Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- Heft 873 (2.7.1921)
- Date
- 1921-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelpreis K 3*1.1 pwiww “ ' “ .... ' ' Einzelpreis K ßßranumerqtionspre^er Bie»: 8«, «Shol« Ht dß» Ä»WÄS »lener Pranmnerationspreis« Monatlich ^°Mart \4»i m polnisch« Wätzimtg Dentlchlanv: 1ÄI . Ro«asttE^^«chs 6ö , Monatlich «irr «4 fftttnihrirMT Monatlich . .. -Lei Schweiz u.d«S,übstg«? Moaattich.' . . g Dinin- 1*- kli»»e«ch „ »»>- HO v1U|f dWWvmi« Poftiparrassenkonto ISftfl) Nr. 873 Wien, Samstag den 2. Juli 1921 3. Jahrgang Die große Verlegenheit. —y. Witu, 2. Juli. Der Raiivnalrat hat der Regierung Schober ein »iermonattges Budgetprovisorium bewilligt und ihr damit sein Vertrauen ausgesprochen. Dieses Votum gilt eigentlich nur der Person des Ministerpräsidenten. Die Regierung Konnte noch nichts schaffen, , da sie mit her AustäunAng der ihr von dem Vorgänger föntet* laffenen Vorlage« vollauf beschäftigt ist. Der Finanzminister allein ist als Beffortvertreter zu Wort gekommen. Aber seine Rede ist eine Wiederholung all der ExpchSs, die er seit zwei Jahren HAI und in denen er das Publikum mit den Grundgedanken Wer FinanzpLäste vertraut zu machen gesucht hat. K" Was an Wer Donnerstag-Rede neu ist, sind lße Wem des Budgets, dieser vehemente Hagelschlag von Milliarden, an dessen Rauschen man sich teider Mon gewöhnt HE 91. Milliarden beträgt ttos Defizit,, der Austvcmd für Personalausgaben 37 Milliarden, 2p Milliarden müssen für Lebensmittelzuschüsse befählt werden, der Schuldenstand Oesterreichs beträgt PW Milliarden, der Barcknotenumlauf 47 Milliarden, 7B Milliarden das DeW der Staatsbetriebe, 6 Milliarden sind an dte LaMr zu leisten, i, . Trotz dieses traurigen Bildes war der Ftnanz- Wister guten Mutes und meinte, der Verlauf der MaWgen W« die Mfsaktion zeige, daß. die Großmm das NeW QssterrMs zu erkenne» begtemen. Mch d« KanDr^hat in einer.Ansprache an dte. MS* SttzM'MrnaWen opüMWe AMffungen «- Mgt,. MM M MEcMche^ MWWM«W«e.WgMM und 'gerchezu dmwftmatio dte VnMchtung. der. Mente heroyrgchaHtt, W in-Oesterreich M beweisen h yhe, daß der Wst ihr geschaffene Staat, mehr sei als eine diplomatische Konstruktion. Oesterreich in der Tat Me Verlegenheit für die Großmäc^e geworden, die in allen ihren schweren Differenzen Wer Weltftagen immer wieder ahf die Notlage des europäischen Zentmms aufmerksam 'gemacht werden muffen. Anzählige Konferenzen haben stattgesunden, diplomatische Sondermisstonen haben sich mit Oesterreich befaßt, Sachverständige des/ Völkerbundes haben dte Finanzen geprüft und gemeinsam mit der österreichischen Regierung einen Resormplan 'ausgearbeitet, zu dessen DurchfWung sich die' Prtrla* rnentsp arteten verpflichten mutzten. Aber stets zeigen sich in der Wen Sekunde Schwierigkeiten, die vorher nicht' ins KalkA gezogen waren. Gegenwärtig ist die Verschiebung der Konferenz von Portorose, die gestern hätte beginnen sollen, ein solcher böser Zwischenfall. Es seien, .heißt es, Anstimmigkesten zwischen Italien und England aüfgetaucht, deren Beseitigung einige Zeit «Horde. Es wird auch von einer Erweiterung des KllttfßrenzpriWamms gesprochen, indem auch politische Frage« in Ut Erörterung gezogen werden sollen. Es Ht mlWver. zu erkennen, daß es sich hier uck Schwierigkenett handelt, die von der kleinen Entente ausgehen, in detten Zentren, besonders in Prag, nicht ' viel / Enthusiasmus dafür besteht, dte Liquidierung der Krtegsprobleme unter dem Drucke der Westmächte fortzusetzen. Die.' Sukzessionsstaaten wollen ihre Zukunft allein beraten und sichern, da sie die Erfahrung gemacht haben, daß ihre Fachreserenten sich leichter einigen können als die große Enterfte, die. immer von Rücksichten aus ihre