selbst das Pärldment in Belfast und obzwar es auch bei Wer . Feier zu schweren Unruhen kam, scheint das Weriment geglückt zu sein. Lloyd George lud nun de Daltra §u Verhandlungen ein, de Valera nahm in eRW höflichen Brief an, und die beiden vereinbarten Mächst einen Waffenstillstand, der unter fteudigem am letzten Samstag in Dublin proklamiert S'^ Dre Einleitung dies« Besprechungm ist ein Mffet, schön« Sieg d« Vernunft. Es ist die für eine liche Erörterung notwendige Stimmung geschaffen, r kommt jetzt darauf an, daß beide Telle die eie Linie finden. Wenn die Iren über die Forderüsig ihrer nationalen und administrattven Autonomie nicht hinaurgehen und im Reichsoerband verbleiben, Jean andererseits die konservative Partei in England ihre starrsinnige Betonung der Autorität und der Re- Mrung d« starken Hand auf gibt und Irland die w lange und vergeblich geforderte HpvreMz. die Die Orientsragen. i PairiS, '11. Juli. (Havas.) Die WmMtzr verhandelt die Ergänzungskredite. *■ : Mgeordneter Svulier (Unabhängiger Radikaler) Lenkt die Auftnerksamkeit der Regierung aufdie Angelegenheiten in Syrien, wo Deutschland, das die Stärke Frankreichs. am Rhein kenne, ihm Schwierigkeiten zu bereiten trachte. Die Truppen Kemals seien zum größten Delle von deutschen Militärs organisiert. Redner fordert eine aktivere Politik in Syrien.; Ministerpräsident Briand erwidert! Ts handelt sich darum, ob wir mit den Türken Krieg führen. Einerseits aber verweigert man der Regierung die notwendigen Kredite zu einer wirksamen Intervention, andererseits verlangt man von ihr, daß sie nachdrücklich vorgehe. Diese beide» Dinge sind unvereinbar. Man jkann nicht Unmögliches verlangen. Der Ministerpräsident erklärt, er. habe sich! bemüht, die Verbündeten zu überzeugen, daß eine Revision des Vertrages von Sevres notwendig sei, da dieser die Überlieferungen allzusehr verletze. Es handle sich darum, ob Frankreich wieder zu einem freundschaftlichen Frieden mit der Türkei und zu' Verhältnisse«! gelange, wie sie vor dem Kriege bestanden haben, oder ob es die Feindschaft fvptsetzen werde. Der Myrster- . piWdWL MückL ftM UeberMtzung - mi3;V tzM eistet; Lösung in erstereNr Sinne eintreten werde, wenn auf beiden Seiten günstige Voraussetzungen vorhanden feie«. Frankreich sei bereit, die sofortige Einstellung der Feindseltgke it«n anzuorbnen und Vertreter zu entsenden, die in einer gemischten Kommission die Frage der Grenzen regeln werden. Frankreich. werde erklären, daß «s in keiner Weise die Grundsätze der Nationalisten und die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Türken beeinträchtigen wolle. Der Ministerpräsident erklärt weiter-: Wenn die zilizische Frage mit' den türkischen Nationalisten, die manche vielleicht für. Fanatiker halten, . die jedoch Patrioten sind, denen ich volle Anerkennung zolle, geregelt ist, wird das syrische Problem aus. der Welt geschafft sein. ■ .!■ In Beantwortung der Bemerkungen verschiedener RedMr bezüglW der auswärtigen Politik im allgemeinen saMe der MinisterpräsWn'tr Würde .ich mich! allzu vpttmistischer Worte bedienen, so könnte man dies verdächtig! finden. Ich habe.aber das RechA M sagen, daß die Lage Frankreichs n tcht beunruhigend ist. Wett entfernt davon. Um seM Interessen und seine Würde zu verteidigenbesitzt H eine Machet dort, wo sie vorhanden sein Die deutsche öffentliche Meinung mag durch heu alten alttreutschen Geist vergiftet bleiben, sich: den Lehrer der Ereignisse verschließen, von ihren demokratisch«» Einrichtungen abzukommen versuchen, und selbst von einer unmöglichen Vergeltung sprechen: Frankreich' steht am Rhein und: es kann nicht zulässen, baß Deutschs - lanb so werde, daß FrankreiM bahurU; bchxM würde. >, i',:.V :' v- In' -Gesprechun'g der EMMsst. A- DÄschlesien stellt der Ministerpräsident fest, baß die französischen Truppen manchmal m einer schwierigen Lage sich befanden, die zurns Blutvergießen führen konnte. Redner habe mit Zustimmung der . Kammer allegetan, um alles zu vermeiden, was das Land in eine Abenteuerpolitik stürzen könnte. General Leronb habe unter sehr undankbaren Verhältnissen - in