Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 874 (3.7.1921)
- Date
- 1921-07-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sie schien die große Tat, welche dem -großem Worte der Zuerkevnunq Palästinas an die Juden im Vertrage von San . Remo folgte. Dem Manne aus angesehener englisch-jüdischer Familie mit dem schönen offenen Jüd'engesichte wurdeder höchste Ehrenplatz inder jüdischen. Geschichte, der Platz neben Nehemia, dem Erbauer des Zweiten jüdischen Reiches, angewiesen. Nicht die Schwärmer 'allein taten es, - sondern alle. Alle wurden, hingerissen und die kritischesten Geister und kühlsten Rechner ergaben sich dem Gndrucke des Geschehnisses. Sein Einzug in Jerusalem war-der Einzug eines von der Vorsehung gesandten Befreiers. Als er, von Begeisterung umtost, sein Bekenntnis zum Zionismus aussprach, dachte weder er noch -sonst jemand daran,, das Wort, das-so selbstverständlich klang, zu wägen-üüd zu prüfen. . Die Periode 'der Freude war kurz. Der Kampf dÄ Hon ausländischen Agenten und einheimischen Grundbesitzern und -Beamten, welche in der Ordnung eine Gefahr, für ihre Existenz erblickten, verhetzten Araber begaon. Der Gouverneur entschied sofort für eine Politik ' des weitestgehenden Entgegenkommens. Den MbifchlknBeamtem auchsolchem deren TerlNahÄe an den EMM bewiesen. wE'chrMtt-MftrchMikr DermÄtungsposten verliehen. Die aygMaKetz UnttW stifter, 'darünier üherwiefene MördeN wurden steigesprochen oder mit gelindesten Strafen bedacht. Das Vorgehen des Gouverneurs - erregte den Unwillen der Juden, welche sich in -ihrer Rechtssicherheit bedroht sahen. Aber so groß die Erregung war, ein Grund, den zimüsüschenWillen Herbert Samuels anzuzweifeln, lag. nicht vor. Er ging den Weg» -der ihm der richtige schien. , ' Bedenklicher wurde die Sache, als diese Politik in der unmittelbaren Wirkung versagte und -- die Aufregung der Arabck. trotz der Schonung und Belohnung wuchs und schließlich zu den Maiexzeffem in Jaffa führte. Nun tat'Mer Gouverneur einen Schritt,. Her offensichtlich vonMlonistischen Ziele cchwich. Er erließ das EinwanderuHsverbot. Er tastete damit das in dem Vertrage von San Remo festgelegte Grundrecht der Juden an, er' verwehrte den Juden de« Eintritt in das jüdische Land. Wohl begründete er das Verbot durch Berufung auf technische Schwierigkeiten, wie mangelnde Arbeitsgelegenheit, Fehlen von Unterkünften und Kapitalsknappheit. Aber die Mühe .war vergeblich. Es war eine Konzession an die meuternden Araber. Um ihre Wut zu beschwichtigen. wurden Hie Juden ausgesperrt, als unliebsame Eindringlinge behandelt. Jetzt wurden auch schon Stimmen lcmt, welche den Gouverneuer des Bruches seines zionistischen Gelöbnisses bezichtigten. Aber das -Einwanderungsverbot - war immerhin befristet und auch Zionisten sprachen sich dahin aus', daß die Maßregel wohl bedenklich, aber vielleicht während der ersten Tage nach den blustgen Ereignissen unumgänglich gewesen sei.. Was aber nachher kam» war faktischer Bruch mit dem Zionismus, offenkundige Verletzung des Vertrages von San Remo. Beim Empfang der/palästinensischen Nolabeln am Namenstag des englischen Königs ließ sich der Gouverneur in eine Erläuterung der Balfourschen Deklaration ein, welche einer Nichtigkeitserklärung gleichkam. Er nahm ihr jeden Sinn und Mett und siellie sie beinahe als eine leere Floskel dar, die den I uden kein Recht