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Wiener Morgenzeitung · 1921-07-08 · Heft 879 (8.7.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 879 (8.7.1921)
Date
1921-07-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der deutsche Minister des Aeußern Dr. Rosen begab sich gestern aus eigenem Antrieb auf die französische Botschaft in Berlin, um dem Botschafter Laurent das Bedauern über den Zwischenfall von Beuthen auszusprechen. Zm Gespräch mit dem Minister betonte der Botschafter die schweren Gefahren, die in der Ansammlung von Freiwilligen und Freikorps in Schlesien liegen, wie dies die deutschen Blätter selbst in den letzten Tagen hervorgehoben hätten. Minister Dr. Rosen versicherte, die deutsche Regierung sei bestrebt, Abhilfe zu schaffen, insbesondere durch Zuweisung von Arbeitsgelegenheit an die aus Oberschlesten zurückftrömenden entlassenen Freiwilligen. Der stanzösische Botschafter lenkte ferner die Aufmerksamkeit des Ministers auf den gegen Frankreich und die Eingeborenentmppen geführten Feldzug der nationalistischen Presse, der die Grundursache der Zwischenfälle sei, denen Franzosen zum Opfer ge* fallen sind. Der Botschafter gab auch dem Bedauern über die Verleumdungen Ausdruck, die von den deutschen Blättern ständig gebracht werden, wie man dies neuerlich im Falle des getöteten Majors Mon* talSgre gesehen habe. Minister Dr. Rosen erklärte wiederholt, er bedaure die beklagenswerten Zwischenfälle, die die Bemühungen der d e u t s ch e n R e g i e r u n g zur Besserung der französisch-deutschen Beziehungen allzuoft behindern. Die englische Flotte angriffsbereit. Lorrdo«, 7. Juli. (Tel.-Komp.) Nach Meldungen aus Malta ist die Zufammenziehnng der englischen Kriegsschiffe im Bosporus beendet. Die vor Konstantinopel kreuzende englische Flotte hat alle Dorbe- "KnMrgtmr, 7. Juli. Eunkspruch.) Die gesamte englische Mittelmeerflotts einschließlich deS FlugzeugdepvtMfstS „Pegasus" ist auf dem Wege nach KvnstüNtiuopel. ES verlautet, baß auch von England Berftärkungön aLgestnbet werden. Lsndon, 7. Juli. (Del.-Komp.) Wer UnterstaatAstkvetär für auSwärttge Angelegenheiten erklärte gestern im Unterhaus, baß die Engländer in Konstantinopel verschiedene Verhaftungen vorgvnommen haben. Unter den 5552 Verhafteten waren 18 russische Staatsangehörige, die der sogenannten Handelsdelegation angehörten. Neun würben wieder in.Freiheit gesetzt, die anderen wurden deportiert. Die Verhaftungen werden auf die Entdeckung der Komplotts zürückqeführt, das eine Revolution in Konstantinopel beabsichtigte. Man habe Beweise dafür, daß als erstes Warenzeichen die Ermordung des Generals Harriton vorgesehen war. Brtand über die Orientfrage«. Paris» 7. Juli. Ministerpräsident B r i a n d bat vor den SmatSau-schüffe« für AenßereS vnd Finanzen Erklärungen über die Orientfrage abgeqrhen, in denen er ausführte, daß eine rasche Regelung der zwischen Frankreich und der Türkei noch schwebenden x Frage« sowie die ne»e N i ch t o n g d e r französischen Politik in Syrien ermöglichen werden, die. Stärke der ftanzösischtn Besatzungstrvpven sowie die allgemeine» Ausgaben auf das Mindestmaß herabzusetzen. Der Friede mit der Türkei werde in der nächsten Zeit Zustandekommen, wobei es durchaus möglich fei, daß eme Berichtigung der Grenzen einem Sonderabkommen Vorbehalten würde. Was die in K o » st a n- U n o p el stehenden stanzösischm Truppen anlangt, so würden sie niemals zu Krregsoperalionen in dem griechisch-türkischen Konflkkt verwendet werden. Der Ministerpräsident verlangte um dir nötigen