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Wiener Morgenzeitung · 1921-06-20 · Heft 861 (20.6.1921) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
3 (1921)
Issue
Heft 861 (20.6.1921)
Date
1921-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Juni. (Wolff.) Reichskanzlei' Doktor1 Wirth sprach heute in einer Versammlung des Deutschen GewerLschaftsbundes über das Ultimatum und erklärte unter anderem: Wir wollen das Ultimatum erfüllen. Ein schweres Wort! Seit Jahren ist es das Zeichen des unglücklichen Europa. Vor sieben Jahren standen wir auch am Beginn einer neuen Aera, die das Ende des Glückes für Millionen von Menschen bedeutete: das unglückliche Ultimatum an Serbien. Was hat es gebracht, jenes mächtige Wort? Tod und Verderben in der ganzen Welt!-. Nicht nur über uns, nicht nur über blühende Landstriche Frankreichs, Rußlands und anderer Länder. Jenes Ultimatum war' der Beginn der Zerrüttung -der ganzen Weltwirtschaft. Schauen Sie um sich' im Osten - und Westen! Was > hat der Krieg herbeigeführt? Millionen Gräber stehen auf den Schlachtfeldern, Jammer und Glend jeder Art. Und jetzt, am Ende der Epoche dieser sieben Jahre, sieht wiederum ein Ultimatum, das Ultimatum von London. , Der Reichskanzler setzte sodank die Gründe auseinander, die für das Ja sprachen, und wies darauf hin, welche Not über das gesamte Ruhrlgebietz b e i;wl tf n tre und W e st sta^E hätte? Lvntnrm/müffeir, wenn das- Ä-l t i m a t u m tf bgelehnt worden'wäre. Die .Arbeiter hätten) unter dem Zwange der feindlichen Bajonette arbeiten wüsten, während Deutschland; jetzt das Ultimatum,: wenn es sich anstrenge, in Freiheit zw erfüllen: suchen werde. Der deutschen Freiheit wegen mußte vas Jä gesprochen werden. Die geistige- -und' soziale Freiheit wurde dadurch allen Volksgenossen gerettet. Der Reichskanzler betonte gerade als. Süddeutscher, daß das Ruhrrevier das^ wirtschaftliche Herz des deutschen Vaterlandes setz und fuhr fort: Wir in: Süddeutschland denken bei aller Wahrung unserer Eigenart nie und nimmer daran, uns von den norddeutschen Brüdern zu -trennen. (Beifall.) Niemals wird' ein Süddeutscher die Hand dazu bieten, das große Erbgut einer großen Vergangenheit, die Einheit unseres Vaterlandes, aufs Spiel zu setzen. ' ' Wir haben düs UItim a tum a ng eno mmen, um diese Einheit zu retteIr. Auch für diese Frage hat die Annahme des Ultimatums große und gewaltige Bedeutung. Glaubt beiiri: i jemcmb, daß, wenn die Franzosen das Ruhrgebiet besetzt hätten, die Polen gleichzeitig in Oberschlesien sich nur mit dem Raub begnügt hätten, den sie jetzt zur Stunde noch in den Händen haben? Oberschlesien und die Annahme des Ultimatums haben engertzn Zusammenhang insofern, als durch die Annahme des Ultimatum - der Weg frei wurde zur nachdrücklichen Betonung unseres Rechtes, das auf den Bestimmungen-bes Friedens- Vertrages beruht. Will man in Europa eine neue friedliche Entwicklung, will! man ernstlich in: Deutschland eine friedliche Demokratie und eine -demokratische Republik sehen, so muß die' ganze Welt in Oberschlesien ein ehrliches^ aufrichtiges Spiel mit dem deutschen Volke spielen. Wir verlangen Oberschlesien als Ausdruck des demokratischen Millens derartigen -'BeMRMUHüvBtMWSMM^gUKJah'chündett müßte aus Oberschlesien hervorlodem, wenn das Rechner dortigen Deutschen tätlich verletzt würde. Es würde für die alliierten Mächte ein verhängnisvolles Zeichen fein, wenn sie den Gedanken des Rechtes und des Friedensvertrages nicht rasch und bald endgültig zum Siege verhelfen würden. Je mehr die Diktatur Korfantys sich auslebt, je schwächer die alliierien Regierungen sich gebärden, umso fester werden wir den Ruf erheben, daß das d ent f ch e Volk ein Recht darauf hat, sofern es an der Erfüllung des Ultimatums arbeitet, e h r lich «nb'a n st an d ig behandeit zu werden. . Trotzki schwer erkrankt. - Parisi 20. Juni. (Funkspruch.) Naich Moskauer