auf das Land gewährt. Gs war keine rednerische Entgleisung, denn er ging vom verhängnisvollen Worte zur Tat über. Wenige Tage nach ' .feinet Rede'erließ er eine Proklamation, welche ausfühtt, daß die englische Regierung ihm über sein Ansuchen erlaubt habe, 'ein Parlament der bodenständigen Beivölkerung einzuberufen. Das heißt mtter deck fophistijfchen Vorwand von DemoKrÄie und Gerechtigkeit 'jede jüdische Zukunft im Lande vernichten. Ein Land, welches viele Millionen faffen' und ernähren kann» wird von 660.000, | auf dertiefsien Kulturstufe stehenden, armen, primitiv arbeitenden oder umherschweifenden Arabern bewohnt. Die Erkenntnis, daß die-Juden, und nur die Juden, imstande find, dieses Land msi mb Arlnü ** Müßmüiaec auch Beratungen über ein Abkommen zwischen Amerika, Japan mrii EnWlM: L o y d o rr, 2. Juli. ^Dtzily Chroniele" zufolge wurde . in der gestrige« Sitzung der Reichskonferenz die Frage einer Konferenz zwischen Am'erika,' I ap an un d Engl and neuerdings, erörtert. Die Verhandlungen werden Montag fortgesetzt werden. Der politische Korrespondent des Blattes will wissen, datz man in den Vereinigten Staaten glaube, datz große Neigung für ein Abkommen zwischen de« drei g enannten Mach ten bestehe. Die „Times" melden: Die Mitteilung, datz der Vertrag mit Japan im Znli erlöschen werde, habe auf der Konferenz große H e b erraschung hervorgerufen. Znfolgedeffe» hNten erregte Erörterungen daß gestern ^n«i st e^r nM MrvÄ Wnden. Es verlautet, alle Pr emierm Lloyd Georges gesprochen mittags sprachen nnkex andere« S m u t s und H u gMM. Reuter meldet, daß in asten Uchen Kreisen ti Gehe i m n rd züglich der Beratungen der NeiMi gewahrt werde. Der Gedanke eines ilpSad nationalenA bkommen-s/b Er ef* i frichrr de n S ti ll e n O z e an, 1 von Staatsmännern erwöge« bis jetzt fei weder an die Ber noch an Japan dieferhalben worden, noch fei irgendein konkreter Form erfolgt. woroen» BombenatLentatin Barcelona. 12 Personen getötet. M a d r j d. 2. Juli. (TE-Komp4 An . B a re e L a «M Wtrpe« porgWM im Zentrum der Stadt.LwGAnvehNnnte« MMr«tzyrrschLodeneu SÄstOW- N'p« G-O dan'ß-a M MeMwfen^-dobei - z w ö. Pe r f»' n?ep'U OGMEn pI. .s sHs i ch w e r v e r l etz t wurde«: Eine Anzahl Geschäftshäuser wurde schwer beschädigt, bei derVerfolgung fliehender Personen, in denen man die Attentäter vermutete, wnrde ein Polizist erschossen. Die Griechen zurückgeworfen. Par i s, 2-. IM (Tek-Komp> Die griechische« Truppen find, wie „Petit Parifieu" meldet, in die Gegend ow« Kantay a zur Sffettsive übergegangen,wurde«abebdurch eine» krastigen Gegenstoß der Türke« wieder ln ihre Ausgangsstellungen und tettweife darüber hinaus zurückrgeworfe«. K»nstanti«op«l, 30. Jun'r. (HavaSH Gestem mittags ist Gen«al M u h e d d i n P a s ch.a, der Oberbefehlshaber der kemalistischyr Truppe«, iu JSmid eingetrsfftn, Muhchdin Paschg crllch eine Proklamation, in der er die Sichecheit der Bevölkerung ohDe Unterschied der Religio« garantiert. / . Der engllsche General F r a « ck S begah sich gestern nach . JSmid, wo er von dm kemäbstischen Behörde« kühl empfangen wurde Francs gab die Versicherung, dasi die" alliierten Mächte strikte Neutralität bewahren würden, . Gtgenwärtig sind hie kemalistifchen Truppen in die Linie Der i n d j e---S i n g i r 11 eingerM, die Bon dm alliierte« Mächlen als nevtrale Linie bezeichnet wovdm ist. Friedensznstand zische« AimMaWW den Fentralstaate«. ^. Washington» i. Juli. (Reuter.) Der Sena^hat'mitWgeßm 19 Stimme» die pom Repräsentantenhaus gmehi MtzH Vd'eV mU .