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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-23 · Heft 864 (23.6.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 864 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelpreis K Lk.WTP Einzelpreis K LL.LL IßriinumtrttiImwveifet dt«»: s^ua subaicu m m Mglianu», L T«b»v- Iwfte I htS % Otr tw eiacr S»s«ktMe«e «rakiv : W-iuttlich. «»«ven 10».— 0ä'9tfhetiaß> f&t Wien tot» . Oesterreich: PS-Mlich. Kronen 10»»- - ' rfchech-^loweckei: M«rr»Lltch . Krone» W*~ «1«MjSbrttch „ St~ ^tsPeHo.stswMcherWährm»K Nag««: M-nttlich «. Sbcouen 70.- Vt-eteliahrllch „ S10.- in «rgerische: WSHnmg IrMsiannen: pe»«nt!ich ., Dinnr l*1«*— iötchrteltthrlich * 86.— Nr. 864 :-' 1 teuer Wien» Donnerstag den 23. Anni 1921 Prän u nt c eatiönspreifei . - Wkfi' ' i <i , Mart! m r. ukickTr Wührirrz -Z ' 'Lerr^chtru^: ' - - uch .! .' Mark l».4-‘ .ftrinivtiti: 1 •< S-iü.'.d.;Ji* . H-vüned 6.-^! " ' -Aüüe«:>' ■' 1 .. .wgtee 6.-4 j Smsttiai«: k /],-, Wvzt&f-sr. -. J .Z?ei ’ftjp««4-?&««$:, j. drs Sinne* AE<rr«7>??>E-.krch. -. > Tx«t»sS S.-^ :r,>-^kt1onn.Äd«intOraMi>st i' Ä»'! Ln«2.DH.,Laborstr.l—N - r>rlehSvr»e: «408^ ' «Ahr abend« Ns. 1«UvL, OElstarragentont« t8o.SM ' ZahrgM WfffifffiWT OB Der eingesperrte Staat.!—y. Wien» 23. Juni. Der Bundeskanzler Dr. Schaber hat gestern vor vem Nationalrat das Programm seiner ^Regierung verlesen. Er will die Kreditaktion seines Vorgängers sortführen. die Freundschaft zu den Nachbatstaaten rznd zu Deutschland pflegen und sich ganz der Ordnung hörinneren Perwallung widmen. Er zählte die Aufgjglben der einzelnen Ressorts auf. deren Fülle eine scharfe Kritik an der Regierungstätigkeit des christlichsozialen Kabinetts darstellt. Die Regierung bestehe aus Beamten» die sich nach guter österreichischer Tradition inMwieriger Zeit dem Staat zur Verfügung gestellt haöeru Die Opposition werde deshalb ein strenger, aber gerechter Richter fein müssen. Dieses Programm wendet. sich scheinbar an die Parteien. Uebsr sie hinweg aber appelliert er an die Bevölkerung des Staates und an die europäische Oeffentlichkeit, ohne deren Wohlwollen der Ausbau Oesterrerchs unmöglich wird. Dieses Wohlwollen hat sich iN' den drei vergangenen Jahren in Werken der Menschlichkeit und des Mitfühlens dokumentiert. Wer die Folgen sind doch sehr schwere gewesen. Ein Teil 7 der städtischen Bevölkerung hat sich daran gewÄjnt« die Hilfe nicht Ln sich selbst» in der eigenen VerantwortungsfteudigKeit zu suchen, der bäuerliche Teil des Volkes hat den seelischen Zusammenhang mit der. StM überhaupt verloren. Die Senkung des mürMscherr Niveaus, die der Krieg und die Gervohyung an seine Hemmungslosigkeit in die Feit des anüeHchrn Friedens geschiÄt hat. erfuhr durch'diese MKewung eine Befestigung' und dadurch hat das Äüslarchvielfach vergessen/ daß das österreichische Problem s nur politisch zu lösen ist/ und daß die Not Oesterreichs als ein Teil des 'großen eurppäischen Krisengebletes nur im Zufümmenhantz dieses Staates rnst seinen Nachbarn bekämpft werden könnte. Oesterreich ist das Zentrum Europas. Die Entente hat