überseeischen Jnteresien beherrscht wird. Die Verschiebung der Konferenz von Pottorose wird also in Lyndon und Paris dazu benützt werden müssen, den mjtteleuropäifchen Staaten neue Zusicherungen zu machen; dadurch werden neue Verhandlungen nötig und die KredithiHe für Oesterreich, die in vielen wichtigen Punkten an die Besprechungen von Portorose geknüpft ist, erfährt wieder eine. Verzögerung. Immerhin lassen die Meldungen aus den Ententestaaten die Hoffnung zu, daß sich wenigstens in der Gewährung der Vorschüsse die Erkenntnis von der unhaltbaren Lage Oesterreichs zeigt. Im englffchen Unterhaus ist gestern mttgeteilt worden, daß England, Frankreich, Belgien und die Tschecho-Slowakei sich mit der Rüch 'ellüng. ihrer Pfandrechte für zwanzig Jahre einverstanden erklärt haben. Man nimmt gern zur Kenntnis, datz auch Japan, Siam, Griechenland und Polen nichts gegen die Suspendierung der Generalhypothek einzuwenden haben. Die wichtigste Ifrte Jjaltem, steht noch aus ppn Es UJarmti die Entente mit Oesterreich unzufrieden ist. FMteKungen des tschecho-slowakischen Außenministers.?' Prag» 1. Iulp (Dchecho-flow. Prchbur.) In der heutigen Sitzung des AutzenauWhÄfiW erstattete Miuister des Aeußern Dr. Benes ch BSricht «der die Verhandlungen in Paris «nd L o « d o n sowieM M a r i e n^ a d. Er kam auch auf Portorose zu sprechen und sagt«: Was die Dertagrchrg de*r Konferenz v?rr Porto rose betrifft, oerweife ich aH die letzte« EveigniffeIn Oesterreich, insbesondere auf die P le b iszitaktion, die grrM Unzufriedenheit bei dtzn Großmächten hervorgerufen habe, was einen beträchtlichen EinMff auf alle Aktionen ha^te, d^e Oesterreich betreffen. Man habe darin ein illoyales V e^rh a 11 en gesehen unUdaher sei im Westen die Lust gesunke n, etwas zu uuternehmen» Es fei dies zwar ni«H der direkte Grund der Vertagung, aber man muffe damit rechnsm Die LMeriLanifchtzu TrWßpe« werden - ans Dentschkand zurÜMgezoge«. ' Mris, 1'.- Juli. (Wolfs.) Dem „New York Herald" wich aus Washington gemeldet, daß hie amerikanischen Besa^ungstruppen am Rhein,'wie gutünterrichteho Per* fönlichkeiten erklären, binnen kurzeck aus Deutschland zurückgezogen würden. Präsident Harding habe erklärt,^ btes KMe Ich dehr - AuKnWch--KWch^n, r wo^ MMe- Fvie^srchqwiiönunterzerchE'^Ekur^. glckühL^^bÄff . ZnÄMÄÄfung '.'zum> amerikanischen NattechaWj.'Mv'M'-ä. irrsolg«r-.iverdv/ Der Kriegsz»sta«d Amertkas mit De«tichla«Ä »nd Oesterreich beendet. WafhWtziW, 30. Juni, (Reuter.) Das Reprasrntantrnhavs hat -en Bericht -er Konferenz beider Häüser über die Entschließung, betreffend die Beendigung des Kriegszustandes ntit D e u t sch l a n d u n d O e st e r r o i ch, angenommen. Pchrir, 1. JMi. Nach einer von der „Aberte^ wiedergegebene» .Meldung.der ^Central News" ans Washington habrn * iw Rrprüsentantenhaust bet der Abstimmung über den Beschlußantrag, womit die K r i e g s e rN a r u n g gegen Deutschland und O,e st e r r.e i ch .aufgehoben und die Wiederkehr friedlicher Beziehungen testgestrülwlr-, 363 Abgeordnete dafür und SS dagese« gestimmt. . ' x . Die griechische Miederlage. Ko'rvstÄntrrtiopel, 1'. Juli. (Hayas.) Es wird gemeldesk, das; die Türken bei Sahandja Stellungen bezogen häbvn und. ihren Vormarsch ohne jede Unterbrechung fortsetzen. Die' griechischen Truppen, denen die Verteidigung des Passes von Chywe unter dem Befehl eines Obersten anvertraut sei, seien von den'Türken umzingelt;- , Schürfe Worte gegen Frankreich. Berlin, 1. Juli. Der Reichstag.setzte heute die Besprechung.der Interpellation wegen der Sanktionen fort. . Zunächst ergriff Abgeordneter Dr. Bell (Zentrum) das, Wort. Er erklärte: Herr Briand selbst hat neuerdings, die NotweMgtete der.Sanktionen mit dem Schutze , des Kabinetts Wirth