Meldungen sei Trotzki schwer erkrankt. Man 'spreche von B r « st K r e b s. Sein Zustand soll sehr ernst sein. Die Versuche zur Lösung der Orientsragen. Gme Demarche der Entente in Athen und Angora. — Erklärungen d es Bekir Samt Bey. Paris, 19. Juni. (HavaS.) Die Besprechungen BriandS mit C u rz o n zeitigten eine e r n st l i che Annäherung der Anschauungen der e n g l i s ch e n und der f r a n zösischen Regierung. Nach -den gegenseitig, gemachten Aufschlüssen befindet sich die griechische Armee in einem besseren Zustande als früher, wiewohl gewisse. griechische, insbesondere venizelistifche Kreise - die, Durchführung: einer Offensive derzeit noch für v e r f r ü h t halten. Die Anschauungen der leitenden Kreise in Angora über die den Verbündeten gegenüber zu beobachtende Haltung sind geteilt. Während ein Teil für einen. Widerstand bis zum Aeußersten ist, tritt der andere , Teil für sine V e r st ä » d i g u n g ein. Es herrscht, die Überzeugung vor, daß es unmöglich : sei, >eine Entscheidung durch die Waffen herbeizuführen. Der gegenwärtige Zeitpunkt scheint für eine. Per-», mittlnng der Großmächte günstig .zu sein,, um eine Verschlimmerung der Lage, infolge einer neuerlichen Offensive Griechenlands zu vermeiden. Auf fxanzösischer Seite neigt man zur Rückkehr zu dem, in L o n d o n gemachten Vorschlag? auf E n ts onch u n g. einer internationalen Kommission behufs Regelung der Zuteilung Smyrna8-undThraziens. Die Erfolglosigkeit der griechischen Offensive zeitigte Verhandlungen zwischen London-und Paris, die zu den heutigen Besprechungen führten. Die geplante Vernc ittlun cjva 11iun mitrb c .bcn iüitgftc.u ..Erfolgen der Türken Rechn.ung tragen. Man hofft, daß Angora uud Athen auf die Stimme der Vernunft hören werden. Der) italienische Botschafter Bonin Longare hat abends an den Besprechungen teilgenommen und wird die Ansichten Frankreichs und Englands seiner Regierung milteilen. Briand und Curzon werden sicherlich auch die o b e r s ch l e s i j ch e F r a g e in den Kreis ihrer Erörterungen ziehen^ Paris, 19. Juni. Die Agence Havas meldet aus Rom: In einer Unterredung mit dem - hiesigenx Ber-. treter des »Matinerklärte B e k i r S a m i B e y,. seine Reise verfolge den Zweck, der französischen Regierung volle. Aufklärung über die wahren Absichten A n g o ras zu geben, und er hoffe zuversichtlich,. mit, Frankreich zu > einem Einvernehmen zu gelangen. Wenn auch die^ Regierung von A n g o r a das in London Unterzeichnete' französischt Ü r k i s ch e A b k o mm e n n i ch t genehmigt habe, so habe sie .es a u ch n'icht abg elehnt und werde dies auch nicht tun. Er erklärte weiters, die Anhänger Kemal Paschas denken keineswegs daran, die Franzosen in Zilizien, Syrien und Mesopotamien zu beunruhigen. Athen, .19. Juni.. (HavaS.) Der. Minister des A e n ffe r n ist nachts an Bord eines Torpedobootzerstörers abgereist,.. da.. er dringend.. zum . M i n i st e r-' p r S s.i d e n t e n berufen, wurde. Die 'Arsüche der plötzlichen .Berufung dürfte die Absicht / sein, hie politischen ‘ E v e n t u a l i t 8 t e n zu besprechen», die in der klein- ' lisiatischnt. Frage', austsinchen. könnte».., . .Lvndpn» IS. Juni. (Priv.-Tel.) »Daily Expreß^ berichtet, daß Lloyd George nach Paris reisen werde, um die Orientfrage sowie die oberschlesische Frage mit den kompetenten? französischen Persönlichkeiten. zu besprechen. Lloyd George wird auf seiner Reise von Sachverständigen für beide Fragen begleitet sein. Die Wahlen Ur Kärnten. Erfolge der Sozialdemokraten. ,f Klagenfnrt, 20. Juni. Nach dem vorlansigen Er^bnis.' , wurden im politischen B e z i r k e P i l l ach für/den-National«: rat mstzesamt' 27.224 Mtige Stimmen. abgeaeden- Dypön eptfielen: ' auf bie; Sozialdemokraten. 