Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 877 (6.7.1921)
- Date
- 1921-07-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nur die Großmächte find noch nicht parat, obwohl man meinen sollte, daß es genügen würde» die drei Experten der Völkerbundkommission. die ja inWien die ganze Materie studiert haben, im die Adria zu entsenden. Die Sicherung positiver wirtschastspolitischer Ergebnisse, die von Ententefette als der noch nicht genügend vorberMteZweck dieser Aüssprache bezeichnet wurde, Kann doch nur in der Bestätigung der römischen Vereinbarungen und in der Entscheidung über die Generalhypothek für Oesterreich liegen. Die Verschiebung der Konferenz hat aber andere Gründe, die amtlich wohl nicht zugegeben werden/ sich aber doch aus dem Fluß der Ereigniffe ergeben. -; Der Konferenz ist eine Beratung tschechischer und MagKrischer Unterhändler in Marienbad voran- WWW; ^welche selbstverständlich als Vorstufe zu Portördse gelten MuW "Was biöh'er ^darüber vsrlautbart würde, zeigt» daß eine wirtschaftspolitische Einigung zwischen diesen Staaten' durch die Iniransigenz Ungarns fast zur Unmöglichkeit geworden istr- Ungarn; hat politische Forderungen gestellt,, die sich auf die Behandlung der Minoritäten beziehen. Run steht die Sache so, daß es magyarische Minoritäten in der Slowakei, aber keine tschechischen in . Ungarn gibt, daß hier also kein ReziproZitätsverhältnis ' besteht. Die magyarischen Minoritäten haben sicherlich alles Recht auf Schutz ihrer Sprache und Kultur, aber fie stehen überall unter dem Einfluß der Budapsster Machthaber, dir sich eine starke Jrredenta- Wfition schaffen und die tschechische Politik unter fteiem;3)tucfe halten wollen. Die magyarische Regierung will.' entgegen allen ihren Versicherungen den Vertrag von Trianon obstruieren und sie nährt die allgemeine Uyruhe ..in all den Gebieten, die. Ungarn, abtreten mußte. Solange ihr ihre Pariser Freunde diese Tätigkeit gestatten, kann mit Ungarn kein Abkommen getroffen werden. Ein jeder Vertrag setzt die beiderseitige Loyalität voraus; auf der Horthy-Seite ist sie nicht vorhanden. Dadurch aber wird auch jeder Versuch, die wirtschasllichen Beziehungen. zwischen den Suk- Zesfiynsstaaten zu ordnen, sabotiert. Oesterreich hat besondere Ursache, Ungarns Ehrlichkeit zu bezweifeln. Herr Hegedüs rühmt sich öffentlich, die österreichische Ktone: niedergeohrfeigt zu haben, und es ist bekannt geworden, daß er seit Monaten österreichische Zahlungsmittel ungekauft hat, die er jetzt — als Strafe für Westungarn auf den Markt wirst. ' "Dicht so das magyanscheKnüppelsystem einer freundschaftlichen Einigung derSukzesfionsstaaten im.Wege, so ist andererseits auch in der oberschlesischen Frage dieFortdauer der französisch-englischen Differenzen unverkennbar. Dke einfachste Lösung, das gesamte Gebiet von Insurgenten ünd Selbstschutz zu räumen und seine Verwaltung einer'italienlscheN Zivilkommission bis auf weiteres zu übertrügen, ist bisher noch nicht zur Erörterung gestellt worden.' Die Aspirationen französischer.Kapitalisiert aus die oberschlesische Kohle vereiteln vorläufig jede Beilegung des Streites. Die griechisch-türkische Frage' ist in ein - gefährliches Stadium getreten. - Der Krieg ist im vollsten Gang und vielleicht wird man bald , von einem türkisch-englischen Zusammenstoß hören. Die russische Regierung , hat sich mit starken Kräften engagiert und den Zusammenhang des gesamten kleinasickisch-balkanischen Problems mit dem russischen aufs nette demonstriert. Das Herausschalen einzelner Fragen aus dem europäischen Komplex zeitigt fortwährend seine bösen Früchte und beweist, immer wieder den Mangel jeder großzügigen Konzeption auf Seite der Großmächte,, ♦♦ *> A « rfl i ♦ Die drutsch-franzSfische« Verhandlungen. Berlin, 5. Juli. (Privat.) Der „Zntrarrfingant" meldet, daß die Verhandlungen zwischen de» deutschen und französischen Sachverständigen am 11. d. M. in Paris