bislang,nicht erkennen lassen, daß sie den großen politifdiejt:Wert der Ruhe in diesem Mittelpunkt m* Mtzen weiß. Ihre Zauderpolitik hat auch in. dem österreichischen Volk das von außen Hereingetragene Mißtzauen verstärkt und die ziemlich allgemeine. Meinung geschaffen, daß Oesterreich, ohne Kredit, und ohne Arbeit, nur inder -Anlehnung an das deutsche Reich: Hilfe finden könnte. Daraus ergeben sich Stimmungen, die auf fede Regierung dieses Landes ihren Einfluß üben müssen. Die Entente muß in ihrem eigenen Interesse,., das den Aufbau Europas fordert, die'Regierung. Schober dadurch unterstützen, daß sie ihr bei der Ordnung des Haushaltes, hilft. ... Die Parteien, deren Unvermögen zur Bildung e'ryxr parlamentarischen Regierung sich jetzt jo klar ge- < zeigt hat, können Oesterreich nicht aus dem Gifttal dex. Not herausführen. Sie bestehen aus den Männern vdn 1914 und die Stimmung der: Vorkriegszeit, das. unbekümmerte Anbandeln mit aller Welt, deffen siebenjährigen Gedenktag. wir,. binnen 1 kurzem begehen können, lebt noch, in ihnen. Sie sind noch immer in dem Traum hon der Großmacht befangen und haben mich nicht zur Kenntnis genommen, daß das Vaterland Lu einem Torso zusammengeschrumpft ist, daß diese Parteien bestehen, daß das Volk sie Mit seinem VMauen ausgestattet, ihnen Gesetzgebung und Der-; fassung übergeben hat, ist mit die Schuld der Alliierten, t bic' den Staat geschaffen und ihn dann der Pein überlassen haben Das Volk hat in dieser Lage Trost in der,Vergangenheit gejucht und jene Personen, gewählt,, die. ihm am lautesten den Zorn über die neue Zeit,/über Republik und Revolution in die Ohren geschrien haben. Dir Volkssouveränität ist in einem Meer von Phrasen' ertrunken, aus deren Geklingel das Volk stets,nur bas heraushört, was ihm am sympatischesten klingt, Haß gegen die gewesenen Feinde. Rache an noch schwächeren Peoölkerungskreisen. Es ist ja kein Zufdl, Kaß alle Feinde des Staates zugleich Feindeder Entente, Feinde des Friedens, Feinde einer sozialen Gerechtigkeit sind und die Parole des 'Klaffen- Kampfes. die heute noch weniger Sinn hat' als je. begierig verfolgen. Das Treiben dieser Parteien, die . Die Kreditaktion für Oesterreich. Die BankvorschSffe bereitgestellt.—Jtattß« stellt das Ge«erLlpfa«drecht z«rüch. Paris, 2Z Juni. 5>e* „Setups“ be?pti«f die bevorsteheade Tag-iug der BolfchaM^ Konferenz, die die Antworte» der aMierfen Regierungen in der Frage der Aufhebung ihrer: Hypothekaransprüche gegenüber Oesterreich entgegennehme« werde, «nd erklärt, es besteh^ Grund zur Annahme, daß diese Antworten günstig sein werden. Italien, das gezögert hatte» verzichte gleichfalls während einer Anzahl von Zähren'"..öaf^14 Ausübung der Hypothekarrechte, die ihm der Vertrag von St.