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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-26 · Heft 867 (26.6.1921) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 867 (26.6.1921)
Date
1921-06-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ßette -i s.U5»en teonntuig - seien bie Beziehungen zwischen P d len und Engend schwierig, da Pole» dort viele Femd« habe- Eine «e«r Partei im polnische« Parlament. vaqch-m, 25. Juni. (SB. P. ©.) Die Truppe b«z chlbgeoldneten Dubanowicz konstituierte sich nach der Sezession aus der Nationalen Bolksveninigung zu schier eigenen Partei, die sich „Christliche Na trotte» lp arte i" nennt, und schloß ein Bündnis mit der christlichen Arbeiterpartei. Der Abgeordnete Seyda erklärte namens der Rechten, daß seine Partei in Opposition trete. Die Presse des Zentrums und der Linken getrachtet nach den letzten Borgängsn im , Landtag die Kabinettskrise als beendigt Pale« für die Rechte der «atioüalr« Minderheiten in Danzig. Pari-, 24. Juni. (Privat.) In der lkytm Sitzung des Bölkttbuubrates prvieüierte der Bntriter Polens gegen den Artikel dqr Danzig er Verfassung, weicher die Erlangung der Danssger Staatsbürgerschaft von der zehnjährigen Seßhaftigkeit abhängig macht, »ud forderte, ^daß die nationalen Rechte der Minderheiten m Danzig, welche durch die Verfassung garantiert werden, nntrr der Kontrolle des Völkerbundes stehen sollen.. Der Völkerbund möge alle Mittel anwmden, damit das Geietz über die nationalen Minderheiten ständig beachtet werde. ' Banffy über die Mariendader Konferenz. Budapest, 25. Juni. (Nng. Tel.»Kor.»Bur.) Der Minister OS Lmßerm Graf Banffy ist mit den Mitgliedern der «igcmschen Delrgarion beut« aus Marienbad ringelroffcn. Er äußerte über die Marimdader Begegnung wir folgt: Mttne Begegnung mit dem Minister der Amßrrn Dr. B e n e f ch war «, weiterer Schritt auf jener Bvbn, die meine Vorgang» in der ErteuvtniL der Notwendigkeit, der Ausgestaltung der nachdarlichm wüt'chafckicken Beziehungen le'U«r?eit betteten haben. Die gelegentlich der Konferenz in Bruck aufgeworfenen Kragen ssnd durch «lstren Gedankenaustausch ergänzt wo, de«. Die Begegnung in Marienbad bedeutet daher «atUrgkmäß nicht den Abschluß dieies Gedankenaustausches, sondern sie »st sm»e weitere Station jener lovstrrckrvm Täiiglut, deren Zweck tzj« Sicherung des mitteleuropäisch r» Friedens Unter Berit cksichugnng der berechtigt» Interest» sämtlicher Staat» bildet. ■ ' t .< Kovaes ist besorgt. Budapest, SS. Jmir. (Ung. Tel'Kor.'Bnr.) Am Schlüsse -er h»tig» Sitzung der Nationalversammlung richtete Ab. geordneter Kovars eine Jntttpellatiott <Ht die Negiekuttg, Worin er ans gewisse republikanische Agllatt-neN hinwieS. Er erklärte. M.nistapMdmt Graf «Me, habe die BekSmvfung aller destruktiven Tendenzen vet- Krochen. Jetzt wäre der -etigüete Moment HM Gr frage daher de» Minifiit des JnntiN, ob a geneigt sei. gegen jtzie republikanische Partei (?) eine llnteriuchmig «inzuleitm und bi^e nötigenfalls aufzulSf». Hierauf wird d»e Sitzung geschlossen. Die Manikür des Otthon-Kln-s. Budapest, 25. Juni. (Ung. Trl.