fortgesetzt werden. Es ist Aussicht vorhanden, zu einer Verständigung zu gelangen. Frankreich verlangt von Deutschland die Lieferung von industriellen Fabrikaten im Werte von 15 Milliarden» die zum Wiederaufbau Frank-' reichs notwendig find, weiters will Frankreich 6000 Lokomobile nnd 25.000 Waggons in Deutschland anTaufen. Das Problem -es WreheraAfbaues. Hamburg, s. Juli. Bor dem Hambnrgffchen > Ansschuß für den Ausbau der Friedenswirtschaft hielt Wiederaufbanminister Dr. Rathena » eine Rede, worin er daS - Problem des Wiederaufbaues behandelte. Dieses Problem sei nur ein Aus" schnitt ayS hem großen europäische« Problem, das' nicht durch die Mittel der Politik, sondern nur von den Pökkein selbst nnd! der Macht dy ErkenintmS gelbst, werden 15m»: -Ds,'- handle sich botoim, einen Koriünent wicher herjvstrve». Alle sei«» in ihrem 1 wirtschaftlichen Lebe» gestört. Diese KrifiS, führt Redner ans, ist eine organische Krankheit eines gesamtwirtschaftlichen Körpers. Bon den Bewohnern dieses Planeten sind 300 Millionen als Konsumenten auSge' schaltet. Eine U m st e l l n n g d e S ProduktionSp tofltd m m s der Welt wird hiedurch erfordert, die nicht in wenigen Jahren vollzogen werdm kann. Leider herrscht noch der Gedanke, eS könne der eine gedeihe«, wenn. der. andere ver" dirbt — der Gedanke der Vergeltung. Gegenwärtig scheint die Politik die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln zu sein« Unter jenen Nationen, mit denen wir im Zdrieg gelebt haben. Hai. sich der Gedanke festgesetzt, es könne ein Golbstrom entspringen, gestaut und gefangen werden, der von. Deutschland ansgeht und alle anderen znc Gesundung führt. . Ein solcher Goldstdom wird kan« entstehen. Wir können nur -mtt der Arbeit unserer Hände nnd uuscreZ Geistes zahle« und wir werden es redlich tun. Wer in Arbeit zahlt, kann nur in Substanzen zahlen, die mit Arbeit behaftet find. Substanzen aber werden mit Arbeit nicht« stärker behaftet als etwa i« Betrage von 4q®/0, wenn wir das Fertigprodukt ins Auge fassen. Wollen wir 4 Milliarden in , Arbeitswerten zahlen, so habe« wir sie mit 6 Milliarde» Substanzen zu verbinden, und eS «reicht dir Ausfuhr, die erforderlich ist, um 4 Milliarden Arbeit zu exportieren, den Betrag von 10 Milliarden. Em solcher Betrag ist nahezu so groß, wie unsere ganze Friedensausfuhr gewesen ist undein solcher Betrag kann nicht aus die Märkte geleitet werden, ohne, daß dadurch schwere Wirkungen ausgelöst werdm bei allen Nationen der Erde. Zweifellos hat man Bedenken gespürt, was geschehen würde,, wenn.die Märkte der Erde.mit deutschen Waren in diesem-Umfang belastet würde», nnd so hat man den I n d e x e r f n n d e u. Der Inder hat mehrere Funktionen. Er. soll einerseits ein Wahrzeichen -deri deutschen Entwicklung im Sinne emes BesiernngSfcheines sein. Nun wird aber nicht das innere Wesen-Deutsch-. landS vom Index gemessen, sondern nur die Leistungen in Güter«. DaS ist aber nicht die wahre Funktion eines Wertmessers siir wirtschaftliche Besserungen. Die zweite Funktion, die wes« Iudex haben soll, war offenkundig, daß er den Dumpingeinflnß hemmen sollte. Auch in dieser Beziehung kann er seine Aufgabe nicht erfüllen. . Er -kann dabin wirken, daß in Deutschland doppelteDamp ftk r a s t: angew.rndet werden müsse, mn dir Wären ins Ausland^ z« treiben.- Aber diesen Effekt der Aus« fvhrsteigerungl will man ja nnd somit kann man und darf man ihn^durch einen Index nicht binden. Die Nebenwirkung hat der Index außerdem, daß er bei jeder der aufeinanderfolgende« deutschen Zahlungen Zweifel darüber auslösen muß, ob eS wünschenswert sei, Einfuhr und Ausfuhr zu steigern oder sich mehr und mchr auf die innere Wirtschaft zu. konzentrieren. Es entsteht em Hin und Her der Aufj fassung. ES kann Vorkommen, daß dre eine Regmung vntritt! sür die Steigerung der Ein« ünd Ausfuhr und daß eino andere! dafür eintutt. Ein- und Ausfuhr zu drosseln, um die Siri huuutt der JvdexeS M «rldeM.