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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-30 · Heft 871 (30.6.1921) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 871 (30.6.1921)
Date
1921-06-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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> > * WÄL'sMIMiK^ tzie Arbelterbank i» Palästina. Me Zeit der Wumber ist für ims Zionisten vorüber. Mete sieht wohl jeder ein, daß Palästina zu. Erez ravl nur werden kann durch anstrengende, ja aufopferüberreiche Mrbeit derjenigen Juden, für der Zionismus eine SgM ihrer Seele, das. Zenihres Lebens ist. y,y &Der Zionismus kann nÄe durch e itzene jüdische, we, tagtägliche Arbeit der Zionisten verwirkwerden, unbekümmert mn politische Konjunkturen.! iüb geschriebene Rechte. > . Die jüdische Arbeiterschaft Erez Israels, die dieses Ariom schon längst zum Leitstern ihrer Arbeit gemacht hat, ist es, die im gegenwärtigen Moment die einzig; mögliche Antwort auf die Geschehnisse iitJ. Lande p£t: sie schafft die Ar beiter bank. ,, ,, gtt Welche Aufgaben hat diese- : . APiM ' ' 3y Sie soll das Finanzinstrument werden für alle Selbsthilfeinstitutione» der Arbeitenden im Lande.! Die Arbeitet des Lander haben sich bekanntlich' Heuer auf der Konferenz in Haifa zu einer gemeinsamen Organisation zusammengeschlossen. ,Listadruth hapoalim hak'lalith", deren Aufgabe es ist, für alle wirtsthaftlichen und kulturellen Bedürfnisse der Arbeitende zu sorgen. Diese Organisation verfügt nun Abier eine Reihe Vv» Institutionen, die dringend des Leihkapitals bedürfen, um sich entsprechend zum Wähle des ganzen. kMhub zu entwickeln. nur von der aktuellsten zu beginnen, der Kommission für die öffentlichen Arbeiten, die jetzt zirka 3000 Chaluzim und ältere Arbeiter beschäftigt. Sie benötigt Kapital für Anschaffung von Zellen, Werktagen, Betten usw. Aus Mangel an rechtzeitig zur Verfügung stehenden Kapitalien kann diese W'ada '^Kommission) die für das Leben und die Arbeiten so'bringenLen Gegenstände nicht rechtzeitig und billig Laufen; die Folgen davon sind Defizite der Arbeitev- Kruppen (Kwuzoth) und Krankheiten der Genossen. Die Organisation hat ihre Kupathcholim (Krankenkasse). Die fehlenden Kredite machen es der Arbeiterorganisation unmöglich, die Krankenpflege gehö ig auszul a en und zu verbilligen. Die Folge: Das wertvollste Menschen- Material für den Aufbau von Land und Volk nimmt tzrvßen Schaden.; Die landwrrtschastllchien Arbeitergruppen, jene ^orm der landwirtschaftlichen Arbeit, die, ohne Rücksicht auf ihre zukünftige Bedeutung für unsere Kolonisation, heute bereits das eminent historische Verdienst den untrüglichen Nachweis erbracht zu haben, daß die Juden als Selbstarbeiteude fähig sind, sich ibandwirtschaftlich zu betätigen, sie vornehmlich leiden sehr schwer unter dem Mangel von rechtzeitigen Krediten. Die für diese,Kwuzoth" bestimmte« Budgets kommen in der Regel zu spät, das Saatgut kann picht billig und rechtzeitig genug.angeschafft werden, sie müssen die Produkte in dem Moment Losschlagen, wo die Preise am niedrigsten sind, um die vorjährigen Schulde« zu bezahlen, die sie beim Anschaffen ihrer Lebensmittel gemacht hatte«. Hier eine der Haupt- Pta der „Defizite". Ferner die Arbeiterküchen, die verschiedenen Eidgenossenschaften in den Städten, alle leiden, EP fürchterlich unter dem Mangel an Betriebskapital. MDie Arbeiterbank ist berufe«, hier Wandel zu. ' Elfsen, diese Institutionen zu befruchten, ihnen die tige Elastizität und die Anpassung ihrer Leistungskeit an die bestehenden Bedürfnisse zu ermöglichen. Es,ist kein Wunder, daß de Ruppin, der, seitdem sich' im Lande befindet, wie nur wenige eingesehen. , wie bedeutungsvoll die Arbeit der Selbstarbeitenden Aufbau unseres Volkes ist, einer der Hauptitiatoren dieser Bank ist. Er war es auch, der die