«Korr^Bur.) Im Prozeß pttm die Mörder des Gras» Tisza «klärte die Man»k » r Das Volk fingt rt \ Die vortreffftche Frau So kolskaja hat an einigen Abenden in ihrem Programm manches echte 'jüdische Volkslied gebracht und diese Leisen gingen -den Zuhörern sehr nahe. Auch Isaak Deutsch, den wir für einen ganz ausgezeichneten Interpreten des vstjirdischen Volksliedes halten, hat schon sein westliches Publikum, das mit Vergnügen und Rührung lauscht. Es ist Zeit, einiges über diese Volkslieder und ihre Welt zu sagen — soweit ein Liebhaber (der kein Fachmann ist) dazu berufen erscheint und so- >weit es der enge Rahmen einer Tageszeitung gestattet. ' Zunächst sei auf die überraschende Fülle ostjüdischer i-i.eder hingewiesen. Der jüdische Schriftsteller 7s >r-Ami berichtet von einer handschriftlichen D , uiuluttg, die nur in Galizien, der Bukowina und T'. i Rumäniens zustande kam und nicht weniger als Tünuntern umfaßt. Im Jahre 1903 ernenn;w'i russisch-jüdische Asttoren, Marek und i n v y h r.] in einem russischijüoischen Blatte die' Aussa . .2 u: bie Leser mögen die in ihren Gegenden üblicher o.t aufzeichnen und einsenden. Flugs waren?370 £i;.:e: : -! ummen, die sie als „Jüdische Volkslieder aus in'.lüland"' Herausgaben. Es sind religiöse und naliuu i e nieder, Kinder- und Schullieder, Liebeslieder, Lch'. ruj;i Männern und Frauen, ja sogar eine erklecklich.' Z hl indischer Soldatenlieder ist darunter. Auch in, Weckt ücge wurden solche Soldatenlieder geboren. Ein IUUIÜ 2rschönes hat die Zeitschrift „Der Ju^ 1: 1 i;t S llner" (Söldner,Soldat), der sterbend am Schiuchlfela liegt, bittet einen Raben, ihm nur die Augen zu lassen, Hände und Füße aber will er ihm geben, ivenu er verspreche, nach der Mahlzeit zu seiner ..luter zu fliegen und ihr zu versichern, daß .Her gesund tzi. ,. M ÜmgL wohl anders« '_SUnener vitoraenzeitrurg des Jonrnalistcuslnds Otthon, Paula R a tz, fit habe am Tage' des Mordes von dnn Journalisten Julius Morgenstern gehört, Kni soll seine Taschenuhr angesehen vud erklärt Hab», Llszä bade nur mehr 1V2 Stunden. JulniS Morgenstern bestreitet, an diese« Tage im Klub gewesen zu sein und diele Amßerung getan z» Hadem . Bei der Konfrontierung verharren beide Zeugen bei ihr» Aussagen. Nach längerer Diskussion beschließt der Gerichtshof, Heid» Zeugen zum Eid zuchlassen. Der Ba«kbeamte«streik in der Tfchecho- Slowakei. Prag, 2ö. Juni. Wie die Blätter melden, hat sich der Streik der tschechischen Bankbeamten auf die ganze Republik ausgedehnt. Arzfchlutz der Venlschen Bankbeamten. Prag» 25. Juni. (Tel-Komp ) Dir BeäMn der bensschen Banks» hüben ihre Direktoren de» stäikdigk, .daß sie während des Streiks der tschechischen Bavkbeamien a«S SMatitäl kestie Transaktionen für tschechische Bankm dMMHte« ivetden. Dü die DtretttoMN diese Mitteilung nicht zur Kenntnis Nähmen, so rrchn'S matt einerseits mck d« Aussperrung, änderet'üis Mens des Verband rs der d»tschen Bankbeamim Mit dein Die verschwundenen amerikanischen Schiffe. Washington, 2k. JnUi. (Fünk'pruch.) Düs veröffentlicht einen Bericht, - in dem der Meinung AuSdmck gegeben wird, daß die zahlreichen Schiffe die im Iänuer und Februar l.J. 'erkvärtS der ackantiichen Küste verscholl» find, dm damaligen Stürme u, die eine Geschwindigkeit von 75 dir 90 Meilen in der Stunde «reicht habe», zum Opfer gefallen sind. Guerillakrieg in Irland. Lvstdost, 25. Juni. (Reuter.) Ein Militärzug mit irtö Husaren, die von Belfast zUrückkehrteu» ist auf eine Mine gnaten, die explodierte. Der Hintere Teck des Zuges rollte die Böschung hinab, 3 Soldat» der Wachmannschaft wurden gelotet, 20 verletzt. Bott den Pferd» wurden 30 güötrt und i verletzt. Das Attentat auf General Gonrand. Paris, 26. Juni. (Privat.) Wie bereits gemeldet, wurde <xuf dem französischen Obsrkommissüt für Syrien, General G 0 u r a u ü, Donnerstag ein.Attentat verübt. Dev General befand sich auf einer Reise nach dem See Liberias, als angebliche Räuber in Gendarm enkleidung aus das Äüto d«S Generals mehreke Schüsse ab gaben. Die Schüsse durchb>ohrten nur de« leeren Äermel des Generals, der im Kriege dsn linken Arm verloren Hai. Der neben ihm sitzende Gouverneur von Damaskus wurde leicht im Gesicht verletzt. Auch auf «in zweites Auto, in dem sich ein französischer Geneval und der Generalsekretär des Oberkommissärs befanden, wurden mehrere Schüsse abgegeben, hie fehlgingen. Man ist det Ansicht, daß bas Attentat von transjordanis ch e n Arabern begangen worden fei. (In Transjordanien, welches Emir Abdullah» der Bruuer Faisuls/ beherrscht, ist eine starke Bewegung die Franzosen seit längerer Zelt bemerkbar.) 