-Gsrmaiu einräKchr^ Das Blatt bestätigt ferner die, Nachricht, daß die größten Banken Schm ehe n s/ Norwegens, Däuemarks uud Hollands sich^ bereit erklärt haben, ^OefterreLchbeträchtliche V o r s ch ü s f e in den Form internationaler Kredite, gemäß dem System! Ter Meulens, zu gewähren und Sesterreich fo die Möglichkeit zu bieten, die Schaffung der! von der Finanzkommiffio»-es..BÜlkerbündes geplauteu Emiffiousbauk ahMwEüÄ enLwickeln und in dem Elend der breiten Schichten. ftme rMrwurM Ichlagen Lomüe. H auch KylleLlivschritt der Entente in Athen. Athen, 22. Juni. (Havas.) - Die Gesandten von Frankreich, Italien und Großbritannien haben bei der griechischen Regierung einen Kolle'ktiv schritt-unter-' nommen und die Vermittlung der D'rbündeten in denr griechisch-türkischen Konflikt angeboten.. Minister des Aeüßern B a lta z z i antwortete, der Ministerrät werde die Vorschläge prüfen. , :; Die Orke«tfPäZe.; 33: Anr:k'lMMr,^'''Wst^r7 NGd»lfK«pz' der Premierminister erk.ärte der austratis.M DremieMinister Hug hes, die Dominions verlangen AuMgrung über „pie gegenwärtigen Nichtlrnien der britischenWoliL.ik.inKn.ßland und im Orient.. D.er; Pvemietminister - von.: Südafrika, S mu ts, erklärte« daß - trotz/.' der/ 'in. -Mitteleuropa noch immer andauernder .Wirren die Vorgängeim äußersten, Osten und am Stillen Ozean zu . den eigentlichen Welt- Problemen werden dürften. Die Wirren in Irlarid. London, 22. Juni. iFunk'pruch) In der Nähe von Tippeiary wniden d,ei englisch; Ossiziere auf dem Wege zum Tennisplatz von Sinnfeinern übcrialleU, verschleppt und er-- schossen. Der Brigadegeneral H am btt t. der cm: dem Rückwege vom Tennisplatz m Moydow von SinnÄnern beschossen wurde,'ist seinen Wunden erlegen. Brr Rembrrdge wurden, die Teilnehmer an dem Lrrchrnbegängnis eines ermordeten Poltzisten überfallen, wobei einer den Tod fand. London. 22. Juni. (Trl.-Komp.) In der Graf chaft Cork würde das Bernardsckloß durch ^ruersbrunst vovüändig zerstört. Lord Banvon, der 70jährige Besitzer des Schlosses wurde von den'Smnfeinern gefangen genommen nrd bröher nicht frei gelassen. In der Nacht zum Dienstag wurde von maskierten undbewaffneten Männern das Dorf Knockoroghery nahe Roscommon in Brand gesteckt, durch den von den 50 Häusern des Oytes,, 17^gan^ich zerstört wurden. ' " ' London, 21. Juni. (Reuter.) Jm.Unterhanse kündigte d/r Kriegsminrster die Entsendung neuer T r ü p'p e n nach Irland an. Das K r i r g s r e ch t werde aus einige neue Gebiete ausgedehnt werden. Kahr hat niemals den Chauvinismus gebilligt. / - Münchs«, 22. . Juni., (Nüdheutsches .Korr.-Bnr.) In Bemitw-rlung. der Interpellation der. Unabhangigrit und der MehrheitSsozialisten gab 'Mitlisterp.räsidxnt' Dr.. v. K a h r zu einem großen Teil auf die Ententepolitik zurückzuführen, die sich mit ernsten, an den Arbeitssinn der Bevölkerung sich wendenden Maßnahmen Zeit laßt. Wenn die Entente Oesterreich heben will, so mutz sie nur seine Grenzen öffnen und dadurch die Sukzessionsstaaten zu dem gleichen Vorgehen ver-: anlaffen/Die künstliche Erschwerung des Handels hat nicht nur in Oesterreich,'sondern auch in der Tschecho- Slowakei' eine sriedhofsähnttche Geschäftsstille erzeugt, die die Industrie. in ihren Grundlagen bedroht und ein Neuaufleben der Arbeitslosigkeit im Gefolge -haben mutz. Die Nachfolgestaaten leiden miteinander durch die Zerreißung der wirtschaftlichen Gemeinsamkeit und! jede Betrachtung ihrer inneren Uebel kehrt zu dem gleichen Punkt Mück, zu