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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-10 · Heft 881 (10.7.1921) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 881 (10.7.1921)
Date
1921-07-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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mm f- Wien. Sonntag Wiener Morgenzernmg Es gehört wohl zu den traurigsten Auswüchsen dieser verhetzte» Zeit, daß rin Arzt im Dienste nicht wenigstens soviel Selbstbeherrschung auibringt, um sich tue Ausbrüche ferner ,Gefinnurig* auf die dienstfreie Zeit auszusparen und Kranke, die erste Hilfe bei rhm suchen, mit Beschimpfungen und Beleidigunaen empfängt! Ls wäre wohl erwünscht, daß die kompetenten Stellen hier schleunigst nach dem Rechte« sehen und einen Uns«- absttllen der mit der Würoe und dem Rufe de- Allgemeinen Krankenhauses wenig vereinbar ist! Türke und Filmschauspielerin. Ein kostspieliges Erlebnis hatte kürzlich ein Kaufmann aus Bagdad, der in Wim seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat. Der Türke hatte vor einigen Monaten in einem Cafs eine Frau kennen gelernt, die sich Johanna Kirbista nannte. Er machte rhr den Hof und sie zeigte sich nicht spröde. Sie erzählte ihm, sie sei eine geschiedene Frau und habe ein Kind aus -der Ehe, das in Berlin der Megceltern sei. Auch der Va:er des Kindes lebe in Berlrn und sei ein reicher Mann, der für das Kind fünf Millionen Mark zu zahlen beabsichtige, und der Fruchtgenuß, vielleicht der Betrag selbst, weide thr zukommen. Sie sei gezwungen, sich ihre» Unterhalt als Filmschauspulerin zu sucheu. Der Türke glaubte all das aufs Wort und beschloß, sie zu heiraten. Vor der Hochzeit erklärte die Frau, daß fie »ach Berlin rersen müsse, um die Sache wegen . des Kindes zu regeln. Sie reiste wirklich ab und kam mit der Freudenbotschaft zurück, daß alles in Ordnung sei, doch werde sie zuerst - nach Olmütz fahren, um ihre Paprere in Ordnung ru bringen. Für de« ü. d. M. war die AbreAe der Frau Kub-sta nach Olmütz anberaumt und der Türke sollte sich auf dem Nordbahnhose «infinden, nm sich von der Braut) zu verabschieden. Der Türke war auch auf dem Bahnhose, wer »der nicht kam, war seine Suleika. Fn der Zeit des Brautstandes hatte er ehr wiederholt mit G ld ausgeholfen »nd ihr auch Kleider und Wäsche gekauft hatte. Der Aufwand belief sich auf rund eine halbe Milliou Kronen. Der Bagdader Kaufmann kannte die Wohnung seiner Schönen, l„ Dornoafse 6, md eilte dahi», um sich nach dem Grund dkL Ausbleibens zu erkundige». Da wurde er schwer entiüuscht. Er hörte, daß Frau Kubista wirklich eine zeitlang m dem Haus gelebt hat. «nd »war gemeinsam mit einem angeblichen Filmschavspieler Artur F r ü n k e L. Der Türke hörte aber auch das Gerücht, daß feine Braut vor etwa drei bis vier Wochen diesen Fränkel g eheiratet habe» soll. Der Tücke erstattete die polizeiliche Anzeige- Josefiue Kubist» hat den Türken lediglich als AuSbentungsobjekt betrachtet, um auf seine Kosten mit Fränkel ausznwandern. DaS Paar wird steckbrieflich verfolgt. ' /io. suirrazf Me 7 Heime für sittlich gefährdete Kinder. Die .Rathauskottespondrnz" meldet: Die Gemeinde Wie« hak sich seit längerem der schwierigen Ausgabe der Fürsorge» -rziehung sittlich gefährdeter Kinder mürrzogen. ES entstand ^nächst die hetlpadagogische Anstalt in Hderhvllabruun in einer Reihe der früher Kriegsflüchtige« zm» Aufenthalt dirumde» Baracken. Da dieses Provisorium bei den Mgrheuren Kaste« Nicht länger haltbar war, hat die Gemeinde Wlm da- BerorgnngShanS St. Andrä a. d. Traisen geräumt und daselbst eine heilpädagogische Anstalt für 160 gefährdete Knaben und Jünglinge «richtet. Gleichzeitig mit der Auflösung der Anstalt in Obe»Hollabrunn wurden vom amtsführ,»de» Stadtrat Prof. Dr. T