^, Aber. das kann nicht , im. Jntereffe der Weltwirtschaft fein, daß ein Staat von der Größe und Wirtschaftskraft Deutschlands in aufe'manderfolgeuden Regierungen ganz verschiedene Prinzipien vertritt. ES ist ein.B er. dienst französischer StaatS.m8nner, daß «kannt worden ist, daß nnr deutsche Arbeitsleistung zur Wiederherstellung diene« fotra, insbesondere zur Wiederherstellung Frankreichs. Do sind die Berhandlungrn in Wiesbaden entstanden und ich kann sage«, daß st« fortschreite», um ein 8 r ist un g S p r o g r a m m zu vereinbaren, an Stelle eines ZahlungSprogramnS. Dieses ElkenntniS aber wird sich Über dis Welt verbreiten. daß Lkistnngsprogramme gesetzt werden müßm. an Stelle von Gold- und Geld- Programme». Em Gold-nnd Geldprograumr wird die Welt nicht hellen, sie kann nur gesunden, wenn sie »ns die Möglichkeit bietet, Produkte zu liefern, die unfrrer Leistnngsfähigkeil angemessen sind, und die dis Weltwirtschaft» wenn fie auf die Märkte komme», nicht zerrütten. Es ist zre Hoffen, daß der große Staat jenseits des OzecmS, mit dem uns hoffentlich ein ewiger Frieden verbmdev wirb' erkennen w«de, daß die Zustande E « r o p a S n e ch t geheilt werden, wenn ein Komplex von der Rltfengröße Amerikas s r r.» b l e i st t« Derheblen dürfe» wir unS nicht, daß Deutschland schwereu und harten Jahren, entgegengeht.- Nur «mn wir'irkmnep, daß!, die Dinge, die «nS auferlrgt sind, rin ganzes Land »nd «n gan-M Dplk fordern, sind wir imstande, die Laste» -« Nag», die «S auferlrgt sind, Hann aber werden wir sie trage». . Wm« .ich» Deutschland diese Atlas-Last getragen, sich ihr gewachsen gezeigt hat, dann kann Deutschland daS Haupt «hSm unter den Völkern, denn eS hat den Wiederaufbau der Welt geschaffen. Das bedeutet eine harte und große Musion «nter den Böller«, , die uns trösten wird in den Zeiten, die kommen. Masienverhaftungen tn Konstanttnopel. London» ü. Juli. Im Nnterhause erklärte HarmSwörth n Erwiderung einer Anftage, der Oherbefehlshablr der Allrierte«. in Konstantinopel, General Harr in g t o n, habe etwa so ge« sährliche Individuen verhaften lassen, die eine Berschwörmy gegen die Sicherheit des Staates angezettelt hattm. Red'ner könne nicht sagen, ob sich irgendwelche Mitglieder der bolschewisischer, Handelsdelegation unter den Verhafteten befinden: er werde hierüber aber noch nähne Auskunft einholen. . - -,, Die griechische Offensive hat sch»» wieder begonnen. Pari-, 5. Juli. (Funkspruch.) Rach Berichtm a«8 Klanasten habe die griechische Offensive am S. d. M. a »f > e, ganzen Front begonnen. Konstantinopel, 4. Juli. (HavaS.) Der griechische Panz«. kreirzer ,Kilkis^ hat die kleine Stadt K a r a m » r s a l am Südufer der Bucht von Jsmid beschoffm, worauf griechischi Matrofenabteilungen ans Land gingen und die Stadt in Brand; steckten. In gleicher Weise wurden nacheinander sämtliche. Ortschaften an diesem Ufer der Bucht behandelt. ‘ Emir FaisAL^— Körrig mn WLzV- ■, pwLarrnerr. London, 8. Jnli. (Jüd. Korr.-Bur.) Emir F a i s v l ist am 24. Juni in B a s r a ringetroffen und wurde vom Vertrete!: deS e n gl i f ch e n O b e r k o m m i f f ä r S «nb dem provffvrischrn S t a a t 8 r a t empfangen. In seiner Antwort auf die Begrüßungsrede forderte Faiful die Anwesenden zur Einigkeit auf und erklärte, daß er nicht «ms prrsönlrchm Gründen, sondern mn seinem Lande z» dienen, »ach Irak gekommen sei. Im weiteren Verlaufe der Rede sagte er: »Ichchatte das Glück, vor einigeu Tagen die Rede Churchills im englische« Uuterhause z« lesen, m der er die Politik der englischen Regierung gegenüber dem arabischen Volke darleste. Wir müffen unseren Dank denjenigen auSdrücken, die »ns i« der Vergangenheit geholfen haben und in Zukunft helfen werden. Ich danke den Bertretem der englischen Regierung für ihren Aemich, den Jntercffen der arabischen Nation zu dienen. In der daraufivlucaden Sitzung des Staatsrafts nmrdt i ee.-M». v.» « W,e,1» 74^9