SB0.000 Pfund zustande gebracht hat, welche der Bank rls Kredit der Zionistischen Organisation zur Belegung gestellt werben sollen. Die von der palästinensischen Regierung bereits Mehmigte Bank ist eine Aktienbank. Eine Aktie Ästet 1 Pfund, 1 Schilling wird als Beitrag zu den Uründungskosten eingehvben. Jedermann kann so viele Lktien erwerben, als er nur will. Wer die Aktie nicht gleich' voll einzahlen kann, kann es in Raten tun — Sinnen einem Jahre muß sie eingezahlt sein; erste zahlung 20 Prozent plus 1 Schilling für die ründungskosten. Es gibt spezielle 100 Gründers stiem, die Exekutivkomitee der gemeinschaftlichen Arbeiters- Organisation reserviert bleiben, damit der Einfluß auf Bank der Arbeiterschaft gesichert bleibt. Die Be- Ptt dieser Aktien haben nämlich ebensoviele Stimmen alle übrigen Aktionäre zusammen. Die erste Emission der Aktien beträgt 30.000 Mund. Nach Verkauf dieser Zahl dürfen wieder neue jausgegeben werden. Die Bank darf ihre Tätigkeit bepllrnen, wenn dre Arbeiterschaft 5000 Aktien kaust potb mindestens 23 Prozent, das 1000 Pfund Sterling. einbringt. Ist das geschehen, so bringt die Zionistische Organisation ihrerseits 1000 Pfund Sterling ein als 20prozentige Anzahlung auf die von ihr einzubringenden 5000 Aktien. Die Aktien der Zionistischen Organisation bilden eine eigene Kategorie; rioritätsaktien. Das Vorrecht besteht darin, ß ihr eine sünfprozentige Dividende gesichert ist und Ä allen. zurückgezahtt werden müssen. Dafür haben diese Aktien bloß beratende und keine entscheü>enden Stimme«. Die Zionistische Organisation übergibt der Bank nach Eingang der ersten 1000 Pfund Sterling durch die Arbeiter, außer de» 1000 Pfund Sterling für Prioritätsaktien, 30.000 Pfund Sterling als Anleihe. In dem Maße aber, als die Arbeiterschaft neue Aktie« einbringt, muß die Zionistische Organisation auS ihre« 30.000 Pfund Sterling Prioritätsaktien schafft«. Solange die 30.000 Pfund Sterling Anleihe kapital bleiben, kann die Bankleitung darüber n ur> mit Zustimmung der Vertreter der Zionistischen Organisation verfügen; die fteie Verfügung geht auf die Bank erst über in dem Maße als dieses Kapital in Prioritätsaktien umgewandelt wurde. Mit anderen Worten: Es hängt von der Werbekraft der Arbeitenden und ihrer Freunde ab, das eigene Aktienkapital der Bank entsprechend groß z« machen und. bas Institut sich frei entwickeln zulassen. Die Arbeiterschaft wird die Möglichkeit haben, in der Verwaltung der Bank strenge Selbstzucht, Konzentrierung der Kräfte, Ordnung und Organisations-' fähigkeit zu entwickeln — Eigenschaften, deren unser Volk beim Aufbau dringend benötigt; bas jüdische Volk hat die Möglichkeit, den Pionieren des Aufbaues werktätige Hilfe zu leisten — auf ökonomische Weift. Dr. Chaim Tar.ta ko.w.er. PoWW^rMOM.. Ein Ring um Mitteleuropa. Take JoneseuS Pläne fitr die kleine Entente. . Der rumänische Minister des Aeußern Take Ion esc« erklärte dieser Tage einem Mitarbeiter; des Pariser „Dernps" über die Außenpolitik Rumäniens: Es sei lächerlich, in Rumänien von einer bokschewirischen Gefahr oder von einer Bedrohung Rumäniens durch die Bolschewiken von außenher zu sprechen. Die Außenpolitik Rumäniens hat sich in nichts geändert. Die Verhandlungen mit Litwinow berechtigen zur Hoffnung, daß das Verhältnis zwischen Rumänien und Rußland zu beiderseitiger Befriedigung geklärt werden wird. Jugoslawien und die Tscheche -Slowakei sind heute die starken Verbündeten Rumäniens und auch mit Polen gelang es uns, ein Abkommen zu schließen.. Die Wirkung dieser Bündnisse machte sich bereits fühlbar, als die Habsburger darangingen, den ungarischen Thron wieder zu besetzen. Zwischen der großen und der kleinen Entente gibt es keinen Unterschied und der Wert ihrer Mitglieder.darf nur mtt gleichem Maße gemessen werden. Nur an einer Stelle kann dieses große Bündnisnetz