a n d l e r mit dem damalige« Bmdeöminister Dr. Resch Berhandlungrn gepflogen, deren Resultat ein Uebereinkommrn war, dahingehend, daß das OffizierSwaeseninstitut i» H i r t e n b r r g, in dem 120 Kinder untergebracht sind, der Stadt Wie» zu« Betriebe ««er heilpädagogischen Anstalt für Mädchen überlassen wird. Die Verhandlungen waren bereits so wett gediehen, daß aller festgesetzt war. Der Stadtsenat hat am 28. Juni der Gemrinderat in seiner Sitzung vom 80. Juni dieses Uetereinkomme» gebilligt. Nun hat der M inisterrat durch feine» Beschluß vom 6. Juli erklärt, daß die Anstalt in Hirtmberg für Waisen »ach Militärpersoneu erhalte» bleiben muß. und damit der Gemeinde Wien die Möglichkeit, ein heilpädagogisches Institut für sittlich gefährdete Mädchen zu «richte«, endgültig genommen. Bemerkt sei noch, daß die 180 in Hirten- Lerg untergebrachten Kruder bequem in dem ebenfalls dem Staate gehörigen Waisenhaus m I u d e n a «. daS halb leer ist, untergebracht werden kvunten. Der Staat, welch« eigentlich gesetzlich verpflichtet wäre, Fürsorgeerziehung zu leisten, entzieht sich nicht nur dieser seiner Leistung, sondern macht dir freiwillige Uebeimhme und kostspielige Durchführung dieser Institute der Gemeinde absolut unmöglich. Unter solche» Umstände» wird die Gemeinde Wien deimiächst darüber schlüffig werde» müssen, ob sie «jch^jegliche Art der Heilpädagogik überhaupt ablehnt. ' Die .Mahnte von ausländischen Krediten. Im Finanztmb Budgekausschuß referiert« Berichterstatter Dr. Gürtler über den Gesetzentwurf, betreffend die Ermächtigung d«r Regierung zur Aufnahme von ausländischen Krediten und zu deren Sicherstellung. Er machte darauf aufmerksam, daß es zweckmäßig erscheine, das Gesetz darauf abzustellen, daß seine Bestimmungen nur fix ben Fall eintreten, als der Nationalrat aus eigenem Belieben nicht beisammen sein sollte, und schlage daher im Einvernehmen mit der Regierung vor, den § 1 folgendermaßen einzuleiten: „Falls sich zu einer Zeit, in der der Nationalrat nicht versammelt ist, die dringend« Notwendigkeit herausstellt, im Sinne der von der Regierung mit den Delegierten des Finanzkomitees des Völkerbundes geführten, im Notenwechsel vom 28. April und 9. Mai 1921 niedergelegien Verhandlungen Verträge. über die Beschaffung ausländischer Kredite abzuschließen, wird die Regierung ermächtigt, diese Kredite ohne Beschränkung auf einen Höchst betrag aufzunehmen" usw., nach dem Text der Vorlage. § 3 möge folgende Fassung erhalten: Auf diesem Gesetz beruhende Verträge und Maßnahmen bedürfen der Zustimmung eines vom Nationalrat zu 'wählenden Ausschusses und sind dem Nationalrat bei seinem nächsten Zusammentritt zur Kenntnis zu bringen. Abg. Dr. Bauer erklärte, es gehe nicht an, dev Regierung eine Vollmacht, Verträge abzuschließen, die unsere ganze Handlungsfreiheit für die Zukunft binden sollen, zu erteilen. Man muß sich die Vollmachten näher ansehen, um die es sich handelt. Der vorgeschlagene Text bedeutet eine Verfassungsänderung, da die Regierung ermächtigt werden soll, Staatsverträge über ausländische Kredite abzuschließen. ES wäre daher angezeigter, der Regierung die angesprochene Vollmacht nicht zu geben. .; ,' «Int neue Südpolexpedition. . v Aus London wird berichtet: In aller GMe hat' der bekannte Süd Polforscher Sir Ernest Sha eklet vn in den letzten Monaten die Vorbereitungen für eine neue großangelegte Forschungsreise nach dem Gebiet der Antarktis getroffen. Die Ausreise wird anfangs August vom Londoner Hafen aus erfolgen und die gesamte Fahrt sich auf eine Wegstrecke von 30.000 Meilen belaufen. Bon seiner früheren Mannschaft wird Shackleton sechs Leute mitnehmen, di» ihn bereuauf feinen Reisen mtt b«m „Nimrod" und mit der „Enduranoe" begleitet haben. GS sind di«S