K r e d 11 c für die Verhandlungen über die Schaffung eineneu« diplomatischen Statut« für Z r l i z i e n. Der Streit «« de« Oberste« Rat. London» 7. Juli. Wie da- Reutersche Bureau ersähch «aird der Oberste Rat wahrscheinlich in der zweiten Hülste deö Monats J »l i in Boulogne zu seiner nächste» Sitzung' zusammentreten. Pani», 7. Juli. »Journal des DöbatS* bezweifelt die Meldung deS Reulerschen Bureau-, daß die nächste Sitzung des Obersten Rite« in der zweite» Julihälfte in Bonlogue statifinden soll. In Pariser destuntiinchteten Kreisen besitze man keine Vestälignng dieser Nachricht. Man glaube tot Gegenteil gu Msscu, daß der Oberste Rat erst in eine« späteren Zeitpunkt als fei auch der Ort der Tagung noch nicht festgesetzt. ES habe vielmehr den Anschein, daß sie in Paris und nicht in Boalogne stattfinden werde. Die deutsche« Wiedergutmachvngen. Louchenr über die Verhandlungen. Pari», 7. Juli. Bor den SenatSauSschüffen für ArußereS und Finanzen erörterte Minister Louchenr daS Systemdessen Hinwendung er iudrn Wiesbaden« und Pariser Verhandlungen - zur Geltung z» bringen versuchthabe, und daS darin bestehe, von Deutschland Wiedergutmachungen in natnra z« verlangen, die zu leisten es sich bereit erttäre nnd als sein direkte- Interesse bezeichne. Louchenr verwies darauf, daß der deutsche Mmister R a t h e n a u die Notwendigkeit begriffen zu habm scheine, eine für beide Teile vorteilhafte Regelung vorzuschlagen. Louchenr denkt au dir Schaffung zweier Institutionen auf französisch'r und deutscher Seite, welche die D u r ch f ü h r u « g der Naturallieferungen irr die Hand nehmen würde», wobei jedoch die jährliche Uebcrweisnng von ausländ,schm Devisennvd Goldmarkbcträgm nicht vollständig ausgeschlossen sein soll. __ Polnisch-tschechische Armäherungs» bestrebungen. Warschau. 7. Juli. (W. P. G.) Wie der »Kurier Poramih" mitte-lt. hat sich der neuernannte polnische Gesandte für die Tschecho-Slowakei, Erasmus P i l tz, dahin geäußert, er fahre nicht nach Prag um bereits irgendwelche Verträge abzufchließe», sonder» um vorerst zn sondieren, ob und in welcher Wesse eine politische und wirtschaftliche Verständeg » n g zwischen Polen und der Tschecho-Slowakei erfolge« könnte. Hierauf werde er «ach Warschau zurückkehre«, um dem Minister de- Aeußeru Bericht z» erstatten und die «ötigeu Instruktionen eutgegenzunehmen. _^__ Der neue polnische ErnLhrrmgsmilrister. Warschau, 7. Juli. (W. P. G.) Die Ernennung deS Abgeordneten Grzedzielski zum Ernährung-minister ist bereits unterzeichnet. Die Hauptaufgabe deS neuen Ministerwird die Einführung deS freie» Handels v er k ehr - fein. Vor der Et«fShr«ag des freie» Handelsverkehrs in Pole«. Marsch a«, 7. Juli. (Poltz. Ttl.-Agentur.) Die Ernennung de- Abgeordneten Grzedzrelskt zum Er nährungsminister ist bereits unterzeichnet. Die Hauptaufgabe des neuen Ministers wird tö* Einführung des freien Handelsverkehrs feiu. Di« Ko«fere«z der rio«lstifche« Minorität in Amerika. 4. Juli. (Jüb. Kvrr Äur.) Wester« wurde hier unter dem Vorsitz Julian Macks eine Konvention der gegenwärtigen zionistischen Minorität eröffnet, die heute ihren Fortgang nimmt. An derv Tagung nehmen 300 Delegierte teil. AlS Redner traten Overrabbiner Brandeis, Professor Frankfurter, Robert Szvld, PrvMo.r Friedenwold ■jah.Xa&iim /fcsttw*. «fe ’" .. Balfour gestorben. w iy]4iu« \/v(M OVUU»VeI «11^9 ist gestern Lord ArturJameS Balfo», gestorben. Artur Balfour- Name wird' mit der Geschichte des jüdischen Volkes ewig verbunden bleiben. Er hat als Minister des Aeußern am 3. November 1916 