26, gtmf I92f M. 867 . Tagesbericht. Dt« Hilfsaktion für di« «kraiaifche» Pogromwaisen. Ptu Gespräch mit Auitta Müller. Anläßlich der jüngsten Wiener Tagung des Zentralrütrs der Karlsbader jüdisch.'n Wekthilsskonstrenz, wurde in Wien bas Z entralbureaü für Kind er für sorge gegründet Und Frau Mittag Müller Mt der Leitung betraut. Wir nahmen Gelegenheit, über den- Stand der PoWMiväisenaMon und' über das System der zukünftigen Arbeit' mit Frau Antita Müller zu sprechest, bie soeben mit dem ersten 'TrattSpört dost 50 PdgroMwaisen in Wien^ eingetroffen ist. Diese Kinder werben von ber aus Kanada vor eintM Monaten eittgtz.-rafftnen Missiock' ihren kanadischen Megeeltern zugeführw und wir werbest auf dieses kanadische Kürforgew^rk, auf die Arbeit, welche an Ort und Stelle, anläßlich der Sammlung dieser unglücklichen Kinder im Rownoer Distrikt, geleistet wurde, sowie.auf das Schicksal dieser Doppelwaisen, die -sich gegenwärtig vorübergehend in Wien aufhalttzn, nöch nähet znrückbommen. Frau Anitta. Müller führte ungefähr äuS: „Äch bin noch ganz erfüllt von den Eindrücken, die ich aus dem jüdischen Osten — ich kam bis nach Rowno — mitgebracht habe. Ich habe zugelernt und ich Müßte umlersten. Die F-rtnahme von Kindern aus dtzn ukrainischen Grenzgebieten (nur diese sind jetzt zugänglich) ist vielschwieriger, als vovauszusehen war. DaS Adoptionswerk ganz besonders. Wer die. Schwierigkeiten, die wir erst jetzt ermessen können, sind solcherart, daß sie die Fürsorger mit Genugtuung erfüllen und zu doppelter Anspannung ihrer Kräfte ansporneu. Ich meine das wunderbare verantwortungs-. gtfühl, welches die ukrainischen Juden an den Tag legen, der zähe Widerstand, den sie allen Bestrebungen, Pogromwaisen aus ihren Städtchen und Dörfern fortzunehmen. insosange entgegensetzen, als sie nicht volle Garantien dafür haben, daß die Kinder in die besten Händ>? kommen, daß ihnen wahrhaftige Familienliebe enkgegengebracht wird und daß sie dem Judentum nicht entfremdet werden. Ist allen Orten näml'ch, wo Pogrvmwaisew zurückgeblieben sindhaben sich Lvkalkommissiünen unter der dortigen Judenschaft gebildet, die sich dieser Kinder aNnehmeNr Es ist rühvend und erhebend zugleich, ast Ovt Und 'Stelle zu sehen, wie diese Lokalverbände jüdischer Menschen-, die selbst schwer zu kämpfest hüben, um diese Kinder besorgt sind. Sie ersetzen wahrhaftig liebe uüd kluge Eltern Und sie sind berufene Sachwalter der Pogwmwaisen. Ihnen ist zunächst Rechenschaft zu legen, wenn matt Kinder fortführen will. Preisen wir das Schicksal, daß diese Männer und Frauen-' strengste Rechenschaft fordern. Es ist daher sehr richtig gelbe,'en» daß anläßlich der Wiener Tagung b«s Zentral» rates festgelegt wurde, nichts zu unternahmen, vhr«, die Zustimmung der Judenfchast im Lande selbst erlangt und ihre gewichtige Stimme gehört zu haben. Sie wünschen insbesondere, daß die Kinder, wenn man sie schon in überseeische Länder bringt, dort, was die Adoptionen nicht durchaus verläßlich sind, womöglich m8wn Büfniklgrt w»pJen, da»« MM KdstBm., ftftgug., Regen- - mantel- «owt« 8aid»w»toffe nur in dar Stadl-Restenmau«, I., Weih. burqgasse 10/12 und l,f Adler»qasse 5t am billigsten und heilen kauft dieses jüdische Kriegslied, als. die