erprobte, wetterfeste Männer, die neben ihrem Führer die Leitung Über die neu aufgenommene HilfSmmrnschaft übernehmen sollen. Die Reise wird nicht bloß der Erforschung noch knbekannier Gebiete der Antarktis gelten, sondern es sollen auch einige wenig bekannte Inseln des Atlantischen und Großen Ozeans ausgesucht und nach wissenschaftlichen Methoden durchforscht werben. Das neue Expeditionsschiff, daS fertig in den Blocks von Southampton liegt, führt den Namen „The Quest" („Der Suchet). Es ist mit den neuesten Apparaten ausgestattet und hat vor allem eine drahtlose Telegraphenanlage an Bord, die Unter der persönlichen Leitung Marevnis hergestellt wurde, und die es dem Leiter der Expedition^ ermöglichen soll, während der ganzen Dauer seiner Expedition mit den Türmen Amerikas und vielleicht auch Englands in Verbindung zu bleiben. Sollte die Verbindung nicht durch die in der Antarktis herrschenden magnetischen Strömungen in der Atmosphäre gestört werden, so könnte sich die Möglichkeit ergeben, daß di« täglichen Reisebulletins Shackletous die Kulturwelt erreichen, ein Fall, der in der ganzen Forschungsgeschichte der Menschheit «och. nicht bagewesen ist. Die Kosten des Unternehmens trägt eine Gruppe, von Kapitalisten, an deren Spitze der englische Finanzmann Mr. John Quiller Rowett steht. Die Reife werden auch eine Reihe von Fachgelehrten mitmachen, da man auf den Gebiete» der Zoologie, Biologie und Geologie einige neue aufschlußreiche Entdeckungen zu machen hofft. Außer meteorologischen und photographischen Apparaten wird auch «ine kinematographlsche Werkstätte eingerichtet werden. An Bord wird sich! des weiteren ein großer Hydroplan befinden, für den auf dem Schiffe eine eigene Abfahrts- und Landungsterrasse gebaut wurde. DaS Flugzeug ist gleichfalls mit einem selbständigen drahtlosen Telegraphenapparat ausgestattet und soll es ermöglichen, in den unwegsamen Eis gebieten der Antarktis eine bessere Orientierung zu finden. Während der ganzen Reist werden auch systematische Tiefenmessungen vorgenommen werben; für diesen Zw^k befinden sich neuartig konstruierte Mestinsttumente an Bord. * Die Reiseroute wird nach MtKeilmigM Sir ShackletonS folgendermaßen verlaufen: Bon London wird sich bas Expeditionsschiff nach Madeira begeben, dann die St. PaulS Rocks, eine noch worrjg bekannte Insel in der Nähe der AequatyrS, anlaustn. Von dort geht die Reist nach Trinidad, wo große petrifizierte Wälder untersucht werden sollen. Sodann werden Tristan da Cuncha und Gongh Island aufgesucht, zwei Inseln, Hst überhaupt noch! von keiner wissenschaftlichen Expedition besucht wurden. Auf diesen Inseln sollen sich einige seltene Dogelarstn befinden- In diesem Gebiet des Ozeans werden noch eingehende Tstfseemessungen vorgenomrwm werden, da viele Anzeichen dafür sprechen, baß sich' hstr eine unter« ozeanische Verbindung zwischen Amerika und Afrika befindet. Von Kapstadt aüwirb barm bst eigentliche Reist nach der Antarktis angetretkn werden, und Es fpreMr noch' BühibeSmIiriftH: Dr. Mrlm irt und Abgeordneter Dr. Clessin, worauf die Beratung über bas Gesetz behufs Einleitung, pon Partei^ besprechungen unterbrochen wird. Nach Wiederaufnahme der Sitzung legt der Be-rich'öerstatter Dr. Gürtler auf Grund der Verhandlung-! gen mit den Parteien folgenden Gesetzestext vor: § 1. Falls sich, zu einer Zeit, in der lder National-, rat nicht versammelt ist, die dringende Notwendigkeils herausstellt, wird die Regierung ermächtigt, im Sinns' der von ihr mit den Delegierten des Finanzklomiteesk des Völkerbundes geführten, im Notenwechsel vom 28. April 1921 und vom 9. Mai 1921 niedergelegten Verhandlungen, ausländische Kredite ohne Beschrän-! kung auf einen Höchstbetrag aufzunehmen, zur Sicher/ stsllung der Verzinsung und der Rückzahlung