- angenommen. . - -- - - Washingtp«, 2.-3uli. (Rmt^). Die^^ KompvmW^öhMolq Porter-fKnox ist gestem dem MsidWte»^aEOz»Lg' zugegangen. . - 'v'; Der Abstimmung über dje RMntio» im -Sonat ^ttg '«tze lebhafte Debatte voraus. Senator-Brand egee (Republik«^ d rückte in Beantwortung einer Anfragt ^. .die -Med»i«s'..äuS,' Verabschiedung der Resolution werde die Zwckckmchme der amtri-! kanischen Truppen aus Deutschland M Folge Hab«. Senator! Mc. K e l l a r (Demokrat) bat ryn^AuÄuust, ob esMicht W Absicht der Republikcmer sei, ansdre Rch»l«tiotz vertrag mit Destschkand .-.wvraoffManlde-'^Ej erwiderte, diese Absicht bestehe rnchtz; dev HarchttSvettrag «nd d« Annahme der Resolutio« würden ^dmMneden mit sich bring^. London,. S. Jqii. BrriM echayer der »Ho«Wg PM oMet MSttn LwM-machdeW der Kongreß dre WrdEWMyn atzMomm« We, - wesdoj A» MM weroen. B»««M mtt der beaustragt. Asm, r. Juli. (StefaM :p&. ststchz beauftragt^ ein Kabinett zu budeu. Bmwmi W W die En« scheidung Vorbehalten. G i o lklM^-.^do^prach ih» sepre Untrv^ ftühuug. Bonomi will daß PottestDt des Anchem dem ^L^ mann des Kammerausschuffes für N a-v a^aMrtm. Rom, 3. Juli. (Funkjpwch^ Die Hchrmg« berichten, datz G i o l i t t i zum brüten M<üe di^ KabdEbädung angetragm! worden sei und daß-« » b e r m aeKS aArgtztche^stHche. T De Valera kommt nicht «ach Londo«. ' Pari», S. J«li. (Funkspruch.) »Ivurnal* meldet aus London, daß D e -D a l e r ä die Eueladrmg 8 l o y d G e o r g e S, nach London zu komme«, a b g e l e h »t habe, weil Sir James Araig seine Einladung, «ach DM« zu einer Besprechung zu koeumen, nicht angenomm«« Habe. Der Astfstaud in Etztmt. Paris, 2. IM Me die »Chieago Tribüne^! aus Kanton meldet, haben die chmeDchen Aufständische«! die. Stadt H a-t f ch.a u MvMMM-und.drjngyn. westwärts vor. 1 für die dort wohnenden Araber segensreichen Eutwicklung zuzuführen, war der Hauptgrund, den Juden das Recht auf ihr altes Heimatland zuzutzwechen. Bor i wenige» Wochen hat der englische Kolonialmwifter iChmchA diespw Gedanken vor den versammelten ArÄbersÜhrem schärfsten Ausdruck verliehen. Der jüdische Gouverneur aber macht sich daran, derselben ZwergbeMkenmg, die sich durch Jahrhunderte Äs unfähig zu jeder Aufbauarbeit . erwiesen hat, dos Schicksal des Judenlandes für ewige Zeiten ünszuliefern. Die Erklärung dieses unheilvolle« Vorgehens . liegt darin» daß Herbert Samuel kein Zionist, fondpm im Grunde des Herzens Assimilationsjude U. Die 2lrt, die augenblickliche Sicherheit als Höchstes zu . - wert«, aag^ichts des drohenden Judenstiydss das Ziel aus den Augen zu verlieren und jedes Mi . anzuwenden, wenn es nur die Wut des PSbels^augW Mcklich W dämpfen vermag, ist typisch affimAatorifch ghettohaft. Samuel ist ein chrftzher, gntgefvntter, brav« Mann. Er hat niemanden bMgen und niemals ge logen. Er ist das Opfer einer^ im stärksten Freudest rausch erfolgten SelbsttäuMng^gwrorden. Er " Ziockst zu sein und war ss>kM. Der ZrchÄ an die höchste Stelle gWM und die um Wahrheit hat ihn in die^HWerungen der Gesl gestürzt, dotthin, wo die WeMhen verzeichnet ste die ihrem Volke geschadet pn. Sein Schicksal traurig und unverdient, abrr^nuabwendbar. FM dej au Prüfungen reichen Heroett Samuel eine bedeutet de.