begründet. Der Schutz des Kabinetts Briand wurde verständlicher gewesen sein. Jedenfalls ist Herr Briand. auf dem beftcn Wege, das. zu erreichen, was er will: Nämlich den ist bekannt, daß diese Verzögerung einerseits auf die ÄufchlUßabslimmungen, andererseits aber auf die Anstrengungen der italienischen Kapitalisten zurückzuführen ist, sich die Ausbeutung der österreichischen Wasserkräfte zu ' sichern. Da nach einer Äußerung des Herrn Avenol, des sranzyfifchett Delegierten im Finanz- Komitee des Völkerbündes, Marchese della Torretta, der itülienische Gesandte' in Wien, die Züstimmungserklsirmg seiner Regierung nach Paris bringt, so ist die Vermutung, gestattet, daß in der letzten Zeit bezüglich der Wasserkräfte in den Alpenländem irgendeine Vereinbarung getroffen worden ist, die bisher der QeSmEchkstt »och entMM wird. Herr Avenol Schutz der deutschen demokratischen Regierung seW - zu untergraben. Herr Briand will seine Truppen gegen deutsche irreguläre Truppen geschützt sehen, die gar nicht da. sind. Alle diese unerhörten Maßnahmen tragen sticht dazu bei, für Frankreich Sympathien hervorzurufen. Kein Wuyder, daß sich die Stimmung Ä Deutschland England gegenüber jo gewandelt habe. Wir? stehen^- jetztach Wendetzmtkt. Soll die Drachens^at. . ^Mffe^uWHAWlWH^M'Ä1WEKchen-...DoL«ch'' hie L0'MiMnen Oefülteneü in'rhren'Gräberti föoohesrK Es^sst/hieHbe-tztss Minstt.e zur Umkehr. Frankreich sie benützest; Der Gedanke an die Bereinigten Staaten von Europa wird nicht von der Bildflüche verschwinden. Voraussetzung aber ist ün^ Gleichstellung mit alten ä-nbevln Völkern.. König Karls Rückkehr nach Ungarns Bern, 1. Jali. (Privat.) Der Korrespondent der Nazionäle" berichtet seinem Blatt eine Unterredung mit emye Persönllchkert aus der nächsten Umgebung des KafferS in Herthertz stem die ihm erklärtes daß dir Mckkehr König Karte «H. Ungarn nur mehr eine Frage der Zeit ist. Man wartet derzeit nur mehr die Aushebung des- Büvs-^^ das die Enteme auf den Druck ^der Jugoslawen und Tscheche«' hm der Rückkehr bisnun entgegensetzt. Italien, daS sich ach schärfsten gegen die Wiederkehr der Habsburger stellt, wird d« Wichtigkeit eines Zusammenwirkens mit Ungarn erkenne«, bfogT chm gegen die zwei großen Gefahren, den Pangermanismus yn^ den Panslawisnms (deffen Vormacht Jugoslawien > istz, alMst nützlich sei» kann. Die Rückkehr König Karls wird sich aus gang normalem Wege ohne jede theatralische Aufmachung vollzieWj wie auch die Osterreise des Monarchen kein Theatereffekt vM Wenn man einmal die Ereigniffe wird überblicken und beurteilen können, wird man erkennen, daß König Karl {$& damals in kein unüberlegtes Wenleuer gestürzt hat, tt« tzWö behauptet wird. Ei«e Bersichwör«ng in Lo«do» aufgedeKt., Ermordung von Ministern geplant. Paris, 1'. Juli. (Funkspruch.) Aus L v. n d v n wird «gemeldet/ daß eine große Barsch worung von der .' ausgedeckt wurde, die die Ermordung von me hre reu M iniste rn und hohen Staatsbeamten bezweckte. Es sind ausgedehnte Sicherh'eitsmaßvegeln! i ergriffen worden.. Sensationelle' .Enthüllung stehen bevor. . ' . . .; ' . bezeichnet auch die Versicherungen der österreichischett Regierung und der Parteien auf Einhaltung der ^inanzreformen als Beginn der Durchführung des Sanierungsplanes. Das will so viel heißen, als daß Oesterreich Hein Wort gehalten hat. - während die Entente sich noch immer Zeit läßt. Nun ist aber die. Hilfe der Entente der stärkste.Aktivposten in dev- Rechnung gewesen, die die österreichische Oeffentlichkeit bei der Auswahl des Herrn Dr. Schober zum Kanzlerausgestellt hat. Es ist nun Sache , der Entente, ihr Versprechen zu erfüllen und die Hoffnungen nicht z» enttäuschen, die sich im Parlament und Volk.au die Person Schober« knüpfen.