dieser Kredite die Erträgnisse der Zölle, des Tabak/ Monopols und der Staats forste ganz oder, teilweise zu verpfänden und die der besosi^ deren Widmung, dieser Einkünfte entsprechenden und! zur Sicherstellung erforderlichen VerwpltnngseinrW' Lungen zu schaffen. . Abg. D'r. Bauer erklärt, seine Partei sei nW in der Lage, für diese Fassung zu stimmen, da es ftchs Um eine Vollmacht an eine Regierung handelt, der die Sozialdemokraten in Opposition gegenüber-' stehen. Obmann Dr. Nenner konstatiert, daß nach! der Verfassung nur solche Gesetze als Verfassungsgesetze! gelten, die ausdrücklich! im Titel als solche bezeichnet' sind und daß nur durch! solche Gesetze Bestimmungen! der Verfassung ,ab ge ändert werden können. ■ Bei der Ab stimm ung wird der Gesetzentttlurs in der vom Berichterstatter beantragten Fassung a ngenommen. ' Zum Berichterstatter für düs Haus wird Abgevrbüeter Dr. Gürtler bestellt. " FtP! l|l p|fl*n.|pi||*pMiauf^M|^|||| illlllllirilllllilllllH. lü (I«ll*¥ni«*WWn^ zwar m süölrcher Richtung vom Kap der Guten Hoffnung aus. Dstse Seite des Südpolargebstts ist nahezu un* bekannt. Es soll sich hier eine zusammenhängende Land-l Masse befinden, von der man aber noch nicht weiß, ob' sie mit dem antarktischen Kontinent zusammenhängt oder eine große Insel ist. Unterwegs hofft man auch' auf einige kleinere Inseln zu stoßen, von denen bereits in verschiedenen Missionsberichten ab und zu Erwähnung getan wurde, ohne daß aber wissenschaftlich' LralMare Daten über fie bekannt wären. Sammlungen der „Wiener Morgenzeituru;".' Für die Pogromwaisen. A. B. K 50; bisher K 38.800. Für bi« ukrainischen P o g r o ur o p s e r. ,, Beamtenschaft des „Kompaß" T 14.500, F. W. lCO/SlI kl 80, O. Glaser K 1000, Jakob Fried, k, Schüler-! siraße 16 K 500, Sammlung der Fra« Anna O r t n e r anläßlich deS Ablebens deS Herrn Wilhelm Schreiber K 7376) A. P. IS X100, G. Nagh « 200, H. Hesli« ger L 900,! B. BarackerL 100, F. NezesaalL 160, I. M e n z^l K 800, G. SeebergerL 140, A. Steckerl K 300/ Sonja Blatt K 400,Her«. Blatt K 800, Nathan Mala-! mat K800, Julias Steiner, Graz K1000, Frauenbund K 10.000; bisher K 160,800. .■> ©er österreichische Außendienst. Im Ausschuß für AeußereS des NationalratkS machte dev Kanzler Dr.SchoVer folgende Mitteilungen; Was den Ausbau deS Ko«snlardiensteSa«laugt,sowurdeinMailand ein BerufSkonsulat u«d in B e n e d i g eme Paßstelle eingerichtet. Die! Aufstellung von Berufskonsulaten in Lemberg «nd Czer-1. n 0 w i tz ist im 8«ge, ebenso wie in Athen und Barcelona) ES ist lern« geplant, die Paßstelle» in Mährisch.Ostrau) BrÜnnnndPreßbnrg in Konsulate «mzuwandeln. Die! Zustimmung hiezu hat dir tschecho-flowakische Regierung in Aussicht gestellt. Da- Berns-konsnlat in Frankfurt am Main; »«de in ein Honoraramt ««gewandelt. Gestenkfeter für Bertha Suttner «nd / A» A. Fried. , Gtsirrn veranstaltete die Oesterreichische FriedmSgesellschafi gemeinsam mit der Internationalen Friedensliga eine GedächmiS? frier für Lettha Suttner und A. H. F r i e d im Große» M«sikverrin§saas. Rach einem Orgelvortrag de- Professors Dit^ hielt Präsident R. Goldfchei« eme kurze BegrüßungS4 anfprache, in welcher er die Bedeutung der Feier hervorhob. Fra« Marianne Hainisch erinnert in ihrer Gedenkrede a« de« vor siebe« Äahrm in Wien veranstalteten Empfang z» Ehren der Tellurhmer an d« Tagung deS Franrn-Wellbundeö! in Rom. . \ Fra» van Jtalkie von Embden (Holland) würdigte dir! Tätigkeit Berta' SuttnerS im Interesse der Bekämpfung des Weltkrieg«-. Das ausgesucht Beste ■ 11 um 11 1.11. I Ml .. U.IIIM I —1. » .. II in Herr*«- «nä Nwi Wißnflff Resftfinmessfi« Rv Jets« Infolg« Prelwtwws wwnsni»in.^iwuatl%tor tori Schwan & Cu- VI.. Wiodmfllilna«a L 1 is

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