der Klage über ihre namens der Regierung dem A b sch e u. über oeri ,WoLü«; anfchlag auf den Abgeordnete» Gareis Ausdruck./Cr: tonte, vor.der endgültigen Äufklärung deS Mordes habtz kein Recht,, ihn als' politischen 'HMustMen'. ^'Me 'ReMt^rng griffen, worden/ Die tiefste Ursache' des _ Mißverständnisses, zwischen. Nörd'. nnd.' Süd/. zwischen,/deiM/, MVtlS! Kjtv* firtiivi.lfc»»' VtFrt-fieftP ‘''tV •" JÜtlV» *itl Wissen'besonderen einflüßreichen.Teilen des'Landsss,..'WaS'.'M: prakiW:.dar'l».. äusdrstcke, daß/ die bcch'rische' mehrnach rechts' gerichtet seiti . müsse 'als' im Reiche./ MptUl -: man die Athmosphare' verbessern, so müsse man diese'/ZÄü!^'"/ sätz'lichcn Dinge aussprechen. . /-'. - Nach per . Rede dtzs' Ministerpräsidente-n trat in die.Befpvrchnng der Interpellation ein.'\ •' . Abgeordneter. Ackermann (Sozialdemokrat) erklnM^/-' seine Partei sei von de« Ä«ssüh«irchen-dvK MküsterpMsdÄ, in keiner Weise best:iedigt.! . . «. - . Abgeordneter B l u m e n t r i t t . (Unabh ängiger). ) 3, die. Stimmung der. Arbeiterschaft sei so« daß/, tpr.»«- atts« ..rf.p — —r-—irif . -^7 '^'1 f3 noch ein Arbeiterführer beseitigt würde/.4 drei .'aus der anderen S eite daran müßt en. v . "'. , . Der Kommunist Aend er l, bezeichnet den Mord alssichtbares Zeichen geheimer. reaktionärerOrgarrisation^n»-dLeI ■■ der» .Systemdes Meuchelmordes huldigen. r! ' Hieraus ergriff Staatssekretär Dr. Schwarz-däs Auch er verurteilte, das fluchwürdige Verbrechen.an Garen s Die Regierung v e rn r. t ie i l e aus voller Ueberzeugung. die -i anitisemdt ifche Hetze und:den Kampf gegen dieReichs-ch regicrung.. Sie werde -mit allen zn.Gebote stehenden Wittrlu'i.i gegen, solche . Auswüchse einschreiten. . /.. r ...: .. . / -l' MK?' Rußland und die Wilnuer Frage. / Warschau.. 21. Juni. (Privat.) -Litauischen Meldung«^ zufolge hat T s ch i t s ch e r i n. der polnischen Regiemug, irr- .der Witnaer Frage eine Note überreicht« in welcher erklär!', tvird, daßSowjetrutzland n icht n e-n t r a l b I e i b e.n werd t/ sollte Po len gegen Litauen an streben. Den Meldungen Zu? folge, heißt es in der Note unter anderem: .^ZedeS Attentat ans die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Litauens, wirb^dik^' Sowjetregierung als Verletzung des polnisch-ryffiMpU FriedenZvertrages..ansehenf* Isolierung durch Grenzen, Zölle und Paßvorschnsteur Oesterreich wird am stärksten, davon betroffen, obre) ' weil es eben das natürliche Zentrum dieser Staatdu! bildet, strählen alle seine Schwierigkeit in dieses amd Herr Schober muß hier die Probe auf staatsmannischenl Blick oblegen, indem er: als Mitglied des Bölkerp bundes die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit reichs fordert und die Almvfenpolitik als demütiges bekämpft. Wenn er es erreicht, daß die Entente de» . Kaufmann, dem Arbeüer und dem Induftriellen wieder zu ihren Beziehungen, zu den alten Freunden jmfeits der neuen Grenzen verhilft, dann kann tr; die in ihre müßigen Streitereien versunkene» Partch») links liegen laßen rmd dem Urteil der Wähler lasten.

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