eine Lücke ergeben, durch' welche die besiegt«« Länder vielleicht durchschlüpfen könnten, wen« nämlich zwischen England und Frankreich eine Spaltung entstände. Dieser Ansicht habe ich schon wiederholt: Ausdruck gegeben, und auch jetzt betreibe ich mit allen Kräften die volle, lückenlose Verständigung zwischen den beiden Staaten. Ich sehe schon heute klar und deutlich', wie wir Schritt für Schritt zur Schaffung jenes starken Ringes schreiten, durch welchen wir Mitteleuropa bis zue Unbeweglichkeit umklammern können. Mitteleuropa ryuß bis zur Unbeweglichkeit erstarre«. Dann wird Deutschland vergebens Wirren Hervorrufen. Es wird umsonst auf der einen Seite seiner politischen Bühne Kommunismus und auf der anderen Seite Chauvinismus inszenieren. Wir werden es verstummen machen. Dazu ist es aber unerläßlich', daß die Friedensverträge unberührt bleiben, die Fehler, welche von Menschenhänden da und dort in den Verträgen etwa zurückgelassen wurden, können bei der Anwendung der Verträge von selbst beseitigt werden. Meine Maxime lautet: Der Friede; und die Ordnung können nur durch die Integrität der Verträge aufrechterhaltrn werden. Das polnische Kriegsministerium «nd die Mische« Militäradvokate«. Aus Warschau wird uns berichtet: In einer der letzten Sitzungen der juristischen Kommission des polnischen Parlaments interpellierte der sozialdemotratlsche Abgeordnete Dr. L i eb ermann den Kriegsminister über die jüngst erlassene Verordnung des Kriegsminisierivms, laut welcher in die L'ste der Militär- Verteidiger Advokaten, welche ihre Angehörigkeit zum jüdischen Volke deklarier«, nicht ausgenommen werden dürfen. Der Interpellant wies darauf bin, daß durch eine solch« Bestimmung der Rechte die polnischen Bürger iüdischrr Nationalität beschränkt werde», daß ferner » diese« Erlaß eine Herabsetzung der Zivilgeeichte Üegt, bei denen Bürger jüdischer Rationalität als Verteidiger tätig sein dürfe». So sei die Verordnst«- ungesetzlich, schade der Rechtsordnung des Staate- und schaffe nach außeuhm dm Einbruch daß die jüdischen Bürger Polens verfolgt «erd«. Ans diese Interpellation wurde nun in der letzten Sitzung der juridischen Kommission die Antwort des Kriegs- Ministeriums erteilt, in der das Kriegsmiuistermm sich auf deu Standpunkt stellt, es sei wegm der jeweilig zu erwartenden Kritik des Militärverteidigers an dm Militärbehörden besondere Sorgfalt bei der Zuiammmsiellnng der Mcktürverteidigerlisir notwendig. Daher werde das AriegZmiMsterium in die Liste nur so viel und solche Advokat« aafnrhmen. welche es brauch« kan». D» Vertreter des KriegSmmisteriumS, ein Major, gab zu, daß tatsächlich zu de» Gründen, welche für m/i&tßiunh tsaaMMii1 JTr r^xyr.nA die Zug e h 5 fl* leAjUju; iltif fttfi WjUMßsj gchöre. ,•••’■ Y Die Wt SrRBnm^W mmistmumS, welche der staatlich« Rechtsgleichheit durch Erkläruug von Ausnahme» für die Militärgerichtsbarkeit wkde« spricht «ud «um Teil bec pokmsch« Bürger geradezu famta mark« will, als völlig «ngeuügmd «ud beschloß auf Antrag des sozialdemokratisch« Abgeordneten Dr. Mareks d« Kriegs minister Sosnkowfki und den Gmeral Krzemmski, welche als W Urheber dieser Verordnung anzuschm sind, in die nächste Sitzug» " '-MWKM * * ***** Eine BWgmmg zwischen Harnisch «nd Masaryk? .. Aus P r a g^lvird gemeldet: Aus der Mckmft''dts*PmsK Mt« M a s a r h k aus Capri, welcher vorher »och dem Köyig von Jkckerr ein« offiziellen Besuch abstattm wird, wird es zu etaK Zusammenkunft mit dem österreichische» BundespräsidenftF Dr. H a i u i s ch komm«. Präsident Harnisch wird dem Präsident« Masaryk eatgegmfahr« und mit ihm a «fj österreichische« Bode« rat Ersenbahnroaggon zu? sammmtrrff«. Dieser Begegnung wird eine umso größere politische Bedeutung bergemeff«, als sie unmittelbar auf die Beratungen des Ministers Dr. Beneü mit d« magyarisch« Minister» folgt und