üblichen Sowatettlieder. Die Welt dieser Lieder: sie ist eng ustd schmutzig, hat einen schmalen Horizont, keine Blumen und Bäume, keinen Wendhimmel, keine Hirtenflöte, kein Erntefest und keinen Wirtshauslärm. Wer wenn sich am Freitagabend die Armeleuthäuser förmlich zusammenscharen und die Sabbatlichter schimmern, erlöst sich die Not des Lllltags in Liedern, sie ziehen aus den Fenstern hinaus, kehren doppelt beschwingt zurück, ein Becher Weines läßt sie in buntester Gestaltung sich wandeln und bald - ist der Abend ganz erfüllt von den wunderschönen, eigenartigen Smires-G es äugen. Und auch sonst! Man tritt in jenes dunkle Haus,- das üusfieht, als hätte es eine zoruige Riesenfaust niedergehämmert. Die versammelte Gemeinde drängt sich nach vorne. Ddrt beginnt ein Häuflein unter einem Gebekmantel zu beben, Plbt sich Uich windet sich hinauf, aus dem Häuflein erklingt «ine Melodie wie aus Märchenfernen. Da reckt sich plötzlich eine Hattd mit . ausdrucksvolle« fünf Fingern aus dem Häuflein, reißt die Melodie in die Höhe, schwingt sie hin und her «ttb breitet eine wundersame Kadenz über die Gemeinde. Dann schließt sich dis Hand, als wollte sie die zitternden, seidenfeinen Facettetöne festhaltendie im Pianissimo ersterben. Das sind bie zahlreichen, rühmlichen Troubadours des Ghetto, die Chasvnims, um die die Städtchen werben, daß sie sie auf Flügeln des Gesäuges vom „Kol-Nidre" bis zum „Niln" tragen, oder durch die Geschichte des Ahüsvevos und der Königin Esther oder durch einen Sabbüt. Und auch sonst! Die jüdischen Sklaven des Ostens lassen sich nicht unterrricgen. Da gibt's fröhliche Bruderschaften, die mit Geige, Brummbaß und Flöte von Ort zu Ort ziehen. Wen» sie fort sind, haben die Lhederhnben längst die neue Weise erlernt und sie klingt so lange in. der Gass', bis sie ihr Eigentum wird. Und auch sonst! Die Menschen sind so eng beisammen von Großvaters Zetten her, man kennt einander gleichsam seit vielen Menschenalbern unh alles Seelische ward Gemeingut. Humor eines frischen Burschen, Witz und Lied eines Grandseigneurs der Schnvrrkuüst teilt sich allen mit, die Heiligkeit eines! irommen Kabbalisten färbt aUfs ganze Städtchen ab, In dieser Welt ist unser östliches Vvlkstied geboren- und es ist natürlich anders als die Volkslieder anderer Völker. Kein „Twmpeter tät den Schnurrbart streichen und sich hin zur Seite schleichen zu der Marketenderin"; keine Kriegskanreraden marschieren „tat gleichen Schritt und Trit^; es gibt keine Landsknechtweis', Sein Lied! des Handwerksburschen auf der Walz'; es gibt auch! Seine Wienerwaldstimmung Und es weht kein Mailüfterl. Die Wanderlieder derjenigen, di« Väterchen Rußland zwar peinigte, aber nicht hinausließ, die sich in banger Nacht ans dem Ansiedlungsrayon hinausschmuggeln mußten, um nach jämmerlicher Wandernot im Londoner oder Rew-Porker Ghetto die Segnungen! eines neuen Ansiedlungsrayons zu genießen, vv rden wohl anders klingen als >>ver Mai ist gekommen", , Die merkwürdigsten dieser Volkslieder find die wortlosen chassidischen Weisen, in einer ekstatischen Anoachtsstunde entstanden. Sie haben sich allmählich henk ganzen Volke mitgeteilt. Häufig nur stückweise, als wäre ein kostbares Brokatgewand zerteilt worden, damit jeher ein Stückchen als Amulet empfange. Diese Lieder, die keinen unterlegten Text haben und doch plötzlich Gememgut geworden sind, hat der Bolksmund mit geh^Misvollen Sagen umwoben. Die bekannteste ist jem^Mlche sich an die berühmte Melodie des „Wilna er B a l e b e ss e l" (Hausväterchen von Wilna") knüpft,, au §*i* „WahawieM. l'scholMm". In Wilna'

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