15.035, Bauernbund./374S? .Großdeutschen, 8614, Slowenen 2132, Christlichsozialen.2635' ynd' auf die KomMMiKen 59 Sknnmen. ' '■ In der Stadt Villach wurden abgegeben: für die. So demokraten 5677, Großdeütsche» 2561-, C!nistli^söziajeü'."1Ä,'a Bauernbund 724, Kommunisten 36, ' Kärntner Mowmen k 14 Strmmeu. ' Im. politischen Bezirk St. V eit würden/.str'/dm! Nationülrat 80,959 gnlkjge Stimmen abaegeben. Davon, rntfisten!. an! die Sonatdemdkraten 9452, Baüeürbund 5660, die Christlichsozialen 3231, die Gr^ßreütschen 2ön5 St'mmen. Für den Landtags wurden im politischen.Bezirk Sk. Veit insgesamt '29-3ßÖ .gülttge?; Sicmmen abgegeben. Davon emfielen ans die SoZialdemokratenI 9458, auf die-Kärntner-Wablgemeinschast 56!4, auf dieChrMch-) - sozialen 3245, aufdie Großdentschen2<)28, auf die Kommun^st«^ 80'- Stimmen. - In der Stadt St^ Beit' wurden für bm LandtM ' abgegeben: Für die SozialdemoKäteir 1768, die Großdrntscheü 712,!1 .die Christlichsozralen 495, Bauernbund 54, Kommnüisten -' fcchH j Stimmen. ■ ' Im politischen Bezirk W o l f s b e! r ß wirrdkn bei? den! Nationälratswahlen fürdie Sofialdemokraten -4578, die'Christlich-s l sozialen 6250, Bauernbund 2423, .bk Grötzdeutschen 1584 iöibabifc^ Kommunisten. 11' Stimmen abgegeben: . Bü'- den entfielen ans die ChrisilichsoziälE'82L8:' 'die' S^äldemÄiÄeN^'^ 45Ä^.. tdie-KärMer ^-WchlßeMinschÄt^438^-die-Gr<^-MM^ 1563 und dieKommnMen 12 Stimmen^ - -- . : -: - : > W'olssberg-Stadt: Sozialdemökräten 1266.- C6rWchsotziül^-i 510, '■ Großdeutsche 891, ' Bauernbund 62, ' KömM«uisiÄi<9 6 Stimmen. - i Spital a. d. Dran (Nationälrät)Sozia!demolrccktp-6^3.f?'l Christlichsoziale 5512, Bauernbund 5272, Großdeütsche'- Kommumsten 46 Stimmen.! ' - '/''. Gesamtzahl der gültigen Stimmen 19.P98. '.yl'Kn ' Bölkermarkt Stadt (vorläufiges Ergebnis) : Soi'aldrMo«! traten 442/ Großd'rutsche 336, Kärntner Bauernbund 198/ Slo-:.: weyen 93, Clnlstlichsoziale 3l> Kommunisten 8 Stimmen: i St. Andrü: Clniststchsoziale' K71, Großde»t>che-ll9,"'! Sozialdemokraten 71, Bauernbund 41 Stimmen. . '■i'i ' St. Leonhard: Sozialdemokraten.220, Christlichsoziale l^,t! Großdeütsche 126, Bauernbund 60, Kommunisten 1 Stimme/, i Vor der Regier«»gsbNd«ng. Bis heute abends wird.die neue Regieruug/ge-.'' bildet fein. Die Christlichsnziälen bemühen sich, den ' Stand :, vor , her Krise wieder . herzüstellen,. das heißt,. emel' Regierung zustande zu bringen, die sich auf Christlichsoziale,! ' Großdeutsche und Deutsche. Bauernparteiler stützt. Etsts! wenn dieser Plan infolge des Widerstandes der Groß^ deutschen scheitern sollte, wie dies vielfach anMöMmen«' wird, dann wird die christlichsoziale Führung die Bildung! eines Minderheitskabinetts als den derzeit einzigen.Ausweg durchführen. - " So viel darf als s i ch er' gelten, daß der bisherige^ Bundeskanzler Dr. Mayr das Portefeuille - des Aus-! wärtigen beibehallen wird/ und daß die Minister H' e i kl/ R e s ch und V a u'g o i n dem neuen Kabinett angehöreui werden. Sollte der Finanzminister Dr. G r i m m aus-^ - scheiden wollen, so Würde Abgeordneter Dr. Gürtler als Finanzminister in das neue Kabinett emtreten. v: Als Bundeskanzler werden verschiedene Namen-ge-: nannt, darunter in erster Reihe die der Abgeordneten Dt.- Kienböck und Dr. R a m e k. Danzig protestiert gegen polnische / . Munitionstransporte. >/ Berlin,! 9. Juni. (Tel.) Die ^Danziger Zeitung*^ meldet, daß p o l n i s ch e. s. K r i e g s m a t e r i a l, uyd zwLr7. 20 X o « n e tr ^n a m i t «nb 18 X o tt-tt e n © dj. i c-M baumwolle, im D anziger.Freihafen gelöschtwo.yde»! seien. Da der Krieg zwischen Polen und 8owj r u ß l a n d beendet ist, erscheint es zumindest unklar, welche Zwecke Polm diese große Menge SchießsioW; braucht. Die Ladungen s«d, wie es heißt, nach Dom^ b^x o w a beordert worden, das in Polen hart an oberschlesischen Grenze liegt. Es liegt die Vermut naijev daß dieser Transport Korfanty .gK.. Danziger Senat beschloß eine diplomatische Aktlpn...'rm! Angelegenheit dieses MmfftiovStranLports einznleiten.^j'./

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