Oberschlesien, das l kein deutsches Gebiet sei^ bWuWeMWMÜrdfW-' Weisem seine.Pflicht getan. ' / . -In Besprechung der Frage der Mriegsschülditzen Erklärt der Ministerpräsident: Diese Frage bildet einen Bestandteil des Ultimatum-. Deutschland tat so, als W es zu Gericht sitzen würbe. Aber die sranzösifch^ Mgierung hat die Zwecklosigkeit der Anwesenheit der französischen Mission in Leipzig festgestsllt, da sie Mr einer Justizkomödie beiwohne« würde. . - In Zusammenfassung der 'äußeren PolG? erklärt Redner, er habe militärische Expeditionen vermeiden wollen. Falls es unglücklicherweise dazu kommen sollte, baß der germanische Drang zur Vertreibung des Kabinetts Wirth führen und Deutschland zu einer für Frankreich gefährlichen Politik zurück führe« würde, besitze Frankreich allenötige, um die 7 Q»ge wieder inrechte Geleise zn bringen. Frankreich' würde -ein« 'Schwäche zeigen. ' ' - »Ungar« muß sich Le« Tatsache« ve«ge«." Lake Ionese» in der Kammer. Bukarest, 11. Juli. (Funkspruch.) In der Kammer sprach der Minister des Arußern Take Jvnesen über die Politik Rumäniens. : Er führte unter anderem ans. daß Rumänien das Gebiet, das ihm durch die verschiedenen FriedenSverttäge zugewiese» worden , sei, behalten zu wissen werde, und daß die k l e i n e E n t e n t e, die Ungarn wie ein eherner Wall umgebe, dieses Land zwinge» «erde, sich de« Tatsache» zu beugen und seine Versuche aufzugeben, die Teile, die einst zu Ungarn gehStt haben, wieder z» erlangen. Die ne«en Grenzen Ungarns. De» Botschafterrat errichtet eine» Greuzfeststellnng». - ausschutz. Budapest, 11. Juli. (Ung. Tel -Korr.»B«r.) DaS Generalsekretariat des BotschafterräteS hat m einer Note die Mgarische Regierung au'gefordett, sie möge in dem innerhalb 14 Tage» »ach dem JnSlebmtteten des Vertrages vo» Triano» zv Menden GreuzfeststrllungSansschuß Delegierte ernennen. In Ungarn werden vier Grrnzbestrmmungskommisstvuen ausgestellt,. von denen jede auS fünf vom Botschästerrate z« ernennenden und je einem von Ungarn und von dem betreffende» interessierte» Nachbarstaat z» delegierenden Mitglied sowie Fachleute» und dem notwendigen Hilfspersonal bestehen wird, so daß Selbstverwaltung, zugefteht, dann kann endlich diese irische Frage zur Ruhe kommen, die den Iren nach jahrhundertelangem Leiden ihr natürliches Recht wieder bringt. Lloyd Georg gibt die Polttik des Prestiges auf und will die irischen Hochverräter als Partner an dem Wettimperium anerkm»W. Wes« Oestrrreich-Mamv «SM Wchen die Grenzen gegen jeden Staat von ein« besondere« Kommission , festgestellt werde. Die KS«igt«-M«tter »»« Spanie« beim Exkö«ig Karl. Luzer», 11. Juli. Die Königin-Mutter vo» Spanien ist in Begleitung ihre- Bruder- Eugen HabSbmg zum Btsuche dtS Exkönig-Karl m Hettenstein «mgetroffe». Das Programm der zionisüsche« Minorität i« Amerika. Nrw-Dvrk, 8. Juli. (Jüd. Sorr.-Bnr.) Die m PiÜSbmg stattgcfundene Konferenz der M i« d e r h e i t S g r n p p » der zionistischen Organisation Amerikas beschloß die Bildung einer P a l ä st i« ä- E n t w i ck l u n g s r a t e S und die Aufbringung eine- Fonds von 5 M i l l i 0 n e a D 0 l l a r. Dil bereits gesammelte» 3b0.vvy Dollar solle» in die genoffem schastlicheE n groS-Haudelsgesells ch a f t investirri werden, die ihre Tätigkeit anfangs September anfnchwm soll.^ > Oberrichter B r a n d e i s erklärt« in seiner Rede, hie ökonomische Arbeit in P a l äst i n « sei jetzt du! wichtiger als die politische. Die neue Organisation z i e h e s ich vvnderzionistischenOrganisstio » krine-- w e g S z u r ü ck, fie lehn« jedoch ab, sich 0» der ziouMchyr Leitung zu beteiligen, so lange ihre Grundsätze nicht dnvchgedrungen seien. Die Kouferenz beschloß, »0« zionistische» Äsest» kongreß in Karlsbad fernzubleibe». Staatsmann gehabt hätte! Die Bellegung des irisch englischen Streites ist für ganz Europa von ungeheur« Wichtigkeit. Ihr Gelingen würde wird« beweisen, daß dte Gewalt nur sich selbst verzehrt und daß ein Volk unüberwindlich ist, so lange es an sich ftlbst glaubt und seine SelbMestiAAMg keim« mfie »WO wf<« v ,1.

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