als die kleine Entente ein« entscheidenden Einfluß «ms die Gestaltung Mitteleuropas gewormm hat. * Der Moskauer Kommunistenkongretz. Aus Moskau, 25. d. M., wird berichtet: In der dritten Sitzung der kommunistischen Internationale am 24. b. M. wurde die Debatte über Trotzkis Bericht durchgeführt. Klara Zetkin stellte kmr Antrag, die kommunistischen Parteien mögen die Ereignisse (den entscheidenden Kampf zwischen der Bourgeoisie und der, Arbeiterllasse) durch aktives Auftreten des re-, volut ionäre« Proletariats beschleunigen. Die Massen müssen so organisiert werden, daß sie in den, Kampf um die Erringung der politischen Macht geführt werden köünen. Der Vertreter der vereinigten deutschen' kommunistischen Partei, Kesse, sagte, der heutige; Bankrott der käpitalistifthen Staaten werde beimheutigen Stande der Dinge unausweichlich zur Revolution führen. Der Vertreter der deutschen Partes Schwab, suchte darzulegen, daß die Beschäftigungs-- losen unter den heutigen Bedingungen zum völligen Aussterben verurteilt seien. Der Vertreter derselben Partei Reichenbach suchte zu beweisen, w« die Unersättlichkeit der Bourgeoisie das Kapital zum Zusammenstoß mit dem Pwletariat zwinge. Rach der Debatte ergriff Trotzki das Work und führte im wesentlichen aus: Das Proletariat bedarf unbedingt zur Organtsatwr^ dos Krieges geg>s« Bourgeoisie einer genauen Uebersicht der Tatsachen mtdgenauer Ziffern. Nach dem Zkriege bekam die Bonr^ geoisie die Herrschaft in ihre Hände, dank den außerordentlichen Verhältnissen, durch Herausgabe von Papiergeld und durch Gewinnung von Anleihen. Jede ASarv^ welche auf den Markt geworfen wurde, zerstörte unbedingt die Wirtschaft des betreffenden kapitalistischen! Staates. Unsere Aufgabe ist es, den Schutz zu^ ftstigen,^ Unter welchem das gegenwärtige Wellproletariat steW um es dazu zu führen, daß es die Herrschaft aw sich reißt. Nach einem kurzen Aufschwung der Nachkriegszeit vergrößerte sich in der ganze« Welt die Not und die kommunistische Partei ist im Wachse« begrifft«. Für die Entwicklung der Revolution ist dev Mangel an Gleichgewicht und die Hartnäckigkeit der Bourgeoisie vou großer Bedeutung. Die Unbeständigkeit der Valuta, der Preise und de8! Verdienstes stört das Existenzgleichgswicht der Arbeiterklasft. In der deutschen BourgeoisierepuW fühlt Der Arbeiter, daß er jederzeit niederg^ schossen oder hingerichtet werden kann. ' ' Der Zusammenbruch der Bourgeoisiegeftllschaft ist offenkundig. Die Revolution wird zur Vernichtung der Bourgeoisie nach drei Richtungen führen, die sich, 1. durch das soziale Gleichgewicht in Euwpa, 3. durchs de«! fieberhaften Aufschwung Amerikas und 3. durch die in de« Kolonien zutage tretende. Richtung kennzeichnen^ Der Kongreß akzeptierte als Grundsatz die Thesen Trotzkis hinsichtlich der wirtschaftlichen Weltkrise und der Rufgabe des Proletariats. Die These« wurden einer Kommission überwiesen, welche sie mit sämtlichen während der Debatte vorgebrachte« Anträge« in Einllang bringen soft. Ueber Radeks Vorschlag wurde einstimmig der Antrag angenommen, die Kommission möge ein Manifest an das Proletariat aller Länder bezüglich der nahenden Klassenzwiste als Antwort auf den Angriff der Bourgeoisie auf die Arbeiterllasse ausarbeiten. DasUebereinkommen mitden eLglijchen Bergarbeiter«. London, 29. Juni. Lloyd George fetzte gestern im Unterhauft die Bedingungen des Uebereinkommens zwischen den Fechenbefitzem und« den Bergarbeitern, die zur Beendigung des Streiks führten, auseinander. Er erklärte, das Verlangen der Bergarbeiter nach dem Pool fei endgültig ausgegeben worden. Man habe sich auf den Standardlohn geeinigt. Nach Zahlung dieses Standardlohns «nd Deckung der Auslagen würden die Zechenbesitzer 17 Pfund Sterling für je 100 Pfund m . Jfctt.. NandachMuM amanM

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