jenen- Brief an Lord Rothschild unterfertigt, in welchem er den Willen der englischen Nation aussprach', das nationale Heim der Juden in Palästina zu errichten»' Er hat den Entwicklungsgang der zionistischen Arbeit wie kein zweiter europäischer Staatsmann verstanden und den großen Wert zu schätzen gewußt, den bi& Wieberaufrichtung der jüdischen Freiheit für die Kultur und den Frieden der Wett besitzt. Er ist für deini Zionismus aus einem' tiefen politischen Verständnis eingetreten, bas ihn in den Ereignissen unserer Zeitz die Wirkungen alter Fehler und falscher Kvnstruk»! tionen erkennen ließ. „Das älteste Unrecht der Welt^ hat er selbst die Geschichte des jüdischen Volkes ge^ nannt und es selbst als Ehre empfunden, das «Seiet* zur Beseitigung dieses Unrechtes beitragen zu können? Gerade in dem gegenwärtigen Augenblick, wo in d« Palästina-Politik Englands Unklarheiten sich zeigen^ an deren Aufhellung gearbeitet wird, empfinden wir den Verlust dieses Freundes., als. einen empfindliche« Schlag. m Artur James Balfour, ein Neffe des S6fc« rühmten Lord Salisbury, wurde 1848 geboren, studierte in Eton ureb Cambridge und trat 1874 als Abgeordneter von Hertford in das politische Leben ein, in das ihn sein Onkel, dessen Privatsekretär er war, selbst einsührte. 1886 wurde er in den Kronrat, 1889 in das Kabinett, zuerst, als Sekretär für Schottland, berufen. Bon nun an stand er bis fast an fein Lebensende ununterbrochen in der Oeffentlichkeit und sicherte sich bald einen Ehrenplatz unter den hervorragendsten Staatsmännern Englands. Er gehörte viel«en Mnisterien als Träger wichtiger Ressorts an. Im Jahre 1891 übernahm er die Führung der konservativen Partei im Unterhaus und ien Jahres 1902 den Vorsitz im Kabinett, den er drei Jahre, später niederlegte. Erst im Kriegs trat er wieder^ zunächst als Marineminifler, in die Regierung ein; in welcher er bann unter Llvhb George bas Außenamt übernahm. In diese Zeit fällt sein Schreiben' an Lord Rothschild, in welchem er sagte: „Seiner Majestät Regierung vekrachtöt Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mitWdhlwollen und wirb die größten Anstrengungen machen^' um die Erreichung' dieses Zieles zu erleichtern, iw* bei Klarheit darüber herrschen muß, daß nichts g-e^ tan werben soll, was die bürgerlichen und' tziösen Rechte bestehender nichtjübischer @fentefct? schäften in Palästina oder die Rechte und' pvli^ tische Stellung der Juden in irgend-- einem anderen Lande beeinträchtigen könnte. Ich' bitte Sie, diese Erklärur^g zur Kenntnis der Zionistischen Föderation zu bringen." Im Jahre 1919 trat Balfour, der in vlelern mit der Politik Lsvyd / Georges nicht einverstanden war, wieder ins Privatleben zurück. Auch in der wissenschaftlichen Wett HÄ B'alfours Name Klang und Ansehen gehabt. Er war im Jahr« 1890 Rektor her Universität Edinbürg und' hielt in den Jahren 1913 und 1914 philosophische Dor« lesungen an der Universität Glasgow. Er hat einige Werke über die Philosophie der Skepsis geschrieben^ und hat sich auch auf dem Gebiete der Astronomie versucht. Ein Werk über den Freihandel, in welchems er sich gegen die Hochschutzzoll-Jdeen Chambdrlams wandte^ wurde rnK Deutsche übersetzt. - * Balfour über den Monismus. t In dem Vorwort zn Sokolows „Geschichte des' Monist mns", das Balfour geschrieben hat, tritt er zunächst Meinung entgegen, daß er zur Zeit der Hochflut beS LntÄ semitiSmus in Osteuropa beit von Mr. Chamberlair^ Vorgelegen Plan, eine jüdische Siedlung in Ostafrika unt^

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